Titel: Ausfuhr der Manufakturen und Produkte Großbritanniens vom Jahre 1814 bis 1828 inclusive nach officiellem und declarirtem Werth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XXIV./Miszelle 3 (S. 70–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033024_3

Ausfuhr der Manufakturen und Produkte Großbritanniens vom Jahre 1814 bis 1828 inclusive nach officiellem und declarirtem Werth.

Jahr. Officieller Werth.
Pfd. Sterl.
Wirklicher Werth.
Pfd. Sterl.
Unterschied beider.
Pfd. Sterl.
Ueberschuß des wirklichen
Werthes über den officiellen
1814 36,092167 47,851153 11,759286
1815 44,053455 53,217445 9,163990
1816 56,714555 42,942951 6,228398
|71|
1817

36,697610

42,955256

6,257646
1818 41,558585 43,626253 2,067668
1819 44,564044 48,903760 4,139716
1820 35,634415 37,339506 1,705091
vom J. 1814 bis 1820
41,521,795 Pfd. Sterl.
1821 40,240277 38,619897 1,620380
1822 40,831744 36,659631 4,172113
1823 44,236533 36,968954 7,269659
1824 43,804372 35,458048 8,346324
1825 48,735551 38,396300 10,339251
1826 40,965735 31,536723 9,429012
1827 52,212880 37,182857 15,036423
1828 52,797455 36,814176 15,983279
vom J. 1820 bis 1828
80,532,795 Pfd. Sterl.
Pfd. Sterl.
Wirklicher Werth über dem officiellen von 1814 bis 20: 41,521795
desgl. – unter – desgl. – 1826 – 29: 83,243769
–––––––––––––
Total-Betrag der Entwerthung 124,69807643)
Durchschnitt der jährlichen Ausfuhr von 1814 bis 20 – 45,262,375
desgl. desgl. desgl. 1821 – 28 – 36,462,09
–––––––––––––
Jährliche Abnahme während der lezten 8 Jahre ohne Colonial-Producte. 8,800,356
Durchschnitt der jährlichen Ausfuhr an Colonial- und fremden
Producten vom Jahre 1814 bis 20 – 14,517,378
Durchschnitt der jährlichen Ausfuhr an Colonial- und fremden
Producten vom Jahre 1821 – 28 – 9,992,638
––––––––––
Abnahme in den lezten 8 Jahren 4,524,690
Die Abnahme der Ausfuhr an inländischen Producten und
Colonial-Artikeln und fremden Producten war in den lezten 8 Jahren

13,325,046

Die Entwerthung 28 Millionen von 48 Millionen, oder ungefähr 60 p. C.

„Man sagt nun: der officielle Werth hat von 36 Millionen auf 52 zugenommen. Allein der wirkliche Werth hat von 47 auf 36 Millionen abgenommen. Man kann sagen, die traurige Lage unserer Fabriken entstand durch Ueberfüllung des Marktes: wenn man dieß auch zugibt, kann dieß allein so viele Tausend Stühle still stehen, so viele Tausend Arbeiter verhungern lassen? In den lezten 12 Jahren haben wir 120 Millionen Pfd. Sterl. Ausfuhr eingebüßt; auch die Colonial-Artikel stokten, so wie die fremde Fracht in den lezten 8 Jahren. Die wahre Ursache von dem ganzen Unheil ist diese, daß die Minister im Parliament das Volk mit einer Menge falscher Hoffnungen getauscht haben, während in der Wirklichkeit auch nicht ein einziger Handels-Zweig dem Fabrikanten ersprießlich war.“ Ihm ist es so klar, wie zwei Mal zwei vier, daß das Land, wenn es so fort geht, nicht länger mehr bestehen kann. (Hört! Hört!) „Die Abgaben bleiben dieselben; aber Häuser und Gründe, Capitalien, Waaren und Erzeugnisse fallen so sehr im Werthe, daß wir jezt in der That doppelte Abgaben zahlen, während der Preis der Waaren derselbe bleibt, oder vielmehr sinkt, und jener der Lebensmittel steigt. Die Vorsicht mag es zum Guten leiten, während man zwischen Furcht und einer Hoffnung schwanken muß, die höchst wahrscheinlich nie in Erfüllung ergehen wird.“ Es thut ihm leid, wenn er etwas sagen mußte, wodurch das Elend im Lande nur vermehrt zu werden scheint; aber gerade dieß scheint ihm das einzige Mittel dieses Elend zu vermindern. „Das Haus soll sich nur auch geneigt zeigen, die Ursachen dieses Elendes gründlich zu untersuchen, und Mittel gegen dasselbe schaffen.“

Während dieser gute alte Mann sprach, war das Haus so ungezogen, daß |72| der Präsident es öfters zur Ordnung rufen, und die ehrenwerthen Mitglieder einladen mußte, auf ihre Bänke zu gehen. So unmännlich benahm sich, das Parliament vom J. 1829 bei einer der wichtigsten Verhandlungen, während Tausende im Volke wegen seiner Thorheiten verhungern.

Oberst Davies, ein alter würdiger Krieger, nahm nach dem Alderman Waithman das Wort, und sagte seinen Herren Collegen, daß er sich an ihrer Stelle über die Unaufmerksamkeit schäme, mit welcher sie einen so wichtigen Gegenstand behandelten. Er fragte sie, „wie es möglich wäre, mit offenen Augen umher zu gehen, und das Elend nicht zu sehen, und mit (langen) Ohren den lauten Jammer nicht zu hören? Im ganzen Lande sey der Credit dahin; der Mann, dem man ehevor Tausende auf sein Wort lieh, ist jezt kaum mehr im Stande so viel zu finden, als er selbst braucht. Capitalisten unterhalten jezt ihre Fabriken, die ihnen keine Zinsen mehr bringen, nur bloß deßwegen noch, damit ihre Arbeiter, die ihnen ehevor dienten, nicht in's Arbeitshaus müssen; damit sie selbst nicht noch mehr Armen-Taxe für sie zahlen müssen. Wenn der Capitalist nun in einer solchen Lage sich befindet; wie muß die Lage des armen Arbeiters seyn, der von demselben abhängt? „Er sieht rings um sich her nichts wie Elend, und in der Ferne vor sich die Verzweiflung.“ Der Lord-Kanzler sprach von Allem, nur nicht von den hohen ungeheueren Abgaben. Diese sind es, die das Ausland in den Stand sezen, ihre Waaren auf unseren Markt zu bringen; diese haben die Baumwollen-Manufakturen in Frankreich und Deutschland errichtet und blühend gemacht; diese haben den Eisenhandel der Deutschen so hoch empor gebracht, daß sie uns nicht nur auf neutralem Boden, sondern selbst auf unserem eigenen aus dem Markte schlagen. Am Ende des lezten Krieges waren wir die Herren auf allen Markten Europens; seit dieser Zeit aber sind unsere Abgaben so hoch gestiegen, daß wir unsere Waaren nur unter so hohen Preisen liefern können, daß das Ausland dadurch gezwungen wurde der Rivale Englands zu werden. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Höhe, auf welcher wir in der Staatenreihe Europens stehen, eine erkünstelte ist; daß die Natur uns zu einem Staate der zweiten oder dritten Größe geschaffen hat; daß weder unser Klima noch unser Boden uns eine Ausdehnung gestattet, durch welche wir Staaten des ersten Ranges gleich kommen können. Die Größe, zu welcher wir emporgestiegen sind, haben wir durch Gewerbe und Handel erhalten; wenn wir diese nicht kräftig und gehörig unterstüzen, werben wir bald das Schiksal der alten Holländer und aller anderen früheren Handlungs-Völker theilen, deren Größe lediglich auf dem Handel beruhte. Nach der Art, wie wir jezt unsere Geschäfte führen oder vielmehr umwerfen, sollte man glauben wir seyen blind geworden gegen alles, was in Europa in den lezten 14 Jahren geschah. Viele Völker haben eine bessere, eine freiere Verfassung erhalten, als die unsrige nicht ist, und selbst in den nicht constitutionellen Staaten ist ein Volksgeist, der Gewerbe und folglich auch Handel belebt.“ (Er berechnet nun die Abgaben anderer Länder im Vergleiche zu jenen Englands, und findet, daß, während in Frankreich 15 fl. 36 kr., in Amerika 6 fl. auf den Kopf kommen, der Engländer 4 Pfd. Sterl. (48 fl.) für den seinigen bezahlen muß.) „Dieß ist hart genug, „sagt er“; es wird aber, wenn es so fort geht, noch immer schlechter werden; denn die Abgaben nahmen in den lezten Jahren im geometrischen Verhältnisse zu.“

Hr. Attwood, auch ein erfahrner Staatswirth, bemerkte „daß, wie Alderman Waithman schon früher zeigte, es ein sehr irriger Schluß ist, wenn der Lord-Kanzler glaubt, die höhere Ausfuhr im J. 1828 zeige von einem höheren Wohlstande, von einer höheren Blüthe der Fabriken. In diesen Fehler fallen so viele gnädige Herren, selbst in einer Zeit, wo unsere Schiffs-Eigenthümer so laut klagen, daß sie zu Grunde gehen müssen. Wie ist ein solcher Fehlschluß möglich? Ich will versuchen zu zeigen, wie er möglich wird, und zwar aus der neueren Geschichte eines Erwerbszweiges, an welchem mehrere Mitglieder des Hauses Theil nehmen; aus der Geschichte unserer Eisenwerke. Sie sollen mich Lügen strafen, wenn ich zu viel behaupte, indem ich sage, daß kein Erwerbszweig verderblicher für diejenigen ist, die denselben betreiben, als Eisenwerke gegenwärtig in England sind. Nie trug das auf dieselben gewendete Capital weniger, nie war der Verdienst dabei geringer; wenn die gegenwärtige Lage unserer Eisenwerke nicht verbessert wird, so erzeugt England in fünf Jähren keine Stange Eisens mehr. Und |73| doch wird gegenwärtig eine ungeheuere Menge Eisens erzeugt und ausgeführt: nach den Ausfuhr-Listen unseres erzeugten Eisens sollte man glauben, die Eisenwerke müßten in einem höchst blühenden Zustande sich befinden. Nun ist es aber Thatsache, daß sie alle auf dem Punkte stehen zu Grunde zu gehen. Die äußerst niedrigen Eisenpreise zwingen die Besizer der Eisenwerke so viel als nur immer möglich zu erzeugen, um nur, wie man zu sagen pflegt, noch schnaufen zu können. Sie vermehren aber eben dadurch ihr Erzeugniß, und entwerthen dasselbe noch mehr. Sie treiben Raubbau, nur um Erz genug zu erhalten, und sie werden, selbst wenn es in der Folge besser gehen sollte, nicht mehr Erz genug haben: schon jezt ist hier und da der Vorrath gänzlich aufgearbeitet. Eben so müssen auch unsere Schiffer, wenn sie nicht so wohlfeil laden wollen, wie Russen und Preußen, gänzlich zu Grunde gehen; sie gehen aber auch zu Grunde, wenn sie so wohlfeil laden, wie diese, weil ihre Schiffe etc. ihnen sechs Mal theuerer zu stehen kommen. Den deutlichsten Beweis, wie wenig es erlaubt ist, von vermehrter Ausfuhr auf erhöhten Wohlstand der Fabriken zu schließen, hat Irland geliefert. Kann es ein unglüklicheres Jahr für irgend ein Land geben, als das Jahr 1822 es für Irland gewesen ist? Und doch war die Ausfuhr aus Irland in diesem Jahre des Unglükes größer als in keinem anderen, so lang noch diese Insel im Meere stand; sie übertraf die Ausfuhr der beiden folgenden Jahre zusammengenommen. Die Ausfuhr war am größten in Irland, als die Bewohner dieser Insel von Hunger, Elend und Seuchen beinahe aufgerieben wurden. Und so ist es jezt in England: ungeheuere Ausfuhr an Fabrikaten, und unsere Fabrikarbeiter plündern jeden Brotwagen und verhungern noch dabei. Wir überschwemmen andere Länder, wo wir können und dürfen, mit unseren Waaren, weil die Noth bei Hause ist. Eine Regierung, die nach verständigen Grundsäzen handelt, würde die Ursachen auszumitteln suchen, die solches Unheil über das Volk brachten, das seiner Leitung anvertraut ist. Unsere Regierung aber kümmert sich um solche Dinge nicht; sie ist in Apathie versunken, und nimmt eben so wenig Kenntniß von der gegenwärtigen Lage Englands, als sie ehevor im J. 1822 durch die Lage Irlands gerührt ward. Die gegenwärtige Lage unseres Landes ist höchst unnatürlich und außerordentlich. Wenn alle Elemente des National-Wohlstandes aus den Angeln gehoben sind; wenn die Arbeit keinen Lohn, das Capital keine Zinsen mehr findet, so ist es, denke ich, Zeit, daß das Haus einem so hochwichtigen Gegenstande mehr Aufmerksamkeit schenkt.“

Warum geben unsere deutschen Zeitungen uns nicht diese Stellen aus den Parliaments-Verhandlungen? Warum lassen sie immer nur Hrn. Huskisson sprechen, und, wenn seine Meinung in einem bezahlten Hause durchgeht, diese für die allein selig machende gelten? Wollen sie Hrn. Huskisson's Meinung dem festen Lande mit aller Gewalt aufbinden? Wenn auch gewisse Länder des Festlandes verdammt vom Schiksale zu seyn scheinen, nie zu einer Industrie zu gelangen; wenn sie nie lernen wollten, wie die Industrie in England zu jener Größe emporstieg, die sie erreichte; so werden sie vielleicht doch lernen wollen, wie Englands Industrie zu Grabe ging; und, da heute zu Tage der Krebsgang Sitte ist, wenigstens auf diese Art vielleicht anfangen wollen die Industrie zu fördern. Wir haben dem Hukisson'schen Systeme bei seinem ersten Erscheinen, vor Jahren, in unseren Blättern die Nativität gestellt. Unsere Vorhersagungen sind mit dem Blute vieler guten Menschen, mit dem Verluste von Millionen an Capital, bei den lezten Auftritten in den Fabrikstädten Englands beurkundet worden. Wie entschuldigte sich der Elende, der sie veranlaßte, im Parliamente hierüber? So etwas ist nichts Neues!“ sprach er. Wenn ein Sultan so spräche, würde man, mit Recht, ihn verabscheuen; wenn aber ein Theo-Philanthrop über Füsilladen, die er hervorrief, sich so aussprechen kann im Rathsaale eines freien Volkes; wenn er durch seine Helfers-Helfer (im Chronicle, Galignan. 4423) um Truppen! Truppen!“ zur Ausführung des freien Handels-Systemes schreien läßt, und jede Fabriks-Stadt zur beständigen Garnisons-Stadt für Militär machen will (every manufacturing town should be constantly garrisoned by soldiers): dann darf man nicht hinter solchen liberalen Ansichten zurük bleiben; dann muß man, mit dem Examiner, (Galign. a. a. O.) vor Allem empfehlen, „in jeder Straße einer Fabrik-Stadt eine mit Kartätschen geladene Kanone mit brennender Lunte aufzustellen, die Fabrik-Gebäude selbst aber zu unterminiren, damit alle Fabrik-Arbeiter, |74| wenn sie um Brot schreien, das ihnen der Ausländer stiehlt, in einem Augenblike in die Luft fliegen können.“

|71|

So ist's im Original; es scheint aber fehlerhaft.

A. d. U.

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