Titel: Ueber Holzschnitte
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LI./Miszelle 14 (S. 156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033051_14

Ueber Holzschnitte

theilt Hr. A. J. Mason am Ende April's eine äußerst interessante Vorlesung mit. Er zeigte, durch Exemplare und Drukformen aus der an Incunabeln so reichen Spencer'schen Bibliothek, daß die Kunst des Holzschnittes im Anfange der Erfindung der Buchdrukerei, wo eigentlich in Holz stereotypirt wurde, und der ganze Saz einer Seite in Holz geschnitten wurde, auf der höchsten Stufe der Vollkommenheit stand; daß, als man später anfing, mit beweglichen Lettern zu druken, diese Kunst so sehr in Verfall gerieth, daß man sie beinahe ein ganzes Jahrhundert lang als verfallen und verloren betrachten konnte77). Bewik war der Erste, der sie (in England) wieder vom Tode erwekte, und so roh auch seine Arbeiten ausfielen, erhielt er doch von der Society of Arts Preise und Belohnung. Thurston, Branston, Hervey u.a., auch Hr. Mason selbst, stellten diese Kunst im Verlaufe von 50 Jahren nicht bloß wieder her, sondern übertrafen selbst die alten Meister. Ehevor schnitt man die Formen (Mödel) (meistens Buchs-Baumholz) nach der Länge der Fasern; gegenwärtig schneidet man sie aber stets gegen die Faser, wodurch die Arbeit feiner und zarter wird. Hierdurch entsteht aber der Nachtheil, daß die Drukformen kleiner ausfallen, selten größer werden, als ein Octav-Blatt, und daß, wenn die Zeichnung groß wird, man mehrere Formen an einander schrauben muß: ein Verfahren, das nicht bloß schwierig, sondern auch gefährlich ist. Hervey's Zeichnung des Dentatus fordert nicht weniger als sechszehn Drukformen. Unsere heutigen Holzschneider haben, wie Hr. Mason vorwies, auch ganz andere Werkzeuge, als die Alten: Hr. Mason fertigte während der Vorlesung in wenigen Minuten ein paar sehr nette Bildchen. Er bemerkte, daß die Chinesen in dieser Kunst außerordentliche Fortschritte machten, und daß, obschon es in China mehr denn noch ein Mal so theuer ist, als in England, man sehr schöne Holzschnitte zu Canton für Einen Dollar und Ein Viertel bekommen kann, die man in England mit 3 bis 4 Pfd. (36–48 fl.) bezahlen müßte. Hr. Mason schloß mit einigen Bemerkungen über die Schwierigkeit dieser Kunst, die weit schwerer ist, als Kupfer- oder Stahl-Stich. Der Holzschneider kann nämlich seine Fehler nie wieder gut machen: jeder Schnitt muß bleiben, wie er war, gut oder schlecht78). Er wird noch eine Vorlesung über diesen Gegenstand halten, und wahrscheinlich bei den Vortheilen verweilen, welche der Buchhandel jezt durch die Holzschnitte in Büchern erhält.

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In Deutschland war dieß nicht der Fall.

A. d. U.

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Einzelne Stellen können durch Ausschneiden und Einsezen eines anderen Stükchen Holzes allerdings wieder anders hergestellt werden, was bei den Drukformen öfters geschehen muß.

A. d. R.

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