Titel: Krappblumen (Fleurs de Garance) des Hrn. Lagier zu Avignon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LI./Miszelle 23 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033051_23

Krappblumen (Fleurs de Garance) des Hrn. Lagier zu Avignon.

Da es jezt erwiesen ist, daß der rothe Färbestoff des Krapps für sich allein roth, scharlachroth, rosenroth, violett, braun, schwarz u.s.w. färben kann, ohne daß die gelben, falben, bitteren, zukerigen und schleimigen Theile, welche die Wurzel außerdem enthält, dazu erforderlich sind, so suchte Hr. Lagier theils durch mechanische, theils durch chemische Mittel dem Krapp alle fremdartigen, unnüzen und seinem Färbestoffe nachtheiligen Substanzen zu entziehen, ohne jedoch seine färbenden Eigenschaften zu beeinträchtigen, um dadurch seinen Farbestoff in einen kleineren Raum zu concentriren und den Fabrikanten ein Product zu liefern, welches leichter, sicherer und wohlfeiler anzuwenden ist, als der gewöhnliche Krapp. Er nennt seinen gereinigten Krapp Krappblumen (Fleurs de Garance).

In diesem reineren Zustande ist der Krapp so zu sagen eines der empfindlichsten Reagentien, in dem sehr geringe Mengen von Säuren oder Kalksalzen hinreichend sind, seine Farbe gänzlich zu verändern. Aus diesem Grunde haben einige Fabrikanten, deren Wasser zu viel kohlensauren Kalk enthielt, damit keine günstigen Resultate erhalten. Das Wasser muß jedoch ein wenig kohlensauren Kalk enthalten, aus dem einfachen Grunde, weil die Krappblume noch einen Theil ihrer natürlichen Säure enthält, die, so unbeträchtlich sie auch ist, doch hinreicht, ihre Farbe zu verändern und ihrer Ergiebigkeit zu schaden; wenn man daher reines, z.B. destillirtes Wasser anwendet, muß man ein wenig kohlensauren Kalk zusezen; und umgekehrt, wenn das Wasser zu viele Kalksalze enthält, muß man in dem Farbebade ein wenig sehr schwach gegohrene Kleie zertheilen.

Hr. Lagier hat der Soc. industr. zu Mülhausen ein Muster seiner Krappblumen eingeschikt und nach dem Berichte, welchen Hr. Penot, im Namen des chemischen Comités, der Gesellschaft erstattete, ergaben mehrere Versuche, welche |159| in der Fabrik der HHrn. Nicolas Koechlin und Brüder, damit angestellt wurden, daß sie ihr fünffaches Gewicht Krapp ersezen können, obgleich sie nur vier bis vier und ein halb Mal so viel kosten, als ein guter Krapp zu Avignon. Die Krappblume gibt schon satte Farben, ohne daß man das Bad ins Kochen bringt, und durch Kochen erhält man damit schöne Nuancen. Das Violett und Roth ohne Säuren, waren nach den Passagen und einem viertägigen Ausbreiten auf dem Bleichplan, von den mit Krapp selbst dargestellten nicht verschieden; aber das Rosenroth blieb noch ein wenig orange. Indessen hofft das chemische Comité, daß Hr. Lagier, wenn er seine Bemühungen fortsezt, dahin gelangen wird, ein Product in den Handel zu bringen, welches den Krapp mit einigem Vortheil ersezen kann. (Bulletin de la Société industr. de Mulhausen, N. 8., p. 209.)

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