Titel: Preis von 2000 und von 1500 Franken auf eine Maschine zum möglich wohlfeilsten Dreschen und Schwingen des Getreides, welche bloß durch die Kraft eines Menschen in Bewegung gesezt wird.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LI./Miszelle 3 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033051_3

Preis von 2000 und von 1500 Franken auf eine Maschine zum möglich wohlfeilsten Dreschen und Schwingen des Getreides, welche bloß durch die Kraft eines Menschen in Bewegung gesezt wird.

Die Société royale et centrale d'Agriculture wird diesen Preis in ihrer öffentlichen Sizung im J. 1830 zuerkennen. Die Maschinen und Beschreibungen müssen an das Secretariat der Société vor dem 1. Jäner 1830 eingesendet werden.

Die Société bemerkt, daß man immer mehr und mehr den Vortheil der Dresch-Maschinen (vorzüglich jener des Hrn. Meckle) vor dem gewöhnlichen Dreschen einzusehen beginnt, daß aber diese Maschinen viel zu kostbar und zu zusammengesezt sind, um dem ärmeren Landwirthe nüzen zu können. Sie wünscht diese Maschinen vereinfacht und wohlfeiler, für jede kleine Landwirthschaft brauchbar gemacht zu sehen. Um den Preiswerbern sich recht deutlich und verständlich zu machen, beginnt die Société in ihrem Programme mit einer Art von Theorie des Dreschens, und sagt, „daß die Hülle, die die Getreidekörner in der Aehre umgibt, eine gewisse Kraft erfordert, durch welche sie allein gebrochen werden kann, und daß diese Kraft entweder durch Klopfen oder durch Reibung angewendet werden kann; daß diese Kraft gleichförmig und aus die Aehre allein wirken muß, wenn sie mit wahrem Vortheile angewendet werden soll.“

„Nun wird aber nach der gewöhnlichen Methode zu dreschen, entweder mittelst der Flegel oder durch das Austreten mittelst der Pferde, die Kraft sowohl auf das Stroh als auf die Aehre verwendet, und alle Kraft, die auf das Stroh fällt, ist verloren. Ueberdieß entgehen auch viele Aehren noch der Einwirkung dieser Kraft. Ferner ist das Dreschen mittelst der Flegel eine langsame ermüdende, kostbare und selbst der Gesundheit schädliche Arbeit.“

„Die Gesellschaft wünscht daher eine einfachere und wohlfeilere Maschine, als jene des Hrn. Meckle.“

„Die bisherigen Handmühlen zum Reinigen und Schwingen des Kornes beruhen auf folgenden Grundsäzen. Wenn Körper durch ein Mittel fallen, welches Widerstand leistet, so verhält sich die Geschwindigkeit ihres Falles, wie ihre specifische Schwere: je höher also diese Körper fallen werden, desto mehr werden sie sich im Falle von einander entfernen. Nach diesem Grundsäze kann man sie also von einander scheiden, wenn man, so tief als möglich, einen Luftzug anbringt, durch welchen man die Körner durchfallen läßt: die leichteren Körper werden davon gesagt werden, und am Ende des Falles wird die Ausscheidung derselben so vollkommen geschehen seyn, als es auf diese Weise möglich war. Läßt man nun die Körner sammt den Spelzen in einer dünnen Schichte durch einen solchen Luftzug so durchfallen, daß die leichteren Theilchen weggejagt werden können, ohne daß die schweren ein Hinderniß bilden; bringt man eine Scheidewand an, die die guten schweren Körner von den leichten Theilchen des Getreides scheidet; läßt man das Korn eine längere Zeit über diesem Luftstrome ausgesezt; so wird die Absonderung der schweren Theile von den leichteren auf ein Mal geschehen können.“

„Wie ist aber diese Theorie bei den gewöhnlichen Handmühlen angewendet? Bei den meisten derselben fällt das Korn sammt den Spelzen in einer 15 Zoll breiten Schichte durch einen Luftzug, der kaum tiefer ist, als 8 Zoll, während es in einer Schichte von einem halben Zoll Dike durch einen Luftzug von 3 Fuß Tiefe fallen sollte, so daß man bei einer solchen Handmühle einen sehr starken Windstoß braucht, um alle Spelzen und Streue zu beseitigen. Der Lolch und die übrigen leichten Körner lassen sich auf diese Weise auch nicht von dem Korne sondern, in dem dieß in zu großer Menge von einer unbedeutenden Höhe auf ein Mal herabfällt, und so dem Luftzuge den Weg verlegt. Man muß daher dasselbe Korn oft zwei bis drei Mal und noch öfter durch die Handmühle laufen lassen. Die Praxis steht demnach hier in keinem Verhältnisse zur Theorie.“

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„Die Société wünscht eine solche Handmühle zum Schwingen des Getreides, welche die Theorie mit der Praxis verbände, und entweder mit der Druk-Maschine zugleich, oder einzeln gebraucht werden könnte.“

1) Die Druk-Maschine, welche mit der Hand in Bewegung gesezt wird, muß wenigstens um ein Viertel mehr dreschen, als ein Mensch mit dem Flegel zu dreschen vermag. (Ein Drescher in Frankreich drischt täglich 3 Ztr. (150 Kilogr.) Korn, und schwingt es.)

2) Der Preis derselben darf nicht höher zu stehen kommen, als daß ein kleiner Landwirth denselben zu erschwingen vermag.

3) Sie muß dauerhaft seyn, und wenig Unterhaltung kosten.

4) Muß damit zwei Monate lang im Großen gearbeitet haben.

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