Titel: Ueber den Färbestoff der Orseillen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LX./Miszelle 20 (S. 249–250)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033060_20

Ueber den Färbestoff der Orseillen.

Herr Robiquet hat der Akademie seine Untersuchungen über den Färbestoff der Orseillen mitgetheilt. Im Handel kommen hauptsächlich zwei Sorten von Orseille vor, welche verschiedene Variolaria sind, nämlich diejenige, welche man aus Lichen roccella (Stereocolon roceella, achar) auf den Canarischen Inseln bereitet, und die Erdorseille oder Orseille von Auvergne, welche man auch Perelle nennt. Bekanntlich pflegte man sie für die Färberei auf die Art vorzubereiten, daß man sie mit Urin knetete, oder mit Kalk, bisweilen sogar Alaun, Arseniksäure u.s.w. versezte. Erst seit Kurzem haben die Fabrikanten ihr Verfahren dahin verbessert, daß sie sich des Ammoniaks bedienen; doch war dieser Gegenstand bis jezt noch keineswegs durch chemische Untersuchungen hinreichend aufgeklärt. Hr. Robiquet hat sich damit beschäftigt; er hat seine Versuche mit sorgfältig gesammelter Variolaria dealbata DC. angestellt; er behandelte die Orseille mit kochendem Alkohol, wodurch er zuerst eine sehr weiße krystallinische Substanz erhielt, welche mit den sogenannten Halbharzen einige Aehnlichkeit hat; das geistige Extrakt hatte den Geruch von frischem Theriak; mit Wasser angerührt gab es eine zukerige Substanz wie Mannazuker; als man diese Substanz verdunsten ließ, stellte sie eine gelbliche Masse dar, worin Nadeln vorkamen, die aber noch durch eine klebrige Flüssigkeit verunreinigt waren. Durch Auspressen konnte man diesen Mannazuker davon befreien. Als er wieder in Aether aufgenommen wurde, schieb sich eigenthümliche starre kristallinische Substanz und ein grünlichgelbes Princip ab. Durch einige Proceduren läßt sich jedoch dieses grünliche Princip leicht entfernen. Nach diesen verschiedenen Behandlungen bleibt von der Orseille nur noch eine pulverige, stikstoffhaltige Substanz zurük, die wenig Interesse darbietet.

Die durch den Aether abgeschiedene krystallinische Substanz schmilzt bei gelinder Wärme und krystallisirt beim Erkalten wieder; stärker erhizt, verflüchtigt sie sich, sezt sich aber im Hals der Retorte wieder in Krystallen ab; sie kann sich nicht färben.

Nur die zukerige Substanz kann sich färben, obgleich sie in reinem Zustande gelblichweiß ist; sie unterscheidet sich von andern Zukerarten dadurch, daß sie durch basisch essigsaures Blei gefällt wird.

Wenn man diese zukerige Substanz durch thierische Kohle reinigt, erhält man sie in vierseitigen Prismen; da sie schmelzbar ist und bei einer nicht sehr starken Hitze verflüchtigt wird, so legt sie sich an die Seitenwände der Retorte an. Ihre merkwürdigste Eigenschaft ist diese, daß sie sich durch Ammoniak dunkelbraun |250| färbt und beim Aussetzen an die Luft, in dem Maße, als ein Theil des Ammoniaks verdunstet, Anfangs violett und dann immer röther wird. Dieses ist also der Färbestoff der Orseillen; er wird zuerst durch das Ammoniak braun und erhält dann durch die Einwirkung der Luft sein purpurartiges Aussehen. Es ist dazu keine Gährung nöthig und Zusaz von Kalk, Alaun u.s.w. ist bei der Bereitung dieser Farbe eher schädlich als nüzlich. Nach Hrn. Robiquet wird der Färbestoff der Orseille durch Schwefelwasserstoff, wahrscheinlich in Folge einer Desoxydation, entfärbt; der Schwefelwasserstoff wirkt bekanntlich eben so auf die Lakmustinktur; auch hatte bereits der Abbé Nollet bemerkt, daß der Färbestoff der Orseille im luftleeren Raume farblos wird. Nach Hrn. Chevreul wird auch das Hömatin (der Färbestoff des Campeschenholzes) durch die Einwirkung der Säuren gelb. (Journal de Pharmacie, Juni 1829, S. 298.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: