Titel: Ueber Englands Zukerhandel und Fehler der heutigen Verwaltung desselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LX./Miszelle 4 (S. 245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033060_4

Ueber Englands Zukerhandel und Fehler der heutigen Verwaltung desselben.

Hr. Grant bewies dem Finanz-Minister Englands (Chancellor of the Exchequer), daß im vorigen Jahre (1828) aus Westindien 3,965,000 Ztr. Zuker eingeführt wurden, während aus dem ungeheueren Ost-Indien nur 156,000 Ztr. eingeführt worden sind. Der westindische Zuker zahlt nur 10 Shilling, der ostindische 37 Shill. Einfuhr. Er schlug daher vor (nach dem Erfahrungs-Grundsaze, daß der Mauth-Ertrag desto größer ausfällt, je geringer, erschwinglicher zum Genusse für den Armen, die Mauth für den zu consumirenden Gegenstand angeschlagen wird), die Mauth für den westindischen Zuker auf 7 Shill. für den Ztr., für den ostindischen auf 25 Shill. herabzusezen, da jezt der arme Mann in England seinen Thee kaum mehr mit Zuker zu trinken vermag. Er unterstüzte seinen, nicht bloß humanen, sondern sehr richtig financiell berechneten, Antrag mit der Bemerkung, daß obige Zuker-Einfuhr aus Ost- und Westindien für Englands Bedarf nicht zureicht, sondern daß man noch aus Brasilien jährlich für 2,800,000 Pfd. einführen muß, während England an Brasilien nur für 1,500,000 Manufakturen absezt, also jährlich 1,500,000 für Zuker verliert, die es nicht verlieren würde, wenn es, durch Herabsezung des Zolles, die Erzeugung des Zukers in Ost- und Westindien begünstigen, und den Verbrauch des Zukers in England fördern, Statt verhindern würde. Wenn England nicht den Zuker auf seinem eigenen Boden in Ost- und Westindien selbst erzeugte, so könnte man es loben, wenn es, wie die Staaten des Kontinentes, die keine Kolonien besizen, den Verbrauch des Zukers durch höhere Abgaben beschränkte. Da es aber selbst Zuker erzeugt, so läßt es sich nicht begreifen, wie es durch so hohe Abgaben die Production und die Konsumtion zugleich beschränken kann. – Sollte man glauben, daß ein solcher Vorschlag verworfen werden könnte? Er ward es mit 98 Stimmen gegen 60. Was beweiset Majorität für Recht und Wahrheit? Das, was die Mehrzahl der Stokfische, die alle nach dem Köder schwimmen, an der Angel anbeißen, und durch eine unendliche Majorität beweisen – daß sie Stokfische sind. (Galignani. N. 4437.130)).

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Es wird manchem Leser nicht begreiflich seyn, warum dasselbe Erzeugniß des Unterthanes in Ostindien drei Mal mehr Mauth zahlen soll, als jenes in Westindien. Die Ursache ist diese, weil die reiche ostindische Compagnie ihr eigenes Monopol hat; weil die westindischen Zuker-Pflanzer gleichfalls ihr Monopol haben, und weil in England mit allem, selbst mit der Idee in des Menschen-Hirn, die, während sie noch im Schädel stekt, patentisirt wird, ein Monopol getrieben wird.

A. d. Ue.

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