Titel: Ueber die Werfte zu Bayonne
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LXXVII./Miszelle 23 (S. 328–329)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033077_23

Ueber die Werfte zu Bayonne

findet sich eine Notiz im Journal de Commerce, 4. Febr. 1829, und im Bulletin des Sciences technol. März S. 270., woraus erhellt, wie sehr die französischen |329| Werften noch hinter den englischen, nordamerikanischen und holländischen zurükstehen. Es sind zu Bayonne, wo selbst die Spanier noch viele Schiffe bauen lassen, so wie für viele Häfen Frankreichs die Schiffe zu Bayonne gebaut werden, 5 Bau- oder Zimmerpläze, 3 Seilerbahnen, 2 Segeltuch-Werkstätten, 2 für die Kloben, 4 Schmieden und Eine Fabrik für Ruder. Alle Arbeiten werden ohne Maschinen, bloß aus freier Hand betrieben, und man spinnt die Seile noch so, wie sie zu Zeiten des guten alten Duhamel de Monceau gesponnen wurden. Der Zimmerleute sind 100; Langsäger, Bohrer, Bekleider 50; Seiler 120; Segelmacher 20; Klobenmacher 10; Rudermacher 10; Matrosen zum Ausrüsten des Schiffes (gréeurs) 20; Schmiede 20; Schreiner 20. Verschiedene andere Arbeiter: 100. Im Ganzen: 470. Im Durchschnitte verdient sich ein solcher Arbeiter zwischen 2 Franken und 2 Franken 50 Cent. Das nöthige Eichenholz liefern die niederen Pyrenäen und das Dptt. des Landes; die Ruder das spanische Navarra; Rußland155) liefert die Masten und das weiche Holz, so wie den Hanf; das Eisen kommt großen Theils ans Spanien und Schweden; der Theer aus dem Deptt. des Landes; das Segeltuch aus der ehemaligen Bretagne. Der Hanf in Taue verwandelt mag 270,000 Franken betragen; der Theer 5,400. Für Spanien und die übrigen Häfen Frankreichs werden jährlich an 20 Schiffe zu 150 Tonnen, die Tonne für 150 Franken, gebaut. An Seilen werden, außer jenen die zum Takelwerke nothwendig sind, jährlich noch an 100 Ztr.; Ruder jährlich zu 20,000 Stüke ausgeführt: der Ztr. zu 3–4 Franken.

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Aus Rußland Masten nach Bayonne! Wie viele tausend Masten hätte Bayern liefern können, wenn seine Churfürsten nur die Hälfte des Geldes, das sie auf Klöster und Wallfahrten wendeten, auf einen Canal aus der Altmühl in die Rednitz verwendet hätten. Wie viele tausend Masten, die in einem Hafen gern mit 60 und 80 Fl. das Stük bezahlt würden, gehen jezt noch bei uns jährlich als Brennholz zu Grunde. Die Würtemberger wissen unser Schiffbauholz an der Iller weit besser zu benüzen, als wir selbst.

A. d. R.

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