Titel: Stereotyp-Blöke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LXXVII./Miszelle 26 (S. 329–330)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033077_26

Stereotyp-Blöke.

Hr. Sam. Goodrich, zu Boston, Massachus., ließ sich am 11. Oct. v. J. ein Patent auf Stereotyp-Blöke ertheilen, d.h. auf Befestigung der Stereotyp-Platten auf Holzblöken, die sehr einfach und gut seyn soll. Die Beschreibung dieser Befestigungs-Art, welche sich im Franklin-Journal, Dec. 1828. S. 400. befindet, ist jedoch so undeutlich, daß sie, wenigstens für den europäischen Leser, ganz unverständlich ist, und wieder kein anderes Mittel übrig bleibt, als sich ein Modell von Hrn. Goodrich zu verschreiben.

Wir können nicht umhin, Hrn. Jones und jeden Schriftsteller, der irgend eine technische Vorrichtung beschreibt, aufmerksam zu machen, daß Beschreibungen, die ganz obenhin gemacht sind, so gut wie nichts taugen. Wenn man den zu beschreibenden Gegenstand in seiner Hand und vor Augen hat, so geräth man nur |330| zu leicht in den Fehler zu glauben, daß ein paar Worte hinreichen, denselben auch jedem anderen deutlich zu machen; und man täuscht sich hier ganz gewaltig. Man darf nie vergessen, daß, wenn man zu Jemanden über einen Gegenstand spricht, den er nicht sieht und nie gesehen hat, den man ihm nicht einmal durch Abbildungen versinnlicht, man in demselben Falle sich befindet, in welchem man seyn würde, wenn man einem Blinden von der Farbe sprechen muß: man muß ihm die Sache begreiflich machen, handgreiflich machen. Die besten Beschreibungen mechanischer Vorrichtungen haben uns die Franzosen aus der älteren Schule, und die Holländer geliefert: bei diesen ist der Buchstabe klar und deutlich, und macht die Sache handgreiflich. Die Engländer, die Amerikaner und auch die Deutschen, die sich nicht nach obigen, man darf sagen classischen, Mustern gebildet haben, sind mehr oder minder undeutlich und dunkel, was davon herrührt, daß sie glauben, weil sie die Sache verstehen, die sie in der Hand haben, müsse sie auch demjenigen klar seyn, der sie nie gesehen hat. Brevis esse laboro, obscurus fio. Doch vielleicht ist es gerade diese Dunkelheit, welche Patent-Träger suchen.

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