Titel: Die Ausstellung böhmischer Gewerbs-Producte im Juni 1829.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LXXVII./Miszelle 3 (S. 318–322)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033077_3

Die Ausstellung böhmischer Gewerbs-Producte im Juni 1829.

Ich glaube, wenn man diese lobenswürdige Anstalt am belehrendsten und anziehendsten genießen will, daß man die Mühe nicht scheuen darf, um sich so weit in ihre Organisation einzustudiren, um die Producte nach den Kreisen und Landstrichen Böhmens eintheilen und auf diese Art einen Ueberblik zu gewinnen, welche Gegenden die blühendsten Industrie-Zweige besizen, oder wenigstens, welche Producenten am thätigsten in dem Bestreben sind, ihre Erzeugnisse der allgemeinen Anschauung und Prüfung vorzulegen. Die nördlichen Kreise behaupten, wie gewöhnlich hierin, im Allgemeinen, zumal in Manufacturen den Vorrang vor den südlichen, dagegen erfreuen sich einige Punkte der leztern ausgezeichnet schöner Fabrik-Producte. Daß die Hauptstadt Prag, sowohl als Centralpunkt vaterländischer Production und Handels, wie auch als Ort der Aufstellung die größte Zahl von Erzeugnissen lieferte, ist natürlich. Höchst interessant, zumal im gegenwärtigen Zeitpunkt, ist das Modell einer Kettenbrüke, derjenigen bei Hammersmith unweit London vom Herrn Gub. Rath Ritter von Gerstner, mit Rüksicht auf andere Localverhältnisse adaptirt, im 30sten Theile des wirklichen Maßstabes, 5 Klafter lang 15 Zoll breit, verfertigt von den Mechanikern des böhm. ständ, technischen Instituts, Joseph Bozek und Anton Müller, den böhmischen Ständen gehörig, nach welchem höchst wahrscheinlich die Prager Kettenbrüke gebaut wird. – Der Mechaniker Spitra brachte nebst einem parallaxischen Stativ- oder Universal-Aequatoriale mit Kreisbewegungen, mit einem Fernrohr von Utzschneider und Fraunhofer in München, von ganz eigener Arbeit, ein Nivellir-Instrument, mit Perspectiv und Stativ; einen Höhenmesser, mit Mikroskopen und Nonien; ein Markscheide-Instrument sammt Zugehör; einen Meßapparat, nach der Katastral-Vorschrift u.s.w. – Unter den Uhrmachern, welche ihre Erzeugnisse ausstellten, und überhaupt erfreulich genannt werden müssen, zeichnet sich vorzüglich J. Kossek, Uhrmacher an der Prager Sternwarte, durch wahre Kunstwerke in seinem Fache aus. Er lieferte nebst einer astronomischen Halbsecunden-Pendeluhr, in allen Zapfen der Räder und den Berührungs-Punkten der Hemmung mit Steinen eingesezt (auf der Sternwarte Monate lang geprüft, und durch ihre Genauigkeit, zu allen astronomischen Arbeiten geeignet erfunden), mehrere Stok- und Taschenuhren, eine Reiseuhr, eine Secundenuhr mit vier Rubinzapfenlagern in einem Ringe (für Aerzte bestimmt) und mehrere Uhrwerke in Globen ohne Gehäuse nach Breguet, auf welchen Stunden und Minuten durch einen Zeiger angezeigt werden. Auch eine Pendeluhr mit achttägigem Aufzug von Martina, und ein paar Arbeiten von Lokota sind lobenswerth, vorzüglich eine Bilduhr des lezteren: „die Domkirche zu St. Veit in Prag“ vorstellend, mit einem für ein so kleines Werk ausgezeichnet starken Glokenton. – An musikalischen Instrumenten finden sich mehrere Pianofortes von Hlauscheck und Gartner, die sich jedoch nicht besonders auszeichnen, so wie ein großes Kirchenpositiv von dem leztern vor, ferner eine besonders schöne Pedalharfe mit 7 Mutationen nach dem Princip Courdet's in Paris, als erster hierländischer Versuch des Mechanismus mit Veränderungen von Ferdinand Scheib; die Holzstructur vom Instrumentmacher Joh. Fr. Willer, eine Inventionsposaune und eine chromatische Trompete von der Erfindung des Lehrers der Trompete am Conservatorium der Musik, Jos. Kail, die sich durch schönen Ton und die Möglichkeit einer sehr mannichfaltigen Behandlung vor dem Mutter-Instrument sehr vortheilhaft auszeichnet. – In fester und solider Schlosserarbeit sind mehrere eiserne Kassen durch Verlässigkeit und Zwekmäßigkeit bemerkenswerth, vorzüglich eine den böhmischen Ständen gehörige |319| vom Hofschlossermeister Staus verfertigte Kasse von wahrhaft glänzender Form und kunstreichem Mechanismus (Preis 2000 Fl. C. M.). Auch eine zweite minder kostbare (1200 Fl.) zeichnet sich durch sinnreiche Constructionen aus. – Die Zahl der eingebrachten Schießgewehre und anderer Waffen ist ziemlich bedeutend, und darunter schöne Pistolen, Flinten, Polzbüchsen u.s.w. zumal von Lebeda, und ein paar sehr gute Säbel von Preis. – Unter den Messerschmid-Arbeiten zeichnen sich nur einige chirurgische Instrumente, Bindzeuge u.s.w. aus. – Die Laternen (nicht eben sehr geschmakvoll und – sehr theuer ein Paar à 100 Fl. C. M.) dürften weniger beachtenswerth seyn. – Die ausgestellten Säulen- und Vasenlampen, ebenfalls nicht von besonders schöner Zeichnung, werden wohl dem lebhaften Handel der Wiener in diesem Gegenstande schwerlich großen Eintrag thun. – Ein Blok Blei aus dem schwefelsauren Bleioxyd der Abfälle in den Cattunfabriken bereitet, hat seinem Erzeuger M. Prochaska ein Patent auf diese Production zuwege gebracht. – Die chemischen Erzeugnisse, welche die beiden Fabrikanten Brem und Brosche lieferten, zeigen von einem regen Streben und Fortschreiten in diesem Fache. – Die Sellier'sche Kupferzündhütchen-Fabrik bringt ihre Waare von allen Größen und Preisen, von den kleinen Jagdhütchen das 1000 à 1 Fl. bis zu jenen der Artillerie à 20 Fl. C. M. – Unter den ausgestellten Meubles zeichnen sich durch edle Einfachheit, Schönheit der Form und vortreffliche Behandlung des Holzes die Arbeiten des Kunsttischler Föhrs aus; vorzüglich der Secretair von Nußholz und (seiner Zwekmäßigkeit und Bequemlichkeit wegen) der Tisch mit einer Bibliotheksleiter. Minder schön ist die Zeichnung in den übrigens recht lobenswerthen Meubles von Feigl, aber das Grellste und Ueberladendste, was der Ungeschmak je ersonnen hat, ist ein schwarzgebeizter Secretair mit überreicher Vergoldung, in ungeheuerem Preise (360 Fl. C. M.). – Ferner finden sich hübsche Leder- und Taschen-Arbeiten, vorzüglich sehr zierliche Handschuhe der Fabrik: „Swoboda- und Compag.“ Koffer, Mantel- und Reisesäke, darunter manches Zwekmäßige und Lobenswerthe, aber auch viel Geschmakloses und Ueberladenes. – Mehrere Fabrikanten lieferten zwar Proben von Baumwollengespinnst; doch wichtiger sind die Producte des Ziz- und Cottondruks, unter welchen sich vorzüglich manche Stüke aus den Fabriken „Jerusalem,“ „Wiener et Söhne“ u.s.w. auszeichnen. – Die Erzeugnisse der privilegirten Rzabek'schen Strohhut-Fabrik nach Florentiner-Art, aus Kornstroh bearbeitet, von großer Feinheit, und, im Vergleich mit den italienischen, in gemäßigten Preisen, gehören mehr in das Gebiet des schönen Geschlechtes, so wie die böhmischen Granaten und der Granatenschmuk, welches aber auch unter den J. Richter'schen Gold- und Juwelenarbeiten viele sehr glänzende und geschmakvolle Stüke und recht artig in Gold gefaßte Eisenwaaren aus der Harzowitzer Fabrik finden wird. – Dann: von Hutmacher-Arbeiten eine Damen-Enveloppe von Hasenhaaren, von Außen schwarz, von Innen blau, runde und dreigestülpte Hüte. – Pelzwaaren, zum Theil von recht geschmakvoller Arbeit. – Schuhe und Stiefeln – Sporen und Pferdegeschirre – Drechslerarbeiten, (Tobakspfeifen, unter andern einen großen Meerschaumkopf mit Abbildungen aus der Geschichte Wilhelm Tells) – Zuker aus der Prager Fabrik von H. Herz, Liqueurs und Parfüms – Spielwaaren, wohin auch eine durch Sand in Bewegung gesezte Mühle mit vielen gleichfalls beweglichen Figuren gehört. – Fischbein und Bürsten. – Das Halla'sche neuerfundene Prager Schnell-Tintenpulver und gewöhnliche flüssige Tinte, Papiere von allen Sorten und Größen das Hundert von 14 kr. bis auf 12 Fl. – (von pommerschen Gänsen) Seekiele à 20 Fl. – und Trappenkiele à 24 Fl. – Von Gegenständen der bildenden Kunst stellte der Silberarbeiter Fortner einige seiner Arbeiten, in Silber getrieben, aus, von welchen das Basrelief: „die Taufe Christi“ nach Thorwaldson das Vorzüglichste seyn dürfte. – Der bekannte Glasgraveur Bimann lieferte die Brustbilder des Kaisers und der Kaiserin von Oesterreich, jenes auf einer flachen Scheibe, dieses auf einem gläsernen Pokal. Seine übrigen Arbeiten waren meist schon in der Zeichnungs-Akademie ausgestellt. – Recht waker gearbeitet ist das in Holz geschnizte Krucifix von Procop – sodann eine Suite von 57 antiken Büsten in Metall gravirt von A. P. Seidan (Könige und Helden der Mythologie und Geschichte, Philosophen und Künstler des Alterthums), von welchen viele sehr wohl gerathen sind. Vorzüglich gelungen sind die Helme und Rüstungen der Heroen. – Zwei in ihrer Art recht hübsche Ansichten mit buntem Glasstaub gemalt, von dem Hyalographen Kotzaurek, – eine elfenbeinerne Büste des Kaiser Franz I. |320| und die Kreuzabnahme von Elfenbein sind eigentlich nur als Handelsartikel, nicht als Producte böhmischen Gewerbfleißes zu betrachten. – Uhrgehäuse von Messingblech und getriebner Arbeit (von 35 Fl. bis zu 130 Fl. C. M.) – Blumen-Bouquets von Perlmutter, Schneken und Muscheln, Blumenstöke aus Gewürzen und Zuker u.s.w. gehören zwar mehr in das Gebiet der Künstelei, als der Kunst; doch ist das Blumen-Bouquet aus Schmetterlingsflügeln mit 2 Papageyen und wächsernem Obst, in goldner Rahme von J. Seits, von großer Lebendigkeit, und muß unter die schönsten Zimmerverzierungen gezählt werden. – Von künstlich-weiblichen Handarbeiten zeichnen sich einige Glokenzüge und ein Ofenschirm auf weißen Moirée gestikt, vortheilhaft aus. – Die Darstellung des Bubent'scher Schlosses, Lobkowitz'schen Pallastes u.s.w., in Papparbeit beweisen deutlich, daß sich diese Art von plastischer Kunst doch ja auf Architektur beschränken, und die Nachbildung vegetabilischer Natur nie versuchen möge. – Ein paar Stiefeln ohne Nach, die 200 Fl. C. M. kosten, sind – – ein Praetium affectionis. – Ein gewisser Hr. Johann Peterka, Thier- und Wundarzt in Prag (nebenbei auch Schriftsteller, denn er hat verschiedene Abhandlungen über die Erzeugung und Verfälschung des Bieres geschrieben, und in einem eigenen Tractätlein die Erfindung der Engländer das Eis am Nordpol zu zerschneiden, als die seinige reclamirt, woran aber die böse Welt doch nicht glauben will) hat ein Hufeisen ohne Nägel, abermals von seiner Erfindung dargebracht. Den ersten Rang in Betreff der Menge und Wichtigkeit seiner Erzeugnisse nimmt unstreitig der Bunzlauer Kreis ein, denn aus der Zahl von 2200 Gegenständen, welche die heurige Ausstellung bildeten, gehören ihm 306 zu, und darunter viele Fabrikate, die den Ruhm des böhmischen Gewerbfleißes im Auslande begründeten. Dahin gehören vorzüglich die herrlichen Zize und Cottone aus den Fabriken von Köchlin und Singer in Jungbunzlau, dann der beiden Leitenberger, in Kosmanos und Reichstadt, welche schon seit Jahren auf den Leipziger Messen durch Solidität, Zeichnung und Farbenglanz so vielen ausländischen Fabrikaten den Rang abgelaufen haben. Schöne Baumwollengespinnste kamen aus Gabel, Reichenberg und Zwickau, welche lezteren sich auch durch schöne und ächte Farben auszeichnen. – So bedeutend die Wollwaaren-Erzeugung in diesem Kreise ist, kam doch, außer einigen Tüchern aus Reichenberg, wenig Bedeutendes in dieser Gattung vor. – Auch Leinenwaaren erschienen nur spärlich, dagegen waren die Glasflüsse, die geschliffenen, gewundenen, gedrükten, gesponnenen, vergoldeten und zusammengesezten Perlen, Lustersteine, Kreuze, Ringe u.s.w. nebst ganzen Stüken solcher Composition aus Antonienwald, Gablonz, Josephsthal und Liebenau in großer Menge und ausgezeichneter Schönheit vorhanden. – Recht brav gearbeitet ist eine kleine Pyramide von schwarzem basaltartigen Glase (Denkmal der Schlacht bei Leipzig) vom Glasmeister Riedel in Antonienwald. – Das fürstliche Rohan'sche Schichtamt zu Engenthal brachte Proben sowohl von raffinirtem und unraffinirtem Cementstahl, als von schweißbarem Gußstahl, dann eine große Anzahl 2- bis 20zölliger Feilen (das Duzend der größten Gattung Schlichtfeilen bis auf 96 Fl. C. M.) – Der Uhrmacher A. Engelbrecht in Melnik lieferte eine horizontale Universal-Sonnenuhr mit Controlle einer analamatischen Ovaluhr, und eine Sternuhr, um die wahre Zeit des Nachts ohne Licht erfahren zu können. Wahrscheinlich ein Nachkomme des Uhrmachers Engelbrecht, dessen Name auf allen Sonnenuhren der hiesigen Gegend zu finden ist. – Dosen aus Papiermaché aus Reichenau und Pantoffeln und Krüge, von Schilf geflochten, aus Bakofen, gehören freilich zu den unbedeutendsten Gegenständen dieses Kreises. –

Wie thätig auch der Leitmeritzer Kreis war, seine Producte zur Publicität zu bringen, beweist der Umstand, daß ebenfalls mehr als 300 der ausgestellten Artikel demselben angehörten, die jedoch nicht von so großer Bedeutung sind, als die Erzeugnisse des Bunzlauer Kreises. Darunter befanden sich viele Wollengewebe und Stoffe, sehr feine Tücher aus böhmischer Electoral-Wolle gewoben, dann Damentuch und Walzendruk-Tuch für Ziz- und Cotton-Drukereien von Roemheld und Compagnie in Ober-Leutensdorf. Feine Tücher, Casimirs und Kalmuks von Fischer in Tepliz, dann schafwollner Lasting, Diagonal, Rips, Merinos, Möbel-Damast, Mantelzeug und Strumpfstriker-Arbeiten aus Oberhan, Ossegg und Warnsdorf, einige wenige Baumwollen-Waaren aus Arnsdorf und Hainspach, und an Leinenwaaren zwei Partien von Tafelzeug, Segeltücher und Leinen-Atlas aus Warnsdorf. – Nixdorf hat einige Seidenbänder |321| und italienische Blumen geliefert. – Bedeutender ist die Ausbeute von Glas aus Falkenau, Kreibitz, Parchen und Steinschönau, und unter vielen ordinärem Gut, manche hübsche Arbeit, wenn gleich in Form und Malerei bei den meisten mehr Zeichnung und Geschmak zu wünschen wäre. – Die gräflich Kinskische Spiegelfabrik in Bürgstein lieferte unter andern einen sehr schönen, nicht gegossenen, sondern geblasenen Spiegel von 70 Zoll Höhe und 54 Breite vom feinsten Kreideglase und mit der englischen Stahlwalze geschliffen. – Der privilegirte Fabrikant des Edelsteinglases und „Sanitäts-Lithyalin“ (wie er sein Product nennt), F. Egermann in Blottendorf, brachte eine ungeheure Menge von Vasen, Körbchen, Mund-Lavoirs, Becher und Flaschen, Theebüchsen, Tabaksdosen, Pfeifenköpfen und Flacons zur Ausstellung, deren mannichfaltiges Colorit in der That höchst lobenswerth ist. Nur bleibt zu bedauern, daß es den Formen aller dieser Gefäße ganz an gefälliger Zeichnung fehlt. – Desto edler, und nach den besten Mustern des Alterthums gearbeitet sind die Vasen, Potpourris, Fruchtkörbe, Confectteller, Theekannen, Zukerdosen u.s.w. aus Theralit von C. Huffsky in Hohenstein bei Teplitz, deren Anblik immer erfreulicher wird. – Sehr fest und zwekmäßig dürften die Wasserröhren von hartgebranntem Stein aus Ugest seyn. – An Metall-Arbeiten waren vorhanden: einige Musterkarten von Compositions-Knöpfen und ein Krucifix von Bronce. – Die gräflich Schönborn'sche Granaten-Fabrik zu Skalten lieferte eine Schatulle mit 2266 Stük theils rohen, theils brillantirten und rosettenartig gearbeiteten Granaten. – Die Drechsler-Arbeiten aus Böhmisch-Kamnitz, Mixdorf und Sandau sind von keiner großen Bedeutung. – Recht gute Gewehre kamen aus Leitmeritz von M. Nowotny und aus Böhmisch-Leipa von J. Rutte, und ein Pianoforte mit 6 Mutationen und dem sogenannten Octavin (neue Erfindung) versehen von A. Möser aus Hayda. –

Der Saazer Kreis brachte nur etwas Weniges von Tuch und Baumwollengarn, Spielwaaren aus Katharinaberg und Ober-Georgenthal (leztere von ausgezeichneter Schönheit, aber auch sehr hohen Preisen z.B. ein Artillerie-Park 36 Fl. C. M.) und ein recht zierlich gearbeitetes Spinnrädchen, welches wohl ungescheut gleichfalls den Spielwaaren angereiht werden kann. –

Die schönsten Fabrikate des Elbogner Kreises sind die Erzeugnisse der drei Porzellan-Fabriken von Schlaggenwald, Pirkenhammer und Elbogen. Vorzüglich lieferte die erste zwei wunderschöne Vasen mit historischen Gemälden (Jesus unter den Schriftgelehrten, und die Heilung des Tobias), zwei kleinere mit Ansichten von Prag von außerordentlicher Zartheit im Colorit, und einen großen runden Fruchtkorb) die zweite gleichfalls mehrere Vasen und Tassen von verschiedener Größe mit vortrefflicher Malerei und Vergoldung. – Die Steingut-Producte waren sehr unbedeutend. – Karlsbad, Schönfeld und Schlaggenwald lieferten Zinngießer-Arbeiten, die dem Rufe dieser Gegenden nur wenig entsprechen, und die erste auch eine kleine Probe von Tischler-Production. Sonderbar ist es, daß diese gewerbsfleißige Stadt nicht mehrere ihrer Producte herein gesandt hat, und dieß scheint wohl darauf hinzudeuten, daß die Hoffnung auf Absaz (der den Karlsbadern im Sommer ohnedieß nicht fehlt) mehr als das Streben nach Ruhm und Auszeichnung zur Ausstellung antreibt. – Die gefärbten Pergamente von S. Simon in Eger sind sehr schön, und großen Theils in billigen Preisen. – Leinwaaren, Baumwollen-Garne und Stoffe erschienen nur wenig, und unter den Strumpfwirkerarbeiten wurden die durchbrochenen Damenkleider (70 bis 80 Fl. C. M.) von dem schönen Geschlecht als zu theuer und nicht geschmakvoll genug befunden. Von Wollenwaaren zeichneten sich einige Merino's vortheilhaft aus. – Eine Taschenuhr sammt Räderwerk von P. Tröger in Asch von Elfenbein gearbeitet, ist ein recht artiges Kabinetsstük. – Noch sahen wir Bleidrath von Christophhammer und Elbogen.

Die zahlreichsten Einsendungen des Pilsner Kreises bestanden in Lederarbeiten; ferner etwas Eisen aus Rokitzan und Mineralien aus Weißgrün.

Ueber die Maßen dürftig ist die Ausbeute des Klattauer Kreises, und besteht aus einigen Wollenwaaren und – Einem Stüke Steingut!

Die Zahl der Gegenstände aus dem Prachiner Kreis ist ebenfalls nicht groß; doch lieferte er, nebst einigen Lederarbeiten, die schönen Spiegel aus der Abele'schen Glasfabrik zu Neuhurkenthal und einige andere lobenswerthe Erzeugnisse dieser Gattung, vorzüglich die Producte der Glasfabrikanten Eisner und Sohn in Bergreichenstein, bestehend in brillantirten Tafelaufsäzen, Gläsern |322| und herausgearbeiteten Namen und Bildnissen u.s.w.; dann: Tafelgläser von verschiedener Größe und Stärke aus Eisenstein.

Der Budweiser Kreis sandte uns die wunderschönen Producte der gräflich Buquoi'schen Hyalith-Fabrik in Silberberg, Schmelztiegel aus Graphit von Krumau, einige ordinäre Leinwanden und Tischzeuge aus Friedberg, und Schneider- und Schuster-Arbeiten aus der Kreisstadt. Die leztern von dem berühmten – oder berüchtigten Gregor Urban, welcher nicht nur verschiedene Arten von Schuh- und Stiefelwichsen erfunden, sondern mehrere Werke über „Stiefelwichs und Stiefelwichsen“„die Dauerhaftigkeit der Stiefeln zu erhöhen“ geschrieben hat, und in seiner: „Anweisung, die Füße durch üblen Gang und schlechte Schuhmacherarbeit nicht zu verderben“ die Schusterkunst so kühn als selbstbewußt, mit der Kantschen Philosophie vergleicht!!!

Der Taborer Kreis brachte nur einige Baumwollengarne und Waaren und wenige Glas-Producte dar.

Aus dem Chrudimer Kreise gelangte die ansehnlichste Partie von Leinwand aus der Fabrik der Gebrüder Erxleben herein, dann Battiste, gedrukte Leinwanden, etwas Tuch und Wollengespinnste, Mineralien aus Lukawetz, Weberblätter, aus Pryelautsch und aus Leutomischl ein musikalisches Instrument: ein Bassethorn mit 22 Klappen.

Der Czaslauer Kreis lieferte einige Glasarbeiten aus Swietla, und eine bedeutende Partie von geschmiedetem Eisen und Eisen-Gerätschaften aus dem fürstl. Dietrichstein'schen Eisenwerke zu Ransko und Pelles.

Der Königgrätzer Kreis brachte einige Stüke Scharlach-Tuch um billige Preise und ein paar Spieluhren, deren eine das Volkslied: „Gott erhalte Franz den Kaiser“ spielt.

Wenn auch der Bildschower-Kreis nur wenige, aber sehr schöne, Leinwanden und Battiste aus Starkenbach und Lomnitz, und etwas Papier aus Hohenelbe darbot, so gehören ihm doch die herrlichen Erzeugnisse der gräflichen Harrach'schen Glasfabrik in Neuwald an, die sich von Jahr zu Jahre durch neue bewundernswerthe Fortschritte auszeichnet. Umsonst sucht man in allen andern Fabriken des Landes diese Reinheit und Weiße des Krystall-Glases, diese Kunst des Glas-Emails, diesen Farbenschmelz des Rubin-, Amethyst- und Topas-Glases. Vorzüglich schöne Stüke der Suite von Producten dieser Fabrik sind (wenn gleich die Zeichnungen der Formen mit der Schönheit des Materiales noch nicht gleichen Schritt halten) ein 36 Zoll hoher Tischaufsaz von Krystallglas im gothischen Geschmake; zwei hetrurische Frucht- und Blumenvasen; zwei himmelblaue Blumenvasen, weiß polirt; eine Punschbowle; ein ovaler Präsentirteller mit Rubin plattirt, mehrere Fernrohrgläser u.s.w.

Der Rakonitzer Kreis brachte Bleizuker aus Bürgliz, und die erfreulichen Producte des fürstlich Fürstenbergischen Eisengußwerkes in Neu-Joachimsthal.

Der Berauner Kreis lieferte eine große Zahl von Gußarbeiten des gräfl. Wrbna'schen Eisenwerkes zu Horzowitz; Reifeisen, Schaufeln u.s.w. vom fürstl. Fürstenberg'schen Schichtamt zu Rostok, dann etwas Steingut aus Teinitz, Zuker und Bleizuker, ferner Korbflechtarbeiten aus Königsal, und der einzige Kaurzimer Kreis brachte – gar nichts dar.

Auf ausdrükliches Verlangen sind dieser Ausstellung der böhmischen Gewerbsproducte einige sehr schöne Erzeugnisse der gräflich Salm'schen Eisenfabrik zu Blansko (3 große antike Figuren: Apollo, Venus und ein Faun, und 2 kleine, Clio und Euterpe) angereiht worden, die uns mit Vergnügen auch einige Beweise der Fortschritte der Kunst in dem nachbarlichen und stammverwandten Mähren bewundern ließen. Die Prämien-Medaillen, zu Belohnung der vorzüglichsten böhmischen Productionen bestimmt, und von Manfredini in Mailand gravirt, in Gold (30 Ducaten schwer), Silber und Eisen ausgeprägt, sind von ausgezeichneter Schönheit. Die eine Seite zeigt den böhmischen Löwen, die zweite bietet zwischen kränzenden Zweigen den leeren Raum dar, um den Namen des verdienten Empfängers hinein zu graviren. –

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