Titel: Ueber das chinesische Reiß-Papier,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LXXVII./Miszelle 33 (S. 331–332)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033077_33

Ueber das chinesische Reiß-Papier,

welches jährlich in großer Menge theils zu künstlichen Blumen, theils zu anderen Zweken eingeführt und verwendet wird, hat Hr. Joh. Reeves, Esqu., zu Canton, der Society for the Encouragement of Arts, (Bd. XLVI.) folgende Notiz mitgetheilt, aus welcher erhellt, daß dieses Reiß-Papier nicht aus Reiß verfertigt wird und kein Kunstproduct ist, sondern ein reines vegetabilisches Product, das bloß spiralförmig geschnitten, und dann gepreßt wird.

„Ob diese Pflanze, wovon ich ein Stük beilege, sagt er, ein Baum oder ein Strauch ist, kann ich nicht sagen, da die Person, die mir zu dieser Notiz half, nur das Stük zuschneiden sah.“

„Nachdem die Aeste in der für das Papier verlangten Breite der Länge nach geschnitten wurden, werden sie auf eine dike Platte Kupfer mit zwei emporstehenden Kanten gelegt, die als Leiter zur Befestigung derselben dienen. Man hält die Aeste mit der linken Hand und bringt sie unter die Schneide eines großen, 10 Zoll langen und 3 Zoll breiten sehr scharfen Messers, das von der rechten Hand geführt wird.“

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„An dem Aste wurde ein leichter Einschnitt der ganzen Länge nach herab gemacht, und der Ast wird mit der linken Hand gedreht, während das Messer mit der rechten Hand gleichfalls in Bewegung erhalten wird, auf diese Weise wird der Ast von dem Umfange bis zu seinem Mittelpunkte zugeschnitten, und dann ausgebreitet und flach gelegt.“

„Die Blätter werden gewöhnlich in Bündel von 19 bis 20 Stüken gelegt, die ungefähr 23 Unzen wiegen, und im Großen das Bundel für ungefähr Einen Dollar verkauft.“

„Der Ausschuß, dergleichen ich Ihnen einen sandte, dient zur Verfertigung künstlicher Blumen.“

„Die chinesischen Jungen bringen diese Waare vorzüglich von der Insel Formosa; daher die Schwierigkeit, etwas über die Pflanze zu sagen, aus welcher dieselbe bereitet wird, indem vielleicht Niemand, der mit dieser Waare nach Canton handelt, jemals sah, wie das gemacht wird, was er verkauft.“

Hr. Gibes bemerkt, daß er nach mikroskopischen Beobachtungen das sogenannte Reiß-Papier immer für ein dem Hohlunder-Marke ähnliches vegetabilisches Product hielt. Es scheint ihm, daß die Hervorragungen an der Kupferplatte nicht bloß als Leiter für die Aeste, zum Festhalten derselben, sondern auch zur Regulirung der Dike der Schnitte dienen, indem das Messer oben auf denselben liegt, während es hin und her gezogen wird. Er meint, daß man auch aus unserem Hohlunder solches Papier schneiden könne, wenn man es in der Folge preßt, und daß es eben so gut gefärbt werden kann. Man hat in England bereits sehr schöne Figuren aus Hohlunder-Mark zu elektrischen Versuchen geschnitten, und wird auch bald Blätter daraus schneiden156).

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Dem Uebersezer scheint diese ganze Notiz, wie so viele andere Notizen über chinesische Industrie, sehr dunkel.

A. d. Ue.

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