Titel: Vergleichung einer englischen Maschinen-Fabrik mit einer französischen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. LXXVII./Miszelle 4 (S. 322–324)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033077_4
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Vergleichung einer englischen Maschinen-Fabrik mit einer französischen.

Hr. Fournier ließ im Journal de Commerce folgende Parallele zwischen einer englischen Maschinen-Fabrik und seiner eigenen von gleichem Belange einrüken. Der Bulletin des Sciences technol. März theilte sie gleichfalls mit. Wir liefern sie im Auszuge.

Mein College
zu Manchester
braucht

Ich brauche
für Gebäude 150,000 Franken. 200,000
Dampfmaschine und Triebkraft 45,000 – 75,000
36 Drehebänke aus Eisen und Gußeisen pr. 30,000 Kilogr. 45,000 – 75,000
100 Amboße u. Werkzeuge zu 8 Schmieden 20,000 –
Maschinen zum Bohren, Theilen, Spalten, Geräthe zum
Drehen und rohe Materialien zu Modellen aus Eisen und Gusseisen
25,000 – 45,000
Modelle aller Art 40,000 – 40,500
325,000 Franken. 435,000

Mein College zu Manchester kommt also um 148,000 Franken bei der ersten Anlage seiner Fabrik leichter durch, wie ich. Wir sezen beide gleich viel Arbeit ab, wollen wir annehmen; Arbeitslohn und Aufsicht sollen bei mir so viel kosten, wie bei ihm, obschon sie mir theurer kommen müssen, wenn ich eben so viel erzeugen will, weil unsere Leute, da es in Frankreich wohlfeiler zu leben ist, weniger arbeiten; wir sollen beide, nach meiner Rechnung, für 900,000 Franken Maschinen verfertigt haben.

Mein Hr. Bruder
zu Manchester
zahlt

Ich
an Interessen für das Capital der Werkstätte à 4 p. C. 14,000 Frk. à 5 p. C. 23,650 Frk.
für Abnüzung, Ausbesserung der Geräthe à 5. p. C. 16,250 – 23,650 –
– Stein-Kohlen zur Dampfmaschine, 800,000 Kilogr.
das 100 Kilogr. zu 1 Fr. 25 C.

10,000 –

48,000 –
Um für 900,000 Fr. Maschinen zu erzeugen, brauchen
wir 500,000 Kil. rohes Material: Ein Fünftel Holz und
Kupfer; 250,000 Kilogr. geformtes Gußeisen; zu 40 Fr. er:


100,000 –


zu 70 Fr. ich:


175,000 –
140,000 Kilogr. geschmiedetes Eisen; zu 20 Fr. er 28,000 – zu 60 Fr. ich: 84,000 –
10,000 Kilogr. Stahl; zu 200 Fr. er 20,000 – zu 350 Fr. ich: 35,000 –
Feilen 25,000 – 40,000 –
5. p. C. Abfall an rohen Materialien während der Verarbeitung 5,000 – 12,800 –
––––––––– –––––––––
218,250 Fr. 442,100 Fr.

Ich habe also um 223,550 Franken mehr Ausgabe, als mein Hr. Bruder, d.h. er kann das, was ich nur um 900,000 Franken zu liefern vermag, füglich für 676,450 Franken hingeben, und er gewinnt noch mehr als ich. Ich habe ein größeres Capital in der Gefahr; nicht weniger als um 223,550 Franken mehr, als er. Meine Maschinen kommen mich um 33 bis 35 p. C. theurer, als ihm, weil Steinkohle, Eisen und Gußeisen bei uns theurer ist. Die Regierung schüzt mich dafür mit 15 p. C. Einfuhr-Zoll auf Maschinen, die im Auslande erzeugt werden, d.h., der Hr. Minister läßt, wie ein wahrer Jesuit, die Wagschale nach beiden Seiten gleich tief sinken und gleich hoch steigen; falsche Mauth-Declarationen etc. etc. etc. bringen aber den allergnädigsten Schuz für vaterländische Industrie auf 10 p. C. und darunter herab. Die Frachtkosten von Manchester bis vor mein Hausthor sind 10 p. C.; also ist mein Schuz und Schirm gegen das Ausland 20 p. C., während das Ausland 33 p. C. vor mir voraus hat. (Diese Rechnung |324| ist so richtig gestellt, daß jeder Buchhalter jeder Fabrik, der England und Frankreich kennt, sie unterzeichnen wird. Hr. Fournier hat sie sogar noch zu seinem Nachtheile im Beweise gestellt. Indessen wird sie, so einleuchtend sie ist, doch dem Hrn. St. Crieq nicht einleuchten, der jezt auch in Frankreich Huskissonirt ist. Was jedem Esel einleuchtet, ist den Ministerien in constitutionellen Staaten darum noch nicht immer klar genug: in nicht constitutionellen haben die Minister für das Wohl der Industrie der Unterthanen ihrer Souveräne sorgen gelernt. Heil dem erlauchten Kaiser von Oesterreich, Franz II. und seinem kaiserlichen Sohne, die neulich sich persönlich den gemachten Anträgen freier Einfuhr ausländischer Fabrikate widersezten, und ihre fleißigen Unterthanen gegen die Schmeicheleien des Auslandes und gegen die Faseleien einiger bestochenen Rathsherren in ihren väterlichen Schuz nahmen.)

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