Titel: Ueber Uferbau an der See
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XCIV./Miszelle 14 (S. 402–403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033094_14

Ueber Uferbau an der See

finden sich einige interessante Bemerkungen von Hrn. David Gordon im Star und im Register of Arts etc. Nr. 68. S. 316. Er sagt, daß alle Mühe, die man sich bisher gab, die Grundfesten bei den steinernen Dämmen, Kayen, |403| Wasserbrechern an der See recht fest und tief zu legen, die Steine genau zu behauen und auf einander zu passen, den besten Mörtel zu nehmen, sobald die Grundfeste bedeutend unter dem kleinsten Wasserstande bei der Ebbe ist, nicht nur vergebens ist, sondern daß man der See gerade dadurch ihre zerstörende Arbeit erleichtert; daß der große Wasserbaumeister Rennie, dieß wohl einsehend, bei seinen Bauten zu Dublin, Port-Patrick, Plymouth bloß lose große Steine dort in die See werfen und sie ihre eigene Basis finden ließ; daß, wenn eine Woge einen Stein einer Dammmauer an der See nur ein Mal und den Millionten Theil eines Zolles verrükt hat, diese. Mauer früher oder später einstürzen muß. „Wenn eine große Woge schnell und heftig an eine Mauer anschlägt, und dann eben so schnell wieder zurüktritt, so bildet sich, wo die Tiefe des Wassers beträchtlich ist, ein leerer Raum, oder, wenn sie in der Nähe der Oberfläche wirkt, eine Höhlung, die sich mit Luft füllt. In beiden Fällen entsteht eine Wirkung, die dem Saugen ähnlich ist,183) indem der hydrostatische oder der atmosphärische Druk dadurch ganz oder zum Theile entfernt wird. In lezterem Falle geschieht dieses Saugen mit der furchtbaren Kraft von 2160 Pfd. auf den Quadratfuß. Man berechne hiernach die unendliche Kraft, mit welcher eine große Woge auf die untern Steinreihen einer solchen Mauer einwirkt, und man wird sich erklären, warum solche Mauern immer unten zuerst nachgeben und gegen die See hineinstürzen, wenn anders nicht die See auch über die Mauer emporschlagen und so die Wurfskraft mit der Saugekraft verbinden kann, wo dann sowohl die Elasticität der Luftschichte, die zwischen der Steinwand und der Woge durch die leztere zusammengedrükt wird, als das Moment der Woge selbst wirkt.

Man sollte also solche Dämme mit so vielen Löchern und Zwischenräumen versehen, als die Festigkeit derselben nur immer gestaltet, wodurch dann beständig Verbindung der obern atmosphärischen Luft mit der Tiefe des Wassers unterhalten würde, und kein leerer Raum bei dem Rüktritte der Wogen gebildet werden könnte, und in Hinsicht auf die Wurfskraft des Wassers, auch die zusammengedrükte Luftschichte verschwinden würde. Das Moment des Wassers selbst würde theils durch feine erleichterte Verbindung mit der Luft, theils durch hervorragende Spizen und Unebenheiten gebrochen werden. So sichert der arme Fischer an der Küste von Schottland und Irland sein Both mit Bündeln von Reisern am Rande desselben gegen die schwersten Wogen. Hr. Gordon meint daher, man sollte diese Dämme aus unregelmäßigen, ekigen Steinen aufführen, die man pyramidenförmig, so wie die Kugelhaufen in Arsenalen aufschichtet184).

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Der gemeine Mann, dem die Bemerkung nicht entging, daß man auch an Seen und Flüssen oft mitten in der Dammmauer Löcher findet, welche deutlich zeigen, daß die Steine aus der Mauer in das Wasser herausfielen, welches sie doch, nach seiner Ansicht, vielmehr in die Mauer hineindrüken sollte, sagt bei uns: „das Wasser hat die Steine herausgelekt.“

A. d. Ue.

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Der Uebersezer erinnert sich in einem italiänischen Werke, dessen Titel er in diesem Augenblike nicht angeben kann, dieselben Bemerkungen gelesen zu haben, die Hr. Gordon hier machte. Der Italiäner schlug vor den Mauern Reihen von Gitterwerken vor, die von der Grundfeste bis an das oberste Ende derselben reichen, und hinter einander ausgestellt seyn sollten.

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