Titel: Hrn. J. M. Macneil's neue Art Straßen zu bauen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XCIV./Miszelle 15 (S. 403–404)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033094_15

Hrn. J. M. Macneil's neue Art Straßen zu bauen.

Hrn. Macneil's Patent dd. 6. Mai 1828, von welchem wir bereits Nachricht gegeben haben, wird im Julius-Hefte des Repertory of Patent-Inventions S. 407., jedoch ohne die hierzu nöthigen Kupfer, aufgeführt und recensirt. Hr. Macneil bildet in eigenen hierzu vorgerichteten Modeln künstliche Steine aus Einem Achtel scharfen Sand und eben so viel Römischen Mörtel, sechs Achteln Granit-Abfälle oder Abfälle von irgend einem anderen harten Steine, wie z.B. zerschlagenen Feuer-Steinen, oder reinen Schutt, und sezt dieser Mischung ungefähr den vierten Theil Wasser zu. Mit den auf diese Weise gebildeten Steinen pflastert er nun die Straße, oder schüttet auch die Masse selbst, während sie noch flüssig ist, über die Straße, deren Unterlage er hierzu gehörig zubereitet hat. Es ist Schade, daß die Model zur Bildung dieser Steine nicht abgebildet sind, da der Patent-Träger die nöthigen Abbildungen gegeben hat.

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Hr. Macneil bedient sich dieser Steine auch zu allen Arten von Wasserbau, wo aber dann die Bemerkung, daß zu diesen Steinen außer dem Römischen Mörtel auch jeder andere Mörtel gebraucht werden kann, wohl nicht taugen wird. Die auf obige Weise gepflasterte oder gegossene Straße wird, wie gewöhnlich, mit feinem festen Schutte beschüttet.

Das Repertory of Patent-Inventions bemerkt, daß dieser Straßenbau in Gegenden, wo es an Steinen fehlt, die als Unterlage für die Straße dienen könnten, allerdings empfohlen zu werden verdient, und vorzüglich in nassen tiefliegenden Gründen; daß der Einwurf, den man wegen der Kostbarkeit derselben macht, dadurch in sich selbst zerfällt, daß, wo man in solchen Gegenden nicht gleich Anfangs eine feste und dauerhafte Straße anlegt, die ewigen Reparaturen mehr kosten, als eine gute und solide Straße in ihrer ersten Anlage nicht gekostet haben würde; daß man jedoch in Städten, zumal in London, wo so viele Wasser- und Gas-Röhren in den Straßen laufen185), von dieser Bauart keinen Gebrauch machen kann.

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Man kann sich auf dem festen Lande keinen Begriff von der Ungelegenheit machen, die in den bevölkertsten Straßen Londons beinahe täglich für Fußgänger sowohl als für Kutschen und Wagen durch das Aufbrechen des Straßen-Pflasters entsteht, um die Röhren der vielen Gas- und Wasser-Compagnien, die unter dem Pflaster hinlaufen, auszubessern: denn jede Wasser-Compagnie und jede Gas-Compagnie hat ihre eigenen Röhren-Leitungen. Der Magistrat der Stadt London, der von diesen Compagnien große Straßen-Zinse erhält, kümmert sich nicht um die Ungelegenheit, die das Publikum dadurch zu erleiden hat, um den Zeit- und Geldverlust, der dadurch entsteht, daß gewisse Straßen lang unfahrbar bleiben, und weite Umwege gemacht werden müssen. Hr. Wilson hat vor einiger Zeit ein eigenes Werk geschrieben, und in diesem einen Plan entworfen, nach welchem durch einen in allen Straßen durchgeführten unterirdischen Weg (Subways), in welchem alle Gas- und Wasser-Röhren laufen, diesem Uebel abgeholfen werden kann. Ueber diesen Plan enthält das Repertory of Patent-Inventions, Julius, S. 415. einige Bemerkungen, welche, da sie sich vorzüglich auf die Stadt London beziehen, zu wenig allgemeines Interesse für andere Städte besizen, die aber doch, wenn in anderen Städten ähnliche unterirdische Wege angelegt werden sollten, Berüksichtigung verdienen. London und jede große Stadt muß, wenn sie übervölkert wird, am Ende eben so gut ihre Straßen unter der Erde, als über der Erde haben. So hatte sie Rom, und so hat sie strekenweise Paris und Wien.

A. d. Ue.

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