Titel: Dampf in Dampfkesseln mittelst Gaslampen zu erzeugen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XCIV./Miszelle 2 (S. 399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033094_2

Dampf in Dampfkesseln mittelst Gaslampen zu erzeugen.

Ein Hr. L. schlägt im Mechanics' Magazine Nr. 300. S. 194 vor, Gaslampen zur Erhizung eines Dampfkessels zu brauchen, und meint mittelst derselben eine Dampfmaschine von der Kraft von 10 bis 20 Pferden in Gang bringen zu können. Er gibt nicht an, wie viel Lampen hierzu nöthig wären, und sagt bloß, daß 16 Lampen, gehörig in zwei concentrischen Kreisen unter einem Kessel angebracht, eine größere Hize zu erzeugen vermögen, als man nicht vermuthen sollte. Damit der Kessel nicht durch das beständige Anschlagen der Flamme auf dieselben Punkte des Kessels zu sehr leidet, empfiehlt er dem Apparate eine drehende Bewegung zu geben. – Da Hr. L. keinen Versuch im Kleinen, viel weniger im Großen angestellt hat, so zweifeln wir einstweilen an der Möglichkeit des Gelingens dieser neuen Heizung so lange, bis man anfangen wird, die Suppe lieber mit Kerzen, als mit Holz oder Steinkohlen zu kochen. Indessen ist es allerdings gewiß, daß die Spize einer kleinen Flamme eine große Heizungskraft besizt; daß es vorzüglich der obere Theil der Flamme ist, der heizt; daß wir endlich sowohl auf unseren Herden als in unseren Zimmern die Heizungskraft der Flammenspizen meistens verloren gehen lassen. Es ist kein Zweifel, daß man die Spizen der Flammen zweier Kerzen auf seinem Tische im Winter zum Heizen der Luft in seinem Zimmer benüzen könnte; daß unter gewissen Verhältnissen, wo mehrere Lichter gebrannt werden müssen oder mehrere Argand'sche Lampen, dieser Zwek noch kräftiger und leichter erreicht werden könnte; allein man stößt in der Ausführung auf einige Schwierigkeiten in Hinsicht auf Verminderung des Lichtes, auf Erzeugung von Ruß, auf Entwikelung von unangenehmem Geruche etc., wodurch man sich bisher immer mehr abschreken als anspornen ließ, dieser Sache so viel Aufmerksamkeit zu schenken, als sie verdient. Jedermann weiß, daß die schwache Flamme einer Lampe, die neben dem Bette eines Kranken brennt, hinreicht, um seinen Thee etc. warm zu halten; ja daß sie sogar denselben oft zu heiß macht: indessen haben Wenige diese kleine Flamme, die des Nachts über in so vielen Tausend Zimmern unbenüzt brennt, dazu verwendet, wozu sie ein reicher italiänischer Cavalier brauchte. Er hizte sich mittelst derselben so viel Wasser, als er des Morgens zum Angießen seines Thees nöthig hatte, und von dem aus dem kleinen Theekessel die Nacht über aufsteigenden Wasserdampfe, der durch eine Röhre in eine geschlossene Waschkanne geleitet wurde, wurde das Wasser, welches er am Morgen zum Waschen brauchte, gerade so viel erwärmt, daß er sich behaglich damit waschen konnte. Es ist in der physischen Welt, wie in der moralischen: es geht mehr Licht und Wärme verloren, als benüzt wird. Man denkt an beide nur dann, wenn man sie braucht. Männer, die man für weise hält, lachen, wenn man für den künftigen Zustand, unserer Wälder bangt. Cato hat auch darüber gelacht, und man verkauft jezt dort das Holz nach dem Pfunde, wo er vor 19 Jahrhunderten gelacht hat.

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