Titel: Schulmeister auf amerikanischen Schiffen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XCIV./Miszelle 43 (S. 410–411)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033094_43

Schulmeister auf amerikanischen Schiffen.

Man scheint in Europa nicht zu wissen, daß die Amerikaner auf ihren Schiffen Schulmeister (Schoolmasters) halten; wir haben wenigstens in keinem Budget eines europäischen See-Ministers eine Summe für Schulmeister auf Fregatten etc. aufgeführt gefunden. Das Mechan. Mag. Nro. 308. S. 330. theilt eine Beschreibung eines elektrischen Phänomens (des St. Elm's-Feuers) mit, welches von dem Schulmeister auf der amerikanischen Fregatte Constitution im mittelländischen Meere auf der Höhe von Sicilien beobachtet wurde, die diesem Manne alle Ehre bringt: der ehemalige Fürst von Sicilien, Dionysius, hätte, als er Schulmeister werden mußte, und auch der erlauchte Herzog von Orleans hätte, als er Schulmeister zu Chur war, sie nicht besser schreiben können. Die Idee, auf stark bemannten Schiffen, z.B. auf Fregatten, einen eigenen Lehrer zu halten für die junge Mannschaft, ist wirklich herrlich und muß von unendlichem Vortheile für das See-Wesen seyn, das, nach dem so oft wiederholten offenen Geständnisse erfahrener europäischer See-Offiziere, in dem Maaße zurükschreiten muß, als der Mensch, der in einem Alter von 8–9 Jahren „in das große Faß, genannt Schiff, gestekt wird, um oben bei dem Spundloche herauszuschauen“ 187), und nie wieder das Land zu betreten, außer nachdem er Krüppel und grau geworden ist, nothwendig verwildern muß. Wenn selbst der feingebildete Mann, wenn er Jahre lang auf der See zubringt, einen Theil der Rauheit des Elementes annimmt, das er bekämpft; was soll aus dem Menschen werden, der nie eine Bildung bekam und für sein ganzes Leben zum Seedienste verdammt ist! Er ist, wie wir so oft in Europa zu sehen Gelegenheit haben, sich und andern Last. Während in so vielen, und selbst in so vielen konstitutionellen Staaten Europas, wie z.B. in Frankreich und in England, der Schul-Unterricht auf dem Lande so sehr vernachlässigt wird, sorgt der Amerikaner dafür, daß seine Landsleute selbst auf den Schiffen des Primär-Unterrichtes nicht entbehren; ist es dann ein Wunder, wenn wir die amerikanischen Seeleute Wunder hervorbringen sehen? wenn ihre Marine jezt die erste auf dem Ocean ist? Schulen! Schulmeister! Dieß ist es, was jeder Staat vor Allem braucht. Die übrigen gelehrten Anstalten bilden sich dann, wie in Nord-Amerika, von selbst, und gedeihen, als Privat-Anstalten, besser, als wenn sie unter einem Minister des Unterrichtes stehen, der Groß-Kreuz der frères ignorantins ist188).

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Rabelais Pantagruel.

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Einen höchst weisen, und, wie es uns scheint, auch in Europa Nachahmung verdienenden, Senats-Beschluß hat im Anfange dieses Jahres der Senat am Ohio erlassen, in Folge dessen die Unterhaltungskosten der Volksschulen größten Theils auf die muthwilligen Hagestolzen geworfen werden. Wer eine Frau, nach seinem Stande (Taglöhner oder Minister), erhalten kann, und nach 30 Jahren keine genommen hat, zahlt die gewöhnliche Familiensteuer einer Familie von 6 |411| Köpfen zum Unterhalte der Schulen. Man sieht hieraus, wie man in Nord-Amerika die Wichtigkeit der Schulen, und die Notwendigkeit der Förderung der Ehen besser versteht, als in Europa, wo man beide beschränkt, obschon für zehn Mal so viel Menschen, als auf dieser alten Jungfrau herumtreten, noch Raum genug ist. (Times. Galignani. 4452.)

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