Titel: Rechtshändel über Industrie-Gegenstände.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. XCIV./Miszelle 49 (S. 413)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033094_49

Rechtshändel über Industrie-Gegenstände.

Ein Hr. Becasse hatte bei der lezten Industrie-Ausstellung zu Paris eine eiserne Kiste mit der Aufschrift aufgestellt, daß diese Kiste demjenigen gehören soll, der sie öffnen wird. Eine Menge Schlosser etc. versuchten ihre Kunst vergebens, bis endlich einer, Namens Rousselet, an dieser Kiste vorüber ging, sie nur leicht berührte, und dadurch aufspringen machte. Hr. Becasse verweigerte dem Rousselet die Kiste, und sein Advocat brachte, wie alle Advocaten, die abgeschmaktesten Gründe gegen die Extradirung der Kiste vor. Das Tribunal de Premiere Instance entschied indessen für Rousselet. (Galignani. N. 4465.)

Ein Ziegelbrenner zu Rumworth, Jak. Boardman, wurde von Hrn. Hutton vor Gericht belangt, weil er die Feier des Sonntags (der in England so heilig gehalten wird, wie der Sabbath bei den Juden) dadurch brach, daß er seinen Ziegel-Ofen in Brand hielt. Sein Advocat entschuldigte ihn mit dem Schaden, den er gehabt haben würde, wenn er das Feuer hätte ausgehen lassen, und warf Hrn. Hutton eine Gegenklage auf den Hals, daß er des Sonntags seine Dampfmaschinen gehen läßt. Hr. Hutton entschuldigte sich damit, daß seine Maschinen Wasser pumpen müssen, und für sich allein arbeiten, ohne daß der Mensch am Sonntage knechtisch neben denselben zu arbeiten hätte. Der Examiner meint daher, man sollte die Dampfmaschinen eben deßwegen, weil sie mit so viel Spontaneität und beinahe wie ein verständiges Wesen arbeiten, gleichfalls den Sonntag heiligen lassen, oder gar in die Kirche schiken. (Galignani. N. 4466.)

Ein Sir Paul Baghott verleitete im J. 1824 die HHrn. Gibb und Macdonald zu Edinburgh zur Errichtung einer Kaschmir-Schaal-Fabrik unter dem Vorwande, daß er das hierzu nöthige Material besäße; daß dieses eine englische Erfindung wäre, und folglich keine ähnliche Waare aus dem Auslande eingeführt werden dürfe. Im J. 1825 hatten die HHrn. Gibb und Macdonald bereits eine große Fabrik hierzu eingerichtet, als es sich bald darauf zeigte, das Sir Paul Baghott die Wolle hierzu gesponnen aus Frankreich einführte, und dieselbe um 60 bis 70 p. C. theurer an seine Committenten verkaufte, als sie ihm zu stehen kam. Sobald diese Täuschung bekannt wurde, fielen die Schahls um eben so viel; es entstanden neue Fabriken, und die HHrn. Gibb und Macdonald hatten unendlichen Schaden. Die Jury erkannte 4000 Pfd. Sterl. Schaden-Ersaz gegen Sir Paul Baghott. (Galignani. N. 4466.)

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