Titel: Schnekenleim, zum Kitten des Glases, Porzellans etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. CXIV./Miszelle 13 (S. 483)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033114_11

Schnekenleim, zum Kitten des Glases, Porzellans etc.

Das Journal des connaiss. usuelles N. 47. pag. 61. und der Bulletin des sciences technol. Juni. S. 107. empfiehlt folgenden Leim zum Kitten des Glases, Porzellans etc. „Die Gartenschneke hat an dem Ende ihres Körpers ein Bläschen, das mit einer fettartigen und gallertartigen weißlichen Materie gefüllt ist. Wenn man diese Masse herausnimmt und zwischen zwei Körper bringt, sie mögen auch noch so hart seyn, und diese Körper in allen ihren Theilen genau in Berührung sezt, so leimt sie dieselben so fest an einander, daß, wenn sie mit einem Hammer in der Folge wieder zerschlagen werden, sie häufig an einer andern Stelle brechen, als an derjenigen, an welcher sie mit dieser Masse zusammengeleimt wurden. Man hat einen in zwei Stüke gebrochenen Feuerstein von der Größe einer Mannsfaust auf diese Weise zusammengekittet, und mit aller Gewalt gegen einen Pflasterstein geworfen. Der Stein sprang in viele Stüke, hielt aber an den zusammengeleimten Flächen die ganze Gewalt des ihn zerschmetternden Wurfes aus. Es versteht sich, daß man diesen Leim troken werden lassen muß, ehe man ihn einer solchen Probe aussezt220).

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Es gibt mehrere Thiere, welche eine bindende Flüssigkeit aus ihrem Körper absezen, die selbst unter Wasser Steine an einander auf eine wunderbare Weise festhält. Die Raupen der bei uns in Wassergräben häufigen Frühlingsfliegen verfertigen sich hohle Cylinder aus kleinen Steinchen und Sandkörnern, kleinen Süßwasser-Conchylien, die sie, unter Wasser, so fest zusammenzukitten wissen, daß man Mühe hat, die Steinchen, die sich oft nur an wenigen Punkten berühren, von einander zu trennen. Das Sonderbarste an dem Kitte, den diese Thiere wahrscheinlich aus ihrem Körper absondern, ist dieß, daß er unter Wasser erhärtet. Es wäre der Mühe werth, daß ein geschikter Chemiker diese Flüssigkeit genau untersuchte. Wenn man auch nur ein Analogen dadurch fände, so würde der Wasserbau unendlich dabei gewinnen.

A. d. Ue.

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