Titel: Ueber die an den zusammengesezten Mikroskopen des optischen Institutes Utzschneider und Fraunhofer in München angebrachten Verbesserungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. CXIV./Miszelle 17 (S. 484–485)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033114_15

Ueber die an den zusammengesezten Mikroskopen des optischen Institutes Utzschneider und Fraunhofer in München angebrachten Verbesserungen.

Die bekannten in dem optischen Institute zu München unmittelbar unter des sel. Fraunhofers Aufsicht verfertigten, zusammengesezten Mikroskope leisten bei allem inneren Werthe doch nicht ganz, was man dermalen von einem solchen Instrumente fordert, und in Folge so mancher glüklichen Verbesserungen des mikroskopischen Apparates, welche die neueste Zeit herbeiführte, zu fordern berechtiget ist. Herr Merz, welcher jezt an des sel. Fraunhofers Stelle das optische Institut leitet, war daher darauf bedacht, den von diesem Institute ausgehenden zusammengesezten Mikroskopen, welche immer ihren Vorzug vor den einzelnen Linsen, aus welchen Stoffen sie auch mögen bereitet seyn, behaupten werden, jene Vollkommenheiten zu geben, deren sie ihrer lobenswürdigen ursprünglichen Anlage und inneren Gute nach fähig waren. Auf diese Weise werden nun von besagtem Institute Instrumente verfertiget, welche alles in sich vereinigen, was man nur immer in Betreff der Vergrößerung, der Lichtstärke, der Präcision und der Bequemlichkeit beim Gebrauche wünschen kann.

Die vorzüglichsten Momente dieser Verbesserungen sind:

1) Es ist den Mikroskopen ein stärker wirkendes achromatisches Objectiv beigegeben, die fünf jezt zu dem Apparate gehörenden Objective haben folgende Brennweite:

Nro. 1. = 1'',78
2. = 1'',30
3. = 0'',95
4. = 0'',75
5. = 0'',49

woraus sich leicht der Gewinn für die Vergrößerung durch dieses 5te achromatische Objectiv ergibt. Die großen Fraunhoferschen Mikroskope haben zwar 6 Objective, die zwei ersten aber sind von noch größerer Brennweite als das Nro. 1. der hier aufgeführten.

2) Die Fassung der Linsen ist so eingerichtet, daß man sie nach Belieben an einander schrauben und ihrer 2 oder 3 oder 4 combinirt als Objectiv gebrauchen kann. Die großen Vortheile dieser Combinationen für die Stärke der Vergrößerung sowohl wie für die Deutlichkeit des Bildes hat bereits Herr Professor von |485| Ettingshausen in der Wiener Zeitschrift für Physik und Mathematik hinlänglich gezeigt. Wie viel man an Vergrößerung gewinne, mag auch aus der Brennweite der combinirten Objektive erkannt werden:

1 + 2 = 0'',75
2 + 3 = 0'',54
3 + 4 = 0'',41
4 + 5 = 0'',29
1 + 2 + 3 = 0'',41
2 + 3 + 4 = 0'',31
3 + 4 + 5 = 0'',22
1 + 2 + 3 + 4 = 0'',26
2 + 3 + 4 + 5 = 0'',19
1 + 2 + 3 + 4 + 5 = 0'',17

3) Der Tubus ist in zwei Theile getheilt; zwischen die beiden Theile kann ein Reflexionsprisma eingesezt werden, so daß der untere Theil des Tubus in senkrechter Richtung stehen bleibt, der andere Theil des Tubus aber in horizontaler Richtung an den Hälter des Prisma angeschraubt wird: auf diese Weise erhält man alle jene Vortheile, welche Hr. Amici durch seine bekannte Vorrichtung zu erlangen strebte221), und behält es dabei ganz in der Willkühr, das Mikroskop auch ohne Prisma zu gebrauchen, wobei sich der Beobachter leicht von der Güte des eingefügten Prisma überzeugen kann. Auch ist es wohl von Nuzen, daß der Tubus durch den bleibenden vertikalen Theil bedeutend an Länge gewinnt, wenn das Reflexionsprisma angewendet wird; so wie daß es dem Beobachter anheim gestellt ist, nach Belieben mit einem kurzen Tubus, welcher bei schwächerer Vergrößerung den Vortheil der Lichtstärke für sich hat, oder mit einem längern, welcher stärkere Vergrößerung verspricht, in welchem aber auch ein wenig vom Lichte verloren geht, seine Beobachtungen anzustellen.

4) Der Objectentisch ist durch eine Mikrometerschraube auf's feinste bewegbar, da bei sehr starken Vergrößerungen durch die Bewegung des Tubus allein die erforderliche Genauigkeit nicht zu erlangen ist.

5) Das auch in den Amicischen Mikroskopen zwischen dem Beleuchtungsspiegel und dem Objekte angebrachte Diaphragma ist nur mit einer Oeffnung versehen, kann aber leicht vom Gegenstande ab und dem Spiegel zu gezogen, oder umgekehrt, werden, wodurch alle, auch die feinsten Abänderungen der Beleuchtung möglich sind.

6) Die combinirten Objective vertragen eine große Verschiedenheit von Okularen, und da die achromatischen Linsen des Utzschneider und Fraunhoferschen Institutes sich durch ungemeine Klarheit auszeichnen, so wird es möglich ein Okular anzuwenden, wodurch man bei vollkommen genügender Lichtstärke Vergrößerungen von 500 bis 1000 Mal erhält. Mit dem Okular, welches als N. 2. den kleinern Fraunhoferschen Mikroskopen beigegeben ist, erlangt man durch das aus der Combination der achromatischen Linsen 3, 4, 5 entstandene Okular eine Vergrößerung von 440 Mal. Eine Abbildung des Instrumentes mit einigen erklärenden Worten und der Angabe der Vergrößerungen theilt das optische Institut auf Verlangen mit.

|485|

Polytechn. Journal Bd. XXXII. S. 256.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: