Titel: Die Kasimir-Schahl-Ziege in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. CXIV./Miszelle 33 (S. 490–491)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033114_31

Die Kasimir-Schahl-Ziege in England.

Wir haben von den verunglükten Versuchen der Engländer, die Kasimir-Schahl-Ziege auf ihrer Insel zu naturalisiren, seiner Zeit Nachricht gegeben. Nach den Transactions of the Society for the Encouragement of Arts, 46. B. (Gill's technol. and Micr. Repository, August, S. 87.) gelang es jezt einem Engländer, C. T. Tower, Esq. zu Weald Hall, Essex, diese Ziegen auf seinem Gute zu vermehren, nachdem die nach Schottland verpflanzten Thiere dieser Race ohne Nachkommenschaft ausgestorben sind. Hr. Tower befand sich zu Paris, als Hr. Terneaux im Jahr 1823 eben seine Kasimir-Ziegen aus Persien erhielt, und kaufte vier derselben, zwei Böke und zwei Ziegen.

Obschon es auf seinem Gute zu Weald Hall in Essex feucht und etwas rauh ist, so gedeihen diese Thiere doch so gut, daß er deren jezt, mit den bereits angekauften, an 27 besizt. Eine der gekauften Ziegen war bereits alt, als sie gekauft wurde, brachte aber doch jedes Jahr eine, und zwei Mal sogar Zwillinge. Eins derselben bekam gekreuzte Hörner, und diese werden in Persien für die besten gehalten. Die Thiere vertragen die Kälte ziemlich gut222) und sind sehr gesund: nur bei rauhem Wetter gehen sie gelegentlich unter Dach. Im Frühjahre, Sommer und Herbst, grasen sie, wie die Schafe; im Winter werden sie mit Heu und Abfällen von Gartengewächsen gefuttert. Ihr Lieblingsfutter ist Ulex europæus, den sie, ungeachtet seiner Stacheln, mit Begierde fressen. Neue Anlagen in Parks beschädigen sie nicht mehr, als die gemeinen Ziegen. Sie springen schon sehr frühe: drei Ziegen warfen bei Hrn. Tower, ehe sie noch 12 Monate alt waren223). Einige bringen braune Wolle, die meisten aber weiße, die mehr werth ist. Ihr Fließ ist ein Gemenge von langem groben Haare und von sehr feiner Wolle. Leztere wird frühe im April los, und sie läßt sich leicht und schnell sammeln, wenn man die Thiere zwei oder drei Mal |491| kämmt: man bedient sich hierzu eines Kammes, wie jener, mit welchem man die Mähnen der Pferde kämmt. Es kommen dadurch zwar auch grobe Haare unter die feine Wolle; die Fabrikanten haben aber keine Mühe beim Sortiren. Ein Bok gibt ungefähr 8 Loth, und eine Ziege 4: zwei Pfund solcher roher Wolle reichen zu einem Schahle von 54 Quadratzoll hin. Zehn Paare geben demnach einen ganzen Schahl.

Hr. Tower bekam dieß Jahr drei Schahls: einer derselben wurde der Society of Arts vorgelegt: man fand ihn besser, als jene, die in Schottland aus Wolle der französischen Schahl-Ziegen verfertigt werden, und Hr. Tower erhielt dafür die große goldene Medaille. Das Garn wurde von den HHrn. Pease zu Darlington gesponnen, und gewebt wurde der Schahl von den HHrn. Miller und Söhnen zu Paisley. Man fand diesen Schahl selbst besser, als jene, die Hr. Terneaux fabrizirt.

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Das ist sehr natürlich; sie sind in ihrer Heimath auf Alpen, nahe an der Schneegränze.

A. d. Ue.

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Dieß sollte man nicht geschehen lassen. Die Thiere werden dadurch schnell ausarten.

A. d. Ue.

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