Titel: Bemerkungen über das Bleiweiß in chemischer und commercieller Hinsicht; von Hrn. Dubuc zu Rouen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 33, Nr. CXIV./Miszelle 8 (S. 481–482)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj033/mi033114_7

Bemerkungen über das Bleiweiß in chemischer und commercieller Hinsicht; von Hrn. Dubuc zu Rouen.

Am 16. des vergangenen Monates wurde ich zum Mitgliede der Jury unseres Departements erwählt, welche die Industrie-Producte, die sich zur öffentlichen Ausstellung in Paris eignen dürften, auszuwählen hat; bei dieser Gelegenheit zogen mehrere Brode zu Rouen fabricirten Bleiweißes meine Aufmerksamkeit auf sich, welche dieser Jury unter der Benennung kohlensaures Blei oder holländisches Bleiweiß (Céruse façon d'Hollande) übergeben waren.

Holland scheint noch im ausschließlichen Besiz der Fabrikation des sogenannten käuflichen Bleiweißes (Céruse commerciale) zu seyn und hat es seit fast undenklichen Zeiten allen Nationen geliefert. Dieses Land war unter Napoleon's Regierung zehn bis zwölf Jahre lang von den Franzosen militärisch besezt und man sollte glauben, das; während dieser Zeit unsere Künstler und Gelehrten seine zahlreichen Fabriken besucht und das kohlensaure Blei, so wie es die Holländer in den Handel bringen, bereiten gelernt hätten. Dessenungeachtet ist die Fabrikation des Bleiweißes, so wie es die Maler zum Abreiben mit Oehl brauchen, in Holland leider! einheimisch geblieben und von den seit zwanzig bis dreißig Jahren in Frankreich errichteten Bleiweißfabriken liefert keine ein Product, welches demjenigen, das man aus den Niederlanden und bisweilen aus Venedig bezieht, und wovon eine ungeheure Menge in Frankreich verbraucht wird, vollkommen ähnlich ist.

Das Bleiweiß ist ein rein chemisches Präparat; man muß es also zerlegen und ächtes holländisches Bleiweiß, wenn man einmal seine Bestandtheile kennt, bereiten können; dessenungeachtet liefern die Franzosen, welche, wie man sagt, die größten Chemiker Europas besizen, noch kein Bleiweiß in den Handel, das demjenigen vollkommen gleich ist, welches ihre Nachbarn fabriciren.

Ich ließ das zu Rouen fabricirte Bleiweiß, welches der Jury übergeben war, durch mehrere Maler mit dem käuflichen oder aus Holland bezogenen Bleiweiß vergleichen, welche alle darin übereinstimmten, daß es zwar schön und fein sey, sich auch mit dem Oehl leicht bearbeiten lasse, aber nicht so lange damit ausdaure, wie das ächte holländische Bleiweiß. Sie bemerkten noch, daß das Bleiweiß von Rouen weniger dicht sey als das holländische und schrieben die Ursache davon einem geringeren Bleigehalte zu. Diese Erklärung von Künstlern, welche in der Anwendung des Bleiweißes ergraut sind und mehr Erfahrung als wissenschaftliche Kenntnisse besizen, verdient gewiß die Beherzigung der Bleiweißfabrikanten. Man findet zwar in den Schriften der älteren und neueren Chemiker mehrere Verfahrungsarten zur Bereitung des Bleiweißes; aber ungeachtet alles Verdienstes dieser Verfahrungsarten liefert Frankreich noch kein Bleiweiß, welches eben so gut wie das holländische und venetianische ist.

Das Bleiweiß von Rouen ist dem venetianischen sehr ähnlich; es ist sehr weiß und vielleicht zu weiß; es ist feinkörnig und sehr gleichartig, und man möchte es in chemischer Hinsicht beinahe dem ausländischen vorziehen, mit welchem es im Handel doch nicht concurriren kann.

Ich frage daher, ob die Akademie nicht einen großen Preis auf die Vervollkommnung des Bleiweißes ausschreiben sollte? Daß wir die Zusammensezung des Bleiweißes kennen219), ändert an der Sache nichts; man |482| hat den Zinnober auch zerlegt und doch liefern ihn die französischen Fabriken nicht so schön, wie man ihn aus Holland und Deutschland bezieht; hier kann, wie bei dem Bleiweiße, ein einziger Handgriff die Ursache seyn, der in den ausländischen Fabriken immer vom Vater auf den Sohn übergeht.

(Im Auszuge aus dem Bulletin des Scienc. technol. Mai 1829, S. 28.)

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Man glaubte vor einigen Monaten noch, daß das Bleiweiß neutrales |482| kohlensaures Bleioxyd sey und aus 1 M. G. Oxyd und 1 M. G. Kohlensäure, also in 100 Theilen aus 83,5 Bleioxyd und 16,5 Kohlensäure bestehe; nun hat aber Hr. Prof. Pfaff in Kiel gezeigt, daß das Bleiweiß ein basisches kohlensaures Bleioxyd ist, welches 2 M. G. Bleioxyd auf 1 M. G. Kohlensäure enthält, also in 100 Theilen aus 91 Bleioxyd und 9 Kohlensäure zusammengesezt ist. (Schweiggers Jahrbuch der Chemie und Physik Bd. XXIII. S. 119.)

A. d. R.

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