Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
XV. Ueber Anzucht der Maulbeerbäume; von Hrn. Bonafous.Aus den Annales de l'Agriculture française 3. Série. T. I.Wenn die große Anzahl von Maulbeerbäumen im Rhone-Departement den glüklichen Einfluß beurkundet, welchen die k. Gesellschaft des Akerbaues auf die Landwirthe äußert, so läßt sich erwarten, daß diese nüzliche Klasse von Menschen jeden Nach, jedes Mittel mit Freude aufnehmen wird, das der Anzucht dieser Bäume einen neuen Aufschwung zu geben vermag. Unter diesen Mitteln befindet sich eines, welches ich der Auf: merksamkeit der Gesellschaft unterlege. Es besteht darin, auch auf europäischem Boden dieselbe Weise bei Anzucht dieses Baumes zu versuchen, deren sich die Chinesen bedienen, und die man in den Vereinigten Staaten Nord-Amerikas mit so gutem Erfolge nachgeahmt und eingeführt hat, wo jezt die Seidenraupe ein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit wird. In Nord-Amerika säen jezt mehrere Landwirthe die Maulbeerbäume im Anfange des Frühlings auf einen gut zubereiteten Boden, und im folgenden Sommer mähen sie die zarten Stämmchen, um ihre Raupen mit denselben zu füttern. Mit dieser Methode fahren sie so lang fort, bis endlich die Bäumchen zu stark geworden sind, und einen verkrüppelten Stok bilden. Nun stürzen |53| 1) daß man die Blätter mit weniger Mühe und Aufwand einsammeln könnte; 2) daß man weniger Grund und Boden brauchte, um eben so viele Seidenraupen zu ziehen; 3) daß man von einem Jahre zum anderen Sämlinge ziehen, die Blätter ernten und so die Zwischenzeit abkürzen könnte, die zwischen dem Aussäen des Maulbeerbaumes und der Zeit der Blätterernte verstreicht; 4) daß man die jungen Pflanzen mit einem gespannten Tuche, das man von einer Stelle auf die andere übertragen kann, schüzen könnte. 5) Es ist wahr, daß die Seide, die man von den Blattern so junger Baumchen erhält, weniger nervig seyn mag; sie ist aber dessen ungeachtet nicht minder eine gute Seide, wie mich die Erfahrung gelehrt hat. Ein wichtiger Umstand, der ferner noch beachtet zu werden verdient, ist der, daß diese Art die Maulbeerbäume zu ziehen, auch den kleinsten Landwirthen gestattet, sich mit Seidenraupenzucht zu beschäftigen, und selbst Pächtern, die Grundstüke nur auf einige Jahre über besizen. |54|6) hat man bei dieser Art von Maulbeer-Baumzucht den Vortheil, daß man derselben eine größere oder geringere Ausdehnung geben kann, je nachdem es die Bedürfnisse der Fabrikation der Seidenzeuge erfordern. Es scheint mir daher, daß es gut wäre Versuche hierüber anzustellen, und die Landwirthe einzuladen, die Resultate ihrer Versuche der Gesellschaft mitzutheilen; den Ertrag eines Feldes, das auf diese Weise mit Maulbeerbäumen bepflanzt ist, mit dem Ertrage eines Feldes von derselben Größe und Güte, wenn es mit Getreide oder Futterpflanzen bestellt wird, zu vergleichen. Man konnte dann diesen Resultaten noch die Beobachtungen, die sich über die Anwendung der Blätter solcher Bäumchen als Raupenfutter ergaben, über die Qualität der dadurch erhaltenen Cocons etc. mittheilen. In der Ueberzeugung, daß diese Art, die Maulbeerbäume zu ziehen, alle Aufmerksamkeit verdient, und durchdrungen von der Pflicht, die ich mir auflegte, den Ertrag meiner Werke über die Zucht der Maulbeerbäume und der Seidenraupen den Fortschritten des Akerbaues zu widmen, biete ich hier der k. Gesellschaft des Akerbaues zu Lyon einen Fond von 1200 Franken an, um denjenigen Landwirthen Preise ertheilen zu können, die im Rhone-Departement Resultate erhielten, welche Beifall und Aufmunterung verdienen30). |53| Diese Maulbeerstämmchen konnten, gehörig zubereitet, ein sehr gutes Papier geben, das dem chinesischen Papiere, welches von den Kupferstechern so sehr gesucht wird, sehr nahe käme. A. d. O. (Man hat schon während der Revolution die Rinde der Aestchen der Maulbeerbäume als Papier-Material gebraucht. Ein Theil der unglükseligen Assignate wurde auf solchem Papiere gedrukt. Vergl. Böhmer t. Gesch. d. Pfl. A. d. Ue.) |54|
Bei unserer innigsten Verehrung und Hochachtung für den großen Seidenwirth Bonafous, erlauben wir uns unsere Zweifel über das Gelingen dieser Versuche zu bekennen, während wir uns, auf der anderen Seite, freuen, unsere in diesen Blattern schon vor so vielen Jahren geäußerte und öfters wiederholte Meinung, daß es weit besser ist, die Maulbeerbäume als Sträucher, denn als hochstämmige Bäume zu ziehen, von einem so großen Kenner selbst durch das Extrem unserer Ansicht bestätigt zu sehen. In Nord-Amerika hat Grund und Boden noch keinen Werth, und dort mag obige Bewirthschaftung vortheilhaft seyn, wo aber Akergrund so theuer ist, wie in Europa, wird es kaum zuträglich seyn, Bäume krautartig auf Ackern zu ziehen, zumal da es überall, auch in Europa noch, Pläze genug gibt, wo man Maulbeerbäume als Heken ziehen kann, welche Art von Anzucht uns immer die vortheilhafteste zu seyn scheint, und zwischen beiden Extremen, dem Maulbeerbaume als Kraut und als hochstämmiger Baum, den man mit der Leiter besteigen muß, das Mittel hält. In lezterer Form könnte der Maulbeerbaum nur auf Hutweiden, wo man diese Neste alter Barbarei noch duldet, gezogen werden. A. d. Ue. |
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