Titel: Künstliche Hefen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1829, Band 34, Nr. XCIII./Miszelle 23 (S. 402–403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj034/mi034093_23

Künstliche Hefen.

Der Industriel belge, Mai 1829, S. 395, aus diesem das Journal des Connaiss. usuell. N. 50. 1829. S. 215, und der Bullet. d. Sc. technol. S. 215. gibt folgende Bereitungsart künstlicher Hefen (Germ, in Süddeutschland):

Wenn man diese Hefen im Großen bereiten will, braut man 75 Kilogramm (150 Pfd.) Würze aus 50 Kilogramm (100 Pfd.) Malz, welches aus zwei Drittel des besten Gerstenmalzes, einem Drittel Roken, 5 Kilogr. (10 Pfd.) Hopfen besteht. Man sondert sie nach dem Kochen sorgfältig von den Trabern und vom Hopfen ab, und dampft sie bis auf 87 Kilogr. (175 Pfd.) ein.

Diese Würze vertheilt man in mehrere Gefäße, damit sie sich so schnell als möglich abkühlt, schüttet sie hierauf in Ein Gefäß zusammen, und sezt 16 Kilogr. (32 Pfd.) Vierhefen zu. Für die folgenden Süde bedient man sich immer der künstlichen Hefen. Die Masse wird bald in Gährung gerathen, und nach drei bis fünf Stunden mit einem diken, weißen, den gewöhnlichen Hefen ähnlichen Schaume bedekt seyn.

In dem Augenblike, wo der Schaum sich hebt, mengt man die Masse gehörig durch, und sezt, unter beständigem Umrühren, 50 bis 75 Pfd. (25–37 Kilogr.) Gersten- oder Rokenmalz zu, oder auch feines Roken- oder Gerstenmehl, und stellt die Mischung an einen kühlen Ort.

Wenn man diesen künstlichen Hefen Mehl genug zusezt, um ihnen die Consistenz eines diken Breies zu geben, so halten sie sich im Sommer 10–15 Tage, im Winter 4–6 Wochen. Man kann sich derselben bedienen um Kornbrantwein, Bier, Bieressig, Aepfelmostessig, Weinessig, Brot, Bakwerk, mit einem Worte alles dasjenige in Gährung zu sezen, wozu man. die besten Bierhefen (Spundhefen, levuro de bondon) nur immer brauchen kann. |403| Um diese Hefen längere Zeit über aufbewahren zu können, muß man sie täglich ein paar Mal umrühren. Man kann sie auch bei mäßiger Wärme troknen und dann pülvern. Das Pulver wird in steinernen Krügen aufbewahrt, und wenn man sich desselben bedient, verdünnt man es mir 4 Pinten (Liter) Wasser bei 17–19° R. Man erhält hiervon dieselbe Wirkung, als ob man eben so viel Bierhefen genommen hätte.

Wenn man solche Hefen im Großen für Brantweinbrenner, Bäker etc. bereiten will, darf man sie nur mit der nöthigen Menge Wassers verdünnen, um ihr die gehörige Dike zu geben.

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