Titel: Miszellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 36, Nr. LXXXI. (S. 386–424)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj036/ar036081

LXXXI.  Miszellen.

Preisaufgaben der Société de Pharmacie für das J. 1831.

I. Preisaufgabe.

1) Genaue und bestimmte Angabe der Bedingungen, unter welchen Alkohol sich in Essigsäure umwandelt.

2) Angabe der Erscheinungen, welche diese Umwandlung begleiten, und aller Producte, welche aus derselben hervorgehen.

Preis: 1500 Franken.

II. Preisaufgabe.

Angabe einer Reihe von Kennzeichen, durch welche man die Pflanzenalkalien theils unter sich, theils von anderen organischen Stoffen unterscheiden kann, und welche verlässig genug sind, um in der gerichtlichen Arzeneikunde angewendet werden zu können.

Preis: 1000 Franken.

Die Abhandlungen müssen Latein oder Französisch geschrieben seyn, und vor dem 1. Junius 1831 á M. Robiquet, secrétaire général de la Société, rue de l'Arbaléte, N. 13., Paris, eingesendet werden.

Das London National-Repository.

Ueber dieses Institut, von welchem wir bei seiner Entstehung Nachricht gaben, ist jezt, bei der zweiten Eröffnung desselben, a short statement of the nature and objects of the institution, established for the purpose of annually exhibiting to the public the new and improved productions of the artisans and manufactures of the united Kingdom erschienen, das dem Hrn. Agar Ellis, als Vorstand dieser Anstalt, gewidmet ist. Wir haben bereits vor einem Jahre gezeigt, wie feindselig die Fabrikanten und Kaufleute Londons gegen dieses Institut gestimmt sind, dergleichen das feste Land beinahe in jedem Königreiche, als sogenannte „Kunst- und Industrie-Ausstellung,“ eines oder mehrere besizt. Das Mech. Magazine hat gegen obige Schrift und gegen die Anstalt an und für sich einen Aufsaz in N. 346. S. 59 eingerükt, den wir wahrhaftig zu übersezen erröthen würden, und der leider nur zu lebendig |387| und klar beweist, wie tief der Egoismus in das englische Kramervolk (wir sprechen hier nicht von dem achtbaren englischen Volke überhaupt) eingewurzelt, das den ganzen Erdball seinetwegen vorhanden zu seyn glaubt. Es thut uns Leid, das Mech. Magazine hier für diese Krämer Partei nehmen zu sehen.

Dampfschifffahrt.

Schon im J. 1786 nahm ein gewisser Hr. Fitch zu New-York ein Patent „auf Verfertigung und Anwendung aller Art Schiffe und Fahrzeuge, welche in allen Wassern, Buchten und Flüssen, mittelst der Kraft des Feuers oder Dampfes getrieben werden.“ Da Hr. Fitch sein Patent nicht in Ausführung brachte, so zog man im J. 1798 dieses Patent ein, und ertheilte dasselbe unter gewissen Bedingungen einem Hrn. Rob. Livingston. Dieser brachte jedoch nicht ehe etwas zu Stande, bis im April 1803 Hr. Nob. Fulton sich mit ihm verband, und nun für beide das Patent auf 30 Jahre verlängert wurde. Im J. 1808 fuhr Fulton auf dem Hudson-River zwischen New-York und Albany zum ersten Male mit einem Dampfbothe von mehr denn 20 Tonnen stromaufwärts mit einer Geschwindigkeit von 4 engl. Meilen in Einer Stunde. So brauchte die nützlichste Erfindung neuerer Zeit zwei und zwanzig Jahre zu ihrer Vollendung. (Boston. Mechanics' Magazine und London Mech. Magaz. N. 348.)

Das Dampfboth King-Fisher

wurde kürzlich zu Liverpool von Stapel gelassen. Es frachtet 100 Tonnen, und seine Dampfmaschine hat die Kraft von 30 Pferden. Die Maschine ist von den HHrn. Rigbys zu Hawarden, deren Arbeiten jezt sehr geschäzt werden. Das Dampfboth selbst, von der Werfte der Hrn. Fisher, ist, wie man allgemein sagt, eines der schönsten und besten in ganz England. (Liverpool Albion. Galign N. 4702.)

Englische Dampfbothe im mittelländischen Meere.

England wird nun, nachdem der erste Versuch mit dem Meteor so gut ausfiel, 4 Dampfbothe im mittelländischen Meere unterhalten. Am 9. April lief das Eccho von Falmouth aus, und wird bis längstens den 29. Mai wieder zurük erwartet. Am 29. Mai läuft das Meteor wieder aus u.s.f. Ehevor brauchte man zu' ähnlichen Expeditionen 2–3 Monate.

Notizen über Dampfbothe in England.

Das Dampfboth, the Crussader, fuhr Mitte Märzes von Dover nach Calais, und wieder zurük nach Dover, (gegen Wind und Fluth, und den Aufenthalt zu Calais von einer halben Stunde mit eingerechnet) in nicht mehr als 6 Stunden, sage sechs Stunden! – Das Dampfboth, Meteor, machte seinen ersten Postamts-Versuch von London nach Corfu. Es brauchte, bei starken Stürmen, von Cadiz bis Corfu und zurük nur 3 Wochen; bei gutem Wetter würde es ungefähr 14 Tage brauchen. – Die Eigentümer von Actien in der General-Steam-Navigation-Company erhalten jezt Freibillets auf Dampfböthen. (Galignani N. 4696. – 7.)

Beiträge zur Geschichte der Erfindungen. (Mech. Mag. N. 348. 10. April. S. 96.) Watt's Indicator für Dampfmaschinen. Watt's Bildhauermaschine.

Hr. Faraday sagte vor dem Parliamente bei Gelegenheit, als er über das Patentunwesen vernommen wurde, der berühmte Watt habe vor vielen Jahren ein kleines Instrument für seine Dampfmaschinen erfunden und bei denselben angewendet, mittelst dessen er bestimmte, in welchem Maße sich abwechselnd das Plenum und Vacuum im Cylinder zum Treiben des Stämpels bildete. Dieses Instrument war äußerst wichtig für ihn, indem es in der Hand des Dampfmaschinenmachers eben so viel ist, als das Aräometer in der Hand des Brantweinbrenners. Er hielt dieses Instrument sehr geheim, und als er im J. 1814 eine Notiz über seine |388| übrigen Erfindungen bekannt machte, erwähnte er dieses Steam-Engine Indicator's Nur im Vorbeigehen und auf eine höchst unvollkommene Weise mit Hinweglassung aller wesentlichen Theile. Erst in Rußland fand ich ein solches Instrument in den Händen eines Arbeiters, den Hr. Watt zur Aufsezung seiner Dampfmaschinen im Auslande verwendete. Bei meiner Rükkehr nach England verfertigte ich mir ein solches Instrument, und lehrte auch die Dampfmaschinenfabrikanten sich dasselbe selbst zu verfertigen, seit dieser Zeit haben sie alle bessere Maschinen geliefert.

Hr. Watt verfertigte auch eine Maschine zur Bildhauerarbeit, die er äußerst geheim hielt. Er zeigte mir im J. 1814 Arbeiten aus Elfenbein und Marmor, welche bewiesen, daß er es bereits sehr weit in derselben gebracht hatte. Er starb im J. 1819, ohne irgend eine Mittheilung hierüber gemacht zu haben, und ehe die Maschine, die er hinterließ, noch ganz vollendet war.

Gewinn für das Publikum durch Eisenbahnen in Ersparung der Fracht.

Auf der Eisenbahn von Leeds nach Selby wird für 20 Ztr. auf die englische Meile (1/4 deutsche) nicht mehr Fracht bezahlt, als

für Dünger und Kalk, wenn lezterer Straßenmaterial ist 3 kr. (1 Pence)
– Kohlen, Kalk, Steine, Ziegel, (als Baumaterial) Blei 4 1/2 kr. (1 1/2 Pence)
– Zuker, Getreide, Mehl, Holz, Eisen 7 1/2 kr. (2 1/2 Pence)
– Wolle, Baumwolle und Fabrikate 9 kr. (3 Pence)
Reisende zahlen unter 5 Meilen 18 kr. (Sixpento); für 5–10 Meilen 54 kr. (1 Shill. 6 Pence).

Man muß hier nicht vergessen, daß der deutsche Groschen beinahe in allen Verhältnissen des Lebens in England so viel eigentlichen Werth hat, als der halbe Kreuzer bei uns; daß also auf dieser Eisenbahn der Reisende 10 engl. (2 1/2 deutsche) Meilen um 9 kr. fahrt, und dieß mit einer Schnelligkeit von Einer Viertelstunde. (Vergl. Courier und Galignani. N. 4718.)

Segeln auf dem festen Lande.

Die Nordamerikaner treiben ihre Kurzweile auf ihren Eisenbahnen fort, und segeln auf denselben, als ob sie auf dem Ocean wären. Der (Charleston Courier, vom 20. März erzählt: „Gestern Nachmittags wurde ein Segel auf einem Karren auf unserer Eisenbahn aufgezogen, und 15 Gentlemen bestiegen in Gegenwart vieler Zuschauer diese neue Fregatte. Sie flogen, mit 3 Tonnen (60 Ztr.) Eisen als Ballast, 12-14 (engl.) Meilen in Einer Stunde. Als es einmal noch etwas rascher ging, siel der Mast über Bord, und einige Passagiere wurden mit demselben hinausgerissen. Man sezte einen Nothmast auf. Gegen Abend drehte sich der Wind und man segelte wieder heim. Doch dieß war noch nicht der größte Spaß; denn man behauptete jezt, daß man auf einer Eisenbahn mit allen vier Winden segeln kann.“ (Mech. Mag. N. 352. S. 160. 8. Mai.)

Schnelles Fahren in England.

Die Schnelligkeit, mit welcher Sir H. Halford (der Leibarzt des gegenwärtigen Königes) in seinen Visiten nach Windsor fährt, ist wirklich schreklich (quite terrific.) Ein Augenzeuge sah ihn am vorigen Sonntage fahren, Sir Fierney saß bei ihm. Nach einer verlässigen Berechnung fuhr er mit einer Geschwindigkeit von wenigstens 15 englischen (3 2/4 deutschen) Meilen in Einer Stunde: man konnte in mehr denn einer Hinsicht sagen, „es geht auf Leben und Tod.“ (Herald. Galignani. N. 4724 Suppl.)

Die Continental-Post in England.

Wir haben öfters Gelegenheit gehabt, die englische inländische Post als das Muster aller Posten auf dem Erdballe zu preisen; allein, so wie die Sonne ihre Fleken hat, so hat sie auch das englische Postwesen, jedoch nur in so fern, als es mit dem Continente, mit dem festen Lande von Europa in Verbindung steht. während in England selbst jeder Brief mit der Schnelligkeit von 8 engl. Meilen |389| (2 deutschen) in Einer Stunde bei schwerer Strafe gefahren werden muß, brauchen die Briefe des festen Landes, bis sie von Dover nach London kommen, auf dieser kleinen Streke von 70 engl. (17 1/2 deutschen) Weilen nicht selten volle 35 Stunden. Woher kommt dieß? Sie müssen zu Dover zuweilen volle 24 Stunden schlafen! Und warum? Nicht weil sie allenfalls seekrank ankommen, sondern weil die Continental-Post ein ganz eigenes Departement ist, das nicht unter der Jurisdiction des General-Postmeisters von England steht, das nicht nach Palmer's Plan reformirt werden durfte. Die Sache verhalt sich nämlich so. Wenn das Dampfboth oder Segelboth, welches die Briefe von Calais nach Dover bringt, vor 8 Uhr Abends in Dover einläuft, so gehen die Briefe, die es von dem festen Lande mitbrachte, noch an demselben Abende um 8 Uhr, wo der Briefwagen von Dover täglich nach London abfahrt, nach London ab, und kommen daselbst des Morgens um 7 Uhr an. Wenn aber das Paketboth, durch Winde und Wasser abgehalten, nur um eine Viertelstunde später als 8 Uhr einläuft, so müssen die Briefe zu Dover liegen bleiben bis 8 Uhr Abends des folgenden Tages, bis wieder der Briefwagen abfahrt237). Briefe brauchen also nicht selten länger von Dover nach London, als von Paris nach Calais, und die neue Staffeten-Einrichtung zwischen Paris und Calais zur Förderung der Handelscorrespondenz bringt weder den französischen noch den englischen Kaufleuten und Fabrikanten irgend einen Nuzen, so oft ein starker Westwind blast. Warum läßt man nun diesen Unfug fortbestehen? Darum, daß ein Duzend Schreiber einigen Tausenden ehrlicher Leute das Geld aus der Tasche stehlen kann. „Die Continental-Post,“ sagt das Morning Journal (foreign departement of the Post-Office), besteht aus einem Teufel's-Duzend von Leuten, die man Secretäre und Schreiber nennt,238) und die nicht unter der Aufsicht des General-Postmeisters stehen. Sie sind so schlecht besoldet, daß sie für ihren Gehalt kaum Wassersuppe (soup maigre) essen könnten. Es ist wahr, daß sie nicht viel zu thun haben; sie sind aber für dieses Wenige schlechter bezahlt, als wenn sie Gassen kehrten. Sie haben jedoch ihre Sporteln. Und worin sollte man wohl glauben, daß diese bestehen dürften? Jeder derselben ist Postmeister auf seine Faust, und hält Bothe, Relais, und bringt so, für den Fall des späteren Einlaufens des Paketbothes, den Wechslern, den Bracherern mit Staatspapieren, den Lords, den Zeitungsschreibern ihre Artikel – durch außerordentliche Gelegenheit, während die Briefe für das übrige Publikum erst 24 Stunden später kommen. Ein glüklicher schlechter Wind trägt manchem dieser armen Teufel in einer Nacht 50 bis 150 Pfd. (600 bis 1800 fl.). Sie leben, so wie die Advokaten von dem Schnekengange der Justiz, so von dem Schnekengange ihrer Post. Die französische Staffeten-Einrichtung betrachten sie als Eingriff in ihr Sportelrecht, und, wenn sie es vermöchten, würden sie dieselbe bereits längst zu Grunde gerichtet haben. Nur diese Schreiber sind es, die die Briefpost hindern, von Dover nach England so schnell zu fahren, wie sie auf allen anderen Straßen Englands fährt. Ein altes Weib könnte die Pferde in 7 Stunden von Dover nach London treiben. Was in aller Welt hindert es, daß der Briefwagen von Dover nicht um 12 Uhr Nachts Statt um 8 Uhr Abends abfahren, und zehn englische Meilen in Einer Stunde Statt sechs fahren soll? – Die Sporteln der Schreiber; ihre außerordentlichen Gelegenheiten; ihre plumpen Kniffe, die wir einstweilen dem Lord Aberdeen an's Herz legen wollen.“

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Ueber Schiffsbau und Dampfschifffahrt

findet sich ein interessanter Artikel in der Edinburgh Encyclopaedia, T. 18. P. 1., welche Hr. Brewster herausgibt. Sir Robert Seppings Schiffsbaukunst scheint hier zuerst gehörig entwikelt, und man lernt hier, wie dieser Autodidaktos, der, als er später Mathematik studirte, seine früheren Meisterwerke selbst nicht begreifen konnte, mit der Hälfte des bisher zu Schiffen verhauenen Holzes eben so viele Schiffe baute, als man bisher mir noch ein Mal so viel Holz nicht vom Stapel ließ) und, was noch merkwürdiger ist, die Schiffe aus halb so viel Holz und starker als die älteren, zu welchen man noch ein Mal so viel Holz verzimmerte. Ueber Dampfbothe kommen hier wichtige Notizen vor; Marestier's Formeln etc. Vergl. Brewster Edinb. Journ. of Science April. S. 355.

Der Canal von Nicaragua in Südamerika.

Es war also den alten Meistern in der Kunst Canäle zu bauen, den Holländern, aufbehalten, den Atlantischen Ocean mit dem Stillen zu verbinden. Nach Briefen aus Guatimala im Herald (Galignani Messenger N. 4724) ist General Vervar als Bevollmächtigter S. M. des Königes von Holland, beauftragt mit der Ausführung des Canales von Nicaragua, zu Guatimala glüklich angekommen. Der Canal wird von der Mündung des Flusses San Juan nach der Bucht von Nicoja und Realijos laufen. Da man hierbei den großen See von Nicaragua und Leon benüzen wird, so wird nur eine kleine Streke Landes von einigen deutschen Meilen zu durchgraben seyn.

Nachtrag zu der amerikanischen Fähre oder Ueberfahrtsvorrichtung über Flüsse; nebst Anwendung derselben zum Ziehen schwerer Lastkarren beim Ausladen und Beladen der Schiffe.

Wir sehen aus dem Register of Arts, April 1830, S. 277., daß der Erfinder der sinnreichen Vorrichtung, Bothe und kleine Fahrzeuge über Flüsse zu fördern, von. welcher wir nach dem Mechan. Mag. N. 349. Nachricht gaben, sich am 18. Aug. 1829. ein Patent auf dieselbe zu Washington ertheilen ließ, und daß er deutscher Abkunft ist, denn sein Nahme ist: Lunenberg zu Abernathy Boone-County, Kentucky. Das Mechan. Mag. hat den Nahmen nicht angegeben, wovon wir eben so wenig den Grund einsehen, als wir nicht begreifen, warum dasselbe den Nachsaz wegließ:

„Eben diese Vorrichtung kann auch zum Ziehen der Lastkarren nach und aus den Waarenhäusern, die sich in der Nahe des Ufers eines Flusses befinden, beim Aus- und Einladen der Waaren mit Vortheil benüzt werden.“

Diese lezte Anwendung dieser Vorrichtung ist eben so sinnreich als der Apparat selbst, und konnte nicht bloß bei Befrachtung und Ausladung der Schiffe, sondern auch in Fabriken, die in der Nahe eines stark strömenden Baches liegen, zur Förderung der Zeuge etc., die am Bache ausgewaschen werden müssen, hin und zurük an den Bach benüzt werden, zumal wenn man eine kleine Eisenbahn, oder auch nur eine hölzerne Laufbahn für den Karren anwenden wollte. Ein Wasserrad ist ein so kräftiges Ding, als eine Dampfmaschine, und es würde viele viele Gegenden in Oberdeutschland geben, wo, wenn man neben Bächen oder kleinen Flüssen, die einen bedeutenden Fall haben, ein Wasserrad anbringen wollte, und neben dem Bache oder Flusse bloß einen guten ebenen Weg (es wäre nicht jedes Mal eine Eisenbahn nöthig), dieses Wasserrad eben die Dienste leisten würde, die in England die Dampfzugmaschinen (Stationary Locomotive-Steamengines) leisten? Hundert Mal, Tausend Mal vielleicht ließe sich das Wasserrad als Zugkraft anbringen, besonders auf kleineren Streken von Viertel- und Halbenstunden, bei Fabriken sowohl als an Bergwerken, bei Landungs- und Ladungspläzen an Städten, die an schiffbaren Flüssen liegen, bei Aufführung großer Gebäude in der Nahe von Flüssen: allein wir haben, wie gesagt, bei uns Nacht, wann es in Nordamerika Tag ist; wir haben keinen mechanischen Geist, weil man denselben in unseren Landschulen erstikt. Statt wekt. Es sind noch kaum 50 Jahre, daß eine deutsche (jezt bayer'sche) Universität ein Weib als Hexe verbrannte, weil sie an den Spinnrädern etwas bessern wollte, und wenn bei uns Jemand, der nicht gerade Uhrmacher oder Schlosser ist, sich mit Rädern abgibt, und durch diese Menschen und |391| Pferde zu ersezen sucht, so sagen unsere lieben Landsleute von ihm: „dem wird's Radl lauf'nt,“ d.h., der gute Mann ist ein Narr. A. d. Ue.

Ueber Takelwerk aus Baumwolle.

Hr. Mekim versichert, daß Segel etc. aus Baumwolle auf Schiffen nicht leidet. (Vergl. Polyt. Journal Bd. XXXI. S. 156.) Nun wird im Norfolk Herald, 21. Sept. und Nile's Register 26. Sept. 1829 (Bulletin Sc. technol. a. a. O. S. 140.) dagegen erinnert, daß auch Baumwolle durch Feuchtigkeit leidet, und daß der Unterschied zwischen den verderblichen Einwirkungen der Feuchtigkeit auf Baumwolle und auf Hanf nur darin besteht, daß man dieselben an lezterem durch die schwarzen Fleken, welche davon entstehen, sehr bald wahrnimmt, während man an der Baumwolle kaum eine Spur davon, oder nur etwas, aber äußerst schwach, gelbliche Fleken entdekt.

Pocock's neue Patent-Erd- und Himmels-Kugeln, nebst einer deutschen nicht patentirten Verbesserung derselben.

Hr. Georg Pocock, Gentleman zu Bristol, ließ sich, „sintemalen und alldieweilen unsere gewöhnlichen Erd- und Himmelskugeln so plumpe und unbehülfliche Dinge sind, zumal auf Schiffen,“ am 4. Februar 1830 ein Patent auf eine neue Verfertigungsweise von Erd- und Himmels-Kugeln ertheilen, durch welche dieselben bequemer und leichter werden sollen. Das Repertory of Patent-Invention theilt im Mai hefte l. J. S. 287 einen Auszug aus diesem Patente mit, welcher nicht sehr deutlich ist, aus welchem jedoch so viel hervorgeht: daß das Papier zu diesen Globen aus neuer irländischer (!) Leinwand gemacht werden muß, indem es sehr stark seyn soll, daß die Segmente auf die gewöhnliche Weise an den Kanten zusammengeklebt, und dann am Südpole, wo man eine Oeffnung für eine Röhre mit einem Sperrhahne läßt, aufgeblasen werden.

Nach einer anderen Methode lehrt Hr. Pocock das Gerippe zu Erd- und Himmels-Kugeln aus Spanischröhrchen verfertigen, wie man Regenschirme macht. (Solche Arbeit scheint man schon im vorigen Jahrhunderte zu Nürnberg verstanden zu haben: in den Resten eines verwitterten alten Nürnberger Globus fand der Uebersezer spanisches Rohr.)

Ein großer Theil der Patenterklärung, sagt das Repertory, ist mit Beschreibung der Luftpumpe zum Aufblasen dieser neuen Erd- und Himmels-Balle erfüllt, man kann jedoch diese Globus auch aufblasen, wenn man schnell damit durch die Luft fahrt.

Hr. Pocock hat Bänder von dem halben Umfange der Kugeln vorgerichtet, deren linke Seite in zwei gleiche Theile, 90° N, 90° S vom Aequator getheilt sind, und die als Meridiane dienen; die rechte Seite hält 180° fortlaufend, und unter jedem die Meilenzahl, als Höhenquadrant, was für verschiedene Aufgaben sehr bequem ist.

(Wir übergehen einige wahre Spielereien, die Hrn. Pocock noch an seinen Erd- und Himmels-Kugeln angebracht Hut, und wollen hier bloß bemerken, daß es uns scheint, man könnte bei den Fortschritten, welche der Seidendruk bei uns in Deutschland bereits gemacht hat, die Segmente zur Verfertigung einer Erd- und Himmels-Kugel iben so gut auf Taffet (den man, wie bei Luftballons, vorläufig luftdicht gefirnißt hat) als auf Papier abdruken lassen; dieser Taffet würde sich eben so gut, und noch besser als Papier, zusammenleimen, und weit leichter und vollkommener, als ein papierner Ball, aufblasen lassen und die Luft auch länger behalten. Am Druke würde es keine Schwierigkeit haben, wenn Degen und sein geschikter Factor, Ackermann, noch zu Wien lebten, denen man die herrlichen Pergamentdruke für die Musageten, Prosper Sinzendorf und Saurau, verdankt, ob aber, auch auf Seide mit der Genauigkeit eines Ackermann zu Wien gedrukt, solche Erd- und Himmels-Kugeln, die man auf der Reise in die Tasche steken kann, etwas taugen, mag uns der Mann sagen, von dem man schon in seiner Jugend sagte, daß er Himmel und Erde in der Tasche hat, Hr. Professor Littrow.)

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Ueber eine Verbesserung an Amici's katadioptrischem Engioskope

mittelst der elliptischen Metallspiegel des Hrn. Cuthbert, findet sich eine Notiz im Edinburgh Journal of Science, April, 1830, S. 331, worauf wir Physiker und optische Instrumentenmacher aufmerksam machen wollen.

Hrn. Thirwall's Plan, die Luftpumpe bei Dampfmaschinen aufzugeben,

wird in dem Mechanics' Magaz. N. 350. S. 128. den 24. April l. J. als unausführbar erklärt.

Dr. Ranken's Thermantidot.

Hr. Dr. Brewster gibt aus dem Asiatic Journal 28. B. S. 323 eine Notiz von Dr. Ranken's Thermantidot, einer Art von Ventilator, die, wie es hier heißt, ohne Abbildung unverständlich ist. Wir sehen nur so viel aus dieser Notiz, daß dieses Antidotum gegen Wärme eine Art Schwinge ist, die Flügel hat, und sich 60 Mal in einer Minute dreht, wenn sie von einem Manne getrieben wird. Sie soll eine solche Wohlthat für Ostindien seyn, daß sie sich weit schneller in diesem Lande verbreitete und ein größeres Glük machte, als man bei der Apathie der guten Inder hätte erwarten dürfen.

Edmond Gibson's Atherley's Patent auf Krafterzeugung,

welches wir bei seiner Erscheinung im Polyt. Journ. 1828 angezeigt haben, erklärt das Repertory of Patent-Inventions im Maihefte 1830. S. 289. für unbrauchbar, und verweist es in den Patent-Rumpelkasten.

Ueber Hrn. v. Kempelen's Schachmaschine,

bringt das Mech. Mag. a. a. O. eine Notiz aus N. Amerika, nach welcher eine verstorbene Mad. Rivardi (die öfters in v. Kempelen's Haus kam) in N. Amerika ausgeplaudert haben soll, daß Hrn. v. Kempelen's zwölfjährige Tochter in der Maschine stak. Der Verfasser der Schrift: An Attempt to analyze the Automaton Chess-Player of Mr. de Kempelen.“ London 1820. (wovon man im Edinburgh Philosoph. Journal, April 1821 Nachricht findet) behauptet dasselbe. Wer den alten Hrn. v. Kempelen kannte, wird wissen, daß er ein trefflicher Mechaniker, aber kein Hocus-Pocus-Macher gewesen ist.

Ueber die Berechnung musikalischer Intervalle,

vorzüglich über das Verhältniß der Quart, findet sich ein interessanter Aufsaz im Bulletin d. Sc. techn. N. 2. 1830. S. 152., worauf wir die musikalischen Instrumentenmacher aufmerksam machen wollen.

Astronomische Uhren.

Die erste astronomische Uhr mit Gewichten, die man in England brauchte, war, nach Walther's Angabe, der sich derselben zu einer Beobachtung an Mercur bediente, vom J. 1484. Mech. Mag. N. 350. S. 128.

Wie weit Schall sich fortpflanzt, und über die Mittel denselben aufzufangen.

Es kann im Kriege eben so wichtig werden, weit zu hören, als weit zu sehen. Zu Lezterem haben wir bereits Fernröhre: zu Ersterem bisher noch gar keine Vorrichtung. Indessen ist so viel gewiß, daß man, unter günstigen Umständen, sogar Glokenklang 100 Seemeilen weit deutlich hören kann. Als Dr. Arnoltt an der Küste von Brasilien, 100 Seemeilen vom Lande segelte, hörte er und alle die mit ihm auf dem Verdeke waren, Glokenklang. Sie hielten dieses Phänomen für |393| eine akustische Täuschung. später erfuhren sie, daß man zu derselben Zeit, als dieses Phänomen sie so sehr in Verlegenheit brachte, in der Stadt S. Salvador bei Gelegenheit eines Kirchenfestes mit allen Gloken läutete, und daß wahrscheinlich die Schallstrahlen, die über die damals beinahe glatte Seeflache herrollten, in der Höhlung der aufgespannten Segel gesammelt, und von diesen zurükgeworfen wurden. Es scheint daher, sagt das Edinburgh New Philosophical Journal, April, 1830. S. 389., daß man so gut eine Vorrichtung, um aus der Ferne zu hören, noch zu Stande bringen wird, als man bereits Vorrichtungen hat, um in die Ferne zu sehen. Einsender dieser Notiz, der mit seinen Ohren auf dem Hügel vor Günzburg jeden Schuß der 36 Pfünder aus der Gegend von Kehl her wahrnahm, als der Brükenkopf daselbst belagert wurde, und der an der Teufelsbrüke am Gotthard eben so jeden Schuß vom Brükenkopfe zu Hüningen hörte, glaubt, daß, um in die Ferne zu hören, nur gute große parabolische Schallbretter nöthig sind, dergleichen wir eines im Polytechn. Journ. Bd. XXXVI. S. 272. beschrieben und abgebildet haben.

Nothwendigkeit der Einführung einer Verbesserung bei dem Läuten.

Wie nothwendig es ist, an unsere Gloken zu denken, und eine zwekmäßigere Methode, dieselben den Leuten in die Ohren gällen zu lassen, einzuführen, als diejenige, die man bisher hatte, erhellt aus dem Umstande, daß, wie man aus den Zeitungen ersieht, im vorigen April in drei verschiedenen Ländern, in England zu London, in den Niederlanden zu Lüttich, und in Frankreich während des Gottesdienstes und des Läutens die Gloken aus dem Thurme fielen. Wir haben eine solche verbesserte Methode nach Hrn. Baddeley im Polyt. Journ. Bd. XXXVI. S. 95. angegeben. Die Glokenstühle und Thürme werden alt und folglich mürbe, und können, wie es scheint, die Gewalt, die sie Jahrhunderte lang erlitten, nicht länger mehr ertragen.

Ueber die Theorie der Wirkung der Haarröhrchen,

deren Spiel auch dem Techniker nicht selten wichtig wird, findet sich ein interessanter Aufsaz des Hr. Sang im Edinburgh New Philosophical Journal S. 280., wo der diesen Gegenstand betreffende Artikel im Supplement der Biblioteca Britannica erläutert, und erwiesen wird, daß wir mit der Theorie der Capillar-Attraction noch nichts weniger als im Reinen sind.

Frage.

Wenn man ein Uhrglas, mit seiner convexen Fläche nach unten gekehrt, auf eine sehr nasse Glastafel legt, und die Glastafel dann schief hält: wie wird das Uhrglas über dieselbe hinabgleiten? Es wird sich während des Hinabgleitens immer fort im Kreise drehen, und, wenn man die Glastafel geschikt zu führen weiß, in dieser Kreisbewegung selbst eine kleine Streke bergan steigen. Wie erklärt man dieß? fragt Hr. Wheatstone in Gill's technol. Repos. VI. B. S. 19.

General-Major Ouseley's bequeme Formel zur Berechnung des Flächeninhaltes eines Kreises.

Es sey d der Durchmesser des Kreises; so ist d² (1/28¼ + 3/4) oder (4/113 + 3/4) d² = der Fläche dieses Kreises. Wenn d = 1, so ist 4/113 + 3/4 = 0,7853982, wo die 6 ersten Decimalen genau mit der bekannten Formel stimmen, und die siebente nur um 1 abweicht. (Mechan. Magaz. N. 350. S. 116.)

Warum in England so schlecht gebaut wird,

daß häufig Gebäude einstürzen, wie im vorigen Jahre das Schauspielhaus zu London, erklärt das Mechanics' Magazine N. 350. S. 126. auf eine sehr einleuchtende |394| Weise „durch eine äußerst hohe Ziegelsteuer,“ welche jeden, so viel nur immer möglich, Ziegel zu sparen zwingt.

Ueber Dauer der Steine als Baumaterial,

findet sich eine kleine Notiz im Edinburgh new philos. Journ. April. 1830. S. 392. Es wird daselbst richtig bemerkt, daß Granit nur dann ein fester und dauerhafter Baustein ist, wann der Feldspath desselben wenig Alkali enthält, oder wenig Kalk; wenn aber im Granite, Porphyre, Syenite ein Feldspath vorkommt, der reich an Alkali ist, oder wenn in dem in diesen Steinen vorkommenden Glimmer, Schörl, oder in der ihnen beigemengten Hornblende viel Eisenprotoxyd enthalten ist, so zerfrißt das Wasser, zumal wenn es viel Kohlensäure enthält, solche Steine leicht. Der rothe Granit, der schwarze Syenit und der ägyptische rothe Porphyr (Steine, die man an den Obelisken zu Rom, an Säulen und Sarkophagen sieht) gehören zu den dauerhaftesten Steinen; der graue Graphit aus der Insel Corsica und Elba ist hingegen außerordentlich der Zerstörung unterworfen: sein Feldspath enthält viel Alkali, und sein Glimmer und Schörl viel Eisenprotoxyd. Ein deutliches Beispiel der Verwitterung des Granites gibt der hängende Thurm zu Pisa. während die marmornen Säulen in der Grundlage desselben beinahe unverändert sind, hat das Granitgestein an demselben eine bedeutende Portion seiner Oberfläche verloren, der beständig in Schuppen abfällt,239) und überall Fleken von Eisenoxyd zurükläßt. Kaolin oder Porzellanerde entsteht zum Theile bloß aus dem verwitterten Feldspathe im Granite, in Folge der Ausscheidung des in demselben enthaltenen Alkali. Wasser vermag die zusammengeseztesten Steine zu zerstören, wenn sie Alkali oder gewisse Kalkarten enthalten, zumal wenn es reich an Kohlensäure ist, was in der Nachbarschaft großer Städte fast immer der Fall ist. Die marmornen Statüen im „British Museum,“ die aus dem Parthenon dahin versezt wurden, haben, wie jeder aufmerksame Beobachter sich hiervon überzeugen kann, bereits sehr durch Kohlensäure gelitten, und wenn dieß unter dem reineren Himmel Athens der Fall war, so wird es noch weit mehr in großen Städten zu besorgen seyn, wo täglich so viele Kohlensäure entwikelt wird.

Analyse einiger englischen Kalksteine.240)

Folgende drei Kalkarten sind aus drei verschiedenen Flözen des großen Bergkalkstein- (mountain-limestone) Lagers in der Nachbarschaft von Charlestown in Fifeshire, aus den Steinbrüchen des Lord Elgin. Die Analyse, angestellt von Hrn. Robertson d. jüng, zu Inver-Keithing, findet sich im Edinburgh New Philosophical Journal. April 1830. S. 364.

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1. Kalkstein von grauer Farbe und blättrigem Gefüge.

Kohlensäure, 41,2; Kalk, 50,2; Bittererde, 1,44; Thonerde, 1,25; Kieselerde, 5,56; Eisen, 0,28; Braunstein, Spuren; Kohlenstoff, 0,13; Bergöhl, eine Spur.

Frisch gebrochen hat dieser Stein einen eigenen unangenehmen Geruch, der sich aber in einigen Secunden verliert. Eben dieß gilt auch von N. 2.

2. Graubrauner Kalkstein mit splitterigem Bruche.

Kohlensäure, 42,3; Kalk, 51,6; Bittererde, 0,92; Thonerde, 1,8; Kieselerde, 2,76; Eisen, 0,35; Braunstein, eine Spur; Kohlenstoff und Schwefel, 0,26; Bergöhl, 0,13.

3. Dichter aschgrauer Kalkstein.

Kohlensäure, 40,25; Kalk, 47,05; Bittererde, 2,59; Thonerde, 0,95; Kieselerde, 7,9; Eisen, 0,56; Braunstein, eine Spur; Kohlenstoff, 0,7; Bergöhl, 0,7.

Er riecht nicht.

Analyse der schwarzen Blende von Marmato in Popayan.

Hr. Boussingault theilt in den Annales de Chim. and de Physique, Mars. S. 312. eine Analyse der schwarzen Blende zu Marmato (einer Goldgrube in Popayan) mit, welche so sehr von den übrigen Blenden abweicht, daß er vorschlägt, sie als eigenes Fossil (Marmatit) zu betrachten. Sie besteht nach seiner Analyse

in der Grube des Candado; in der Grube des Salto
aus Zink 0,430 0,418
Eisen 0,157 0,139
Schwefel 0,286 0,278
Schwefelkies (Pyrite) 0,017 0,046
Quarz 0,080 0,087
Thonerde 0,000 0,009
Braunsteinoxyd 0,000 0,002
Sauerstoff 0,017 0,009
––––– –––––
0,987 0,988.

Wenn man den Zink und das Eisen in Sulfüre verwandelt, so erhält man:

Candado Salto
Schwefelzink 0,775 (hält Schwefel 0,258) 0768 (hält Schwefel 0,256)
Protoschwefeleisen 0,255 ( – – 0,084) 0,232 ( – – 0,086)
––––– –––––
1,000 1,000

Hiernach enthielt die schwarze Blende von Marmato:

Schwefelzink 0,771 = 3 Atomen.
Protoschwefeleisen 0,229 = 1 Atome.

Die Formel muß demnach seyn: FeS² + ³ZnS².

Verde antico, oder grüner Porphyr (Ophit) auf Aegina.

Capitän Boblaye, ein französischer Ingenieur, fand auf Aegina in Griechenland, Brüche von schönem Verde antico oder grünem Porphyr (Ophites), den er der Kohlenformation zugesellt. (Edinb. N. Philos. Journal. April, S. 392.

Surrogat für Wezsteine zum Schärfen der Sensen, Sicheln etc.

Ein Hr. Beriah Swift zu Washington, Dutchess-County, New-York, ließ sich am 11. Juni 1829 ein Patent auf ein Surrogat für Wezsteine zum Schärfen der Sensen und Sicheln ertheilen, welches darin besteht, daß Schmergel von der gehörigen Feinheit mit Oehlfarbe und Firniß auf ein Stük Holz aufgestrichen, und wenn er troken geworden ist, als Wezstein gebraucht wird. Das Register of Arts (welches diese Notiz aus dem Franklin-Journal entlehnte) bemerkt N. 52. S. 237, daß man in England sich dieses Verfahrens seit undenklicher Zeit bedient.

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Spanische Wände werden wieder Mode in Frankreich und in den Niederlanden.

Wir sehen aus dem Industriel belge Nov. 1829 S. 588. und aus dem Bulletin d. Scienc. technol. N. 2. 1830. S. 140., daß die sogenannten spanischen Wände in Frankreich und in den Niederlanden wieder Mode werden, und zwar lithographirte spanische Wände. In Frankreich findet man sie jezt gewöhnlich bei den Vornehmeren in den Farben und mit den Wappen ihres Hauses verziert; in den Niederlanden hingegen mit lithographirten Copien der Meisterwerke der alten niederländischen Künstler, der interessantesten Gegenden, und fast immer auch mit einer topographischen Karte der Provinz, so daß man jezt beinahe sagen kann, jede Provinz in Holland hat ihre eigene spanische Wand. Wir haben bereits vor ein paar Jahren den Papiertapeten-Fabrikanten in Deutschland vorgeschlagen, ihre Tapeten, Statt daß sie dieselben mit so vielem albernen Zeuge überladen, der Geschichte, der Geographie, der Statistik etc. zu weihen, und das Nüzliche mit dem Schönen zu verbinden. Statt daß irgend ein mystisches Luder aus den Ovalen und Rhomben der Arabesken unserer heutigen Tapeten, eine räthselhafte Sphinx, eine Isis und Osiris mit Eselohren und Ochsenhörnern uns anstarrt, würden die Porträte von Männern, deren Namen der Menschheit oder einzelnen Ländern wenigstens ehrwürdig und theuer geworden sind, uns weit freundlicher und wohlthätiger anbliken. Kleine topographische Karten der Umgebungen gewisser merkwürdiger Städte, Prospecte derselben, Karten von Bezirken, Landgerichten, Kirchsprengeln etc. ließen sich sehr schön in Ovale, Rhomben, Parallelogramme etc. bringen, deren Bordüre wieder sinnreich, lehrreich und geschmakvoll verziert seyn könnte. Gelehrte und Künstler könnten sich hier vereinen, um die Bekleidung einer Wand eben so schön für das Auge, als lehrreich für den Geist zu machen. Wenn wir in Zeiten leben, wo die Wände ex offo hören, ist es auch der Mühe werth, sie con amore e con profitto mit uns sprechen zu lassen. Um nicht durch ewiges Einerlei zu ermüden, könnten die Felder, die in der Tapete oder spanischen Wand bloß für den Unterricht bestimmt sind, auch so vorgerichtet seyn, daß man denselben durch Einschieben anderer Blätter und Blättchen in ihre Felder leicht könnte wechseln lassen. Sollte Kunst und Wissenschaft in Hochdeutschland nicht die Aufnahme finden, wenn sie Arm in Arm in die Säle der Großen, in die Zimmer der Bürger und selbst in die Hütte des Landmannes treten, wie in Niederdeutschland, d.h. in dem heutigen Holland?

Bemerken wollen wir für einige unsere Leser, die Nichtwissen, daß nicht alles, was wir spanisch und türkisch zu nennen belieben, spanisch oder türkisch ist, daß die sogenannte spanische Wand keine spanische Erfindung ist. Man fand diese spanischen Wände in den Ruinen von Pompeïa und Herculanum, als häufiges Möbel bei den alten Römern, und auch die Griechen schienen sich derselben bedient zu haben.

Bleierzeugung in N. Amerika.

Vom 1. Jan. 1825 bis 1. April 1829 wurden in den Vereinigten Staaten N. Amerika's erzeugt:

im J. 1825 383,930 Pfd. Blei
1826 1,560,534
1827 6,824,389
1828 12,957,100
1829 1,415,270
–––––––––
23,141,223 Pfd. Blei.

(Nile's Register. 29. August 1829. 3 S. Bulletin des Scienc. technol. N. 2. 1830. S. 120.)

Deutsches Silber.

Unter diesem Namen geht in England die bekannte Composition aus Kupfer, Nikel und Zink, das sogenannte Weißkupfer der Chinesen. Die Compagnie der Goldschmide zu London hat das Publikum gewarnt und erinnert, daß kein Stäubchen Silber in diesem deutschen Silber ist, sie hätte aber, wenn sie ehrlich hätte seyn wollen, auch bemerken sollen, daß es zu vielen Arbeiten eben so gut, und |397| noch besser als Gold und Silber ist. Dieses deutsche Silber wird erst jezt in England allgemein bekannt; man kannte es aber zu Birmingham schon vor 30 Jahren. (Mechan. Mag. N. 348.)

Neuer Anbruch von chromsaurem Eisen auf den Shetland-Inseln.

Wer hätte glauben sollen, daß die Fezen-Druker zu Augsburg (wie ein vornehmer Hr. Ministerrat-Beamter, der die Industrie seines Landes fördern sollte, die Fabrikanten zu Augsburg zu nennen geruhte) die armen Einwohner der Shetland-Inseln, die unter dem 60° nördl. Breite) in Nebel begraben liegen, wohlhabend machen sollten! Die Nachfrage nach chromsauren Eisen für die Kattundrukereien241) und der Ueberfluß dieses Erzes auf diesen Inseln vermehrt den Wohlstand dieser entfernten Provinz Schottlands bedeutend „(adds considerably to the wealth of this remote Province of Scotland).“ Die Besizer von Grundstüken suchen fleißig nach diesen Erzen. Einer der wohlhabendsten derselben, Thom. Gifford, Esq. of Busta, schrieb am 27. Jänner 1830 an Dr. Hibbert: „Wie Sie es vorausgesagt haben, fanden wir chromsaures Eisen in Menge im Serpentine am Niß of Hillswick und auch in Northmavine.“ Brewster Edinburgh Journal of Science. April, 1830. S. 374.

Chinesische Art Zinnober zu bereiten.

Man nimmt 16 Taels Queksilber und 4 Taels Schwefel, gepulvert. Beide werden in einen irdenen Krug gethan, dessen Außenseite 3 1/2 Zoll dik mit Schlamm und Salz überdekt wird, und auf welchen man einen eisernen Dekel legt, den man beständig feucht hält. Man verstreiche ihn an den Seiten so, daß keine Luft eintreten kann, und sezt ihn mit 120 Cattig Holzkohlen in einen Ofen. Dieß muß zeitlich am Morgen geschehen und am folgenden Morgen wird um dieselbe Stunde das Feuer ausgelöscht. Den Krug nimmt man um Mittag heraus, zerschlägt ihn, und nimmt das heraus, was man in demselben findet. Das Unreine wird ausgelesen, und das. Uebrige fein gepulvert, und in einen großen Krug Wasser geschüttet. Nach einiger Zeit wird sich ein feines Hautchen auf der Ober? stäche des Wassers zeigen. Dieses wird sorgfältig abgenommen, und ein Theil des Wassers abgelassen. Nach einiger Zeit wird diese Arbeit wiederholt, und beim dritten Male wird alles Wasser abgelassen. Der Bodensaz wird dann getroknet, und hierauf in Kuchen herausgenommen. Dieser lezte Theil heißt das Zinnoberherz Asiatic-Journal. 28. Th. S. 386. Brewster's Edinb. Journ. of Science. April, 1830. S. 352.242)

Bereitungsart des Indigo in China.

Man taucht 50 Catties Indigoblätter in einem Gefäße in reines Wasser, wascht sie rein, und weicht sie hierauf 24 Stunden lang in Wasser, sezt sodann einen Krug gebrannte Muschelasche zu und rührt Alles mit einem Bambusrohre um. Nachdem man den Schaum abgenommen hat, wirft man ein halbes Catty gebrannte Ochsenhaut in die Masse, rührt sie auf, läßt sie sich sezen, und läßt das darüber stehende Nasser, sobald es klar geworden ist, ab. Der Rükstand bleibt der Einwirkung der freien Luft ausgesezt. Bei Regenwetter macht man Feuer um das Gefäß. Wenn der Indigo troken geworden ist, nimmt man ihn heraus: er ist fertig. 50 Catties Blätter geben zwei Catties Indigo, (Asiatic Journal. XXVIII. Bd. S. 326. Brewster Edinburgh Journal of Science. April, S. 353.)243)

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Eisenschmelzen mittelst Steinkohlen.

Lord Dudley war der Erste, der unter Jakob I. die Engländer Steinkohlen Statt Holz zum Schmelzen der Eisenerze anwenden lehrte. (Im Anfange des 17. Jahrhundertes.) Indessen vergingen mehr denn hundert Jahre, ehe diese Erfindung mit Vortheil angewendet werden konnte, und Lord Dudley ging, ungeachtet seines Patentes auf dieselbe, mit seinem ungeheueren Vermögen, das er auf dasselbe wendete, zu Grunde. (Mechan. Magaz. N. 348.)

Englische Glasmachereien in N. Amerika.

Es hat sich eine Gesellschaft für englische Glasmacherei (english Glasswares) in N. Amerika gebildet, welche sehr schönes Glas verfertigt, vorzüglich emaillirtes, das dem schönsten Porzellan nahe kommt, und alles übertrifft, was man bisher an ähnlichen Waaren aus Europa erhielt. Die Bestellungen bei dieser Fabrik überstiegen alle Erwartung. Der Präsident, Hr. Jackson, hat selbst für 1,500 Dollars der Fabrik abgenommen. Das Krystallglas ist so schön, der Schliff und Schnitt so meisterhaft, daß diese amerikanischen Glaswaaren mit jeder europäischen wetteifern können. Mercury. Nile's Register. 25. Jul. 1829. Bulletin d. Scienc. N. 2. 1830. S. 140. (Ehevor ging böhmisches und bayerisches Glas nach N. Amerika! Wir wissen aus guter Quelle, daß sehr geschikte bayerische Glasmacher nach Amerika auswanderten, weil sie in Bayern nicht nur keinen Schuz fanden, sondern dafür gedrükt wurden, daß sie gewissen Herren die sogenannten „Kanneln“ zum Messe lesen, und anderen gewissen Herren ihren Hausbedarf an Glas nicht umsonst liefern wollten.)

Die Glasfabrik zu Choisi bei Paris,

von deren vortrefflichen Glasern in dem Berichte der Untersuchungen zur Bestimmung der elastischen Kräfte des Wasserdampfes bei hohen Temperaturen in diesem Journalhefte S. 342. Erwähnung geschah, ist vielleicht die vollständigste, welche existirt. Man macht in ihr Kirchenfenster mit eingebrannten Farben, welche die alten weit hinter sich lassen, aus Krystallglas werden Pocale u.s.w. gemacht, welche in der That unübertrefflich sind. Die Fabrik beschäftigt achthundert Arbeiter und schmilzt alles Glas, was merkwürdig ist, mit Steinkohlen; man hat in dieser Hinsicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Man hat ebendaselbst Versuche mit Flintglas angestellt und die Proben der Akademie übergeben; dazu hat man boraxsaures Bleioxyd angewandt. Eine sehr große Fabrik in der Umgegend von Paris beschäftigt sich mit Reinigung der natürlichen Boraxsäure, welche dann zu Straßen (farbigen Gläsern polyt. Journal Bd. III. S. 463.) hauptsächlich verwandt wird.

Gläserne Griffe an Schubladkästen, Thüren etc. in N. Amerika.

In N. Amerika, wo Glas noch vor wenigen Jahren unter Seltenheiten und Kostbarkeiten gehörte, verfertigt man jezt sehr elegante Beschläge und Griffe an Thüren, Commoden, Sekretären aus schön geschliffenem Krystallglase, die äußerst elegant aussehen sollen. Die Schenkel der Griffe sind massiv, und können folglich nicht brechen. Ein Hr. Deming Jervis zu Boston, Massachusetts, ließ sich am 11. Junius voriges Jahr ein Patent auf diese Erfindung ertheilen. Unsere Glashütten und Glasschleifer können vielleicht einen kleinen Ersaz für den Verlust an Absaz, den sie ehevor an Glas nach N. Amerika hatten, darin finden, daß sie jezt die N. Amerikanischen Glasmeister nachahmen, und die europäischen Möbel eben so elegant mit Glas verzieren, als ihre Collegen jenseits des Oceans ihre amerikanischen. (Vergl. Journal of the Franklin-Institute und Register of Arts. N. 32. S. 233.244)

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Phosphor-Zündkerzchen, auf welche Hr. Derepas zu Paris sich ein Patent ertheilen ließ.

Das Repertory of Patent-Inventions theilt im Aprilhefte S. 246. seinen Landsleuten aus der Description des Brevets des Hrn. Christian folgende Verfahrungsweise mit, Zündkerzchen zu verfertigen. Da sie in England noch nicht allgemein bekannt ist, so scheint sie auch in Deutschland vielleicht für manchen noch eine Neuigkeit zu seyn.

„Man gibt in eine im Sandbade erhizte große Flasche acht Theile reinen Phosphor, den man darin halb schmelzen läßt, ohne ihn sich oxydiren zu lassen. Nachdem er sich aufgelöst hat, sezt man demselben vier Theile Bittererde zu, und mengt sie bei einer Temperatur von 90° Réaumur (234,5 F.) genau damit zusammen. So wie die Operation sich ihrem Ende nähert, mäßigt man das Feuer. Nachdem die Temperatur sich bis auf 30 bis 35° R. (99°,5–106°,25 F.) vermindert hat, bildet dieses Gemenge eine Art von fettem Pulver, das in kleine Flaschen gethan, und nach dem vollkommenen Erkalten sorgfältig zugestöpselt wird. Man erhält auf diese Weise eine dunkle Masse, an welcher man Schwefelkerzchen anzünden kann.

Neues Wurfgeschüz.

Ein Hauptmann vom Genie-Corps zu Metz erfand ein neues Wurfgeschüz, das ein Faß mir Pulver und Zerstörungsmaterial von 20 Ztrn. Schwere, wie eine Bombe, 240 franz. Fuß weit wirft. Die zu Metz angestellten Versuche fielen sehr befriedigend aus. (Galignani. N. 1718.)

Vergleichung des englischen und nordamerikanischen Seehandels.

Englische Schiffe, die vom J. 1815 bis 1827
nach allen Theilen der Welt ausliefen,
im Tonnengehalt.
Amerikanische Schiffe unter
denselben Rüksichten.
1815 2,088,029 700,500
1816 1,987,704 877,462
1817 2,249,206 780,136
1818 2,401,067 755,101
1819 2,263,650 783,579
1820 2,207,663 801,253
1821 2,223,869 769,084
1822 2,286,713 747,887
1823 2,297,975 806,331
1824 2,492,402 845,768
1825 2,633,524 886,511
1826 2,676,263 910,635
1827 2,829,869 900,199
1828 824,781.

Diese Angaben finden sich in Cambreleng's Appendix zu seinem Reporte an den Congreß, und hieraus will man erweisen, daß die Zahl der Tonnen der ausgelaufenen englischen Schiffe sich vom J. 1815 bis 1827 um 741,840 Tonnen vermehrte, während sie in Amerika (das Mittel der beiden Jahre von 1816 und 17 zu 828,799 Tonnen gerechnet, indem man das Kriegsjahr 1815 nicht rechnen kann) um 4018 abnahm. Hieraus schließt man nun sehr jesuitisch auf die Schädlichkeit des neuen nordamerikanischen Systemes. Jeder Leser wird aber einsehen, daß in den drei nach einander folgenden Jahren 1817, 18 und 19, bei dem alten Systeme noch, die Abnahme weit größer war. Eben dieß gilt auch von den Jahren 1821, 22 im Vergleiche zum J. 1820. Solche Sophistereien beweisen nichts für und nichts gegen ein System. (Vergl. Globe und Galign. N. 4718.)

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Beitrag zur Geschichte der Seilerei.

Capitän Harris ließ sich am 45. Sept. 1829 ein Patent auf Verbesserung der Seile ertheilen, das, wenn es auch auf dem festen Lande, außer in Holland, nicht benüzt werden kann, doch Beachtung verdient. Das Material, aus welchem er das Seil verfertigt, ist im Register of Arts, welches im Aprilhefte S. 261. einen Auszug aus diesem Patente liefert, nicht angegeben; es heißt bloß, die Pflanze wächst in Afrika und in Ost- und Westindien. Es ist kein Zweifel, daß, wenn die Seeminister Englands und Frankreichs nur etwas Botanik verstünden, sie langst sich von dem lästigen Tribute für Hanf an Rußland hätten befreien können, indem ihre Colonien ihnen besseres Material zu Tauwerk liefern, als Hanf. Dieses Material wird nun mit einem Extrakte aus Ficus indica, welches mit dem zwanzigsten Theile von Kokosnuß oder irgend einem anderen fetten Oehle angerührt wird, gesponnen. Er räth ferner dieser Mischung noch 1/20 ihres Gewichtes Steinkohlen zuzusezen, und die Seile beim Spinnen nicht so stark, wie bisher, zu drehen, woran er sehr Recht hat.

Ueber das Papier der Alten.

Wir haben neulich, bei Gelegenheit der Anzeige der Atti dell' Accademia Giornia di Catania, auf Hrn. Mario Musumeci's Abhandlung: dell' antico uso di diverse specie di carta e del magistero di fabbricarlo aufmerksam gemacht. Wir sehen jezt aus der Biblioteca italian. Febbrajo S. 242, daß diese Abhandlung unter obigem Titel auch einzeln in 8. zu Catania 1829 bei Pappalardo gedrukt wurde, und daß sie nicht bloß für den technischen Papiermacher, sondern auch für den Philologen, und vorzüglich für die künftigen Herausgeber und Commentatoren des Plinius äußerst wichtig ist. Hr. Musumeci analysirt nämlich das 11e, 12e u. 13e Capitel des X. Buches von Plinius Hist. nat., und zeigt die groben Schnizer, welche die bisherigen Editores Commentatoresque dieses unsterblichen Mannes begingen. Die unglükseligen Philologen, die beinahe nie Sachkenntniß, sondern bloß Wortkram besizen, haben hier, so wie in hundert andern Fallen erwiesen, daß man mit etwas Mutterwiz, gründlicher Sachkenntniß und oft höchst ärmlicher Sprachkenntniß einen Schriftsteller in einer alten oder fremden Sprache weit richtiger versteht, als mit bloßer Wortgelehrsamkeit, mit welcher man nur zu oft erst sich, und dann die halbe Welt, und dieß oft Jahrhunderte lang tauscht. Sehr richtig schließt Hr. Musumeci feine Abhandlung mit den Worten: Che l'immaturitá delle noster applicazioni in materia di fatto ci precipita a svariati gjudizj, i quali vengono tosto smentiti a misura che qualche deposito d'antico sapere venga disoterrato.

Wollentücher und Zeuge durch Filzen Statt durch Weben zu bereiten.

Wir haben vor einiger Zeit Notiz gegeben, daß man in Amerika wieder anfängt, Wollentücher und Zeuge mittelst Filzens, Statt auf dem Weberstuhle zu bereiten und so zur ersten Benüzung der Wolle als Kleidungsstoff zurükzukehren. Im Franklin-Journal und im Register of Arts N. S. 233 findet sich ein sehr unvollständiger Auszug aus dem Patente, welches Hr. Wilh. Harrington zu Harrison, West-Chester-County, New-York, sich am 3. Mai 1829 und am 11. Juni 1829 auf diese Art von Tucherzeugung ertheilen ließ.

Ueber die Einwirkung des Chlors auf doppelt gekohlstofftes Wasserstoffgas

findet sich eine sehr interessante Abhandlung des Hrn. Morin zu Genf in den Annales de Chim. et de Physique, März, S. 225., auf welche wir Techniker, die feinere Chemiker sind, aufmerksam machen wollen. Der beschrankte Raum unserer Blätter gestattet uns nicht die Aufnahme derselben. Als Resultat der Versuche des Hrn. Morin ergibt sich, daß der Körper, welcher unter dem Namen Chlor-Hydrocarbür (Hydrocarbure de Chlore) bekannt ist, nicht aus der Verbindung gleicher Theile Chlor und doppelt gekohlstofften Wasserstoffgases |401| entsteht, wie man bisher annahm, sondern aus der Vereinigung Eines Atomes Kohlenstoff-Protochlorür (protochlorure de carbone) und dreier Atome doppelt gekohlstofften Wasserstoffgases (hydrogéne bicarboné); 2) daß man durch Einwirkung des Chlors auf Alkohol und Aether öhlige Stoffe erhält, deren Composition identisch mit jener des Chlor-Hydrocarbüres (Hydrocarbure de chlore) ist; 3) daß das Wasser der doppelt gekohlstofften Wasserstoff-Hydrate (hydrates de hydrogène bicarboné) der Einwirkung des Chlores fremd bleibt.

Kalkchlorür zur Reinigung der Luft der Zimmer, in welchen Seidenraupen gezogen werden.

Der berühmte Seidenwirth, Bonafous, theilt im Calendario georgico di Torino ein Schreiben des Hrn. A. Carrier mit, worin Kalkchlorür zur Reinigung der Luft der Zimmer, in welchen Seidenraupen gezogen werden, empfohlen wird. Wenn die Thiere und die Zimmer sorgfältig rein gehalten und gelüftet werden, wird dieses Mittel nicht nothwendig seyn; wo man aber nach dem gewöhnlichen Schlendrian verfährt, und die Zimmer, in welchen man die Seidenraupen zieht, anfangen zu stinken, und folglich die armen Raupen krank werden müssen, wird Kalkchlorür eben so wohlthätig seyn, als in Ställen, in welchen die Viehseuche, und in Spitälern, in welchen die Menschenseuche (das Nervenfieber, der Typhus) herrscht. Man löst einige Lothe Kalkchlorür in Wasser auf, rührt die Auflösung, die man in dem Zimmer stehen läßt, öfters auf, und besprizt damit den Boden. (Vergl. Biblioteca Italiana. Marzo. S. 397.)

Flüssiges Chlor ein sicheres Mittel gegen Wasserblausäure-Vergiftung.

Die Hrn. Persoz und Nonat haben in den Annales de Chim. et de Phys. März 1830. S. 324. neuerdings durch eine Reihe von Versuchen erwiesen, daß flüssiges Chlor ein sicheres Mittel gegen Wasserblausäure-Vergiftung sey. Kalk- und Sodachlorüre nüzen aber nichts dagegen.

Locatelli's Beleuchtungsapparat.

Locatelli's Beleuchtungsapparat der Theater, Säle etc. ist in Italien bereits seit mehreren Jahren der Gegenstand der Bewunderung und des Dankes. Wir haben davon im Polyt. Journ. seiner Zeit Nachricht gegeben. Wir sehen zu unserem Erstaunen (aus dem Bulletin d. Sc. techn. N. 1830. S. 127.), daß seit Ende Jänners 1830 erst sich zu Paris eine Gesellschaft auf Actien constituirte, die diese Beleuchtungsart nun patentmäßig betreibt. Es ist übrigens leicht erklärlich, wie in Frankreich jezt unter so vielen Chevaliers l'éteignoir Beleuchtungsanstalten wenig Glük machen, und einer halben Ewigkeit bedürfen, um sich als brauchbar und nüzlich zeigen zu können.

Unanwendbarkeit von Brown's Gasmaschine zu irgend einem nüzlichen Zweke.

Während einige englische Zeitschriften sich von dieser Maschine Wunder versprechen, erweiset ein Hr. X. im Repertory of Patent-Inventions, Mai, S. 295. aus Tredgold, und durch a + b, daß diese Erfindung eine Chimäre „(a chimerical invention)“ ist.

Menge des Regens, der zu Bombay im J. 1828 fiel.

Zu Bombay betrug, nach Noton's Beobachtungen mit Howard's Regenmesser, die Menge des gefallenen Regens im Junius: 23,72 Kubikzoll; im Julius: 52,75; im August: 17,22; im September: 22,8; im October: 6; zusammen in 5 Monaten: 121,98 Kubikzoll. (Philos. Mag. Bd. VI. S. 14.)

|402|

Auf Mittel zur Vermehrung der Potasche-Erzeugung in Sardinien

hat die Società reale agraria di Torino einen Preis von 350 Franken gesezt. Die Abhandlung muß vor Ende des laufenden Jahres eingesendet werden.

Analyse organischer Körper.

Da Fabrikanten, die etwas Chemie verstehen, so oft im Falle sind, organische Körper zu analysiren, und da die Analyse organische Körper zu den schwierigsten Theilen der Chemie gehört, so wollen wir sie auf die treffliche Abhandlung sur l'Analyse organique et les procédés pour l'effectuer, par MM. Henry fils et A. Plisson im Maihefte des Journal de Pharmacie aufmerksam machen, die daselbst von S. 249 bis 291. fortläuft, und die wir bei dem beschränkten Raume unserer Blätter unmöglich liefern können.

Ueber den Stärkmehlgehalt mehrerer Gewächse der Antillen, nebst einer Analyse der Frucht des Brotbaumes,

findet sich im Journal de Pharmacie, Mai 1830, S. 306. ein interessanter Aufsaz des Drs. J. P. Ricord Madianna. Vier Unzen der Frucht des Brotbaumes bestehen aus

4 Quentchen 33 Gran Stärkmehl.
60 vegetabilischen Eiweißstoff und Schleim.
2 Unzen 4 37 Wasser oder verdampfbaren Stoff.
– – 24 Pflanzenseife.
– – 3 Harz.
– – 1 Sarcocoll?
– – 5 58 Kleber mit vegetabilischer Faser.
––––––––––––––––––––––––––––––––
4245)

Hrn. Tytler's Versuche aus Kokosnuß-Oehl und Ricinus-Oehl

eine wachsartige Masse zur Verfertigung von Kerzen zu bereiten, zu welchen ihn Brandes's Manual of Chemistry verführte, mißlangen ihm. Er erstattet hierüber Bericht im Asiatic Journal. N. 4. New Series S. 66, 67. Brewster Aprilheft. S. 353.

Gewinnung des Badeschwammes.

Wenige, die den Badeschwamm bleichen und zurichten, und noch Wenigere unter denjenigen, die sich desselben bedienen, kennen vielleicht die Gefahren und Mühseligkeiten, unter welchen dieses kostbare Instrument zur Unterhaltung der Reinlichkeit des Körpers und zu so vielen technischen Arbeiten gewonnen wird. Nicht um die Braut allein und um den goldenen Becher wird in die Tiefen des Meeres getaucht, nicht bloß um Perlen und Korallen, auch um den Badeschwamm muß untergetaucht werden in die Tiefen des Meeres. Einer der vorzüglichsten Gewerbszweige der Bewohner der Cycladen im ägäischen Meere ist die Fischerei des Badeschwammes: Männer und Weiber und Mädchen und Jungen sind auf diesen Inseln mit dieser traurigen und gefahrvollen Arbeit beschäftigt, und noch heute zu Tage herrscht dort die Sitte, die uns der gute alte Schwede Hasselquist vor 60 Jahren erzählte, daß ein Mädchen nicht ehe heirathen darf, als sie eine gewisse Anzahl Schwämme aus dem Meere heraufgezogen hat, und daß kein Junge heirathen darf, der nicht zwanzig Ellen tief in das Meer unterzutauchen vermag. Das Meer ist um die Cycladen, mit Ausnahme der Stürme, außerordentlich klar, und der erfahrne Taucher entdekt noch in einer Tiefe desselben, in welcher das Auge des Fremdlings nichts als schwarze Nacht mehr findet, den kleinen Punkt, an welchem ein Schwamm am Felsen hängt. Er rudert nun mit seinem Schiffchen und mit seinen Gehülfen so nahe als möglich über diesen Punkt hin. Am Schiffchen hängt ein schwerer |403| Stein an einer Schnur, die über eine Rolle läuft: diese Schnur ergreift er nun mit der Hand, stürzt sich über Kopf in's Meer und fährt, so schnell der schwere Stein nur immer fallen kann, mit diesem hinab in den Abgrund. Hier hascht er mit der Schnelligkeit eines Habichtes die Schwämme, die er ringsumher ertappen kann, und gibt dann seinen Gehülfen im Schiffchen ein Zeichen an der Schnur, daß sie ihn mit seiner Beute in die Höhe ziehen. So gut diese armen Leute auch tauchen können, so halten sie es doch selten etwas länger als zwei Minuten unter dem Wasser aus. Um große schöne Stüke Schwammes herauszufördern, müssen oft drei bis vier Fischer untertauchen. Die Mühseligkeiten und mannigfaltigen Gefahren, die mit dieser Arbeit verbunden sind, wird jeder fühlen, der weiß, was Untertauchen im Meere ist. (Vergl. J. Emerson's Briefe über das ägäische Meer und Biblioteca italiana. N. 470. S. 270.)

Ueber Seidenraupenzucht

ist vor Kurzem in Italien ein wichtiges Werk erschienen, auf welches wir unsere Landsleute aufmerksam machen zu müssen glauben, nämlich der

XII. Band der Biblioteca agraria, oder Sui gelsi e sui bachi da seta. Istruzione compilata dai Dottori Gius. Morreti, P. P. di economia rurale e supplente alla cattedra di Botanica nell' I. R. Università di Pavia, e Carl. Chiolini, decano della facolt. med. nella stessa Universitá. 16. Milano. 1829 p. A. F. Stella e figli. XVII S., 356 S. und 3 Taf. 5. Liv. 40. Cent.

Die Biblioteca italiana gibt hiervon eine kurze Notiz in ihrem Februarhefte (ausgegeb. 9. April) S. 184.

Wir finden hier mehrere Sorten von Maulbeerbäumen aufgeführt, unter anderen eine Morus macrophylla, welche die Brüder Zappa schon im J. 1780 aus Holland erhielten, und in ihrem Garten zu Sesto di Monza zogen. Sie erhielten diese Sorte ohne Namen, bloß mit der Aufschrift: „Maulbeerbaum, dessen Blätter wunderbar gut den Seidenraupen bekommt,“ und gaben ihr in ihrem Kataloge (Catalog. plantt, quae in horto Sextiato fratrum Zappa coluntur. 1785) den Namen Morus indica Linn., was sie aber durchaus nicht ist. Ob diese Sorte bloße Abart von M. alba, oder eigene Art ist, wagt Hr. Prof. Morretti noch nicht zu bestimmen, obschon sich zwei Bäume davon im Garten zu Pavia befinden. Die Sorten und Arten von Maulbeerbäumen, mit welchen er Versuche anstellte, und die Resultate, welche er erhielt, sind folgende:

Morus italica. Die Seidenraupen fressen die Blätter dieser Sorte eben so gern, als von M. alba.
constantinopolitana. Die Blätter sind etwas lederartig, und daher weniger gut für feine Seide.
latifolia. Die Raupen fressen die Blätter davon nicht gern.
indica. Die Cochinchinesen ziehen diese Art Blätter jeder anderen vor.
nervosa. Die Raupen fressen diese Blätter nicht lieber, als jene von M. alba, wie die HHrn. Delille und Martin et behaupteten.
rubra. Die Raupen fressen sie, nach Hrn. Loiseleur, eben so gern, wie M. alba, werden aber dadurch mehreren, Krankheiten ausgesezt.
nigra. Die Seide wird von den Blättern dieses Baumes vielleicht stärker, fühlt sich aber mehr rauh an.
scabra. Die Raupen fressen sie nur mit Mühe.

Im 3ten bis 8ten Kapitel wird von der Baumzucht des weißen Maulbeerbaumes gehandelt. Die HHrn. Verfasser stimmen für Anzucht aus Samen. Hr. Prof. Moretti versichert, sich durch Versuche überzeugt zu haben, daß Graf Verri Recht hat, wenn er das Abkürzen der langen Pfahlwurzel der Maulbeerbäume beim Versezen derselben empfiehlt. Er war Anfangs einer anderen Meinung, und lehrte das Gegentheil vom Katheder herab; Erfahrung belehrte ihn aber eines Besseren. Es sind in diesen 6 Kapiteln mehrere wichtige und wenig beachtete Vorsichtsregeln bei der Cultur dieser Bäume angegeben, die Beherzigung verdienen. Mit Recht wird gewarnt, die jungen Bäume vor dem 6ten Jahre abzublatten, indem sie dadurch geschwächt werden. Wir freuen uns, die Heken von Maulbeerbäumen, die wir immer unseren Lesern empfahlen, auch von diesen beiden HHrn. Verfassern empfohlen zu sehen. Diese Art von Anzucht des Maulbeerbaumes |404| wird immer die beste seyn, nur nicht in feuchten, thonigen, schattigen Lagen. M. macrophylla fanden die HHrn. Verfasser hierzu am besten.

Die Wartung und Pflege der Seidenraupen füllt 21 Kapitel. Mit Recht sind die HHrn. Verfasser gegen jedes Surrogat, wie Ulmen-, Lattig-, Nessel-, Löwenzahn-, Skorzonerenblätter etc. als überflüssig, lächerlich und schädlich. Auch Acer tatarium taugt nicht, die Raupen sterben lieber, als daß sie seine Blätter fräßen.

Die HHrn. Verfasser rechnen für Raupen aus

2 Lothen Eier beim Ausfallen 4 □ Braccia.246)
bei der zweiten Häutung 8
dritten 49
vierten 45
in der fünften Periode 100

Coulont's Entschälung der Seide.

Wir finden im Bulletin d. Scienc. technol. Fevrier 1830. S. 119. ein Programm unter dem Titel: Procédé pour décruer la soie sans employer ni savon ni acide, offert par souscription aux teinturiers et fabricans. 8. Paris 1829, in welchem sich derselbe erbietet, gegen Subscription von 1500 Franken par tête, vor den HHrn. Gay-Lussac, d'Arcet, Thénard und Robiquet, vor 3 Commissären der Académie de Paris und 3 Commissären der Chambre-Commerce, und vor so vielen Subscribenten als gegenwärtig seyn wollen, sein Verfahren die Seide ohne Seife und ohne Sauren zu entschälen, zu zeigen und zu lehren. Sollte dieses Verfahren nicht allgemeinen Beifall finden, so haben die Subscribenten nichts zu bezahlen. Ergibt es sich aber, daß, wie er versichert, 4) die ganze Arbeit nur 40–50 Minuten lang dauert, die Seide, wie gewöhnlich, nur 25 p. C. höchstens verliert; 2) man folglich (abgesehen von Seide oder Seife) 3/4 an Zeit und Brennmaterial erspart; 3) die Seide fester und stärker bleibt, und alle Nachtheile des Oehles in der Seife auf die Seide beseitigt werden, die Stoffe sich besser erhalten; 4) die Farben auf derselben schöner ausfallen; so bezahlt jeder Subscribent 4500 Franken. Er will jedoch diese Mittheilung nur dann machen, wann 2/3 der Färber einer jeden Stadt in Frankreich unterzeichnen.

Zukercultur in Jamaica.

Da die Zukerplantagen wegen der elenden Geseze in England, die das Mutterland und die Colonien zugleich zu Grunde richten, den Eigenthümern zu wenig Ertrag liefern, so gaben mehrere Plantagenbesizer den Zukerbau gänzlich auf, und das Resultat hiervon war, daß im vorigen Jahre 94,000 Faß Zuker (das Faß zu 4 Hogshead oder ungefähr 200 Maaß) weniger aus Jamaica ausgeführt wurden, (Galignani. N. 4705.)

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Cochenille, Seidenraupe und Theestaude auf Java.

Nach einem Berichte an den Generalcommissär von Java gediehen die Cochenillethierchen, welche auf Specialbefehl Sr. Maj. des Königes von Holland mit wahrhaft königlichem Aufwande und mit väterlicher Weisheit von Cadiz nach Java verpflanzt wurden, Anfangs so wenig, daß nur drei derselben am Leben blieben. Indessen ersezten diese drei den bisher erlittenen Verlust reichlich wieder, und es sind bereits 50 Nopals in Buitenzory mit den Nachkommen derselben besezt. Sie werden mit der höchsten Sorgfalt gewartet und gepflegt, und die Cochenille, welche man bisher von denselben erhielt, ist von der besten Qualität. Auch die Seidenraupe wird jezt mit vieler Sorgfalt in Java gezogen, und die Theestaude, die man nun daselbst einheimisch zu machen versuchte, scheint auch zu gedeihen. (Gazette des Pays-Bas. Galignani. N. 4707.)

Ueber Baumwollen- und Zuker-Bau und Verminderung des menschlichen Elendes bei demselben

hat Hr. Josias Booker im XLVII. B. der Transactions of the Society for the Encouragement of Arts etc. einen höchst interessanten Aufsaz mitgeteilt, welchen auch Hr. Gill im Aprilhefte seines technol. und microsc. Repertory S. 211. einrükte, und den wir, da Baumwollen- und Zuker-Bau in unserem deutschen Vaterlande unmöglich ist, hier übergehen müssen: den Portugiesen, Spaniern, Sicilianern und Neugriechen könnte er jedoch von Nuzen seyn, da Baumwolle und Zuker in diesen Ländern früher als in Westindien gebaut wurde, und noch zur Stunde unbebaute und zum Zuker- und Baumwollen-Baue geeignete Gründe sich genug in diesen Ländern befinden.

Das für uns. und für die gesammte Menschheit Wichtige in diesem Aufsaze ist der schöne Zwek der Society of Arts, durch Verbesserungen im Akerbaue, in so fern derselbe auf Zuker- und Baumwollen-Plantagen angewendet wird, und durch Maschinen bei dem Ausbringen der Baumwolle aus ihren Kelchen, bei dem Auspressen des Zukerrohres die armen Neger theils gänzlich entbehren, theils, wo sie nun einmal da sind, das furchtbare Elend derselben lindern zu können. Die Gesellschaft hat nämlich aus den traurigsten Erfahrungen die Ueberzeugung gewonnen, daß, wenn in den Colonien die Baumwollen- und Zuker-Felder nach europäischer Art mit dem Pfluge, Statt mit der Schaufel, bestellt würden, wenn man die nordamerikanischen Baumwollenmühlen, wenn man bessere Zukermühlen daselbst hätte, man keine schwarzen Sclaven nöthig haben würde, und daß die Schmach des Negernhandels, die die Unwissenheit und Barbarei der allerkatholischsten und allerchristlichsten Völker über beide Hemisphären des Erdballes verbreitete, dadurch von selbst verschwinden würde.

Die menschenfreundliche Society of Arts schrieb daher einen bedeutenden Preis für denjenigen Plantagenbesizer in den westindischen Colonien aus, der europäischen Akerbau auf seinen Zuker- und Baumwollen-Feldern einführen, der die in N. Amerika gewöhnlichen Maschinen bei dem Ausbringen der Baumwolle, der einige Verbesserungen an den erbärmlichen Zukermühlen anwenden und dadurch seinen Nachbarn zum guten Beispiele dienen würde.

Diesen Preis hat sie nun Hrn. Josias Booker, Besizer einer bedeutenden Baumwollen- und Zuker-Plantage in Demerary, mit ihrer großen goldenen Medaille zuerkannt.

Man schaudert, wenn man das Bild überblikt, das Hr. Booker (der ein höchst einfacher und schlichter Mann zu seyn scheint, an welchem die Gabe des Ausdrukes wenigstens nicht die Lichtseite in seinem edlen Charakter ist) uns von seiner Plantage entwirft, als er dieselbe übernahm. Kein Pflug, kein Karren, keine Walze, kein Rad, nichts war. vorhanden: alles, alles mußte durch die Hände der armen Neger geschehen. Man glaubt die Geschichte der ersten Cultur der Menschheit in der Geschichte dieser Plantage wieder zu finden; man mußte, nachdem man einen Pflug aus England bekam, erst die Rinder abrichten, denselben zu ziehen; die Neger lehren, das Rind vor dem Pfluge zu treiben und zu lenken, den Pflug zu führen etc. etc. Als diese Versuche endlich alle gelangen, und ein Paar Rinder vor dem Pfluge und ein Neger an demselben die Arme von ein Paar Duzend Negern ersezte, und die Felder schöner da standen, als nie das |406| Auge eines Colonisten sie noch gesehen hatte, sagte ein alter Neger zu Herrn Booker in seinem Negro-Englisch:

„O gnädigster Herr! Je länger ich lebe, desto mehr sehe ich. Deine Ochsen sind jezt Neger geworden; sie können so viel, als wir konnten, und noch besser. Du mußt sie so gut halten, wie uns; sie verdienen es. Wir Alle hätten das nicht vermocht, was sie können. Und erst die Mühlen! Was sind dieß für Wesen!“

Sollte man nicht die Worte dieses alten Negers jenem Hrn. W., der das gegenwärtige Elend Englands in den Fortschritten des Akerbaues und des Maschinenwesens gefunden zu haben behauptete, mit so schwarzen Buchstaben, als dieser gute Neger schwarz ist, auf den Rüken brennen, damit seine besoldeten Nachbeter sie täglich von demselben herablesen und sich daran erbauen könnten? Sollen die Weißen in Europa an die Stelle der Schwarzen in Westindien kommen, und wie diese das Feld mit ihren Nageln, Statt mit dem Pfluge bestellen? Sollen sie, wie die Neger, auf ihrem Rüken und auf ihrem Kopfe die Ernte von den Feldern heimtragen, Statt daß ein Paar Ochsen die Arbeit in einigen Stunden verrichtet, mit welcher 50 Menschen sich wochenlang halb zu Tode plagen?

Wer zweifeln könnte, wie sehr auch bloß die gemeinsten Akergeräthe, die schlechtesten Ein- und Zukermühlen den Ertrag einer Plantage durch Geld- und Zeitgewinn fördern, der sehe die von Hrn. Booker hier vorgelegten Rechnungen; und er wird finden, daß man an der Bestellung eines jeden Morgens Baumwollenlandes durch Akerbaugeräthe beinahe volle 11 Tage, bei dem Ausbringen eines Ballens Baumwolle (zu 300 Pfd. (holländ.)) durch die Ginmühle beinahe 9 volle Tage gewinnt: den Geldgewinn wollen wir hier übergehen. Während der ersparten Zeit konnten die Neger dann die ihnen zu ihrem Unterhalte angewiesenen Felder desto besser bestellen, und sich auch etwas für sich und ihre Kinder verdienen.

Hr. Booker sagt ganz naiv: „ich bemerkte mit Vergnügen, daß die Sittlichkeit der Neger sich in dem Maße verbesserte, als sie anfingen sich einiges Eigenthum für sich zu erwerben. Ich hatte weniger Ursache über Mangel an Talent, als über Mangel an Umsicht und Vorsicht bei den Negern zu klagen,“ was uns sehr natürlich zu seyn scheint. Der rohe, wilde Mensch ist gut, wie jedes Kind gut ist; wir sahen den alten Neger oben mehr darauf bedacht, daß es den Ochsen gut ergehe, die seine Stelle jezt versahen, als ihm selbst: der Mensch wird erst durch seine schlechten Erzieher so schlecht, wie diese es selbst sind.

Hr. Booker fand sein Beispiel sehr bald nachgeahmt. Seine Nachbarn schikten ihre Neger zu ihm, damit sie bei ihm mit Ochsen pflügen, und mit der Ginmühle Baumwolle reinigen lernten. Er gewann dadurch nicht nur mehr Hände für 6–12 Monate, sondern seine Creolen, die als Aufseher seiner Wirthschaft dienten, erhielten von denselben für jeden zum Pfluge abgerichteten Neger 22 holl. Gulden, und für das Abrichten eines Ochsens zum Zuge Einen holländ. Gulden. Die Plantage des Hrn. Booker ward also eine Art landwirtschaftlicher Schule, die, wie es scheint, auf Demerary mehr Nuzen stiftete, als manche landwirthschaftliche Schule auf dem festen Lande von Europa.

Versezen großer alter Bäume.

Der Herzog von Devonshire verschönerte einen der herrlichsten Standpunkte seines Parkes zu Chatsworth mit einer Traueresche (Fraxinus pendula, Esche mit Hangenden Aesten), die schon seit Jahren der Gegenstand der Bewunderung ihrer ganzen Nachbarschaft war, die aber keinen schönen Standort hatte. Nachdem der Baum an seiner Wurzel ringsumher ausgegraben war, brauchte man zum Ausheben derselben aus der Grube eine Maschine von der Kraft von 280 Ztr. Der Baum wog mit dem Ballen 160 Ztr., und wurde in dieser Schwere und in seinem ganzen ungeheueren Umfange 28 engl. Meilen weit gefahren. Eine seiner Wurzeln war 28 Fuß lang. Die Verpflanzung bekam dem alten Baume gut. Derby Repertory. Galignani. N. 475. (Schon vor 50 Jahren hat Kaiser Joseph II. unsterblichen Andenkens seine ungelehrigen Zeitgenossen in der Anlage seines Augartens, den er bloß für seine Bürger pflanzte, gelehrt, daß man 50 bis 60jährige Riesen von Bäumen mit aller Sicherheit verpflanzen kann, wenn |407| man sich nicht scheut der schönen Gartenkunst jene Opfer zu bringen, die sie so sehr verdient.)

Forstwirtschaft in England.

Im J. 1826 trugen die königl. Wälder an Holz 33,440 Pfd. Sterl.; das Eintreiben dieses Ertrages kam aber auf 36,856 Pfd. Sterl. Im folgenden Jahre war der Ertrag 36,055, und die Administration kostete 34,302. Im J. 1828: Ertrag 34,963; Administration 36,043. Oberst Davies im Parliament 30. März.

Wink für deutsche Tobakpflanzer.

Man baut gegenwärtig auch in den nördlichen Provinzen der Vereinigten Staaten Tobak, wo das Klima der Cultur dieser Pflanze weniger zuträglich, und ungefähr so wie im nördlichen Deutschland ist. Man hat gefunden, daß man daselbst weit besseren Tobak und mehr erhält, wenn man die Blätter abpflükt, wenn die Pflanze erst halb gewachsen ist (d.h. wenn dann der Pflanze einige Blätter genommen werden), als wenn man mit dem Abblatten bis zur vollen Reife der Pflanze wartet, wo dann schon viele Blätter verdorben, und oft selbst die guten in nassen Spatjahren nicht mehr zu troknen sind. Die jungen Blätter sind viel edler, und lassen sich im Sommer leicht im Schatten troknen. (Globe. Galignani Mess. N. 4695.)

Aufbewahrung des Obstes und der Wurzelfrüchte.

Ein Hr. Amos Hart, zu Warton. Fayette County in Pennsylvania, ließ sich am 10. August 1829 ein Patent darauf ertheilen, Obst und Wurzeln in feinem trokenen Kohlenpulver aufzubewahren. Dieses Verfahren ist aber bekanntlich sehr alt, und man versandte auf diese Weise sogar Thiere. (Register of Arts. April 1830.)

Grüne Erbsen zu London am 1sten Mai.

Am 1sten Mai wurden zu London auf dem Covent-Garden Gemüsemarkte das Quart grüne Erbsen in der Hülse für den mäßigen Preis von 5 Guineen 60 fl.) bezahlt. (Ein Quart ist der vierte Theil Eines Gallon, und Ein Gallon = 3 1/4 Wiener Maß oder 4 Berl. Quart.) (Post. Galignani. N. 4725.)

Baschkiren thun oft mehr für Wissenschaft als Minister.

Rußland besizt gegenwärtig eine treffliche Bergschule. Wie entstand diese? Nicht durch die Fürsorge der Minister Rußlands von Peter dem Großen bis auf Katharina, sondern durch den gesunden Menschenverstand der so sehr verschrieenen Baschkiren. Ein Baschkir, Namens Ismaël Ben Rassim bat im J. 1771 um die Erlaubniß, die Erze seiner Bergwerke auf den russisch kaiserl. Hütten schmelzen zu dürfen, und erbot sich für jedes Pud (ungefähr 41 Pfd.) Erz 1/8 Kopek besonders zu bezahlen, wenn man diese Zahlungen als Fond zu einer Bergschule verwenden wollte. Das Anerbieten wurde genehmigt, und so entstand die heutige herrliche russische Bergschule. Ein roher Baschkire fühlte also die Nothwendigkeit eines zwekmäßigen Unterrichtes im Bergbaue und im Hüttenwesen weit früher und lebendiger, als alle die feinen Minister Rußlands von Peter bis auf Katharina, obschon diese bereits Muster an den Bergschulen in Ungarn und Sachsen hatten. England hat noch heute zu Tage keine Bergschule. (Vergl. Prof. Sokolov's Geschichte der russischen Bergschule. Galignani. N. 4715.)

Wie es mancher Erfindung ergeht.

Vor 30 Jahren erfanden die HHrn. Sharp und Whittemore eine Maschine zur Verfertigung der Drahtkardätschen. Die Maschine bog und schnitt den Draht, bohrte die Löcher in das Leder, sezte die Drahte in leztere ein etc. Die Maschine war sehr sinnreich und arbeitete schnell; die Arbeit derselben fiel aber für die englischen Fabrikanten viel zu grob aus, Der Erfinder ging daher mit |408| seiner Maschine nach Amerika, wo man mit groben Kardätschen noch zufrieden war. Die Ausfuhr der englischen Kardätschen war überdieß verboten, und so machte diese Maschine in Amerika großes Glük, und ward auch daselbst verbessert. Ein Hr. Dyer lernte diese Maschine kennen, glaubte, daß sie jezt nun auch gut genug für die Engländer seyn müßte, kaufte dem Erfinder sein Patent-Recht ab, und errichtete eine Fabrik solcher Maschinen zu Manchester. Allein, man fand diese Kardätschen in England noch immer zu grob, und ein Feuer, das in der Fabrik ausbrach, verbrannte allen Vorrath. Indeß war dieses Unglük das Glük des Hrn. Dyer geworden. Er mußte sich ganz neu einrichten, und dachte bei dieser neuen Einrichtung zugleich auf Verbesserung und Verfeinerung seiner Fabrikate, die er dann endlich so vollkommen lieferte, daß er sich eines reichlichen Absazes zu erfreuen hatte. (Aus dem Zeug-Verhöre vor dem Parliamente über Patent-Wesen. Mech. Mag. N. 351. 1 Mai 1830. S. 144.)

Wie weit man in mancher Hinsicht in England noch zurük ist.

An der Mechanics' Institution zu London droht ein großes Schisma in Ecclesia. Und aus welchem Grunde? Weil der Ausschuß desselben dem bekannten Dr. Owen erlaubte, (für 10 Pfd. Sterl. oder 120 fl. jährliche Miethe) am Sonntage innerhalb der Mauern der Mechanics' Institution Vorlesungen zu halten. Schon das vorige Stük des Mechan. Mag. hatte einige Spalten mit dieser Controverse gefüllt; das jezige bringt gar zwei volle Seiten damit überdrukt. Selbst Brougham ist gegen Vorlesungen am Sonntage! Man sieht hieraus, daß also in England noch keine Sonn- und Feiertagsschulen möglich sind, obschon man dergleichen selbst in katholischen Staaten, wie z.B. in Oesterreich, seit 50 Jahren hatte. Sogar der Jesuite Walcher las an Sonn- und Feiertagen für Handwerker im Hörsaale der Physik an der Universität zu Wien. Ein wiziger Kopf sagte mit Recht neulich, bei Gelegenheit dieses Scandals für ganz England: „er könne nicht begreifen, wie die Minister sich der Emancipation der Juden widersezen können, da doch das ganze englische Volk noch weit mehr Jude sey, als die Juden selbst, und den „Schabasle“ weit strenger halten, als die klugen Kinder Israels.“ (Vergl. Mechan. Magazine 151. 1sten Mai 1830.)

Le Gastronome.

Während man die armen Kranken in den Spitälern, die Soldaten in den Casernen und auf den Schiffen, die Arbeiter in den Staatsanstalten in Frankreich zur Knochenleimsuppe verdammt und ihnen Brot aus Erdäpfeln und Knochenleim zu essen gibt, sehen wir mit Erstaunen eine Zeitschrift zu Paris wöchentlich zwei Mal erscheinen, die den Titel führt:

Le Gastronome; journal universel du Goût, rédigé par une société d'hommes de bouche et d'hommes de lettres.

Dieses Journal steht sich so gut, daß es ein eigenes Bureau, place de bourse, N. 31. hält, wo man mit 9 Franken für das Vierteljahr in Paris, im Auslande mit 13 Franken abonniren kann. Diese Zeitschrift ist indessen dieses Geld werth; sie lehrt uns. daß wir in einem Zeitalter leben, in welchem (wie zu Juvenal's Zeiten) für viele unserer Zeitgenossen, vorzüglich unter den Büreaukraten und Diplomaten, die nichts Besseres zu thun wissen,

„in solo vivendi causa palato est; quales esse decet, quos ardens purpura vestit.“

Aus diesem für „Fraß und Füllerei“ bestimmten Journale kann indessen der Techniker, der Oenologe und Pomologe manches lernen, was ihm und auch denjenigen nüzlich seyn kann, die in Frankreich und England jezt stündlich in Gefahr sind zu erhungern, während andere sich zu Tode prassen und schlämmen.

Aufbewahrung der Lebens- und Haus-Bedürfnisse.

Die Société d'économie domestique et industrielle zu Paris wünscht im Moniteur de l'Industrie, Sept. 1829. S. 257. (Bulletin d. Scienc technol. N. 2830. S. 132.), daß man ihr die Verfahrungsweisen angeben |409| möchte, nach welchen in verschiedenen Gegenden die Lebensmittel aller Art, Speisen und Getränke und die rohen Materialien zu denselben, ferner Geräthe und Hausbedürfnisse aller Art aufbewahrt werden, und da in „deutschen, holländischen und englischen Werken mehrere gute Aufbewahrungsmethoden bekannt gemacht wurden“ wünscht sie auch Angabe derselben nur mit Titel und Seitenzahl. Sie wird dafür silberne Medaillen an die Einsender austheilen. (In Beckmanu's phys. ökon. Bibliothek wird die Gesellschaft eine Menge Werke und Verfahrungsarten angeführt finden.)

Ueber Fischereien, vorzüglich in Forellen-Bächen,

findet sich eine sehr gelehrte Abhandlung des Baronet W. Jardine in dem Edinburgh New Philosophical Journal April 1830. S. 358., in welcher der gelehrte Hr. Baron nicht weniger als 22 Fragen vorlegt, aus deren Beantwortung hervorgehen soll: „warum der Ertrag der Fischereien in den Forellen-Bachen im südlichen Schottland und im nördlichen England in neueren Zeiten so gewaltig abgenommen hat?“ Diese Fragen erinnern uns an die Fragen, die die Finanzkammern so mancher Länder an die verschiedenen Departements schokweise ergehen lassen, und aus deren Beantwortung hervorgehen soll, warum die Finanzkammer weniger einnimmt, wenn sie schlechte Finanzgeseze erließ, als wo sie gar keine machte. Wir wollen versuchen diese 22 Fragen des edlen Baron in einer einzigen Antwort zu beantworten, die übrigens auf keine seiner Fragen paßt, und unsere Antwort ist diese: „Wenn jezt in allen Ländern Europens die Forellenfischereien weniger ertragen, als ehemals, so rührt dieß davon her, daß 1) die Bevölkerung in dem lezten Jahrhunderte überall gewaltig zunahm; folglich mehr Forellen gefangen und gegessen werden, als im vorigen Jahrhunderte; folglich die Forellen in dem Maße, als sie mehr weggefangen werden, sich weniger vermehren können; d.h. mit 3 Worten, die Fische müssen weniger werden in dem Maße, als die, die sie aufzehren, sich vermehren. 2) daß man, eben deßwegen, weil die Forellen jezt mehr gesucht werden, sie von eigennüzigen und schlecht über ihr eigenes Interesse aufgeklarten Fischern zu jeder Zeit im Jahre, zur Laichzeit derselben so gut wie in anderen Monaten weggefangen werden; die alten Fischergeseze und Gebrauche gar nicht mehr geachtet werden, und folglich die Vermehrung der Fische auch dadurch sehr gehindert wird.“

Fleisch-Bedarf in England und Frankreich.

Nach einer genauen Vergleichung des Fleischbedarfes für London und Paris ergibt sich für den Londoner Bürger jährlich ein Consumo von 143 Pfd. Fleisch, für den Pariser von 86 Pfd. (Galignani. 4701.)

Holzeinfuhr aus Canada nach England.

Der Zoll für eingeführtes Holz aus Canada betrug

im J. 1828 213,749 Pfd. Sterl.
––29 224,108
––30 232,799

Wäre es Holz aus der Ostsee gewesen, so würde er

im J. 1828 1,251,922 Pfd. Sterl.
––29 1,494,867
––30 1,580,795

betragen haben. Der erhöhte Holzzoll auf Ostsee-Holz ist zu Gunsten der Canader, deren Holz aber schlechter ist. (Courier. Galignani. 4722.)

Ertrag von Englisch-Canada. Eintreibungskosten desselben.

Wenn ein Hausvater von seinem Gute wirklich 143 Pfd. jährlich einnähme, davon aber durch seine Leute nur 41 Pfd. haar in seine Hände erhielte, was würde man von solcher Wirtschaft sagen Müssen? Die Einnahme von Canada betrug im J. 1829 die Summe von 143,921 Pfd., 7 Shill., 10 1/2 Pence: so viel zahlten die armen Unterthanen treulich; und die Krone erhielt davon: 41,483 Pfd., 3 Shill., 9 Pence. (Times. Galignani. N. 4725.)

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Einfuhr von Lebens- und anderen Bedürfnissen aus dem festen Lande247) im J. 1828.

Butter 278,677 Pfd. Sterl.
Käse 314,066
Flachs 1,736,611
Hanf 400,814
Häute 643,891
Grapp 651,646
Klee-
Lein-
Reps-
Samen 84,456
221,159
53,399




Talg 1,029,126
Schafwolle 913,189
Getreide und Mehl 1,673,416
––––––––––––––––––––
8,102,459 Pfd. Sterl.

Ertrag der Accise in einigen Städten Englands.

Die Art der Bevölkerung und Wichtigkeit der Städte Englands ergibt sich am Deutlichsten aus der Summe der Accise, die sie bezahlen. Im J. 1829 bezahlte:

Manchester 776,000 Pfd. Sterl.
Liverpool 618,000
Hertford 564,000
Halifax 513,000
Wigan (Lancash.) 505,000
Bristol 450,000
Newcastle 415,000
Northwich (Ches.) 349,000
Litchfield 341,000
Leeds 310,000
Rochester 306,000

In Schottland:

Glasgow 677,000
Stirling 420,000
Haddington 288,000

Schahle aus der Wolle tibetanischer Ziegen zu Edinburgh gewebt, und mit Erdäpfelblüthe gefärbt.

Der berühmte Sir John Sinclair, Baronet, legte der Society for the Encouragement of the useful Arts in Scotland am 1. Dec. 1829 einen Schahl vor, der aus der Wolle tibetanischer Ziegen verfertigt, und mit einem Extracte aus schottischen Erdapfel-Blüthen von der Färberei Page u. Comp. gefärbt wurde. Brewster Aprilheft. S. 367. (Zu Mulhausen ist das Farben mit Erdäpfelblüthen nicht gelungen: hier gelang es.)

Wollenertrag in New-South-Wales.

Man erwartet als den Ertrag der lezten Schafschur in New-South-Wales 5000 Ballen feine Wolle in England. (Globe. Galign. 4723.)

Hrn. Trimmer's Merinoherde zu Kew.

Wir haben von Hrn. Joshua Kirby Trimmer's Merinoherde schon ein Mal Nachricht gegeben. Wir sehen jezt aus dem Register of Arts, April S. 265, daß Hr. Kirby Trimmer im vorigen Jahre von der Society of Arts für die |411| Sorgfalt, mit welcher er seine Merinos pflegt, die er bereits bis auf 700 Stüke vermehrte, die große goldene Medaille erhielt. Er verkauft das Pfund Wolle von seiner Herde zu 3 Shill. 6 Pence (2 fl. 6 kr.).

Sicheres Mittel gegen die Egelschneken in den Lebern der Schafe.

Da in diesem Winter eine Ungeheuere Menge Schafe, bei manchen Herden 3/4, in Folge des nassen Sommers an den Egelschneken (Fasciola hepatica) in der Leber zu Grunde gingen, so versuchte Dr. Whitlaw das längst bekannte Mittel: Salzwasser und Kalkwasser,248) mit welchen er die Schafe tranken ließ; überdieß wurde den Schafen reichlich Salz gereicht. Die Erfahrung bestätigte, die Wirksamkeit dieser Mittel. In den Schafen, die an Egelschneken krank waren, und mit Salz- und Kalkwasser getränkt wurden und reichlich Salz erhielten, fand man, wenn sie, nachdem sie genesen waren, später geschlachtet wurden, die Egelschneken alle getödtet, während sie in den krank geschlachteten Schafen, die kein Salz oder kein Kalkwasser erhielten, noch alle lebendig waren. Vergl. Gill microsc. and technol. Reposit. Bd. VI. N. 1. S. 39 (Sollte nicht Kalkchlorür eben dieß, und noch schneller vielleicht leisten? Es wäre der Mühe werth, Versuche anzustellen. A. d. Ue.

Ueber Dr. Berra's Rindviehzucht.

Wir haben von Dr. Berra's trefflichem Werke (Del mondo di alleviare il bestiame bovino) seiner Zeit im polytechnischen Journale Nachricht gegeben. Die Biblioteca italiana enthält im Februar hefte (ausgegeben am 10. April) Zusäze und Berichtigungen des Hrn. Verfassers, worauf wir den künftigen Uebersezer aufmerksam machen wollen: denn dieses Werk verdient allerdings eine deutsche Uebersezung.

Vergleichung der Stärke des amerikanischen Hanfes gegen den russischen.

Nach einem New-York Blatte soll man bei vergleichenden Versuchen zwischen nordamerikanischem und russischem Hanf gefunden haben, daß der nordamericanische um 20 P. C. stärker ist, als der russische. (British Traveller. Galignani. 4710.)

Amerikanisches Kalenderwesen.

Wie in Allem, so sind die guten Nordamerikaner uns auch im Kalendermachen voraus. Das London Mechanics' Magaz. erklärt in seinem N. 348. S. 85. 10. April den

AMERICAN ALMANAC AND REPOSITORY OF USEFUL KNOWLEDGE for the year 1830 (Boston)

in jeder Hinsicht für den besten Kalender, der bisher erschienen ist. Für ein See fahrendes Volk ist Astronomie nicht ein so unbedeutendes Ding, wie für die Handschneken, und in welchem Geiste hier gearbeitet ist, erhellt schon daraus, daß ein eigener Appendix of Corrections zu dem berüchtigten englischen Nautical-Almanach angehängt wurde. Der astronomische Theil füllt 49 Seiten.

Der II. Theil (48 S.) ist vorzüglich nach dem Companion to the Almanac for 1829 bearbeitet,“ den die Londoner Useful Knowledge Diffusion Society (Gesellschaft zur Verbreitung nüzlicher Kenntnisse) besorgte.

Der III. Theil, der Landwirthschaft gewidmet, ist von dem unsterblichen Washington. (40 S.)

IV. Theil, Statistik des Auslandes (38 S.) nach obigem Companion.

V. Theil, Statistik des Inlandes: der Vereinigten Staaten, (130 S.) Aeußerst lehrreich und wichtig. Der Präsident hat nur 25,000 Dollars (Laubthaler) jährliches Einkommen. Der Staatsschaz-, Kriegs- und Flotten-Secretär und der General-Postmeister, jeder 6000 Dollars jährlich. Der Vice-Präsident: 5000 |412| Dollars. Der Oberrichter, 5000 Dollars. 6 Gehülfen jeder 4500. Die Richter in einzelnen Staaten zwischen 4000 und 1800 Dollars jährlich. (Der Herzog von Wellington allein kostet England jährlich drei Mal mehr, als den Nordamerikanern ihr ganzes Ministerium.)

Die Ausgaben im Befreiungskriege, oder eigentlich die Subscriptionen, um der Engländer los zu werden, betrugen

Dollars.
im J. 1775–6 20,094,667
1777 24,986,647
1778 24,289,438
1779 10,794,621
1780 3,000,000
1781 1,942,465
1782 3,632,746
1783 3,226,583
1784 548,526.

Zu diesen Ausgaben, die aus der Staats- oder Subscriptionscasse bezahlt wurden, müssen aber noch 42,708,010 Anleihen gerechnet werden, so daß die gesammten Auslagen zur Vertreibung der Engländer 135,193,703 Dollars betrugen.

Die Bevölkerung der V. Staaten betrug im J. 1810 nahe 7 1/4 Millionen. Im J. 1820 nahe an 10 Millionen. Sie ist also im J. 1830 sicher nahe an 14 Millionen. Leider waren aber im J. 1820 unter jedem 1000 freier Bürger noch 159 Sclaven.

Im J. 1789 waren nur 75 Postämter in den V. Staaten, gegenwärtig sind deren 7530, und die gesammte Länge der Poststraßen beträgt 103,836 engl. (ungefähr 26,460 deutsche) Meilen.

Vom J. 1790–1815 wurden 2227 Patente auf Erfindungen ertheilt.

Vom J. 1815–1828 aber 3289, von welchen 1098, auf New-York fallen.

Militärische Posten (feste Pläze) sind 51) Arsenale 10. Linienschiffe 7 und 5 im Baue. Fregatten 10 und im Baue 6. Corvetten 2. Sloops 12. Schooners 7. Schiffswerften 7. Canäle 20, deren Länge 2270 engl. (454 deutsche) Meilen beträgt. Zeitungen alle ohne Stämpel, und von der Post beinahe um Nichts versendet, hat Nordamerika jezt 802 (achthundert und zwei!)

Die verschiedenen religiösen Meinungen (Persuasions nennt man das in N. Amerika, was man bei uns Kirche, Secte etc. nennt), deren man 22 zählt, haben 19,000 Kirchen: man ist also in N. Amerika, wo man nur religiöse Meinungen (persuasions) nennt, religiöser als in England, wo man bei einer größeren Bevölkerung deren nur 17,000 hat. Die Wiedertäufer haben von diesen 19,000 Kirchen 4000) die Methodisten 1600; die Presbyterianer 1946; die Congregationalisten 1050. Das Uebrige fällt auf die Episcopal-Persuasion, die 13 Bischöfe und über 500 Geistliche zählt.

Der schönste Theil in diesem Almanac ist die Uebersicht der Nationalbildungs-Anstalten: 43 Collegien mit 3461 Studenten. Die Bibliotheken sind indessen noch klein: 30 Collegien haben nur 128,118 Werke: 66,730 sind aber überdieß in den Händen der Studenten. Theologische Seminarien sind 20 vorhanden.

Das Wichtigste in der Nationalbildung sind aber nicht die gelehrten Monstra, die man Universitäten nennt, sondern die gemeinen Schulen (common schools) und mit diesen ist kein Land besser versehen, als N. Amerika. In Maine zahlt jeder Bewohner jedes Ortes jährlich 40 Cents (40 Hundertel eines Thalers) für die Schulen. Die Zahl der Jungen von 4–21 Jahren beträgt 137,931, und davon sind 101,325 in Schulen. Maine hat noch überdieß 31 Akademien mit 200,000 Dollars Fond, und 1500 Zöglinge. New-Hampshire (244,000 Einwohner) zahlt jährlich 70,000 Dollars für seine Schüler. Massachusetts hat 708 Akademien und Schulen mit 18,143 Schülern, in seinen gemeinen Schulen aber, die 164,000 Dollars jährlich kosten, 71,000 Schüler (Bevölkerung 523,000). Rhode Island hat, bei 84,000 Einwohnern, 650 Schulen. Connecticut, bei 273,000 Einwohnern, 85,000 Kinder in der Schule. New-York hat 5 Collegien und eine eigene Medicinalschule: in diesen Collegien sind an 800 Schüler. Ferner 40 Akademien mit ungefähr 3000 Zöglingen. Und endlich noch 8609 Schulendistricte, in welchen 468,205 Kinder Unterricht erhalten. (Dieß in einer Bevölkerung von 1,372,000!) Wo ist ähnliches bei uns in Großbritannien zu finden, die wir so stolz thun? Außer einigen Gegenden in |413| Schottland, wo jedes Kind lesen und schreiben kann, nirgendwo dießseits des Oceans! Mögen die Amerikaner uns als Vorbild dienen! Mögen die, die es mit der Menschheit gut und redlich meinen, nicht auf Universitätenprunk, sondern auf gemeine Schulen denken, und diese treueren Händen, als bloß der Schwarzen, anvertrauen.

Der Stifter dieser gemeinen Schulen war der Richter Zedidiah Peck, ein Mann ohne allen Anspruch und ohne alle gelehrte Charlatanerie: aber fest und unerschütterlich in seinen Grundsäzen, wie vielleicht kein anderer Mann in einem anderen Lande. Seiner Vaterlandsliebe und seiner Liebe zur Wahrheit opferte er Alles, und zog sich daher den Haß gewisser Oberen und die Verläumdung der Schwarzen zu. Er wird als „Squire Bushel verschrieen, weil, er Peck249) hieß. Er hat Tadel und Verläumdung überlebt, er sah noch seinen Sieg, ehe er seine Augen schloß.

Demoralisirung der untersten Classe in London durch die obere.

Die Kohlenhändler zu London halten eine Menge Knechte (Coal-whippers), die die Kohlen in der Stadt vertrödeln, und halten zugleich auch Schenken. Wenn nun die Knechte nicht fleißig in ihrer Schenke trinken, und so den größten Theil ihres Lohnes bei ihren Herren verschwelgen, so werden sie von denselben fortgejagt. Alderman Wood führte hierüber neulich Klage vor dem Parliament (Chronicle. Galignani N. 4673.) (Es gibt auch auf dem festen Lande, und selbst in Fabriken und bei Magistratischen Bierzäpflern ähnliche crimina laesae humanitatis, die die Aufmerksamkeit der höhern Behörden verdienten.)

Ueber das Elend in England

unter der unteren Classe bemerkte selbst Hr. Peel im Parliamente am 19. März, daß im J. 1823 in die Sparkasse 945,000 Pfd. Sterl. eingelegt und nur 678,000 Pfd. herausgenommen wurden, während im Jahre 1829, 449,000 Pfd. St. eingelegt, und 1,445,000 Pfd. herausgenommen wurden, und doch sagte er, es gäbe kein Elend in England. (Galign. M. 4692.)

Die Accise (Bier-, Thee-Steuer etc.) trug im lezten Quartal nur 3,188,770 Pfd., um 308,889 Pfd. Sterl. weniger als im vorigen Jahre, zum deutlichen Beweise, daß die untere Classe in England weder Bier noch Thee mehr zu trinken vermag. (N. 4706. Galign.)

Armen-Colonien in England.

Der Herzog von Berford hat den Armen seiner Güter Grundstüke gegeben, die sie bebauen, und von deren Ertrag sie leben können. (Bedford Mercury Galignani. N. 4701.)

|414|

Wie dem Elende unter der akerbauenden Elaste in England abzuhelfen ist,

hat Niemand schöner und deutlicher gezeigt, als Sir R. Sutton. Er ließ im vorigen März seine Pächter zu Brant Broughton zu sich kommen und erklärte ihnen, daß er ihren Pachtzins in Hinsicht des gegenwärtigen Elends auf die Summe herabseze, welche er im J. 1812 betrug, und daß er ihnen auch an dieser Summe noch 20 p. C. nachlasse. Würden alle englischen Güterbesizer Sir Sutton's Beispiele folgen, so würde dem Elende der akerbauenden Classe bald ein Ziel gesezt seyn. Was Einer kann, könnten alle, wenn sie nur wollten, (Standard. Galignani Mess. N. 4694.)

Wie viel Livreen in England kosten.

Der gegenwärtige Herzog von Marlborough gab seinen Bedienten, als er seine Güter antrat, und ein Fest auf seinem Schlosse Blenheim 250) für diese Feierlichkeit veranstaltete, eine neue Livree, welche 5000 Pfd. Sterl. (60,000 fl.) kostete. Galignan. Mess. N. 4656.

Proceßkosten in England.

Es handelte sich neulich um einen halben Morgen Landes zu Oxford, der 1 Pfd. 15 Schilling 5 1/4 p. (21 fl. 15 kr. 3 Pfg.) werth war. Die Gerichts- und Proceßkosten in dem darüber geführten Rechtshandel beliefen sich auf 400 Pfd. (4800 fl.) Das ist Justitia! (Sun. Galignan. 4692).

Patent-Unwesen in England.

Ein Advocat, Hr. B. Rotch, sagte neulich bei Zeugen-Verhör über das Patent-Wesen in England vor dem Parliament aus, daß Patente Monate lang liegen bleiben, ehe sie unterzeichnet werden, und daß er eine Person in der Nahe Sr. Majestät nennen könne, der man bloß 100 Guineen zu geben brauche, um ein Patent früher, als das andere unterzeichnet zu sehen. (Sunday Times. Galign. 4710.)

Herrliche Feuerpolizei zu London.

Bei einem in der Mitte Aprils mitten in der Stadt London (Fetter-lane, Holburn) nach Mitternachts ausgebrochenem Brande verbrannten sieben Individuen lebendig, und einige 20 wurden schwer beschädigt. Galignani. 4718 Suppl. Vier Tage darauf verbrannte ein Schornsteinfegerjunge, den man zwei Mal durch einen brennenden Schornstein hinabjagte. Ebendas.

Muster der englischen Polizei.

In der Straße Fetter-lane zu London (beinahe in der Mitte der Stadt) ist eine Capelle unter dem Namen Elim's Chapel. In dieser Capelle ist eine Gruft, in welcher viele hundert Leichen in Sargen unbedekt stehen. In dieser Gruft sammelte sich nun Wasser an, welches die Fäulniß der Leichen noch mehr vermehrte, und nun einen Gestank verbreitet, der, da das Wasser ausgepumpt werden muß, unerträglich ist, und die ganze Straße erfüllt. Dieß ist die Folge des, in unseren Zeiten, wieder so sehr von Heuchlern wie von fanatischen Mystikern vertheidigten und empfohlenen Begrabens der Leichen in Grüften in den Städten. (Brit. Traveller. Galign. N. 4707.)

Wie die Mauth in England betrogen wird.

Bekanntlich erhält man in England für Ausfuhr gedrukter Calicos eine |415| kleine Prämie (Drawback), als Vergütung für den Zoll, der auf eingeführte rohe Baumwolle gelegt ist. Nun hat man endlich 6 große Ballen ungedrukte Calicos, die als gedrukte angegeben waren, auf einem Schiffe gefunden, bei welchen die Prämie 500 Pfd. Sterl. (6000 fl.) betrug. Diese Entdekung führte zu einer anderen, nämlich zu dieser, daß die Mauth auf diese Weise seit einigen Jahren um viele 1000 Pfd. Sterl. betrogen wurde, die sie als Prämie bezahlte. (Liverpool Albion. Galignani. N. 4695.)

Hrn. O'Neils Widerruf in Bezug auf Handelsfreiheit.

Hr. O'Neil, Mitglied des Parliaments, erklärte seinen Committenten zu Hull, daß er seine Meinung in Hinsicht auf freie Einfuhr gezwungen sey aufzugeben, indem Erfahrung ihn von den Nachtheilen derselben hinlänglich überzeugte. (Atlas. Galignani. N. 4676.)

Uebersicht der Zunahme der Gesezfabrikation in Frankreich.

Nach dem Bulletin des Lois wurden während der 10 Regierungsjahre des Kaisers Napoleon um 7358 Geseze weniger erlassen, als unter der neunjährigen Regierung Ludwigs XVIII., und unter dieser lezteren erschienen noch um 3091 weniger, als unter der gegenwärtigen erst fünf Jahre dauernden Regierung Karls X.: so daß also in den fünf lezten Jahren um mehr als 2/3 mehr Geseze als unter Napoleon in gleichem Zeitraume erschienen sind. (Galignani Mess. 4655.)

Beschäftigungen der Nordamerikaner.

In einer Vorlesung, die Oberst Knapp vor den Mechanics and Free Trade's Societes zu Boston hielt, sind von der gesammten Bevölkerung der Vereinigten Staaten 480,000 Menschen Handwerker und Fabrikarbeiter: also von 25 Einwohnern 1. Schreiber und Rechtsverdreher: 9000; 1 also von 1,333. Aerzte und Quaksalber: 12,000; also 1 von 1000. Geistliche aller Glaubensbekenntnisse (die Jesuiten eingerechnet (?): 7000; 1 von 1700. Lehrer aller Art: 36,000; also 1 auf 333. (Globe. Galign. Mess. 4697)

Zahl und Vertheilung der englischen Seeleute auf Handelsschiffen im Jahr 1829.

Im Handel mit Rußland 16,000
Preußen 5,800
Deutschland 5,300
den Niederlanden 6,800
Frankreich 9,000
Portugal 2,500
Spanien 3,400
Italien 3,000
Ostindien 4,800
China 2,800
Vereinigte Staaten 2,700
Westindische Colonien 14,400
Canada und nordamerikanische engl. Colonien 20,000
Brasilien 1,800
Wallfischfang 4,400.

In Allem 122,000. Tonnengehalt aller englischen Schiffe 2,184,000. (Courier. Galignani. 4702.)

Blik auf Neuholland.

Vom Jahre 1822 bis 1828 (in sieben Jahren) wurden 2,524,879 Morgen (Acres) Landes verstiftet, und davon 173,260 urbar gemacht, so daß jezt das urbare Land 212,512 Acres beträgt. Die Zahl der Pferde nahm zu in 7 Jahren |416| um 8465; Hornvieh um 194,719; Schafe um 416,614 (man rechnet dieß Jahr auf einen Wurf von 100,000 feinwolligen Lämmern). Der Umfang der Colonie beträgt gegenwärtig 22 Millionen Acres oder 34,505 engl. □ Meilen. – Alles ist jezt in Neuholland um die Hälfte wohlfeiler, als in England, selbst Luxuswaaren. (British Traveller. Galignani, N. 4697.)

Rechnung eines englischen Pächters, der freie Korneinfuhr wünscht.

Ein englischer Pächter legt in den Times (Galignani Messeng. N. 4709.) folgende Rechnung vor.

„Ich habe 1000 Acres in Pacht; 500 Acres Akerland, und eben so viel Wiesen.“

„150 Acres hiervon sind jährlich mit Weizen bestellt und tragen im Durchschnitte 450 Quarter Weizen, den Quarter im Durchschnitte zu 60 Shill.“

„Wenn ausländischer Weizen zollfrei eingeführt würde,
so verlöre ich am Quarter 12 Sh., in Allem

270

Pfd. Sterl.
„Da aber dadurch der Preis des Brotes um 20 p. C. fiele,
und folglich auch der Lohn bei meinen Leuten, so gewänne
ich:
7 p. C. an 3000 Pfd. Sterl. (so viel kosten mich nämlich meine Leute), also210
7 p. C. an 320 Pfd. (dieß ist der Betrag der Armen, Straßen- und Kirchen-Taxe) 22 8Shill.
7 p. C. an 140 Pfd. (so viel kostet mich das Brot und Mehl in meiner Wirtschaft)“ 916
–––––––––––––––––––
242 4
„Bei geringeren Brotpreisen würden nothwendig auch die Preise
der Fabrikate und der übrigen Bedürfnisse so fallen, daß man
zugeben wird, daß ich mit meinen Leuten wohl noch leicht


27


Pfd. Sterl.


16


Shill.
–––––––––––––––––––
ersparen würde, und so wäre dann der Verlust von
270 Pfd. ersezt durch
270Pfd. Sterl.“

„Ich würde aber,“ sagt er, „auch dann noch gewinnen; denn ich würde weniger Weizen bauen und mehr Vieh ziehen, was nicht leicht eingeführt werden kann; dadurch würde ich mehr Dünger gewinnen, und auf weniger, aber besser gedüngten Ackern vielleicht eben so viel Getreide erhalten, als jezt auf vielen.“

Diese Rechnung ist allerdings sehr richtig; allein sie wird in England, wo einige Tausend Familien die Alleinbesitzer aller Grundstüke in den drei Königreichen und zugleich die Besizer der Wollensäke sind, auf welchen die Geseze des Landes fabricirt werden, nie in Anwendung kommen können. Der Güterbesizer ist in England nicht Akerbauer, sondern er ist Korn- und Weizenfabrikant und Kornhändler zugleich, und zwingt das Volk sein Fabrikat und seine Waare um diejenigen Preise zu bezahlen, die er zu sezen für gut befindet. Er wird sein Korn- und Mehl-Monopol sich nie aus den Händen winden lassen.

Ueber Steuern und Abgaben in England, zum Troste für deutsche Leser.

Wir haben seit langer Zeit in dem gegenwärtigen deplorablen englischen Parlamente, wo die jungen Lordchens anfangen zu husten und mit den Füßen zu scharren, wie schlecht erzogene Studenten auf Universitäten, die in der Vorlesung eines Professors lange Weile bekommen, so oft von der Noth des Landes die Rede ist,251) keine gediegenere und ruhigere Darstellung der Mißgriffe gehört, welche die englischen Finanzminister seit einer Reihe von Jahren in ihrem Steuer- und Abgabensystemes |417| gemacht haben, als diejenige, die Hr. P. Thompson, Mitglied des Parliamentes, dem Unterhause am 23. März vorlegte. (Vergl. die Galignani N. 4696.) Er trug auf eine Commission zur Prüfung des gegenwärtigen Steuer-Systems an. Man glaubt beinahe allgemein (sagt er), daß die Roth und das Elend des Volkes durch Nachlaß in Steuern und Abgaben vermindert werden könnte; indessen behaupten einige, da wir diese Steuern im Kriege erschwingen konnten, müssen wir sie desto leichter im Frieden bezahlen können. Dieser Meinung könne er nicht seyn. Die Steuern wurden während des Krieges in schlechtem Gelde, in Papier, bezahlt. Der Welthandel war damals Englands Monopol. Englands Capitalien gingen damals nicht außer Land; die Capitalien des Auslandes flossen im Gegentheile nach England. Mit dem Frieden war Englands Monopol verschwunden. Die hohen Steuern blieben, und mußten in baarem bezahlt werden, da das Papiergeld eingelöst wurde. Nicht bloß englische Capitalien, sondern selbst englische Geschiklichkeit, englischer Fleiß, englische Erfindungen strömten jezt in das Ausland, das weniger Steuern, weniger Abgaben zu bezahlen hat. Aller Unterschied in Preisen von Fabrikaten beruht auf dem Unterschiede in den Zinsen von Capitalien, von Arbeitslohn und von Steuern und Abgaben des Fabrikanten. Zinsen und Arbeitslohn erreichten in England ihr möglich kleinstes Minimum; Verminderung der Steuern und Abgaben kann also allein uns den Preis englischer Waaren so herabsezen, daß Engländer Concurrenz mit dem minder besteuerten Auslande auszuhalten vermögen. Holland befand sich einst in demselben Falle, in welchem England sich gegenwärtig befindet. Es ward erdrükt von Auflagen und verlor seine ehemals so blühenden Manufakturen. (Hr. Thompson las hier den Bericht, der Wilhelm IV im J. 1751 über diesen Gegenstand überreicht wurde, und der die Richtigkeit seiner Ansicht klar erweiset.)

Die Steuern und Abgaben werden vorzüglich durch die Art, wie sie ausgeschrieben und erhoben werden, lästig. Schon der große Sülly bemerkte sehr weise, daß, um 30 Millionen in den Schaz zu bringen, man dem armen Volke 121 Millionen aus dem Sake nehmen müsse, und die angesehensten Staatswirthe Hollands und Frankreichs gestehen die Richtigkeit dieser Bemerkung; selbst Adam Smith252).

|418|

Die schweren Steuern und Abgaben wurden dem Engländer zu der Zeit aufgelegt, wo er für seine Existenz zu kämpfen hatte. Im Jahre 1793 betrug die Einnahme Englands in runden Zahlen 17 Millionen; jezt beträgt sie, durch die vermehrten Steuern und Abgaben, 70 Millionen. Pitt war auf dem rechten Wege: Vansittart hat alles verdorben. Dieser unglükselige Finanzminister meinte, wenn man Steuern und Abgaben verdoppelt, habe man auch die Einkünfte des Staates verdoppelt. Das Haus der Gemeinen half ihm tapfer, indem es erklärte, daß eine Banknote von Einem Pfunde, und Ein Shilling dazu, so viel sey als eine Guinea: und dieß zu einer Zeit, wo das Papiergeld beinahe keinen Werth hatte! Hr. Thompson theilt Steuern und Abgaben in zwei Classen: 1) in Steuern auf rohe Materialien, oder solche, die die Pest, der Hagel aller Industrie sind; die den Fleiß und die Arbeitsamkeit bestrafen statt befördern, und die Faulheit, das Hazardspiel mit Staatspapieren, belohnen und aufmuntern. 2) in jenen die zu hoch angesezt und eben dadurch schädlich sind, indem sie mehr ertragen würden, wenn sie niedriger wären.

Die Tobaksteuer wurde in 35 Jahren acht Mal geändert, und bis auf 350 p. C. erhöht. Die Tranksteuer auf Wein und Brantwein wurde in derselben Zeit eilf Mal geändert, und bis auf 300 p. C. erhöht. Die Zukersteuer, in derselben Periode, 17 Mal, und die Glassteuer zehnmal, und bis auf 500 p. C. erhoben. Der Zoll auf Bauholz trug 1,500,000 Pf. Sterl. (17 Millionen fl.), man erklärte diesen Zoll als eine Wohlthat für die Colonien; er erscheint als eine Absurdität, da das Volk dadurch gezwungen wird schlechtes Bauholz Statt eines besseren zu nehmen. Dieß war Vansittart's Werk. Vom Hanf zog man eine Einnahme zwischen 60 und 70,000 Pf. Sterling; eine Auflage, die um so thörichter war, als man mehrere Artikel aus Hanf, verarbeitet, zollfrei einführen ließ. Die Seifesteuer trug 1,374,000 Pfd. Sterling. Die Weise, wie diese Steuer eingetrieben wurde (deren Nothwendigkeit, der Summe nach, die sie trägt, nicht zu läugnen ist), war so absurd, daß man sie sieben Mal abändern mußte. Ueberdieß wurde sie in jeder Stadt auf eine andere Weise eingetrieben. Für Seife, die nach Irland ausgeführt wird, wird auf der Stelle eine Prämie bezahlt, die Steuer selbst wird aber nur von sechs Wochen zu sechs Wochen eingetrieben. Diese Seifesteuer beträgt jezt 120 p. C.; auf 60 herabgesezt, würde sie mehr tragen. Barilla muß 100 p. C. Steuer bezahlen, und dadurch will man dem schlechten Kelp in Schottland zu Hülfe kommen. Die Steinkohlen, die auf Schiffe geladen, von der See getragen worden sind (sea-born heißt es im Geseze), zahlen 800,000 Pfd. Sterl.; eine der verderblichsten und ungerechtesten Steuern. Er will, sagt er, die nicht weniger als 270 Steuern und Abgaben, die auf rohe Materialien gelegt sind, mit Stillschweigen übergehen, und nur von der Steuer auf Glas, Papier und Calicos einige Worte sprechen. Die |419| Glassteuer betrug 953,000 Pfd., und, nach Abzug der Ausfuhrprämien, 615,000 netto. Herr Vansittart erhöhte diese Steuer, die Anfangs 24 Shill. für den Zentner betrug (12 fl. 36 kr.), auf 93 Shill.; das Resultat hievon war, daß der Verbrauch von 67,000 Ztr. auf 28,000 Ztr. herabsank. Man war genöthigt, die Steuer wieder herabzusezen, indessen waren die Glashütten durch die erhöhte Steuer und durch die verminderte Consumtion bereits zu Grunde gerichtet. Man hat 22 Pönfälle für den Glasfabrikanten gesezt, und es war lediglich unmöglich für ihn, nicht in Strafe zu verfallen, wenn der Glassteuer-Einnehmer ihn neken wollte. jezt beträgt sie 6 Pence (18 kr.) für's Pfund, oder ungefähr 100 p. C.; sie wird aber schon während der Fabrikation des Glases selbst erhoben, während das Glas noch im Tiegel ist, was diese Steuer um 25 p. C. erhöht. Ein sehr verständiger Glashüttenmeister, der alle Glashütten in Europa bereiste, sagte ihm, daß das englische Glas mit allen Glashütten in Europa concurriren könnte, wenn diese unglükselige Glassteuer nicht auf den englischen Glasfabrikanten drükte, und wenn die Kohlensteuer nicht wäre. Die Taxe auf Papier beträgt 665,000 Pfd., und diese Steuer ist eigentlich eine Besteuerung des öffentlichen Unterrichts der geistigen Bildung des Volkes. Es gibt hier Straffalle, in welchen der Papierfabrikant einer Strafe von 100,000 Pfd. unterliegt. Die Papiersteuer-Einnehmer haben das Recht, zu jeder Stunde bei Tag und Nacht in die Papiermühle zu kommen, zu untersuchen, und der Verlust eines einzigen Zeichens (Streifchens eines Steueramtspapieres) hat nicht selten dem Papiermacher eine Strafe von 200 Pfd. Sterl. zugezogen. Ein Papiermacher seiner Gegend bekommt gewöhnlich 500 solche Zeichen (labell) auf ein Mal: würden ihm diese gestohlen, so müßte er 100,000 Pfd. Strafe bezahlen. Ueberdieß sind diese Steuer-Geseze so unsinnig abgefaßt, daß sie selbst unwillkürliche Uebertretungen des Gesezes und Processe ohne Ende veranlassen. Die Calicosteuer beträgt 499,000 Pfd. netto; im diese aber netto zu erhalten, müssen 2,019,000 Pfd. von den Fabrikanten erheben werden. Diese Steuer wird nach dem Quadratyard (3 engl. Quadratfuß) erhoben, ohne Hinsicht auf Qualität: der Arme zahlt für den Yard Calico, der 5 Pence (15 kr.) werth ist, 2 1/2 Pence (7 1/2 kr.) Steuer, und der Reiche zahlt für den Yard Calico, den er um 5 Shill. (3 fl.) kauft, ebenfalls 2 1/2 Pence; keinen Heller mehr als der Arme. Alle oben angeführten Hanf-, Barilla-, Kohlen-, Glas-, Papier- und Calico-Steuern müssen aufgehoben werden, nicht damit das Publikum 3,500,000 Pfd. Sterl. gewinnt (denn so viel bezahlt es dafür, die Erhebungskosten dieser Steuern mit eingerechnet), sondern damit die Industrie nicht gelahmt wird, damit England Concurrenz mit dem Auslande halten kann. Diejenigen Steuern, welche durch ihre Verminderung die Staatseinnahme vermehren, müssen vermindert werden, wie die Zukersteuer, die, in runden Zahlen, 5,000,000 Pfd., die Theesteuer, die 3,170,000 Pfd., die Tobaksteuer, die 2,770,000 Pfd., die Brantweinsteuer, die 3,000,000 Pfd., die Weinsteuer, die 1,700,000 Pfd. trägt.253) Der Grundsaz des unsterblichen Dechants Swift, der seine geistreiche Geißel über die Thorheiten der Minister so kräftig, als über jene der Dichterlinge seiner Zeit zu schwingen wußte; der Grundsaz, daß im Finanzwesen 2 Mal 2 nicht immer 4 gibt, bleibt ewig wahr. Die gesammte Einnahme aus Irland betrug, um diese verkannte Wahrheit durch ein Beispiel zu versinnlichen, im Jahre 1807 die Summe von 7,086,000 Pfd. Sterl. Man erhöhte während des Krieges die Steuern so, daß man um 3,400,000 Pfd. mehr erhalten zu können hoffte, und hatte dadurch im J. 1824 gerade um 3,844,000 Pfd. Sterl. weniger Einnahme. Am Ende des Krieges wurden in England um 9,100,000 Pfd. Sterl. Consumosteuern nachgelassen, und die Einnahme verminderte sich dadurch nur um 3,700,000 Pfd. Herr Thompson zeigte dieß noch deutlicher an der |420| Weinsteuer. Im J. 1789 war die Steuer auf französischen Wein in Irland 30 Pfd. (360 fl.) für das Hogshead (= 63 Gallons), und man verbrauchte 490,000 Gallons (das Weingallon ist 2,67 Wien. Maß). Diese Steuer ward öfters erhöht, und im J. 1820 der englischen Weinsteuer gleich gesezt, nämlich auf 190 Pfd. (2280 fl.) für das Hogshead. Das Resultat war, daß nun nur mehr 21,000 Gallons Wein nach Irland eingeführt wurden. Er hofft, sagt er, daß der Weinzoll auf 3 Shill. (ist. 48 kr.) auf das Gallon herabgesezt, und daß das große England nicht mehr dem Interesse der Weinbauern des kleinen Portugals aufgeopfert werden wird. Derselbe Fall ergab sich in Irland beim Tobak. Im J. 1797 war für diesen der ärmeren Classe, der er Speise und Trank ersezt, so unentbehrlich gewordenen Artikel die Steuer nur 8 Pence (24 kr.) für das Pfund, und es wurden 7,500,000 Pfd. Tobak verbraucht. Im J. 1824 erhöhte man die Tobaksteuer auf 4 Shill, (2 fl. 24 kr.) für das Pfund, und es wurden nur mehr 2,582,000 Pfund Tobak abgesezt. Diese Steuer beträgt jezt 900 p. C.! Und wie sehr ward nicht das Schwarzen dadurch begünstigt! Als man kürzlich die Brantweinsteuer in Irland nur etwas verminderte, stieg die Consumtion von 2,600,000 Gallons auf 9,957/000 Gallons. Als Pitt die Theesteuer herabsezte, stieg der Verbrauch von 5 Mill. Pfd. Thee auf 14 Millionen! Er bemerkt bei dieser Gelegenheit, daß jährlich wenigstens 4 Mill. Pfd. Quid pro quo dem Thee in England beigemischt wird, und daß man gar keinen reinen echten Thee in England bekommt. Die ungeheure Erhöhung der Stämpelgebühr in England richtet die englischen Schiff- und Feuer-Assecuranz-Gesellschaften zu Grunde, und zwingt die Engländer, ihre Schiffe und Häuser in Amerika, Statt in England assecuriren zu lassen. während die englischen Assecuranz-Gesellschaften für 1 Shill. 6 Pence p. C. assecuriren, nimmt das Stämpel-Amt 5 Shill. p. C. für die Assecuranz an Stämpel-Gebühr. Eben dieser hohe Stämpel auf Zeitungen, 4 Pence (12 kr.) für das Blatt, ist die Ursache, daß Amerika 5 Mal mehr Zeitungen hat, als England, und 10 Mal mehr Ankündigungen, denn jede Ankündigung, kurz oder lang, unterliegt in England einem Stämpel von 3 Shill. 6 Pence (1 fl. 50kr.) – So sieht's in England aus, in dem freien konstitutionellen England. Ist nicht der türkische Unterthan zehn Mal besser gehalten? Wie lang kann dieß so fort bestehen?

Ertrag der englischen Ankündigungstaxe in Irland: Maßstab für die Abnahme der englischen Thätigkeit.

Bekanntlich muß in England für jede Ankündigung in den Zeitungen eine nicht unbedeutende Abgabe bezahlt werden. Diese Abgaben betrugen

im Jahr 1811 26,915 Pfd.
––12 21,253
––13 19,759
––14 20,475
––15 18,498
––16 18,191
––17 18,535
––18 16,721
––19 15,490
––20 15,102
––21 13,708
––22 14,524
––23 16,426
––24 15,896
––25 15,699
––26 15,720
––27 14,379
––28 15,532
––29 14,985.

Hieraus ergibt sich nun deutlich, daß, obschon die Bevölkerung vielleicht um eine Million seit dem J. 1811 zugenommen hat, die Thätigkeit, die sich am sichersten in England durch Ankündigungen bemessen läßt, beinahe um die Hälfte sich verminderte. (Vergl. Globe Galignani. Mess. 4721.)

|421|

Stenographie in Italien.

Es ist sehr zu bedauern, daß jedes Land in Europa, bei der unglükseligen abendländischen Syllabir-Methode, seine eigene Stenographie haben muß, sobald es eine eigene Sprache hat. Obschon sich die Stenographie in Italien bloß auf Kanzelvorträge beschrankt, so ward sie doch früher daselbst cultivirt, als in England Molina gab im J. 1797 seine Scrittura celere heraus. Ihm folgte im J. 1809 zu Paris Amanti, dann kamen in Italien Grossi mit seiner Tacheografia, Pino, Delpino, Milanesio, Dupuy und Consoni. Von dem Werke des lezteren ist so eben eine neue Auflage erschienen unter dem Titel:

Nuovo sistema universale, completo e ragionato di Stenografia italiana, del canonico D. Taddeo Consoni. 2 edix. notabilmente illustrata ed accresciuta con tavole in rame. 8. Milano. 1829. p. Pirotta. 2 Lire, P. 50. (Vergl. Biblioteca ital. Märzheft S. 211)

Noch eine neue Ausgabe des Vitruvius in Italien.

Kaum sind drei Jahre vorüber, daß der sel. Graf Stratico uns sein unsterbliches Werk, seine herrliche Ausgabe des Vitruvius schenkte; kaum ist vor einigen Monaten der Conspectus einer neuen italiänischen Uebersezung des Vitruvius erschienen, als uns die Biblioteca italiana schon wieder den Conspectus einer neuen Folio-Ausgabe Vitruv's mit nicht weniger als 140 Tafeln nach Vergleichung von 46 Codices von dem berühmten Architektoniker, Marchese Marini mittheilt. Diese Ausgabe führt den Titel: Vitruvii de Architectura libri X, apparatu praemuniti, emendationibus et illustrationibus refuti, thesaure variarum lectionum e 46 codicibus et universis editionibus locupletati, tabulis 140 declarati ab Aloys. Marinio, Marchione Vacanis. Accedunt inscriptiones aliquot architectonicae explanatae, vetus compendium architecturae vitruvianae emaculatum et indices varii. Fol. Romae. 1830 ex prelis Marinii ejusdem ad opus comparatis in theatro Pompeji . – Marchese Marini hat bereits durch seine Ausgabe von Fr. Marchi's Architettura militare der Welt gezeigt, was er zu leisten vermag. Jeder Bogen wird einen halben Lire und jede Tafel Einen Lire kosten: auf großem Papiere ist der Preis doppelt. Allerdings ist diese Pracht-Ausgabe kostbar; indessen ist es doch besser, man wendet auf den ersten Architekten der klassischen Welt einige 20 Thaler, als daß man Häuser baut, die einstürzen und einige 20 Menschen erschlagen. Hatten die Bauverständigen, denen dieses Unglük begegnet, den alten Vitruvius gelesen, (was wir den Baumeistern so oft in diesen Blättern riethen), so würde ihnen dieses Unglük nicht begegnet seyn.

Litteratur.

a) Englische.

  • A comparative View of the different Institutions for the Assurance of Lives. By Charles Babbage.
  • Table of Logarithms of the Natural Numbers. By Charles Babbage.
  • Tables of Logarithmic Sines, Cosines, Tangents, and Cotangents. To accompany Mr. Babbage's Table of Logarithms.
  • The Elements of Algebra; Designed for the Use of Students in the University. By James Wood.
  • The Principles of Mechanics. By James Wood.
  • The Elements of Optics. By James Wood.
  • A Collection of Examples, Of the Applications of the Differential and Integral Calculus, by George Peacock. And of the Applications of the Calculus of Finite Differences. By J. F. W. Herschel.
  • The Laws of The Customs, Compiled by direction of the Lords Commissioners of His Majesty's Treasury, and published by the appointment and under the sanction of the Commissioners of His Majesty's Customs; With Notes and Indexes. By J. D. Hume, Esq.
  • The Encyclopaedia Metropolitana.
  • A concise System of Mathematics. By Alex. Ingram. 12. 2. ed. Edinb. 1830. b. Oliver.
  • Desselben Principles of Arithmetic. Ebend. A. Key to this Work. Ebendasselbst.
  • Melrose 's concise System of practical Arithmetic, improved by Ingram. 8. ed. Edit. Ebend. A Key to this Work. Ebend.
  • Some considerations on the subject of public clocks etc. by Wulliamy. 4. Lond. 1828. (Dieser königl. Uhrmacher beklagt den traurigen Zustand, in welchem gegenwärtig die Groß-Uhrmacherkunst sich in England befindet, und läßt den Herren Lepaute, Wagner etc. zu Paris (Hr. Wagner ist ein Deutscher) volle Gerechtigkeit wiederfahren. Rev. enc. Dec. 1829.)
  • Elements of practical chemistry, by Dav. Boswell Reid. 8. Edinburgh. 1830.

b) Französische.

  • Art de se prèserver de l'action de la flamme, appliqué aux pompiers et à la conservation des personnes exposees au feu, avec une série d'experiences faites en Italie, a Genève et á Paris. Par Mr. le Cheval. Aldini. 8. Paris. 1830. chez Mad. Huzard, rue de l'Éperon. N. 7. avec 4 Pl. 5 Francs.
  • Guide du Meunier et du constructeur de moulins, par Olivier Evans, avec des additions et des corrections du Professeur de Mécanique à l'Institut de Franklin en Pensilvanie et la description d'un moulin en gros perfectionné par Ellicot, ingén. constructeur. Traduit sur la 5me édition américaine par P. M. N. Benoît. I. Partie. 8. Paris. 1830, avec 4 pl. chez Malher. passage Dauphine. 5 Francs.
  • Manuel du Fabricant d'étoffes imprimées et du Fabricant de papiers peiots; par Seb. Lenormand. 18. Paris. 1830. avec 2 pl. ch. Rozet, rue haute feuille. 3 Francs.
  • Traité théorique et pratique de l'art de bâtir, par Jean Rondelet. Sixiéme edition. T. 1. 4. Paris. 1830, avec 8 pl. chez Rondelet fils, place St. Geneviève. 25 Francs.
  • Manuel pratique et élémentaire des poids et mesures, des monnaies et du calcul décimal. 14me edit. par M. Tarbé-des-Sablons. 18. Paris, 1830. chez Roret.
  • Manuel d'arpentage, ou instruction élémentaire sur cet art et sur colui de lever les plans. Par Lacroix, Nouv. édit., 18. Paris. 1830. Avec 4 planch. chez Roret. 2 Fr. 50 C.
  • Mémoire sur les chemins à ornières, par Mr. Léon Coste et Aug. Perdonnet. 8. Paris. 1830. avec 2 pl. ch. Bachelier, q. de Augustins.
  • Tables dessinées pour le levé des plans de mines, et pour faciliter quelques opérations de trigonométrie, calculées jusqu'á 100 Mètres. Par MM. Girond et Lesbros. 8. Paris. 1830. ch. Bachelier. 5 Francs.
  • Mémoire sur la peinture sur verre; par M. Alex. Brogniart 8. Paris. 1829. Brochure de 30 pag.
  • Chimie récréative. Par Mr. Desmarest. 8. Paris. 1829. chez Audot.
  • L'art de fabriquer la faïence blanche recouverte d'un émail transparent, à l'instar français et anglais. Par Mr. Bastenaire-Daudenart. 8. Paris. 1828. ch. Fortie.
  • Manuel de l'Amidonnier et du Vermicellier; par Mr. Morin. 18. Paris. 1829. ch. Roret.
  • Encyclopédie méthodique: Manufactures et Arts. T. IV. contenant le Dictionaire des Teintures par M. G. T. Doin; le Traité des huiles, parPoutet; le Traité des savons par le même. 1. Part. 4. Paris. 1828. ch. Mad. Agassc. 50 1/2 Bogen. 17 Frank. (Dieß ist eine Fortsezung der berühmten von Diderot und D'Alembert gestifteten Encyclopädie, welche in der Folge in die meisterhafte Encyclopédie methodique von den ersten Gelehrten Frankreichs umgearbeitet wurde.)
  • Baréme des couleurs, ou les teintes faites, au nombre de 616. Par Jarle. 8 oblong, d'une feuille plus 22 planches. Paris. 1829. chez |423| l'auteur, rue neuve-St.-Etienne, N. 2. Eymery, Fruger et Comp. (Für Färber und Druker sehr wichtig.)
  • Manuel du Tapissier, Decorateur et Marchand de Meubles. Par Mr. Garnier Audiger. 18. Paris. 1829. ch. Roret.
  • Manuel du Graveur, ou traité complet de l'art de la gravure en tous genres. Par Mr. Perrot. 18. Paris. 1829. ch. Roret.
  • Mémoire sur la navigation á vapeur, lu à l'Institut le 26. Dec. 1826 par Séguin aîné. 4. Paris. 1829. ch. Bachelier. 4 feuilles.
  • Mécanique appliquée aux arts et aux manufactures; par Smith, traduit par Bulos. 12. Paris. 1828. 2 vol. ch. Lecointe-Dupont. 23 Bog.
  • Nouveau Traité du Toisé des surfaces, du Cubage des bois et des corps en général etc. par M. d. Caillaud. 12. Paris. 1828. ch. Didot aîné. 3 1/2 Bog. m. 2 Tafeln.
  • Notice sur quelques parties des travaux hydrauliques; par A. R. Polonceau. 4. Paris. 1828. ch. Carilian-Goeury. 6 Bog. 2 Taf.
  • Code des Ponts et Chaussées et des Mines; par M. Ravinet, Souschef à la Direction générale des Ponts et chaussécs. 8. Paris. 1829. ch. Caril. Goeury. 3 vol. (Unter Napoleon hatte Frankreich mitten unter den vieljährigen Kriegen die herrlichsten Straßen in Europa, und keinen Straßen-Sode; jezt sind die Straßen in Frankreich zum Halsbrechen, und es hat, außer vielem Straßen-Koth, auch einen Straßen-Code 3 Bänden, die 25 Franken kosten! O saeculum papyraceum!)
  • Traité de la coupe des pierres, faisant suite au traités de la géometrie descriptive et de la science du dessin, par L. L. Vallée. 4. Paris. 1828. ch. Caril. Goeury. 1. Lief. 6 1/2 Bog.
  • Cours industriels de la ville de Metz; par Mr. E. Bouchotte, Vice-Présid. de l'Acad. roy. de cette ville. 8. Metz. 1829. ch. Hadamard.
  • Considérations sur la législation des Brevets d'invention. Par M. Ch. Sallandrouze de Lamornaix. 8. Paris. 1829. Crapelet.
  • Art de lever et de laver les plans, destiné à tous les jeunes gens qui se livrent aux arts mécaniques; par L. S. George. 8. Paris. 1828. ch. Bachelier.
  • Histoire de la vie et des ouvrages des plus célèbres architectes del' XI siècle jusqu'á la fin du 18me, accompagnée de la vue du plus remarquable édifice de chaeun d'eux. Par Quatremère de Quincy. Paris. 1830. ch. Jul. Renouard.
Technologische Encyklopädie
oder
alphabetisches Handbuch der Technologie, der technischen Chemie und des Maschinenwesens. Zum Gebrauch für Kameralisten, Oekonomen, Künstler, Fabrikanten und Gewerbtreibende jeder Art. Herausgegeben von Joh. Jos. Prechtl, k. k. n. ö. wirkl. Regierungsrathe und Direktor des k. k. polytechnischen Instituts zu Wien, Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften etc. Erster Band. Abdampfen – Baumwollzeuge. Mit den Kupfertafeln 1–19. Stuttgart, 1830. Im Verlage der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. Wien bei Karl Gerold. 3 1/3 Rthlr.

Bei dem jezigen Stande der Technik war ein solches Werk ein längst gefühltes Bedürfniß, und wir müssen es daher der Verlagshandlung recht Dank wissen, daß sie den aufgefaßten Plan, durch Aufforderung des berühmten Technikers Prechtl in Wien, die Arbeit zu unternehmen, und durch den kostspieligen und wenigen Gewinn bringenden Verlag desselben, ausführte.

Das Werk wird 10 bis 12 Bände umfassen, und alle Gegenstände und Thatsachen der chemischen und mechanischen Zweige der Technologie enthalten. Um jeden einzelnen Gegenstand nach seiner gegenwärtigen Beschaffenheit und Ausbildung gehörig darzustellen, und um den, bei der Masse von Materialien beschränkten Raum zu sparen, fand es der Herr Herausgeber (denn auch die k. k. Professoren Altmutter |424| und Karmarsch in Wien arbeiten daran) für nöthig, die einem gewöhnlichen Wörterbuche eigenen häufigern Nachweisungen von einer Sache auf die andere, und das Zerspalten von Gegenständen, die ihrer Natur nach zusammen gehören, in viele einzelne Artikel, und dadurch Wiederholungen und Zurükführungen auf dieselben Gründe, möglichst zu vermeiden; daher in der Regel nur größere und umfassendere, nach gehöriger Ueberlegung ausgewählte Artikel zu geben. Zur Vermeidung der aus dieser Anordnung entspringenden Schwierigkeit in der Auffindung einzelner Notizen und Worterklärungen, wird dem Ganzen in Form eines Registers ein Wörterbuch der technischen Kunstausdrüke angehängt, in welchem sich auf die bereits in dem Werke selbst gegebenen Erklärungen, die dort mit der verwandten Sache im Zusammenhange vorkommen, bezogen wird. Dieses Register wird auch Erklärungen von solchen Wörtern oder Sachen enthalten, die im Werke selbst nicht vorgekommen sind, und zu kurz oder zu wenig wichtig waren, um als eigene Artikel behandelt zu werden.

Die in dem vorliegenden Bande bearbeiteten Artikel sind folgende: Abdampfen, Abdampfungsofen, Abdrüke, Abformen, Abgüsse, Abkühlen, Abtreiben, Abziehriemen, Aequivalente (chemische), Aether, Aezen, Ahle, Alabaster, Alaun, Alkalien, Alkohol, Amalgam, Amalgamation, Amboß, Ammoniak, Angel, Anker, Anstreichen, Antimon, Appretur, Aräometer, Arsenik, Asbest, Aufhängmaschine, Auflösung, Augen, Ausdehnung, Auspreßmaschinen, Ausschlageisen, Ausstopfen, Automate, Axt, Baufabrikation, Baryt, Baumwolle, Baumwollenspinnerei, Baumwollzeuge.

Die Haupttendenz des Werks ist praktisch, wie aus den obigen Artikeln sattsam hervorgeht. Wissenschaftliche Begründung ist jedoch dabei keineswegs ausgeschlossen, vielmehr mit Sorgfalt berüksichtigt, wie es auch durchaus erforderlich war. Rein wissenschaftliche Artikel sind, mit Ausnahme derjenigen, die zu wichtige Erfahrungssäze enthalten, wie z.B. der Art. Aequivalente in dem vorliegenden Bände, vermieden. Ueberall ist bei der Bearbeitung der Artikel der jezt bestehende Zustand des Gegenstandes im Auge behalten, ohne historische Nachweisungen einzuschalten, die ganz außer dem Plane des Werks liegen. – Literarische Nachweisungen kommen nur dann vor, wenn entweder über die einzelnen Gegenstände, welche ein Artikel enthält, Schriften vorhanden sind, die diese Sache in der Art erschöpfen, daß das Nachlesen, derselben für denjenigen, der eine vollständige Kenntniß erlangen will, unentbehrlich bleibt; oder wenn die weitere Ausführung, die anders wo anzutreffen ist, in dem Werke selbst nicht mit Vollständigkeit gegeben werden kann. Wünschenswerth wäre freilich eine Angabe der vorzüglichsten Schriften und Abhandlungen bei jedem Artikel um so mehr gewesen, da es an einem vollständigen und besonders kritischen Handbuche der technologischen Literatur, wobei besonders die wichtige fremde Literatur, deren genaue Kenntniß bei Herrn Prechtl vorausgesezt werden darf, berüksichtigt ist, fehlt. Die literarischen Werke von Ersch, Krieger und Leuchs, auf die er verweist, sind (besonders trifft dieß das leztere) unvollständig und sehr unkritisch, obgleich das erstere im Allgemeinen als ein classisches Buch betrachtet werden muß, und umfassen auch nur die deutsche Literatur.

So weit sich nun aus dem vorliegenden Bände ersehen läßt, beschenkt Hr. Regierungsrath Prechtl die deutsche Literatur mit einem ausgezeichneten Werke und füllt eine bedeutende Luke derselben aus, die bei dem großen Publikum, welches die Technik hat, um so fühlbarer war, da bei der ungeheuren Ausdehnung der Technologie, bei der großen Menge von Journalen, in denen die Fortschritte derselben zur Kenntniß des Publikums gelangen, gar kein Durchkommen mehr war. Die berühmte Verlagshandlung hat das Werk durch schönen Druk, schönes Papier und gute Kupfertafeln auch äußerlich bestens ausgestattet und die Anschaffung durch einen äußerst billigen Preis ungemein erleichtert. Möge ihr Bestreben auf diese Weise Nuzen zu stiften, Anerkennung finden und das Werk möglichst rasch vollendet werden!

|389|

Eine eben so erbärmliche Einrichtung ist bei der Influenz der französischen Posten nach dem südlichen Deutschland, wo die Briefe aus Frankreich, wenn die Post um einige Minuten nach der gewöhnlichen Abfahrt in Kehl eintrifft, daselbst 24 Stunden öder bis zur gewöhnlichen Abfahrtsstunde des andern Tages liegen bleiben müssen. So bleiben auch die Briefe der Schweizerpost, welche Dienstags und Samstags Abends in einer gewissen Handelsstadt eintreffen, aus Bequemlichkeit der Postofficianten (deren Vorstand entweder den Dienst nicht versteht, oder seinen Obliegenheiten nicht nachkommt), 24 Stunden liegen, während sie Mittwochs und Sonntags in der Frühe mit dem Eilwagen befördert, und um 18 Stunden früher an Ort und Stelle gelangen könnten. Die anderen häufigen Schlafstündchen, welche man den Briefen auf den Ordinari- und Haupt-Poststationen gönnt, wo die Influenz dabei nicht schuldbeladen ist, wollen wir ein ander Mal zur Erbauung der Correspondenten anführen

|389|

A devil's dozen of persons, called secretaries and clerks.

|394|

Dr. Schultes hat vor 25 Jahren in seiner Gloknerreise,“ als man den Granit noch nicht so genau kannte, wie jezt, die Bemerkung aufgestellt, daß Marmor und Alpenkalk nicht so leicht verwittert, wie Granit. Es fehlte nicht viel, daß man ihn ob dieser damals noch geologischen Kezerei lebendig verbrannt hätte. später fand derselbe Mann, der den Scheiterhaufen anzuzünden Luft hatte, daß Dr. Schultes Recht hatte, und es freut uns, daß man hier an dem Hangenden Thurme zu Pisa dieselbe Bemerkung machte, die der alte Doctor früher an den überhängenden Granitwänden der deutschen Alpenkette gemacht hat. A. d. Ue.

|394|

Es wäre der Mühe werth, von allen Bausteinen in der Welt genaue Analysen zu benüzen. Dadurch allein würden sich die Vorzüge der einen und die Mangel der anderen deutlich erklären, und die Nachtheile vermeiden lassen, die man so oft an den kostspieligsten und prachtvollsten Gebäuden in Folge schlecht getroffener Auswahl der Bausteine nach Reihen von Jahren erst entstehen sieht. Ein Baumeister, der heute zu Tage mit Kalksteinen baut, welche er nicht ehevor einer Analyse unterziehen ließ, verdient, daß man ihn lebendig einmauert, indem er unbekümmert um das Loos derjenigen scheint, die einige Jahre später in seinem Machwerke lebendig unter den Trümmern desselben begraben werden können, oder, wenn die Steine hygrometrisch sind, in seinen nassen Mauern zu Siechlingen werden und vor der Zeit in's Grab steigen müssen. A. d. Ue.

|397|

Die Anwendung des chromsauren Eisens in der Kattundrukerei verbreitete sich vorzüglich von Augsburg und Mülhausen aus, und war noch im J. 1824 in England eine Neuigkeit.

A. d. Ueb.

|397|

Siehe unsere nachstehende Anmerkung zur chinesischen Indigo-Bereitung.

A. d. Ue.

|397|

Hr. Brewster hätte uns wohl sagen können, wie viel ein Catty ist, und das Asiatic Journal hätte sein Recept besser verschreiben sollen. A. d. Ue.

|398|

Die Amerikaner machen jezt sehr viele Speculationen mit Glas, unter welchen natürlich einige auch unglüklich ausfallen müssen. So ließ sich ein Hr. Isaiah Jennings zu New-York am 14. Juni 1829 ein Patent auf Zündkerzchen aus Glas ertheilen. In einer Glasröhre ist ein Tröpfchen Schwefelsäure eingeschlossen, |399| und diese Röhre ist in Papier eingewikelt, welches in Oehl oder Wachs getränkt oder gefirnißt und mit chlorsaurem Kali, Schwefel oder Zuker an der Stelle, wo man die Röhre bricht, bestrichen ist. Wie die Röhre gebrochen wird, und die Schwefelsäure ausfließt und das Papier berührt, entzündet sich dieses, und man hat Feuer. Außer dem, daß dieser Apparat kostbar ist, ist er auch eben seiner Gebrechlichkeit wegen gefährlich. (Vergl. obige Quellen.)

|402|

Es scheinen hier Drukfehler in der dritten Zahlen-Columne unterlaufen. A. d. R.

|404|

550,6 Millimeter sind eine Braccia.

Uns scheinen sie zu enge gehalten. Als Futterbedarf nehmen sie, mit Lomeni, 908 Pfd. gereinigte Blätter auf die Raupen aus Einer Unze Eyer: so viel erhält man nämlich gewöhnlich aus einem halben Pfunde Coccons.

Im 20sten Kapitel sind hier 5 Rassen von Raupen angegeben:

1) Die kleinen, die sich nur drei Mal häuten. Obschon sie kleine Coccons geben, haben sie doch den Vorzug einer feineren und verhältnißmäßig reichlicheren Seide; sie sind mehr abgehärtet und fordern weniger Pflege; man wird mit ihnen früher fertig.

2) Die großen mit vier Häutungen.

3) Die gemeinen mit vier Häutungen.

4) Die gemeinen gelblichen mit vier Häutungen.

5) Die Raupen, die vom Frühjahre bis zum Herbste drei Mal sich fortpflanzen. Die HHrn. Verfasser halten sie für eine eigene Rasse, woran andere zweifeln.

Was die Krankheiten der Seidenraupen betrifft, so sind sie lediglich Folge der schlechten Wartung und Pflege, und eine wohlverdiente Strafe jener Faulheit und Unwissenheit, mit welcher die Wartung und Pflege dieser so nüzlichen Thiere nur zu oft betrieben wird.

|410|

Einiges ist aus Irland und aus Amerika. Im J. 1829 war die Einfuhr derselben Artikel noch weit größer. (Globe. Galignani. N. 4701.)

|411|

Dr. Billhuber zu Vaihingen in Würtemberg empfahl dasselbe schon vor 40 Jahren.

A. d. Ue.

|413|

Peck ist der vierte Theil eines Kornmaßes, das Bushel heißt, und so viel als 1/2 Wiener Mezen ist. Während man dem Beispiele der Amerikaner in England und Schottland folgt, und auf den Gymnasien neben Griechisch und Latein auch die Sprachen des Auslandes lehren und lernen läßt; während man sogar im Reiche der frères ignorantins in den Gymnasien, neben Griechisch und Latein, Deutsch, Englisch, Italiänisch, Spanisch lernen und lehren läßt, sehen wir in Deutschland in einigen Ländern Studienplane eingeführt, nach welchen die armen Jungen 10 Jahre lang nichts wie Griechisch und Latein und Hebräisch lernen sollen, und weder Englisch noch Italiänisch, noch Französisch noch Spanisch noch Russisch: Sprachen, die jezt mehr Bedürfniß sind, als jene, die kein Mensch mehr spricht. Wahrlich die Türken sind klüger als wir. Sie sagen: „so viel Sprachen ein Mensch spricht, so viel Mal ist er Mensch,“ und jeder gut erzogene junge Türke spricht, außer Türkisch, auch Persisch und Arabisch, Italiänisch, und häufig auch Französisch und Englisch.

A. d. Ue.

|414|

Dieß ist das unglükselige Schloß Blenheim bei Oxford, welches sein Urgroßvater, der bekannte Marlborough nach seinem Siege über unseren unsterblichen Churfürsten Max Emanuel bei Höchstedt erbaute. Marlborough commandirte von Blenheim aus.

A. d. Ue.

|416|

Dieß geschah, zur ewigen Schande des gegenwärtigen Parliaments am 19ten März 1830, als der hochachtbare Greis, Alderman Waithman, der 40 Jahre Mitglied des Parliaments ist; der seinen Plaz nicht kaufte, wie 2/3 der Mitglieder des Parliaments, sondern der von 12,000 freien Leuten gewählt wurde, feine Stimme auf die bescheidenste Weise (nicht nach Art der eitlen Schreier) für die leidende, tief gedrükte Menschheit in England erhob.

A. d. E.

|417|

Wenn wir bei unserem vielen Christenthume nur noch etwas Heidenthum, bei unseren vielen neuen Altären nur noch einen Altar, den des Vaterlandes, aus der classischen Zeit übrig gelassen hätten, wo der Junge noch in der Schule sein pro caris amicis aut patria non timidus perire lernte; wenn jeder an seinem Mitbürger nicht bloß seinen Nächsten, sondern seinen Freund sähe, und fein Vaterland, dem er doch Alles zu danken hat, nur so werth hielte, wie ein Casino, einen Club, eine Loge, eine Bruderschaft etc., so würde es der Steuern und der Abgaben nicht bedürfen: der Staat könnte sich auf Subscription leicht, sehr leicht regieren, und derjenige Staat, der am meisten Subscribenten bei dem verhältnißmäßig geringsten Subscriptionspreis hätte, würde am Besten fahren, so wie jene Casino, Clubs etc. sich am Besten stehen, wo, bei übrigens gleichen Resourcen, das Abonnement geringer ist. Es ist kein Zweifel, daß, wenn die Cultur des Menschen-Geschlechts fortschreitet, man zu der Ueberzeugung gelangen wird, daß der Staat nichts anderes als eine Gesellschaft ist, in welcher man seine Quote bezahlen muß, wenn man zu derselben gehören will; daß es besser ist, man bezahlt gutwillig, als daß man sich mit Gewalt oder mit Schreiber-Kunstgriffen in den Sak steigen, und sieben Mal mehr herausnehmen läßt, als man zu bezahlen nöthig hätte, wenn man gern und richtig seinen Theil bezahlte. Wie Mancher zahlt nicht jährlich an Abonnement in einem Theater, in einem Casino etc. mehr, als er für seinen ruhigen und bequemen Siz in dem großen Schauplaze seines Vaterlandes, für die gesellschaftlichen Rechte und Genüsse in der Gesellschaft seiner Mitbürger bezahlt! Wie Mancher zahlt nicht für ein Zeitungsblatt des Jahrs mehr, als er dem Staate, in welchem er lebt, an Steuer und Abgabe bezahlt! Wenn nun diese Manche für den Staat, d.h. eigentlich für sich selbst, eben so viel bezahlen wollten, als sie für Theater, oder für Casino, oder für ein Zeitungsblatt hingeben; wie viel würde dann noch der ärmeren unteren Classe an Steuern und Abgaben zu entrichten übrig bleiben? Wie bald wären die Millionen bei einander? Welch ein Heer von Helfers-Helfern, das bloß deßwegen theuer bezahlt werden muß, um ihm in den Sak zu steigen, würde dadurch gänzlich überflüssig? Die 12 Millionen nordamerikanischer |418| Bürger haben nur 5000 Mann Soldaten; sie haben kein stehendes Heer, weil jeder nordamerikanische Bürger mit Freude für fein Vaterland kämpft und stirbt; sie könnten aber auch das stehende Heer von Schreibern abdanken, das ihnen als Mauth- und Accise-Beamten, Steuer-Einnehmer etc. immer in den Sak steigen muß, um mehr herauszunehmen, als der Staat braucht. Wie viel der Staat braucht, weiß man in den Vereinigten Staaten, und in allen constitutionellen Staaten. Diese Summe könnte um Millionen vermindert werden, wenn die Nation auf jenen Grad von Aufklärung und Veredlung ihres Selbstgefühls gestellt ist, auf welchem allein reine und begeisternde Liebe für das Vaterland und klare Einsicht der unvermeidlichen Nothwendigkeit und Pflicht des Bezahlens und Gehorchens möglich wird. Derjenige Staat, welcher zuerst auf Subscription regiert wird, wird sicher derjenige seyn, der unter allen der glüklichste ist; der, wenn man so sagen darf, recht con amore besteht; der im Frieden nicht das Heer der Schreiber, und im Kriege kein Heer der Feinde zu fürchten hat; dann ist wahre Handels-Freiheit, Gewerbs-Freiheit etc. möglich, weil keine Mauth und keine Steuer mehr besteht, und unter den Millionen Bürgern, nicht aus Zwang, sondern aus reiner Einsicht und freiem Antriebe, Einer für Alle und Alle für Einen mit Blut und Gut das Wohl des Vaterlandes verbürgen. Oder sollte Schlözer ewig Recht haben, wenn er sagte: „Die Kunst, die Völker zu regieren, ist die Kunst, sie zu ihrem Wohle zu zwingen?“ Wo wird besser gearbeitet, in Zwangs-Arbeitshäusern oder in Fabriken?

A. d. E.

|419|

Durch die Verminderung dieser Steuern gewinnt aber bloß der Reiche, der, gut erzogen, darum keinen Tropfen Wein oder keine Schale Thee mehr trinkt, weil der Wein und der Zuker wohlfeiler geworden ist; der Arme, der in dem Maße essen und trinken zu müssen glaubt, als Speise und Trank wohlfeiler wird, ißt und trinkt jezt aus langer Weile mehr als er braucht; er geht in's Nez, und macht sich jezt erst steuerpflichtig; er allein ist's, der bezahlt und verliert, oder eigentlich nur so viel gewinnt, daß er jezt für das Geld, das er bezahlt, etwas genießt, während er vorher für Nichts beinahe ebenfalls so viel bezahlen mußte, wenn er dieses Nichts durchaus haben wollte. A. d. E.

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