Titel: Clark, Verfahren beim Schraubenschneiden.
Autor: Clark, Jak. Georg
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. II. (S. 3–6)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037002

II. Beschreibung eines Verfahrens beim Schraubenschneiden, mit Abbildung des dabei angewendeten Apparates. Von Jak. Clark, Kirchthurmuhren- und Maschinen-Macher zu Edinburgh, Old Assembly Close. Mitgetheilt von dem Verfasser.4)

Aus dem Edinburgh New Philosophical Journal. N. S. N 4. April. 1830. S. 273.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Die hier unten beschriebene Methode Schrauben zu schneiden ist die beste, die sich im Verlaufe dreißigjähriger Erfahrung mir dargeboten hat, und verbindet Einfachheit mit hoher Genauigkeit.

Das Erste, was verfertigt werden muß, ist die Patrone (the tap), Fig. 14. L ist eine stählerne Stange, auf welche ein Cylinder aus Messing gegossen wird, H, welcher in der Folge vollkommen cylindrisch abgedreht werden muß, und mit einem Kammschrauben-Werkzeuge (comb-screwing tool) von der erforderlichen Form geschraubt wird. In den Cylinder werden fünf oder sieben schwalbenschweifförmige „(oder wie man in England sagt, taubenschweifförmige, dovetailed)“ Furchen parallel laufend mit den Seiten desselben, und so daß die Schwalbenschweife nach dem Mittelpunkte gekehrt sind, eingeschnitten, wie man in Fig. 15. im Durchschnitte sieht. In diese Furchen kommen Stahlstüke kk, Fig. 14., die genau in dieselben passen, genau so lang sind, als der Cylinder, und mittelst eines Schraubennietes, (GI Fig. 14.) an jedem Ende an ihrer Stelle festgehalten werden. Die Stahlstäbe müssen nun nach der Schraube in dem Messing geschnitten, dann herausgenommen, und bei einer so niedrigen Hize, als möglich, gehärtet werden, damit sie Federnhärte erhalten. Die Schraube wird dann von dem Körper des messingenen Cylinders gänzlich weggearbeitet, die stählernen Schneider werden dafür eingesezt, jeder in seine Furche, und durch die Niete G und I festgestellt, daß sie nicht nachgeben können.

Diese Patrone ist bloß dazu bestimmt, die messingenen Bögen in dem Gestelle, Fig. 11., zu bezeichnen, dessen Einrichtung man bei einiger Aufmerksamkeit auf die Zeichnung in Fig. 12. leicht begreifen wird, wo es im Querdurchschnitte dargestellt ist. Es müssen Räume in die messingenen Bogen, AA, nach der Schiefheit der von der Patrone gemachten Zeichen eingeschnitten werden, und in diese Räume |2| |3| |4| werden die Schneider in Fig. 16., die aus Stahlplatten sind, eingefügt.

Das Stük, welches geschraubt werden soll, muß so genau als möglich in einen vollkommenen Cylinder abgedreht werden. Um alle Unebenheiten, die von dem Drehewerkzeuge übrig bleiben könnten, zu beseitigen, muß auf den Cylinder ein acht bis zehn Zoll langes Stük Blei gegossen werden, welches in der Mitte der Länge nach durchgesägt wird. Das Metall wird dann auf eine ebene Fläche oder Tafel gelegt, und nach der Richtung der Länge desselben mittelst eines der Bleidurchschnitte abgeschliffen, bis es vollkommen eben wird, und alle Ungleichheiten verschwunden sind.

Nun beginnt das Schneiden. Die erste Reihe der Schneider muß eine beinahe scharfe Schneide erhalten, so daß sie einen etwas tiefen Eindruk machen kann. Sie müssen, was man wohl bemerken muß, schneiden, nicht reißen, indem sie sonst einen falschen Gang oder Faden aufwerfen, und, wenn der Durchmesser der Schraube, die man erhalten will, klein ist, dadurch die Stange verlängern, und so nicht bloß den Faden oder Gang größer machen, sondern wahrscheinlich auch eine Schraube von ungleicher Form erzeugen können.

Die zweite Reihe von Schneidern wird wahrscheinlich den Schraubentheil schon fertig machen, was jedoch von der Länge und von dem Durchmesser der Schraube abhängt.

Nachdem die Schraube eine hinlängliche Tiefe erhalten hat, werden die stählernen Schneider herausgenommen, und kupferne Schleifer dafür an der Stelle derselben eingesezt, und die Schraube durchgearbeitet, bis sie fertig ist. Zwei oder drei Reihen von kupfernen Schleifern können nothwendig seyn.

Auf diese Weise habe ich Schrauben von 12 bis 48 Zoll in der Länge geschnitten, deren Genauigkeit durch Proben der strengsten Art erwiesen wurde.

Man verfertige ein Niet, das für die Schraube paßt, welche probiert werden soll. Man befestige das Niet an der unteren Seite eines Brettes oder einer Bank, und führe die Schraube ein, welche jezt mit einem Mikrometerkopfe oder Zeiger versehen seyn muß. Die Schraube muß jezt an beiden Enden auf einer Tafel befestigt werden, sich aber frei umdrehen können. Auf dieser Tafel ist eine Bühne befestigt, die über die Bank emporreicht, und rechte Winkel mit der Achse der Schraube bildet: die Bühne hat einen Punkt, der sich schieben läßt. Man lege nun auf das obere Brett zwei Streifen Messing mit den Kanten an einander, stelle den Zeiger, und führe eine Linie quer über die Messingstreifen. Man drehe den Zeiger z.B. auf 90°, oder lasse ihn eine Viertel-Umdrehung machen; ziehe eine |5| andere Linie, und wiederhole diese Operation, bis man eine hinlängliche Anzahl von Linien hat. Nun wechsle man die Streifen, und lasse je zwei und zwei Linien zusammen treffen. Wenn alle Linien immer zusammen treffen, nachdem die Streifen wiederholt gewechselt wurden, so ist die Schraube vollkommen. Parallele gerade Linien können auf diese Weise in jeder Entfernung erzeugt werden.

Die Leitungsschraube E der kreisförmigen Theilungsmaschine, Fig. 17. ist nach der oben beschriebenen Methode verfertigt, nach welcher man eine Schraube zur Erzeugung gleichweit von einander entfernten Parallelen schneiden kann; sie muß aber später eine gewisse Krümmung erhalten. Man gieße ein bleiernes Rad, einen Durchmesser der Leitungsschraube größer, als jenen, in welchem die Schraube arbeiten soll, und bedeutend diker. Man drehe eine halbkreisförmige Furche in die Peripherie des bleiernen Rades, damit sie die eine Hälfte der Schraube umfaßt, welche nun in die Furche eingetrieben werden muß, bis das Blei einen vollen Eindruk erhalten hat. Man schleife dann mit Schmergel, bis dieselbe Krümmung daran zum Vorscheine gekommen ist. Nun werden die übrigen in der Zeichnung dargestellten Theile damit verbunden, um eine Schraube, G, zu erzeugen, an welcher die Mittelpunkte der Faden derselben nicht parallel sind, sondern verlängert in irgend einem Punkte zusammenstoßen werden.

Wenn diese Schraube an einem Räderwerke angebracht wird, so kann die Genauigkeit derselben auf eine ähnliche Weise, wie bei der Probe für Schrauben, welche parallele Linien ziehen sollen, geprüft werden.

Man verfertige zwei runde Platten aus Messing, die eine kleiner als die andere, und senke die kleinere in die größere, bis die Oberflächen beider in derselben Ebene liegen. Man befestige diese Platten an der Maschine, die durch die Schraube G getrieben wird. Man stelle den Zeiger, und ziehe eine Linie auf beiden Platten. Man bewege die Schraube um eine gegebene Anzahl Grade. Man ziehe eine andere Linie, und wiederhole diese Operation so oft, bis man eine hinlängliche Anzahl von Linien gezogen hat. Nun lasse man eine dieser Platten sich drehen, und bringe irgend ein Paar dieser Linien auf den äußeren und inneren Platten zusammen. Wenn die Schraube genau ist, müssen alle übrigen Linien auf einander treffen.

Es ist überflüssig die Einrichtung der Theile zu beschreiben, die zur Vollendung dieser Probe nothwendig sind.5)

Hr. Clark erhielt für diese Mittheilung die goldene Medaille der Society of Arts for Scotland am 17. Jun. 1829.

|5|

Es wäre aber nicht überflüssig gewesen, wenn Hr. Brewster diesen ganzen Aufsaz umgearbeitet und deutlicher gemacht hätte; denn so, wie er hier steht, wird selbst ein Meister in der Kunst Schrauben zu schneiden mehr errathen müssen, als verstehen können, was Hr. Clark sagen will. Von Fig. 13. kommt |6| gar keine Erwähnung vor. Schrauben schneiden ist eine zu wichtige Arbeit, als daß man so philosophisch, wie Hr. Brewster, darüber weggehen dürfte.

A. d. Ue.

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