Titel: Christie's, Stellrolle zur Hinderung einer rükgängigen Bewegung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. IV. (S. 7–9)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037004

IV. Hrn. Christie's Stellrolle zur Hinderung einer rükgängigen Bewegung.

Aus dem Register of Arts. April. 1830. S. 286.

Mit einer Abbildung auf Tab. I.8)

In einer Vorlesung über die Reibung an der Mechanics' Institution zeigte Hr. Christie neulich eine Rolle mit einer Vorrichtung |8| vor, durch welche jede rükgängige Bewegung derselben unmöglich wird, so daß, wenn man ein Gewicht über diese Rolle in die Höhe zieht, und dann die Schnur ausläßt, es nicht zurükrollen kann, sondern an jeder Stelle stehen bleibt, bis zu welcher man dasselbe aufgezogen hat. Man wird also bei dieser Vorrichtung, wenn eine Last mittelst eines Seiles über eine Rolle in die Höhe gezogen wird, leichter die Hände wechseln, und alle Gefahr des Zurükrollens der Last vermeiden können. Diese Vorrichtung besteht in einem kurzen, mit dem Kloben oder mit der Fassung der Rolle verbundenen Hebel, der in einer schiefen Richtung auf der Schur ruht, und über die Rolle gezogen ist. Wie die Schnur zurüklaufen will, so kommt der Hebel, in Folge der Reibung der Schnur, in eine Stellung, die sich der Senkrechten nähert, und erzeugt auf diese Weise einen Druk, der mit der Zunahme des Gewichtes zunimmt, und die rukgängige Bewegung des Gewichtes hindert: ungefähr auf dieselbe Weise, wie dem Rüklaufe an Krahnen und anderen Maschinen durch die Anwendung eines Sperrrades und Sperrkegels vorgebeugt wird.

Dieser Apparat, Fig. 7., zeigt in a die Rolle, in b den Haken, |9| mit welchem sie aufgehängt wird; cde ist der Hebel, welcher auf der Schnur, gh, ruht, und dem Rüklaufe des Gewichtes, f, vorbeugt. Die kleine Schnur, i, dient die größere, oder das Seil, frei zu machen, wenn das Gewicht herabgelassen werden soll. Der Schuh, oder das Stük, e, ist ausgehöhlt, und mit dem Heber durch ein Gewinde verbunden, damit er einen desto größeren Theil der Schnur umfaßt. Wenn die Rolle aufgehängt ist, und in senkrechter Lage arbeitet, ist das Gewicht des Stükes, e, welches aus Metall ist, hinreichend, den Hebel, oder vielmehr den Schuh in Berührung mit dem Seile zu erhalten; in jeder anderen Lage ist aber eine kleine Feder zu diesem Ende nothwendig.

Wir theilen diese Vorrichtung hier unseren Lesern mit, nicht als ob wir sie von einem großen praktischen Nuzen fanden, indem man weit zwekmäßigere Vorrichtungen besizt, den Rüklauf der Rollen zu hindern (auch war es Hrn. Christie offenbar nur darum zu thun, die Wirkung, und wir möchten beinahe sagen, Allmacht der Reibung zu zeigen: der Strik, und selbst die Kette, würde durch diese Reibung, wenn sie an derselben Stelle öfters angebracht wird, bald durchgerieben seyn), sondern um auf ein altes Thema in unseren Blättern zurükzukommen, das wir schon einige Male zur Sprache brachten, und das noch immer zu wenigbeachtet wurde. Wir Europäer sind voll christlichen, und zuweilen auch unchristlichen, Mitleides gegen die schwarzen Sclaven, und vergessen darüber des Elendes unserer weißen Sclaven, d.h. unserer Dienstboten. Wir glauben, daß wenn wir unseren weißen Sclaven des Jahres 20–50 fl. Lohn geben, wir sie zu Tode schinden können. Ein Dienstbote, der Holz und Wasser und die übrigen Bedürfnisse eines Hauses in großen Städten, in den Brennpunkten der Civilisation (oder Zwiebelisation, wie einmal ein Neger dieses Modewort zu.... aussprach) 3–5 Stokwerke hoch hinauf schleppen muß, ist um nichts besser, er ist schlechter daran, als jeder auch nur mittelmäßig gehaltene Neger in einer Zukerplantage; er wird nicht so alt; er stirbt ehe an Lungensucht, Brustwassersucht und Brustkrankheiten aller Art. Es ist unglaublich, und nur den Aerzten in Spitälern größerer Städte auf dem festen Lande fühlbar (in England sind die Häuser meistens nur zwei Stokwerke hoch, und die Küche ist immer zu ebener (Erde), wie viele weiße Sclaven auf dem festen Lande durch das täglich, oft 20 Mal wiederholte, Laufen und Tragen über 4–5 Stiegen zu Grunde gehen, und nicht selten in der Blüthe ihrer Jahre. Hätte man an jedem Küchenfenster einen Apparat zum Aufziehen der Lasten, des Holzes, Wassers etc., und des schwereren Küchenbedarfes, (und dieser Apparat könnte bei dem heutigen Zustande der Mechanik nicht über 10 Gulden für jede Haushaltung kosten); so würde in mancher derselben die Gesundheit und das Leben von 10 Dienstboten, die nach und nach in derselben in einer Reihe von 25 Jahren erkrankten und den Keim zu tödtlichen Krankheiten legten, gerettet worden seyn. Ein Flaschenzug vor dem Küchenfenster würde dem heillosen Jammer, unter welchem nicht bloß Menschen (denn diese zählen jezt nicht), sondern selbst reich fundirt gewesene Spital-Cassen erliegen, wenn nicht ein Ende machen, doch bedeutend mindern. Es käme nur darauf an, daß in irgend einer großen Stadt mit so unglüklich hoch gebauten Häusern, wie man sie zu Paris, Wien, Dresden, München findet, sich eine „humane Society,“ eine „Gesellschaft der Freunde der weißen Sclaven“ zusammen thäte, und 10 fl. an den Zugapparat am Küchenfenster wendete: nach und nach würde dann auch das inhumane Publikum den Nuzen dieser Humanität begreifen. Die Faulheit würde ihn vielleicht zuerst auffassen, und Aufzugsapparate ihrer eigenen Schwere veranstalten, um sich das Treppensteigen zu ersparen. Man muß die Blinden sehen oder greifen machen, wenn sie etwas fassen sollen, und den Tauben so lang in's Ohr schreien, bis sie hören.

A. d. Ue.

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