Titel: Bostock, über die Reinigung des Themsewassers.
Autor: Bostock, J.
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. XII. (S. 17–23)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037012

XII. Ueber die Reinigung des Themsewassers, wenn es in einem Gefäße ruhig stehen bleibt. Von M. Dr. Bostock, F. R. S. etc.

Aus dem 2ten Theile der Philosophical Transactions for 1829 im Philosophical Magazine and Annals of Philosophy. April 1830. S. 268.15)

In meinem den k. Commissären im April 1828 übergebenen Berichte über die Analyse des Themsewassers bemerkte ich, daß ich am |18| Ende der Arbeit Themsewasser aus der Gegend der Mündung des King's Scholars' Pond Sewer erhielt, welches äußerst unrein, undurchsichtig vor Schlamm, und höchst stinkend war. Als es ungefähr eine Woche lang bei mir gestanden hatte, sezte sich eine bedeutende Menge schwarzes Wasser in demselben zu Boden; das übrige Wasser war indessen noch immer dunkelgefärbt und undurchsichtig, und roch |19| noch so abscheulich, wie Anfangs. Durch Filtriren durch eine einen halben Fuß dike Schichte von Sand und Holzkohle verlor Geruch und Farbe sich nur zum Theile.

Dieses Wasser blieb einige Zeit über unbeachtet in meinem Laboratorium stehen. Nach einigen Wochen bemerkte ich, daß eine große Veränderung in dem Aussehen desselben vorgegangen war. Es war viel klarer geworden, und beinahe der ganze Bodensaz hatte sich an die Oberfläche hinaufgezogen, wo er eine ziemlich regelmäßige Schichte von beinahe der Dike eines halben Zolles bildete. Der Geruch war indessen noch immer äußerst widerlich, und vielleicht sogar noch widerlicher als Anfangs. Von dieser Zeit an ging der Reinigungsproceß, der auf diese Weise von freien Stüken, wie man sagt (spontaneously) anfing, ununterbrochen acht Wochen lang fort, wo dann das Wasser vollkommen durchsichtig geworden war, keinen unangenehmen Geruch mehr hatte, obschon es noch immer die ursprüngliche schmuzige Farbe zeigte.

Nachdem sich dieser Schaum gebildet hatte, war die nächste Veränderung, die ich bemerkte, die Abscheidung desselben in großen Massen oder Floken. An diesen Floken, so wie an dem Schaume selbst, befand sich eine Menge kleiner Luftblasen, welchen sie ohne Zweifel ihre Schwebefähigkeit zu danken hatten. Nach einiger Zeit sezten sich auch diese Massen wieder zu Boden, und ließen die Flüssigkeit beinahe vollkommen frei von allen fremdartigen Stoffen. Die Menge Gases, welche sich entwikelte, war unbedeutend, so daß es schwer hielt, einiges zur Untersuchung zu erlangen. Es schien vorzüglich aus kohlensaurem Gase zu bestehen, dem etwas geschwefeltes, und vielleicht auch gekohlstofftes Wasserstoffgas beigemengt ist.

Als der Reinigungsproceß beinahe vollendet schien, wurde das Wasser durch Papier filtrirt und auf dieselbe Weise, wie das übrige, behandelt. Es war nun vollkommen durchsichtig, ohne Geschmak und Geruch, behielt aber noch immer eine etwas bräunliche Farbe. Es perlte, wenn man es schüttelte oder aus einem Gefäße in das andere goß, und wenn man es kochte, so entwich eine Menge Gases aus demselben. Zu gleicher Zeit bildete sich ein dünnes Häutchen von kohlensaurem Kalke auf der Oberfläche desselben, der nach und nach zu Boden fiel. 10,000 Gran desselben ließen durch Abrauchen eine lichtbraune Salzrinde zurük, welche, vollkommen getroknet, 7,6 Gran wogen. Die Prüfungsmittel zeigten in diesem Wasser Kalk, Schwefelsäure, Kochsalzsäure und Bittererde. Es zeigte sich eine Spur von Thonerde und von Kali, aber es konnte weder Ammonium, noch Schwefel, noch Eisen entdekt werden; Kalk, Bittererde, die an Schwefel- und Kochsalzsäure gebunden, waren, wie es sich von selbst versteht, |20| in weit größerer Menge vorhanden, als in dem früher analysirten Themsewasser. Wenn wir annehmen, daß die Schwefelsäure mit einem Theile Kalk, der übrige Kalk mit Kohlensäure, ein Theil der Kochsalzsäure mit Bittererde und der Rest derselben mit Soda verbunden ist, wie es im Themsewasser überhaupt der Fall war, so sind die Verhältnisse dieser Salze in 10,000 Gran Wasser wie folgt:

Textabbildung Bd. 37, S. 20

Das Resultat dieser Analyse zeigt, daß, obschon das Wasser durch diesen Reinigungsproceß sich selbst von der großen Menge organischer Stoffe befreite, die es enthielt, und einen Zustand von scheinbarer Reinheit erhielt, wodurch es zu mehreren Zweken hinlänglich brauchbar wird, doch die Menge dieser Salze um das Vierfache vermehrt wurde. Die verhältnißmäßig größte Zunahme zeigte sich bei den kochsalzsauren Verbindungen, die hier beinahe zwölf Mal mehr, als in dem gewöhnlichen Themsewasser vorkommen. Kohlensaurer Kalk kommt nur zwischen zwei und drei Mal mehr vor, als in dem gewöhnlichen Themsewasser, und schwefelsaurer Kalk ist zwischen fünf und sechs Mal mehr vorhanden. Ich kann hier bemerken, daß dieses Wasser, als ich es in seinem unreinen Zustande untersuchte, sehr deutliche Anzeigen sowohl von Schwefel als von Ammonium gab, von welchen beiden nach der Reinigung keine Spur mehr zu entdeken war.

Man kann diesen Reinigungsproceß eine Art von Gährung nennen, d.h., einen Proceß, in welchem ein Körper, ohne irgend einen Zusaz, eine Veränderung in der Anordnung seiner Bestandtheile erleidet, und eine neue Zusammensezung oder Zusammensezungen hervorruft. Die neuen Zusammensezungen waren, in diesem Falle, durchaus gasartig, entwikelten sich, und gingen, bis auf einen Antheil Kohlensäure, davon. Die salzigen Körper, die durch diesen Proceß nicht gelitten haben, blieben in der Auflösung; sie ließen die Flüssigkeit wohl frei von dem, was man Unreinigkeiten nennt, überluden sie aber so sehr mit erdigen und neutralen Salzen, daß das Wasser aus einem weichen Wasser ein hartes wurde.16)Als Quelle der salzigen |21| Körper könnte man die organischen Körper betrachten, vorzüglich diejenigen, welche thierischen Ursprunges sind, und die so häufig in der Themse abgesezt werden: und von diesen sind die meisten sowohl Excremente, als Theile verschiedener unzersezter thierischer Körper. Die verschiedenen Arten weicher und leichter auflösbarer thierischer Zusammensezungen wirken als Gährungsstoff, und werden selbst zerstört, während die Salze, die ihnen beigemengt sind, zurükgelassen werden. Es läßt sich demnach begreifen, daß, je unreiner das Wasser ist, desto vollkommener der Reinigungsproceß seyn wird, welcher dadurch entsteht, und wir können uns hiernach die allgemein angenommene Meinung erklären, daß das Wasser der Themse vorzüglich gut als Mundvorrath auf Schiffen taugt, indem die außerordentliche Menge Unreinigkeit, welche dasselbe enthält, den Gährungsproceß hervorruft, und dadurch alle jene Körper entfernt, welche irgend eine neue Veränderung in demselben erzeugen könnten.17)

Die braune Farbe, welche das Wasser nach seiner Reinigung noch behielt,18) schien von der Auflösung einer geringen Menge des sogenannten |22| Extractivstoffes abzuhängen, den man in Wasser findet, welches verwesene Pflanzenstoffe enthält: man findet diesen Stoff fast immer in Teichen oder langsam fließenden Wassern, die das abfallende Laub auffingen. Nach den starken Regen, die im December 1827 fielen, war das Wasser des New-River, mit welchem die Cisterne meines Hauses versehen wird, sehr trübe und dunkel gefärbt. Wenn es einige Stunden über stand, sezte eine Menge erdiger Stoffe sich zu Boden, und das Wasser war beinahe durchsichtig; allein die braune Farbe war noch immer in demselben vorhanden.19)

Ich fand, daß dieser Färbestoff weder durch Kochen, noch durch Filtriren durch Sand und Holzkohle sich beseitigen ließ, daß aber Alaun und gewisse metallische Salze, vorzüglich wenn sie in demselben erhizt wurden, einen Niederschlag bildeten, und das Wasser rein entfärbten. Unter den metallischen Salzen schien schwefelsaures Eisen (Eisenvitriol) am kräftigsten zu wirken; ein Tropfen der Auflösung dieses Salzes, mit 500 Mal so viel solchen Wassers (dem Umfange nach) gekocht, gab einen flokigen pomeranzenfarbigen Niederschlag, und ließ das Wasser vollkommen farbenlos zurük. Dieselben Resultate erhielt ich auch, nur in einem geringeren Grade, wenn diese Salze dem Themsewasser nach seiner Reinigung zugesezt werden.20)

|23|

Der Bodensaz, der durch Filtrirung aus diesem Wasser auf die oben angegebene Weise entfernt wurde, schien eine heterogene Masse aus verschiedenen Substanzen. 9/10 ungefähr war Kiesel-Sand. Es kam auch eine schwarze Masse in derselben vor, welche dem ganzen Bodensaze eine dunkelgraue Farbe gab, die sich durch Rothglühhize verlor. Eine Menge feiner Fasern, die feinen thierischen Haaren ähnlich sahen, und einige große Fasern, wahrscheinlich vegetabilischen Ursprunges, zeigten sich gleichfalls in diesem Bodensaze, in welchem auch Splitter von Holz, Bruchstüke von Steinkohlen, und kleine glänzende Körnchen metallischer Natur, die Schwefelkies zu seyn schienen, vorkamen. Die ganze Masse bestand mit einem Worte aus allen Körpern, die zufällig in die Themse gebracht, und durch den Gährungsproceß nicht zerstört wurden. Man muß daher sowohl in Hinsicht auf Menge als Beschaffenheit dieser Körper in jedem Kruge, den man aus der Themse schöpft, etwas anderes finden, so daß es überflüssig wäre hierüber genauere Untersuchungen anzustellen. In dem gegenwärtigen Falle betrug der Bodensaz, bei einer Temperatur von 200° (F.; + 74 R.) getroknet, ungefähr 9 Gran in 10,000 Gran Wasser.

Da wir Bd. XXXVI. S. 275. des unsterblichen Vauquelin Analyse des Seinewassers den deutschen Fabrikanten mittheilten, und dieser sich auf die Arbeiten seines Collegen Bostock gerade bei dem schwierigsten Theile der Analyse des Flußwassers, der Bestimmung nämlich der Menge und Art der in dem Wasser vorhandenen organischen Reste bezieht; da wir früher die Analyse des Themsewassers mittheilten; da sich die, wie es uns schien, gefährliche Meinung verbreitet, daß das Flußwasser, wenn es sich durch sich selbst, d.h., durch Fäulniß gereinigt hat, der Gesundheit unschädlich ist: *) so glauben wir auch diesen Aufsaz unseren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen. Wir müssen jedoch hier bei einem Worte in der Ueberschrift dieses Aufsazes verweilen, dessen der Hr. Verfasser sich bediente. Die Ueberschrift lautet nämlich: über spontane (d.h. freiwillige) Reinigung (spontaneous Purification) des Themsewassers.“ Fern sey und bleibe es von uns, über das, was Philosophen und Theologen über freien Willen gesprochen und geschrieben haben, entscheiden und den alten Streit aufwärmen zu wollen; wir unterwerfen uns hierüber dem Ausspruche unserer evangelisch-reformirten Kirche in vollster Hingebung; wir sind aber, bei dem täglich mehr um sich greifenden Mißbrauche, den wir in der Physik, Chemie, Medicin mit dem Worte spontan, Spontaneität treiben sehen, welches durchaus gleichbedeutend mit freiwillig, willkürlich ist, der Meinung, daß man sich hüten müsse in die physischen Wissenschaften (sciences exactes) Wörter aus den spekulativen Wissenschaften überzutragen, über deren Begriff und Object sich selbst diejenigen zanken, die dieses Wort erfanden und gebrauchen. Mag es nun mit dem Begriffe und Objecte des Wortes freiwillig, spontan, im Gebiete der intellectuellen Welt wie immer beschaffen seyn, so ist so viel gewiß, daß dieses Wort in der materiellen Welt weder einen Begriff gibt, noch ein Object hat, indem in dieser materiellen Welt alles was ist, nothwendig ist, und nur so ist, wie es seyn kann, oder vielmehr, wie es in Folge äußerer Einwirkungen seyn muß. Es gibt so wenig eine spontane, d.h., eine freiwillige Fäulniß, als es eine freiwillige Gährung gibt. Zu beiden ist der Zutritt der äußeren atmosphärischen Luft durchaus nothwendig: sobald dieselbe von einem Körper abgehalten wird, der an und für sich zur Gährung oder Fäulniß auch noch so sehr geneigt ist, wird er nie in Gährung oder Fäulniß zu treten vermögen. Gährung oder Fäulniß ist also die notwendige Folge des Zutrittes der äußeren atmosphärischen Luft zu einem fäulniß- oder gährungsfähigen Körper. Die Fähigkeit der Luft, Gährung oder Fäulniß zu erregen, und die Fähigkeit der einer Gährung oder Fäulniß fähigen Körper in diese überzugehen, ist wieder nicht eine in der Willkür der Luft oder dieser lezteren Körper gelegene Eigenschaft; sondern die nothwendige und unvermeidliche Folge der Verwandtschaft ihrer lezten Grundbestandtheile, welche Verwandtschaft sich diese Theile wieder nicht selbst gegeben haben, sondern die nothwendige Folge ihrer Individualität sind, ohne welche sie nicht das wären, was sie sind. Man sieht hieraus deutlich, daß, mag das Intellectuelle in dieser Welt, oder das Spirituelle auch noch so viel Willkür, freien Willen, Spontaneität besizen, das Materielle keiner Spontaneität fähig ist. Spontaneität der Bewegung etc. ist ein barer Unsinn. Der Magnet muß, so lang er Magnet ist, das Eisen anziehen; er kann nicht anders; das Eisen muß, so lang es reines Eisen ist, dem Magnete folgen; es kann nicht anders. In der materiellen Welt, so weit sie reichen mag, herrscht nur Nothwendigkeit nach ihren ewig unwandelbaren Gesezen, und das Wort Spontaneität hat innerhalb der Gränzen derselben weder Sinn noch Object.

A. d. Ue.

*) Polyt. Journ. XXXIII. B. S. 409.

|20|

Die Ausdrüke hart und weich, die man so oft vom Wasser braucht, sind offenbar relativ. Wasser, welches fünf Gran salzige Stoffe in Einer Pinte (1 Pfd.) enthält, wird aber allgemein als zu hart für viele ökonomische und industrielle Zweke gehalten. Das in Frage stehende Wasser hielt 4,36 Gran in del Pinte. A. d. O. (Dem Uebersezer scheint der Ausdruk „salzige Stoffe“ (saline matter) etwas zu allgemein.)

|21|

Es scheint uns, daß es jeden ehrlichen Mann „wie Fieber, hinüber und herüber“ rütteln wird, wenn er hört, daß das Wasser, mit welchem er Monate lang auf einer Secreise seinen Durst löschen und seine Speisen bereiten soll, erst durchgefault seyn soll, ehe er sich mit demselben laben kann. Ist es nicht traurig genug, daß selbst das beste Quellwasser auf Schiffen theils in Folge der Gefäße, in welchen es aufbewahrt wird, theils in Folge der Hize leiden und ungesund werden muß? Halt man den Menschen in England für eine Kröte, die von Pfuhlwasser fett werden kann? Ist es ein Wunder, wenn wir auf Schiffen, zumal auf Transportschiffen, so viele bösartige Krankheiten, vorzüglich Ruhren und Nervenfieber, sich entwikeln und öfters mit einer pestartigen Sterblichkeit wüthen sehen, wenn man solches Wasser für die Mannschaft an Bord nimmt? Hat man in England so sehr alle Elemente der Medicin vergessen, daß man die Wichtigkeit des Einflusses des Wassers auf die Gesundheit, als eines der ersten Bedürfnisse des Lebens, nicht mehr einsieht? Es will beinahe so scheinen, indem man einen Medicinae Doctor durchgefaultes Wasser für gesundes Wasser erklären sieht.

A. d. Ue.

|21|

Braune Farbe nach dem Reinigungs-Processe? kann man Wasser rein nennen, das eine braune Farbe (brown colour) hat? Es ist doch unbegreiflich, wie weit man sich von der Wahrheit entfernen, und wie unverschämt man sich erlauben kann nicht bloß mit Worten und Begriffen, sondern selbst mit Sachen zu spielen, von welchen Gesundheit und Leben von Tausenden abhängt! Braunes Wasser, wie Gallapfelaufguß,*) ist reines Wasser! Und dieser Begriff von reinem Wasser soll in einem Lande gelten, wo die Reinlichkeit, mit Ausnahme von Holland, mehr geachtet wird, als in jedem anderen Lande; wo jeder Mensch, den Bettler ausgenommen, täglich seine Leibeswäsche wechselt, und der Bettler, wenn er Mitleid erregen will, nicht von Hunger, sondern von seiner unreinen Wäsche spricht! (No clean linnen! Ich habe kein neugewaschenes Hemd!) Mögen die englischen Minister die Thorheit und die Raserei selbst noch emancipiren; von der Nothwendigkeit ihrem Volke reines Trinkwasser zu geben, werden sie sich nie zu emancipiren vermögen. Wenn London und Paris fortfährt sich so zu vergrößern, wie in dem lezten Jahrhunderte, und man zugleich fortfährt, die unerläßlichen Rüksichten auf die ersten Bedürfnisse des Lebens: reine Luft, reines Wasser, freies Sonnenlicht eben so sehr zu vernachlässigen, wie bisher, so können ein paar Wochen, |22| in welchen Cholera und Typhus an der Stelle der Minister herrschen werden, diese Städte in menschenleere Schutthaufen verwandeln. Dieß war das Schiksal so vieler Städte in Asien und Afrika, deren Ruinen jezt noch einen größeren Umfang einnehmen, als die gegenwärtigen Gebäude von London und Paris: dieß war ihr Schiksal, als der Geiz ihrer Minister dem Volke Luft und Wasser und Sonnenlicht versagte; als man die Wasserleitungen verfallen ließ, die weise Könige ihren Völkern erbauten, und Berge von Pallästen und Hangenden Gärten erbaute, die den ärmeren Bewohnern Luft und Sonne raubten. Die Hand, die ihr Mane Tekel etc. an die Wand schrieb, während die Minister beim Schmause saßen, hat das Schreiben noch nicht verlernt, und Sanherib's Würgengel ist nicht mit ihm zu Grabe gegangen. Die Sultane sorgen, daß ihre Unterthanen wenigstens reines Wasser in Fülle bekommen; daß es sogar den Hunden daran nicht fehlen soll; halten die englischen Minister, da einer derselben (Lord Castlereagh-Londonderry) das Volk bereits für einen Haufen Schweine (the swinish multitude) erklärte, die Menschen jezt nicht ein Mal mehr den Hunden gleich, indem jeder Bauer weiß, daß sein Hund an der Kette reines Wasser haben muß, wenn er gesund bleiben und Haus und Hof bewahren soll, während sie ihr Volk mit braunem Wasser tränken zu können wähnen? In der Fabel wollte die Kröte ein Ochs werden; die englischen Minister scheinen den John Bull (den Hans Ochs, wie sie das englische Volk nennen) in Kröten verwandeln zu wollen, die sich mit Pfuhlwasser tränken sollen. A. d. Ue.

|21|

*) Vergl. die unten folgende Note des Originales. A. d. Ue.

|22|

Es ist nicht leicht, einen genauen vergleichenden Maßstab für die Schattirung dieser braunen Farbe des Wasser aufzustellen. Ein Gallapfelaufguß, den man sich dadurch bereitet, daß man gepulverte Galläpfel in zwanzig Mal so viel Wasser (ihrem Gewichte nach) zehn Tage lang digerirt, wird, wenn man ihn in der Folge mit eben so viel Wasser (dem Umfange nach) verdünnt, so ziemlich genau die Farbe zeigen, die das Wasser des New-River in jenem Zustande hatte, als ich dasselbe untersuchte. A. d. O.

|22|

Sollte dieß vielleicht die Ursache seyn, warum die englischen Bäker so häufig Alaun, die brabantischen Kupfervitriol zu ihrem Brote nahmen? Schlägt |23| sich dadurch vielleicht der braune Färbestoff in dem Wasser, welches bekanntlich sehr bräunlich wird, wenn man schlechtes kleienreiches Mehl mit Wasser anrührt, aus diesem Wasser nieder, und läßt dadurch das Wasser im Teige, so wie das Mehl selbst, ungefärbt zurük? Wir haben nicht wahrgenommen, daß die französischen Chemiker bei ihrem Berichte diesen umstand berüksichtigt hätten, und es scheint uns hierin der wahre Grund der Anwendung des Alaunes und Vitrioles in den Bäkereien zu liegen. Die Bäker wollen ihr schwarzes Mehl dadurch bleichen und weiß machen: buscar pan de tras trigo, wie Sancho Pansa deutlich genug sagte, ohne daß Hr. Tieck deßhalb denselben weniger mißverstanden hatte als seine Vorgänger. A. d. Ue.

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