Titel: d'Arcet, Unterricht über den Apparat zum Ausziehen der Gallerte.
Autor: d'Arcet, Jean Pierre Joseph
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. XXXV. (S. 120–128)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037035

XXXV. Unterricht über die nöthigen Vorsichtsmaßregeln, um den Apparat zum Ausziehen der Gallerte aus den frischen Knochen der Fleischbank gehörig anwenden zu können. Von Hrn. d'Arcet.103)

Aus den Annales de l'Industrie. T. V. N. 2. S. 155.

Nachdem der Apparat, welchen ich zum Ausziehen der Knochengallerte vorgeschlagen habe, für die Spitäler einmal angenommen wurde, und die Anwendung desselben anfängt, sich immer mehr zu verbreiten,104) so hielt ich es für nüzlich einen Unterricht bekannt zu machen, welcher den Arbeitern, die mit der Bedienung dieses Apparates beauftragt sind, als Führer dienen, und sie in den Stand sezen könnte, den möglich größten Vortheil aur demselben zu ziehen. Ich hoffe, daß die Aufklärungen, die ich hier geben werde, diesen Zwek erfüllen werden. Ich werde übrigens mit Dank die Bemerkungen aufnehmen, welche die Anwendung meines Apparates im Großen veranlassen kann, und werde mich beeilen sie zu benüzen, um den gegenwärtigen Unterricht, von welchem ich nur wenige Exemplare abziehen ließ, zu vervollkommnen, und denselben dann neu auflegen zu lassen. Ich werde hier in der Ordnung die Vorsichtsmaßregeln aufführen, welche man zu ergreifen hat, um die verschiedenen Theile des Apparates gehörig und regelmäßig wirken zu lassen.

Von dem Brennmateriale.

Man kann sich des Holzes, Torfes oder der Steinkohlen zur Erzeugung |121| des nöthigen Dampfes bedienen. Einige Versuche, die Preise dieses verschiedenen Brennmateriales an verschiedenen Orten, werden sehr bald die Wahl entscheiden helfen. Wo man Steinkohlen anwendet, muß man dafür sorgen dieselben so bindend (collante) zu erhalten, daß es nicht nothwendig wird, dieselben zu befeuchten, und sie in Stüke von der Größe eines Eies zerschlagen, ehe man sie in den Ofen wirft.

Von dem Ofen.

Der Heizer muß dafür sorgen, daß er regelmäßig diejenige Menge Dampfes erzeugt, deren man bedarf, und diese mit dem möglich geringsten Aufwande von Brennmaterial zu erhalten suchen.

Er wird diese Ersparung an Brennmaterial erreichen, wenn er nur wenig von demselben auf ein Mal in den Ofen schürt, den Rost in gutem Stande erhält, den Aschenherd oft ausleert und denselben, vorzüglich aber die Klappe, die sich über der Röhre befindet, welche als Schornstein dient, so viel möglich geschlossen hält. Der Heizer darf das Feuer in dem Ofen nicht höher treiben, als bis auf den Punkt, welcher nothwendig ist, um den Dampf bei seinem Uebertritte in die Cylinder beständig auf einer Temperatur von 105 bis 106° am 100gradigen Thermometer zu halten. Er muß die Züge reinigen, wenn der Mangel an Zug ihm anzeigen wird, daß sie anfangen sich zu verstopfen.105)

Von dem Kessel.

Der Heizer muß genau dafür sorgen, daß das Wasser in dem Kessel beinahe immer auf derselben Höhe steht. Er wird diesen Zwek leicht erreichen, wenn er den Hahn auf der Röhre, die das Wasser in den Kessel führt, gehörig weit öffnet, um, wenn der Kessel gehörig im Gange ist, die Oberfläche des Wassers beständig zwischen den Enden der Anzeigeröhren zu erhalten. Er muß sich hiervon überzeugen, indem er jede Stunde Ein Mal die beiden mit diesen Röhren correspondirenden Hähne etwas öffnet. Der Hahn, welcher mit der unteren Röhre correspondirt, muß immer Wasser geben, während der andere Hahn nur Dampf ausfahren lassen darf.

Der Heizer muß ferner, wenigstens ein Mal des Tages, die Sicherheitsklappe spielen lassen. Er muß sie endlich immer in gutem Stande erhalten, indem er sie, so oft es nöthig ist, herumlaufen läßt.

|122|

Man muß immer schmelzbare Scheiben zum Auswechseln bei der Hand haben, um auf der Stelle diejenige, die sich an der Tubulirung des Kessels befindet, auswechseln zu können, wenn sie zufälliger Weise schmölze, oder sich verunstaltete.

Diese Scheiben bestehen aus einer Composition von

Wißmuth 4 Theilen,
Zinn 4 –
Blei 3 –

Diese Composition muß bei 118 oder höchstens 120° am 100-gradigen Thermometer schmelzbar seyn. Man muß sich genau überzeugen, ob diese Composition wirklich den angegebenen Grad von Schmelzbarkeit besizt, ehe man sich derselben zur Verfertigung solcher Scheiben bedient.106) Man kann sie eben so gut in hölzernen, wie in steinernen oder metallnen Modeln gießen. Man gießt das geschmolzene Metall in die Höhlung des Models, nachdem man diese vorher etwas mit Fett ausstrich. Man rührt die Composition mit einem hölzernen Stabe, bis sie anfingt teigig zu werden. Dann drükt man eine gebrannte Thonplatte darauf, um alle überflüssige Composition zu beseitigen, und die obere Fläche der Scheibe so eben, als möglich, zu machen. Wenn der Guß hinlänglich kalt geworden ist, darf man nur den Model umstürzen, um die Scheibe herausfallen zu machen, die man dann mittelst einer Feile zupuzt.

Der Heizer muß dafür sorgen, daß nur klares und trinkbares Wasser in den Kessel kommt, oder wenigstens nur solches, das so wenig als möglich fremde Körper aufgelöst oder schwebend in sich enthält.

Der Kessel muß so oft vollkommen gereinigt werden, als man wahrnimmt, daß die Rinde, die sich an demselben angelegt hat, zu stark geworden ist, oder nachtheilig werden könnte. Wenn die Rinde oder der Bodensaz bloß staubig, pulverartig ist, so kann man denselben dadurch wegschaffen, daß man die Tubulirungen, welche durch die schmelzbaren Scheiben und durch die Sicherheitsklappen geschlossen werden, öffnet; das in dem Kessel enthaltene Wasser mittelst Stäben, die man durch diese Röhren einführt, gehörig umrührt; daß man endlich den unten am Kessel befindlichen Hahn öffnet, das Wasser auslaufen läßt und den Kessel wiederholt mit frischem Wasser auswascht. Wenn aber diese Rinde und der Bodensaz fest ist, wenn er Schuppen oder ganze Lagen bildet; so muß man, wenn er nicht von |123| Hydrochlorsäure (Kochsalzsaure) angegriffen wird, den Kessel ausleeren, seinen Zapfen öffnen, den Bodensaz mit sanften Schlägen des Hammers abschlagen, denselben wegschaffen, den Kessel gut auswaschen, und den Zapfen wieder an seine Stelle bringen. Wenn aber, im Gegentheile, dieser feste Bodensaz in Hydrochlorsäure aufgelöst, oder von derselben wenigstens zerbrökelt wird; so würde es in diesem Falle, um denselben wegzuschaffen, hinreichen, das Feuer ausgehen zu lassen, die Sicherheitsklappe abzuheben, die schmelzbare Scheibe wegzunehmen, den Hahn, der den Dampf in die Cylinder leitet, zu schließen, und nach und nach durch eine dieser Röhren so viel Hydrochlorsäure in den Kessel zu gießen, als nöthig ist, um allen in demselben befindlichen kohlensauren Kalk aufzulösen. Man könnte die Wirkung der Säure noch beschleunigen, wenn man das in dem Kessel enthaltene Wasser mit einem Stoke umrührte. Das Aufbrausen, welches dadurch entsteht, könnte als Maßstab zur gehörigen Anwendung der Kochsalzsaure dienen; man könnte mit dem Zersezen desselben aufhören, wenn kein Aufbrausen mehr Statt hat, und wenn das Nasser, gehörig damit umgerührt, den Veilchensaft oder das blaue Papier röchet; oder, wenn dieses Wasser auf Kreide gegossen ein merkliches Aufbrausen auf derselben erzeugt. Man dürfte dann nur den Kessel ausleeren und mit vielem Wasser auswaschen, wie ich oben bei Beseitigung des nicht festen Niederschlages angegeben habe.107)

Von dem Zerkleinen der Knochen.

Man hat versucht, die Knochen mittelst einer Ramme und mittelst gefurchter Walzen, die horizontal gestellt sind, und von einer Roßmühle getrieben werden, zu zerkleinen; allein die Arbeiter kamen immer wieder auf die Keule, und vorzüglich auf den Gebrauch der Hake zurük. Einige haben selbst vorgezogen, die Knochen einzeln auf einen hölzernen Blok zu legen, und sie so mittelst eines starken Messers, das sie auf dieselben aufsezten, und mit einem starken Hammer mit der Hand in dieselben einschlugen, zu zerkleinen.108) Dieses leztere Verfahren, so wie die Anwendung der Keule und der Hake, kostet wenig, und fordert wenig Mühe. Jeder Arbeiter kann dasjenige Verfahren wählen, das ihm am leichtesten däucht: für jeden |124| Fall wird es aber gut seyn, wenn er seine Hände mit starken Handschuhen, und sein Gesicht mit einer Drathlarve bei dieser Arbeit versieht; denn die Erfahrung hat gelehrt, daß Verwundungen mit Knochensplittern sehr gefährlich sind.109)

Aufbewahrung der Knochen.

Die Knochen müssen, so viel nur immer möglich, in dem Augenblike angewendet werden, wo sie aus dem Kessel kommen, in welchem man das Fleisch, so wie es aus der Fleischbank kommt, siedet.110) Wenn man gezwungen seyn sollte, sie ein paar Tage lang aufzubewahren, so muß dieß in einem Strome frischen Wassers, oder überhaupt in Wasser geschehen, das man öfters erneuert. Wenn man sie lang im Magazine aufbewahren müßte, müßte man sie entweder einsalzen, oder sorgfältig auswaschen, und dann in einer mäßig gewärmten Trokenstube troknen.

Von den Cylindern.

Ueber die Bedienung der Cylinder bleibt wenig zu sagen übrig. Wir werden nicht bei der Nothwendigkeit verweilen, sie rein zu halten, indem die Knochengallerte-Auflösung als Nahrungsmittel dienen soll; es ist offenbar, daß man nur frische Knochen dazu verwenden darf,111) und daß die Gefäße hier so rein gehalten werden müssen, wie alles Küchengeschirr überhaupt.

So oft man einen Cylinder ausleert, müssen mit einem Schöpflöffel alle Knochenreste, die allen Falls aus dem Korbe auf den Boden der Cylinder gefallen seyn könnten, herausgeschöpft werden; man muß den Cylinder rein auswaschen, und sich überzeugen, ob der Ausleerungshahn nicht verstopft ist. Nachdem dieß geschehen ist, bringt man die zerkleinten Knochen von der Größe einer Nuß in den frischen Korb, welcher nun Statt des vorigen eingesezt werden soll, gießt zwei oder drei Mal frisches Wasser auf die Knochen, um sie gehörig auszuwaschen, läßt den Korb abtröpfeln, und hängt ihn dann in den Cylinder. Es ist höchst nothwendig, daß der Cylinder genau geschlossen wird. Um dieß zu bewerkstelligen, muß man zwischen den Rand des Cylinders und seinem Dekel eine Scheibe Kartenpapier anbringen, die in gekochtem Leinöhle getränkt und zwei bis |125| drei Mal mit einem Bande aus Baumwolle umwunden wurde: auf diese Weise erhält man sehr elastische und sehr dauerhafte Scheiben.

Die kleinen Röhren, welche das kalte Wasser in die Mitte der Cylinder führen, füllen sich öfters mit einer Kalkrinde; man muß sie mit neuen auswechseln und von Zeit zu Zeit entweder auf mechanische oder auf chemische Weise reinigen. Lezteres geschieht dadurch, daß man sie in schwache Hydrochlorsäure eintaucht, bis alle Rinden vollkommen aufgelöst sind. Diese Röhren sind dann, wenn sie ausgewaschen werden, wie neue.

Das Thermometer auf der Röhre, welche den Dampf in die Cylinder führt, muß stets eine Temperatur von 106° am 100gradigen Thermometer anzeigen; man muß sich von Zeit zu Zeit von dem richtigen Gange des Thermometers überzeugen, indem man denselben von seiner Stelle wegnimmt, und in siedendes Wasser taucht, wo er dann 100° zeigen muß. Die ganze Arbeit wird nach diesem Instrumente geleitet; es ist daher nothwendig, daß es beständig in gutem Zustande erhalten und durch ein neues ersezt wird, wenn es verdorben wurde oder gar brach.

Der Arbeiter, der den Apparat zu bedienen hat, muß dafür sorgen, daß die Auslaßhähne der vier Cylinder so geöffnet werden, daß die Gallerteauflösung in dem Maße ausfließen kann, als sie sich bildet, ohne daß jedoch der Dampf aus den Cylindern selbst entweicht. Es dürfen daher nur 9/10 der gebildeten Auflösung durch die Hahne entweichen, und die Hahne müssen von Zeit zu Zeit etwas mehr geöffnet werden, um die am Boden der Cylinder angehäufte Flüssigkeit ausfließen zu lassen. Auf diese Weise erhält man reine und überdieß noch vollkommen klare Gallerte.

Was die Bereitung der Gallerte selbst betrifft, so ist das Verfahren hierbei sehr einfach. Es ist genug, um sie in der besten Qualität zu erhalten, wenn man den Cylinder, welcher der lezte mit frischen Knochen gefüllt wurde, alsogleich genau mit Wollentuch bedekt, sobald die Knochen kein Fett mehr geben; den Hahn, der das kalte Wasser auf den Korb leitet, schließt; den Hahn unten am Cylinder geschlossen hält, und denselben nur ein Mal in einer Stunde und nach und nach öffnet, so daß nur die concentrirte Gallertauflösung, aber kein Dampf, entweichen kann.

Von der Aufbewahrung der Knochengallerte-Auflösung und des Fettes.

Da die Knochengallerte-Auflösung nicht mehr concentrirt ist, als Fleischbrühe; da sie alkalisch und nicht gesalzen ist; so nimmt sie öfters, wenn sie sich selbst überlassen ist, einen üblen Geruch an, vorzüglich im Sommer: diesem Uebel läßt sich indessen leicht vorbeugen.

|126|

Wenn diese Auflösung aus frischen Knochen bereitet wird, hat sie weder Geruch, noch Geschmak; man darf sie nur in sehr reinen blechernen Gefäßen auffangen, und muß sie schnell erkalten lassen, wenn man sie nicht alsogleich anwenden kann.

Fleischbrühe hat, wie man weiß, eine ziemlich starke Säure, welche auch die Ursache ist, warum man sie aufbewahren kann.112) Nichts ist leichter, als der Knochenleimauflösung dieselbe Eigenschaft zu ertheilen. Man darf sie, wenn man dieses will, nur etwas säuerlich machen, entweder mit Milchsäure oder mit krystallisirter Weinsteinsäure, oder mit saurem phosphorsauren Kalke oder auch mit concentrirtem Holzessige. Auf diese Weise läßt sich die Knochenleimauflösung nicht nur gut aufbewahren, sondern sie erhält auch dadurch die Eigenschaft, leichter zu einer Gallerte zu stoken. Ich rathe dringend, die Vortheile, die dieses Verfahren zur Aufbewahrung gewährt, nicht zu vernachlässigen, vorzüglich im Sommer.113)

Ich habe bereits von der Notwendigkeit gesprochen, die Knochenleimauflösung sehr reinlich aufzubewahren. Man kann nicht Werth genug auf diesen Rath legen. Da die Knochenleimauflösung höchstens 2 p. Cent thierischen Stoffes enthält, so hält sie sich sehr schwer, wenn man sie nicht salzt, oder wenn man derselben nicht einen kleinen Ueberschuß an Säure zusezt. Es reicht hin, sie in ein Gefäß zu gießen, das bereits Knochenleimauflösung enthielt und nicht gewaschen |127| wurde, wenn man sie vollends verderben will. Selbst ein irdener gebrannter Topf reicht hin, wenn man ihn auch auswascht, um dieses Verderben hervorzurufen. Ich habe daher auch bloß Gefäße aus Eisenblech bei meinem Apparate empfohlen, und gerathen, diese Gefäße immer mit siedendem Wasser, oder mit Wasser und Essig, und dann erst in einer großen Menge reinen Wassers zu waschen, so oft man sie ausleert. Man muß noch überdieß das Aufbewahren der Knochenleimauflösung so viel möglich zu vermeiden suchen. Sie muß auf der Stelle, und so zu sagen in dem Augenblike gebraucht werden, wo sie erzeugt wurde. Je weniger man sich von diesem Rathe entfernt, desto besser wird man fahren.114) Mit dem Fette, welches man aus den Knochen erhält, ist dieß nicht der Fall: es läßt sich gut und leicht aufbewahren, wenn man es im Wasserbade schmilzt, und auf die gewöhnliche Weise salzt. Man muß nicht vernachlässigen, alles Fett, was man nicht in Einem Tage verbrauchen oder verkaufen kann, auf diese Weise zu behandeln: dieß ist das einzige Mittel, dasselbe als Nahrung für den Menschen aufzubewahren, und ohne große Mühe allen möglichen Vortheil von demselben zu ziehen.

Von dem Knochenrükstande.

Der Rükstand, welcher noch einige p. Cent thierischen Stoffes enthält, mit einer großen Menge Wassers überladen ist und sehr heiß aus den Cylindern kommt, geht sehr leicht in Fäulniß über, wenn man ihn in Haufen aufschüttet. Um diesen Nachtheil zu beseitigen, der die Magazine eben so ungesund macht, als er den Absaz dieses Rükstandes hindert, darf man nur die Knochen, so wie sie aus dem Korbe kommen, auf der Erde ausbreiten, daselbst kalt und troken werden lassen, und dann erst im Magazine auf Haufen schütten. Dieser Rükstand wird, so wie er aus den Cylindern kommt, gegenwärtig zu Paris mit 4 1/2, Franken der metrische Ztr. (100 Kilogr.) von den Beinschwarzfabrikanten bezahlt, die demselben andere wohlfeile thierische Stoffe zusezen, und daraus ein gutes schwarz bereiten.

Ueber die Leitung des Apparates.

Ein Apparat, welcher täglich zwischen 1000 und 1200 Portion Gallerteauflösung liefern kann, wenn er gehörig eingerichtet ist, fordert |128| zwei Arbeiter, wovon jeder nur 24 Stunden lang, aber ununterbrochen, arbeitet, und dabei von demjenigen, der seinen freien Tag hat, Aushülfe erhält. Es muß aber noch ein dritter für den Fall bei der Hand seyn, daß einer der beiden vorigen krank oder abwesend wäre, und er muß den Dienst verstehen. Wenn die Küche so eingerichtet ist; wenn man verständige Arbeiter hat, die abwechseln; wenn sie gut bezahlt sind; wenn man sie an ihren freien Tagen nicht anderswo arbeiten läßt; wenn man ihren Lohn in fixen Gehalt und in Remuneration theilt, die von dem Gutbefinden des Herrn abhängt; so kaun man einer guten Wirkung dieses Apparates mit Sicherheit entgegen sehen.

Es wird überdieß gut seyn, wenn man Arbeiter wählt, die etwas gewohnt sind mit Maschinen umzugehen: man findet sie leicht unter den Schlossern, Klempnern etc. Man erspart sich auf diese Weise die Abhängigkeit von dem Meister, der den Apparat errichtete, und die Ausgaben für die kleinen Reparaturen, die auch den regelmäßigen Gang der Maschine unterbrechen.

Ich kann diesen Abschnitt nicht schließen ohne zu bemerken, daß der Apparat verschieden eingerichtet seyn muß, je nachdem man ihn zugleich als Heizapparat verwenden will, oder nicht. Im ersten Falle muß er so eingerichtet seyn, wie ich ihn in meiner Abhandlung beschrieben habe; im zweiten hingegen muß man der Verdichtung des Dampfes auf der inneren Oberfläche der Cylinder so viel möglich entgegen arbeiten, was sehr leicht dadurch geschieht, daß man sie genau mit Tuch überdekt. Man muß aber dann auch dafür sorgen, daß häufiger Wasser in die Mitte der Körbe eingesprizt wird, damit man immer so viel Gallerteauflösung erhält, als die Knochen zu liefern vermögen. Es ist klar, daß auf diese Weise viel Brennmaterial erspart wird. Nach der Theorie würde diese Ersparung, wenn man alle Verdichtung an den inneren Wänden der Cylinder vermeiden könnte, sich auf 3/4 des Brennmateriales belaufen, wenn die Cylinder zugleich als Heizapparat dienen, und die verlangte Menge Gallerte liefern. Umstände und Ortsverhältnisse müssen hier die Wahl bestimmen.115)

Unsere Leser werden aus der Anlage ersehen, daß die französische Knochenleimsuppe, vor welcher der Himmel die deutschen Magen bewahren wolle, noch immer nicht ganz fertig ist. Da dieser Apparat indessen auch zu anderen Zweken dienen, und die in großen Communitäten, in Spitälern, Kasernen, Waisenhäusern, Strafanstalten eben so nothwendige, als bisher schändlich vernachlässigte, Dampfkochung einführen, verbreiten und verbessern helfen kann, so glauben wir durch Mittheilung dieser Abhandlung unserem Paterlande einen Dienst erweisen zu können. Die Abbildung nebst Beschreibung desselben findet man im Bd. XXV. S. 210. und Tab. V.

|120|

Die Apparate, die gegenwärtig zu Paris im Gange sind, haben bereits mehr als 500,000 Portionen Knochenleimauflösung geliefert! A. d. O. Bon Appetit! Wenn ihr Christler Christen seyn wollt, so lasset das Wort Fleisch werden.“ und versucht den hungernden Magen nicht mit Knochenleim, wie Satan den Herrn Christus mit Steinen Statt des Brotes. A. d. Ue.

|121|

Man sehe über den Bau der Ofen bei Dampfkesseln: Traité de la chaleur par Mr. Peclet . 1828. A. d. O. (Die deutsche Uebersezung von Hrn. Hartmann. A. d. Ue.

|122|

Man kann sich von der Schmelzbarkeit dieser Composition bald überzeugen, wenn man etwas von derselben, mit einem guten Thermometer, in einen eisernen Löffel gibt, und diesen in Oehl taucht, dessen Temperatur man nach und nach bis auf den gehörigen Grad erhöht. A. d. Ue.

|123|

Die Anwendung der Hydrochlorsäure zur Reinigung der Dampfkessel bietet so viele Vortheile dar, daß man sich derselben, wo es nur immer geschehen kann, bedienen sollte: die Leitung dieser Arbeit sollte jedoch einem Apotheker oder irgend einem Manne anvertraut werden, der die hierzu nöthigen Kenntnisse besizt. Man sehe hierüber meine Notiz im Bulletin d. l. Soc. d'Encouragement. T. XXV. p. 118. S. 1826. A. d. O. (Sie findet sich auch im polytechnischen Journale beschrieben.) A. d. Ue.

|123|

So schlägt man in Deutschland Zuker. Sind die Knochen in Frankreich ein so kostbares Ding geworden, daß man so langweilig und vornehm mit ihnen umgehen muh? A. d. Ue.

|124|

Wenn die Knochen alt und faul sind, wie es bei diesen Knochenleim: suppen oft der Fall ist. A. d. Ue.

|124|

Hr. d'Arcet scheint also seine frühere Knochenaufbewahrung, gegen welche wir so sehr protestirten, selbst zurükgenommen zu haben. Auch das Salzen und Troknen wird nicht gegen das Stinken sichern. Vergl. Polyt. Journal. Bd. XXXIII. S. 222.

|124|

Allerdings! Oben wurde aber davon gesprochen, sie einzusalzen, wie Häringe, oder zu troknen, wie Stoksische. Was soll dieses Schaukelsystem bei der Leimsuppe? A. d. Ue.

|126|

Fleischbrühe, auf die gewöhnliche Weise bereitet, röthet das Lakmußpapier stark, und wird nur alkalisch, wenn sie verdirbt. Man kann ihrem Verderben nach Belieben Einhalt thun, wenn man sie mittelst einer hinlänglichen Menge beigesezter Milchsäure, sauren phosphorsauren Kalkes, krystallisirten Weinsteines oder concentrirten Holzessiges säuerlich erhält: lauter Körper, die sich in unseren Nahrungsstoffen finden, und die den Geschmak der Fleischbrühe, wenn sie durch dieselben gesäuert wird, nicht sehr verändern. Wenn man sich der Milchsäure zum Säuren der Knochenleimauflösung bedienen wollte, so hatte man den Vortheil in diese Auflösung einen der Hauptbestandtheile des Fleisches und der Fleischbrühe gebracht zu haben: diese Betrachtungen verdienen alle Aufmerksamkeit des Lesers. A. d. Ue.

|126|

Wir haben den obenerwähnten Versuch mit Lakmuß angestellt, und gefunden, daß frisch bereitete gute Rindsuppe das Lakmußpapier nicht blau färbt. Hr. d'Arcet täuschte sich; entweder war das Fleisch oder die Suppe nicht frisch. Es ist übrigens einer jeden Hausfrau und leider auch vielen Kranken nur zu bekannte Sache, daß sehr gute Fleischbrühe im Sommer vom Mittage bis Abends, oder, wo des Abends für Kranke frisch gekocht wird, über Nacht sauer wird, und solche sauere Suppe ist eben so ekelhaft als ungesund, vorzüglich für Kranke. Da nun selbst gute Fleischbrühe ehe sauer wird, als sie in Fäulniß übergeht, d.h. wie der Hr. Verf. sagt, alkalisch reagirt, so wird dieß bei der Leimsuppe derselbe Fall seyn, und die von ihm vorgeschlagenen Säuren als Zusäze zu derselben werden, wenn sie auch das Faulen der Leimsuppe weiter hinausrüken, doch die natürliche widerliche Säure durch die künstliche nur noch vermehren. Ueberdieß werden die Milchsäure, die Weinsteinsäure, der saure phosphorsaure Kalk bei Kranken leicht einen Durchfall erregen, der höchst nachtheilig werden kann. Vor dem Gebrauche der Holzsäure, die zuweilen mit Blausäure verunreinigt ist, müssen wir Gesunde wie Kranke warnen. A. d. Ue

|127|

Man sieht hier, daß der große Chemiker d'Arcet selbst nach und nach auf unsere kleinen Bemerkungen, mit welchen wir uns erlaubten unsere früheren Uebersezungen seiner Aufsäze über Knochenleimsuppe zu begleiten, zurükkommt. Wir wissen, daß viele fromme Menschenfreunde, die ihren Nächsten lieber mit Knochen und Erdäpfeln, Statt mit Fleisch und Brot genährt wissen möchten, über unsere groben Wahrheiten ihre feine Nase rümpften. Wir werden aber immer und jedem dasjenige laut und deutlich sagen, was wir für Wahrheit halten. „Vitam impendere vero!“ A. d. Ue.

|128|

Man findet hier in einer Note ein Verzeichniß der Fabrikanten, die solche Apparate liefern. Der nächste an Deutschland, an der Mosel, ist Hr. Grouvelle zu Metz. A. d. Ue.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: