Titel: Cavallier's Knetemaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. XLVII. (S. 166–189)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037047

XLVII.  Ueber Cavallier's, Frère et Comp., Knetemaschine.135)

Aus dem Register of Arts, Junius 1830, S. 17. und aus den Annales de l'Industrie, 1830 N. III. S. 177. aus dem Register und aus den Annales N. IV. Auch über die Knetemaschine der Gebrüder Gui. Aus dem Bulletin d. Scienc. technol. Mars. S. 275.

Mit Abbildung auf Tab. III.

Das Register of Arts erwähnt a. a. O. eines französischen Patentes, welches Hr. Cavallier und Comp. sich auf seine Maschine geben ließ; eines englischen, das Hr. Poole, als Agent desselben, auf diese Maschine nahm,136) und noch einer besonderen Broschüre über diese Maschine, die die Patent-Träger austheilen, die aber sehr unverständlich abgefaßt seyn soll. Auch weicht die dieser Broschüre beigegebene Abbildung von dem Modelle ab, welches der Patent-Träger im National-Repository aufgestellt hat. Das Register hielt es daher für geeignet, eine Zeichnung nach dem Modelle zu liefern, welches im National-Repository aufgestellt ist, und diese Zeichnung mittelst folgender Beschreibung zu erklären, die wir hier wörtlich liefern.

aaaa, Fig. 5., ist ein starker hölzerner beinahe vierekiger Trog, der sich nach unten zu etwas verschmälert und einen gekrümmten oder halbwalzenförmigen Boden hat. Der untere Theil dieses Troges ist mit Eisenblech ausgefüttert, wie man an bb sieht, und der Länge |167| nach durch eine senkrechte Scheidewand, o, getheilt. Der untere Theil dieser Scheidewand, d, läuft in einen spizigen Winkel zu, und ist mit Eisenblech beschlagen, damit er einen Krazer auf der Oberfläche des hohlen Cylinders aus Gußeisen, e, bildet, der sich unter demselben bewegt. Die Achse des Cylinders, e, welche an einer Seite durch den Trog läuft, führt ein Zahnrad, f, welches von einem Triebstoke, g, in Bewegung gesezt wird, der von einer Kurbel, h, getrieben wird. Bei ii sind die sogenannten „Säke oder Size (der Erfinder), die sich nach abwärts erstreken, so daß sie den senkrechten Ausschnitt oder Falz, der zur Aufnahme derselben an jedem Ende des Troges angebracht ist, schließen.“ „Diese Stüke“ sagen sie „führen zwei Baken an ihrer inneren Seite, durch welche der Krazer seitwärts gehalten wird.“

„Die Lager der Zahnräder, f und g, befinden sich in einer aufrechten Stange an jedem Ende des Troges, und sind mittelst derselben mit der senkrechten Scheidewand, cd, verbunden, so daß, wenn es nöthig wird, den Raum zwischen der Walze und dem gekrümmten Boden des Troges, wo der Teig gebildet wird, zu vergrößern, die Griffe kk zweier Hebel der zweiten Classe gehoben werden. Da diese Hebel in der Nahe der Stüzpunkte, wovon man einen bei I sieht, mit den oben erwähnten senkrechten Stangen verbunden sind, so heben sie zugleich die Walze, den Krazer und das Räderwerk in jede Höhe, welche durch die Ausschnitte, mm, möglich wird, durch welche die Hebel laufen, und in welchen sie mittelst der Bolzenstifte, n, die durch die Löcher, welche durch die Hebel und durch die Wände der Ausschnitte aus Gußeisen laufen, befestigt werden. Um den Krazer, cd, nach der Walze, e, zu stellen, werden Schrauben gewöhnlicher Art hierzu verwendet: diese Schrauben haben kugelförmige Köpfe, durch welche ein Loch, o, läuft, in welches man einen Schlüssel stekt, so daß, wenn man den Kopf der Schraube dadurch dreht, der Krazer in jede beliebige Entfernung parallel mit dem Cylinder gestellt werden kann. Dieser ganze Apparat steht auf starken hölzernen Füßen mit Querbalken, wie die Figur zeigt.“

Das Register theilt nun, theils im Auszuge, theils in Extenso, das Verfahren ans oben erwähnter Broschüre mit, nach welchem mit dieser Maschine der Teig zum Brote bereitet wird.

„Es ist einerlei, ob man nach französischer Art Sauerteig oder nach englischer Hefen zu dem Teige nimmt, welcher mit dieser Maschine geknetet werden soll. Die erforderliche Menge Mehles, Hefen und Wassers, und was die Baker sonst zum Brote brauchen, wird in dem Troge gehörig mittelst der Krüke, p, unter einander gemengt. Das Kneten fängt damit an, daß man obiges Gemenge durch das Drehen der Kurbel unter dem Cylinder durchtreibt. Nachdem aller Teig aus |168| einem Fache in das andere hinüber getrieben wurde, wird die Kurbel in entgegengesezter Richtung gedreht, wodurch der Teig wieder in das vorige Fach zurükgetrieben wird. Auf diese Weise wird der Teig durch Wechslung der Richtung, in welcher der Cylinder gedreht wird, aus einem Fache oder aus einer Abtheilung in die andere getrieben werden, bis der ganze Teig gehörig durchgeknetet ist.“ 137)

„Ehe man den Cylinder dreht, muß er mittelst der Hebel, kk, in seine höchste Lage gehoben, und, so wie die Arbeit nach und nach fortschreitet, von einem Loche zu dem anderen herabgelassen, und mittelst des Stiftes, n, darin befestigt werden, bis man endlich zum untersten Loche mit demselben herabkommt, wo der Zwischenraum zwischen dem Cylinder und dem ausgehöhlten Troge des Bodens sehr eng ist, also der Teig schon ziemlich nachgiebig seyn muß, um durch denselben ohne großen Gewaltaufwand durchgetrieben werden zu können.“

„Wenn“ heißt es in der Broschüre „der Teig bei den ersten Umdrehungen der Walze zu weich ist, so sezt man so viel Mehl zu, daß man in der Folge keines mehr zuzusezen braucht. Man darf sich jedoch nicht zu viel auf das erste Ansehen verlassen, indem der Teig später fester wird, als man Anfangs hätte erwarten sollen.“ 138)

„Die Menge Mehles muß mit aller möglichen Genauigkeit berechnet werden: ehe zu wenig als zu viel ist indessen weit rathsamer, da man leichter Mehl als Wasser nachschütten kann.“

„Das Mehl muß mittelst kleiner Brettchen nachgestreut werden, so daß es zu beiden Seiten der Maschine eine ebene Fläche bildet. Die Patent-Träger liefern diese Brettchen, so wie den Handkrazer, q, und ein biegsames Messer, r.“

„Das Nezen“ heißt es in der Broschüre „geschieht mittelst eines Pinsels, mit welchem der Teig mit Wasser übersprizt wird; während des Sprizens muß die Walze zugleich gedreht werden, damit man immer eine neue Oberfläche des Teiges erhält, und dieser überall gleich naß wird. Um den Teig aus dem Troge zu nehmen, darf derselbe nur von dem Cylinder abgenommen werden, indem er auf demselben in großen Stüken gegen den Krazer kommt. Jedes Stük kommt hierauf in einen gemeinschaftlichen Korb, aus welchem es genommen wird, um Leibe daraus zu bilden. Dieser Korb ist aber nur |169| dort nöthig, wo die Maschine nicht in dem Bakhause selbst aufgestellt ist, und das Brot nicht alsogleich abgewogen werden kann. Wo lezteres geschehen kann, läßt man den Teig in jenem Fache, in welches ihn die lezte Umdrehung des Cylinders gebracht hat, und nimmt ihn aus demselben zum Abwägen nach und nach heraus: eine Arbeit, die auf dem Dekel des Troges selbst geschehen kann“ (welchen, sagt Hr. Hebert sehr aufrichtig, wir in der Zeichnung aus Versehen weggelassen haben). „Es läßt sich leicht begreifen, daß, wenn nur für Einen Einschuß in den Ofen Teig geknetet werden soll, oder daß, wenn für jeden Einschuß, wie es in einigen Ländern Sitte ist, ein eigener Sauerteig angerührt wird, es nicht nöthig ist, den Sauerteig aufzubewahren, der nicht verbraucht wurde.139) Man muß ferner bemerken, daß der Baker, der nur einiger Maßen sein Mehl und das Brot kennt, das er aus demselben zu baten wünscht, durch das bloße Ansehen des Teiges leicht die Zahl der Umdrehungen bestimmen kann, die zur Erhaltung eines günstigen Resultates von Seite der Walze nothwendig sind.140) Es verdient kaum bemerkt zu werden, daß gegen das Ende eines jeden Knetens, d.h., wenn die eine Seite des Troges auf dem Punkte ist, leer zu werden, es immer nöthig ist, den an der Scheidewand hängenden Teig mit dem Handkrazer ein Mal abzukrazen, und ihn zugleich mit jenem, was an dem Boden unter der Walze während der Umdrehungen hängen bleibt, wieder unter die Walze zu werfen, während diese sich dreht.“ 141)

„Das Wasser muß etwas wärmer als gewöhnlich angewendet werden, damit die Temperatur der Walze erhöht wird, indem diese ein guter Wärmeleiter ist, und sich folglich leicht in Gleichgewicht mit der umgehenden Luft stellt. Des Winters ist diese Vorsicht unerläßlich. Wenn, unerachtet des Rathes, lieber eine zu kleine Menge Mehles, |170| als eine zu große nach dem Anmachen des Teiges zuzusezen,142) der Teig dennoch zu fest werden sollte, so muß Wasser mit einer Bürste zugesprizt werden, wie bereits bemerkt wurde. Was das Uebrige betrifft, nämlich den Grad der Gährung, die Zeit, welche der Teig zu dem sogenannten Aufgehen braucht etc., so kann alles dieses auf irgend eine Weise, welche Ortsverhältniß oder Gutdünken nothwendig macht, eingeleitet werden.“ 143)

„Man darf jedoch nicht vergessen, daß dieser Petrisseur d.h. diese Knetemaschine, das Mehl besser und gleichförmiger mengt, und jedes Theilchen desselben in unmittelbare Berührung mit dem Wasser bringt. Das Mehl saugt also nicht bloß alles Wasser ein, welches dasselbe im Stande ist zu verschlingen, sondern nimmt selbst noch mehr auf, als man mit der Hand demselben nicht beizubringen vermag.144) Hiernach kann der Baker leicht bestimmen, wie viel er zusezen muß und darf.“

„Mit Einem Worte, das Kneten des Teiges mit der gegenwärtigen Maschine ist von dem gewöhnlichen Kneten in Nichts verschieden, als daß es ein vollkommneres Kneten ist.“ 145)

„Denn, Statt daß hier das Mehl mit dem unsicheren und ungleich wirkenden Arme des Mannes gemengt wird, wirkt die gleichförmig drükende Walze ununterbrochen auf dasselbe.“

Sehr naiv ist das Ende. „Es ist nun der Urtheilskraft eines jeden Bakers überlassen, ob er von den vielen Vortheilen, die sich mittelst einer so einfachen und zugleich sinnreichen (?146) Maschine erhalten lassen, Gebrauch machen will. Denn es muß jedem einleuchten, daß dieser Mechanismus alles gewahrt, was zu einem „(schlechten |171| Nudel-)“ Teige gehört: Erneuerung der Oberflächen, Einwirkung der Luft, gleichförmige Vertheilung aller Theilchen etc. etc.“

Nicht so naiv, sondern Marktschreiereien ähnlich ist der Anfang, den wir hier (wie man sagt) zu guter Lezt geben wollen:

„Da jedem menschlichen Wesen, mittelbar oder unmittelbar, an der Erzeugung eines guten, wohlfeilen und vorzüglich reinlichen Brotes gelegen seyn muß, so bedarf es keiner Entschuldigung, wenn man dem englischen Publikum Mittel an die Hand gibt, zu einem so seltenen und wünschenswerthen Gegenstande zu gelangen. Die wahrhaft barbarische und ekelhafte Weise, Brot mit nakten Händen und Armen,147) zuweilen sogar mit den Füßen,148) zu kneten, war nur zu lang schon unter den gesitteten Völkern noch immer Sitte. Den Franzosen verdankt die Menschheit die Erfindung eines Desideratums in der Hauswirthschaft, nämlich die Knetemaschine (le Petrisseur) den mechanischen Brotbereiter.149) Die Anwendung dieser sinnreichen und schäzbaren Verbesserung der Bäkerkunst, welche der Hände der Menschen entbehren |172| lehrt, wird ohne Zweifel in England bald allgemein werden, wo alles Nüzliche, auch wenn es fremd ist, alsogleich und gehörig gewürdigt wird.“ 150)

In den Annales de l'Industrie befindet sich a. a. O. ein Bericht einer Commission der Société Centrale d'Agriculture du Depart. de la Seine inférieure über die Knetemaschine der HHrn. Cavallier, Frère et Comp. Die Commission bestand aus Hrn. Girardin, als Bericht-Erstatter, aus dem Präsidenten der Société Hrn. Dubuc, aus Hrn. Le Pasquier, aus dem M. Dr. Pouchet, und sogar aus einem Abbe, F. F. Gossier, Chanoine honoraire. Es ist dem Berichte eine Zeichnung beigefügt, es ist aber keine ausführliche Beschreibung dieses Pétrisseur mécanique gegeben, indessen kommen jedoch einige Notizen in demselben vor, welche theils beachtet, theils beleuchtet werden müssen. Der Cylinder dieser Maschine, mit welcher die unten folgenden Versuche angestellt wurden, war 1,66 Meter151) lang, und hielt 0,23 Meter im Durchmesser. Andere Dimensionen der Theile der Maschine sind nicht angegeben.

Es heißt hier: „der Teig wird nicht bloß gewalgt (laminé), sondern beständig um sich aufgewunden (enroulé), und daß zwar in entgegengesezter Richtung, so oft die Walze in entgegengesezter Richtung gedreht wird. Diese Bemerkung ist wichtig, denn mittelst dieses beständigen Aufrollens nimmt der Teig die Luft auf.“ 152)

Die Commission beschreibt die Weise, nach welcher unter ihren Augen mit dieser Maschine gearbeitet wurde, wie folgt:

„Nachdem der Cylinder auf seinen niedrigsten Punkt herabgelassen wurde, vertheilt man den gegohrenen Sauerteig (levain à tout point) in beide Fächer der Maschine, und goß lauwarmes Wasser auf denselben. Ein Arbeiter mengte den Sauerteig mit dem Wasser mittelst einer eisernen Krüke, und nachdem diese Mischung gehörig geschehen war, trug man mittelst Brettchen die gehörige Menge Mehles |173| so in den Trog ein, daß dieses zu beiden Seiten gleich hoch auf dem Sauerteige stand, und vollkommen eben war. Der Cylinder wurde auf seinen höchsten Punkt gehoben, und ein anderer Arbeiter fing an die Kurbel zu treiben, wodurch die ganze Masse unter dem Cylinder durchging, und sich in einer der beiden Abtheilungen des Troges sammelte. Die Kurbel wurde hierauf in entgegengesezter Richtung gedreht, brachte die Masse zum zweiten Male unter dem Cylinder durch, und trieb sie in die vorige Abtheilung der Maschine zurük, die sie verließ. Diese erste Arbeit ist nun das, was die (französischen) Bäker le frasage nennen, und deren Zwek die erste Mischung des Sauerteiges mit dem Wasser und mit dem Mehle ist. Nun wird, Falls man den Teig zu weich finden sollte, das übrige Mehl zugesezt. Nachdem das Mischen gehörig geschehen ist, läßt man den Cylinder um Einen Grad herab, und den Teig zwei Mal unter demselben durchlaufen, d.h., abwechselnd aus einem Fache in das andere. Der Cylinder wurde nun auf den lezten Punkt herabgelassen, und von diesem Augenblike an gab man der Masse eine Bewegung hin und her, bis man glaubte, daß sie hinlänglich geknetet war. Um sie bis auf diesen Punkt zu bringen, braucht man fünf vollkommne Umdrehungen.153) Der Arbeiter, der die Kurbel drehte, gab dem Flugrade154) eine Geschwindigkeit von 50 Umdrehungen in Einer Minute; diese Geschwindigkeit war für den Arbeiter ermüdend, und sie ließ nach, so wie die Arbeit sich ihrem Ende nahte.“ 155)

„Man muß bemerken, daß während des Walgens (Strekens, laminage 156), (ich bediene mich absichtlich dieses Ausdrukes, indem sie dem Geiste ein vollkommenes Bild von der Weise gewährt, wie hier die innige Mischung des Wassers mit dem Mehle geschieht), man muß bemerken, sage ich, daß während des Walgens der Arbeiter, welcher die Mischung zu besorgen hatte, immer beschäftigt war, den Teig von den Wänden der Maschine abzukrazen, und mittelst einer Krüke (coupepâte) denjenigen unter den Cylinder zu bringen, der am Boden der Maschine hängen blieb.157) Derselbe Arbeiter nimmt den Teig aus der Maschine, |174| wenn das Kneten fertig ist, so wie er sich in ungeheueren Würsten gegen den Krazer oder Streicher anlegt. Man legt ihn dann auf das Brett (en fontaine) und läßt ihn eine halbe Stunde lang vor dem Einschießen anziehen.“

„Dieß ist nun die ganze Arbeit, die dieser mechanische Kneter (Pétrisseur mécanique) vollbringt. Mit einem Sak Mehl ward sie in unserer Gegenwart in 30 Minuten fertig, mit Inbegriff aller Vorarbeiten vom Abdeken des Sauerteiges angefangen.“

„Der Teig war, als er aus der Maschine kam, vollkommen gleichförmig, von ziemlich fester Consistenz, sehr dehnbar, und hatte keine Klümpchen (marrons) in seinem Inneren, d.h., es fand sich nirgendwo das Mehl in Mehlklümpchen bei einander, wie dieß bei dem Kneten mit der Hand so oft der Fall ist. Die Baker, die bei dem Versuche gegenwärtig waren, erklärten diesen Teig für guten Teig.“

Am folgenden Tage erhielt jedes Mitglied einen Leib Brot von zwei Pfunden. „Dieses Brot hatte einen gleichförmigen sehr löcherigen Teig. Die Löcher oder Zellen waren im Ganzen genommen kleiner, als an dem gewöhnlichen Brote, aber alle beinahe von gleichem Durchmesser, folglich mehr gleichförmig. Man bemerkte keine Mehlklümpchen in demselben. Es schmekte so gut, wie das beste Baker-Brot. Es war zwar weniger weiß, dieß hing aber von dem Mehle ab.158) Es schien uns weniger schnell hart zu werden, als das gewöhnliche Brot. Alle, die es kosteten, fanden es sehr schmakhaft, und konnten es von ihrem gewöhnlichen Brote nicht unterscheiden.159) Es hatte die Consistenz eines Brotes aus festem Teige, so wie man es zu Rouen ißt. Bei einem früheren Versuche hat man mit dieser Knetemaschine noch festeres Brot verfertigt, und bei einem dritten Brot für das Militär. Man kann also mit derselben Brot von jedem verlangten Grade von Festigkeit liefern, und eben so gut auch das leichteste: die Maschine taugt für jede Art von Bäkerei.“

„Man hat seit Kurzem eine Menge von Maschinen zum Kneten des Teiges, in der Absicht das Kneten zu erleichtern und reinlicher zu machen, auf die Bahn gebracht. Eine der ersten und bekanntesten ist jene des Hrn. Lagorseix (Petrin mécanique de Lagorseix.) Viele Bäker bedienen sich derselben bereits täglich. Die Commissäre glaubten sie sorgfältig prüfen und mit jener der HHrn. Cavallier vergleichen |175| zu müssen. – An der Knetemaschine des Hrn. Lagorseix kommt die Mischung, die den Teig bilden soll, in einen gewöhnlichen Trog, und wird in demselben in allen Richtungen von eisernen und verzinnten Reifen aufgerührt, welche schief auf einer Achse von demselben Metalle aufgezogeu sind, die mittelst eines weit zusammengesezteren Räderwerkes, als jenes an Cavallier's Maschine, in Umtrieb gesezt wird. Die Arbeit geschieht schnell, indem ein Sak Mehl in 15 bis 18 Minuten zu Bakerteig verarbeitet wird, und der Arbeiter, der das Räderwerk treibt, weniger bei dem Treiben desselben müde wird.160) Der in derselben geknetete Teig ist in jeder Hinsicht gut, so wie das aus demselben bereitete Brot, welches durchaus eben so schmekt, wie jenes aus der Maschine des Hrn. Cavallier; es ist eben so löcherig, die Löcher sind aber nicht so gleichförmig. Diesen kleinen Unterschied abgerechnet ist es unmöglich irgend einen anderen aufzufinden, und Nichts spricht für die eine Maschine mehr, als für die andere.“

„Wenn aber auch die Products gleich sind, so sind es nicht die Vorzüge in Hinsicht auf Bau, Festigkeit und Leichtigkeit der Reinigung. Lagorseix's Maschine ist weit mehr zusammengesezt, und geräth folglich weit leichter in Unordnung. Man braucht bei beiden Maschinen zwei Arbeiter, den einen zum Treiben des Räderwerkes, den anderen zum Mischen und zur Aufsicht bei dem Kneten selbst. Aber selbst wenn mit großen Maschinen gearbeitet wird, kann der Arbeiter an der Kurbel noch, wie oben bemerkt wurde, den Teig besorgen. Cavallier's Maschine ist hingegen so einfach, von so geringem Umfange, so leicht von einem Orte auf den anderen zu bringen, daß sie in dieser Hinsicht vor jener Lagorseix's voraus ist. Man sollte beim ersten Anblike glauben, daß leztere sich ihrer Wirkung nach mehr dem Kneten mit der Hand nähert, weil der Teig nach allen Richtungen in die Höhe gearbeitet wird, und folglich einer größeren Menge Luft ausgesezt ist, die einen mehr aufgegangenen, weißeren Teig, also ein leichteres und schmakhafteres Brot geben sollte: die Resultate der Erfahrung bestätigen aber diese theoretische Ansicht nicht; denn der Teig und das Brot fällt in beiden gleich aus. Der einzige wirkliche Vortheil bei Lagorseix's Maschine ist also bloß dieser, daß sie schneller arbeitet, ein Vortheil, der an und für sich nicht sehr wichtig ist, und durch die Nachtheile einer geringeren Festigkeit, einer minderen Tragbarkeit aufgewogen wird. In dieser Hinsicht zieht die Commission Cavallier's Maschine vor, und |176| glaubt, daß die Bäker bei dieser sich besser stehen würden, als bei jener des Hrn. Lagorseix.“

„Indessen ist sie der Meinung, daß auch Cavallier's Maschine noch mancher Verbesserung fähig ist. So ließe sich sehr leicht ein ganz einfacher Mechanismus am Räderwerke anbringen, mittelst dessen dasselbe gar keines Menschenarmes bedürfen würde. Ja es könnte das ganze Räderwerk wegbleiben, und die Kurbel unmittelbar an dem Cylinder angebracht werden, wie dieß bei einer Menge ähnlicher Maschinen der Fall ist, und es wäre um so mehr nöthig irgend eine andere Triebkraft Statt des Menschenarmes zu gebrauchen, als diese Maschinen, so wie sie jezt sind, einen großen Kraftaufwand fordern, um einige Zeit über gedreht zu werden, vorzüglich gegen das Ende der Arbeit, wo der Teig eine ziemlich große Zähigkeit erhält. Ein Pferd könnte auf ein Mal vier bis fünf große Knetemaschinen treiben, welche dann von einem einzigen Arbeiter besorgt werden können.161) Eine zweite Verbesserung, durch welche noch viel an Menschenhänden erspart würde, wäre das Anbringen von Krazern oder Streichern längs den Wänden des Troges, welche zugleich durch denselben Mechanismus in Thätigkeit gesezt werden könnten, der den Cylinder dreht. Diese Krazer würden den Teig ununterbrochen und regelmäßig unter den Cylinder bringen, und besser arbeiten, als der Mann mit seiner Krüke. Der Mann könnte sich unterdessen mit irgend etwas anderem beschäftigen, z.B. den Ofen Herrichten, so daß dann ein einzelner Arbeiter den Teig und den Ofen zugleich besorgen könnte: allein, durch diese Vorrichtungen würde das Verdienst der höchsten Einfachheit geopfert, welche diese Maschine so sehr empfiehlt. Die Platten aus Eisenblech, mit welchen der Boden des Troges gefüttert ist, könnten füglich wegbleiben, indem sie nicht bloß ganz überflüssig sind, sondern auch durch die Nothwendigkeit, sie rein zu halten, mehr Mühe machen. Wir wissen, daß Hr. Chevallier diese Idee ausführen wird.162) Noch eine leztere Verbesserung wäre diese, die man übrigens als bloßes Opfer für die Theorie betrachten |177| könnte. Man bemerkt während des Knetens, daß der Teig, der unter dem Cylinder durch muß, wo er einen sehr starken Druk erleidet, sich in sehr dünne Blätter rollt, welche sich gegen den Krazer anlegen und auf einander legen, wie Blätter in einem Buche, das man mit der Hand zusammenrollen wurde. Wenn der Teig dann in Folge der entgegengesezten Drehung neuerdings unter der Walze zurükläuft, um in das andere Fach des Troges zurükzukommen, so folgen diese Blätter einander in derselben Ordnung, in welcher sie bei dem ersten Durchgange sich bildeten, so daß sie sich so zu sagen gar nicht unter einander verbinden, was nachtheilig ist. Man könnte sie, um der Masse mehr Gleichartigkeit zu geben, und die Lage dieser Blätter zu wechseln, mittelst einer Krüke brechen, und sie auf das Innigste unter einander mengen, so wie sie in die Fächer eintreten. Es läßt sich einsehen, wie senkrechte Stängelchen aus Holz oder Eisen in verschiedenen Höhen über dem Krazer diesen Dienst sehr gut versehen, und dadurch einen Mann ersparen könnten. Dadurch würde aber die Maschine wieder mehr eomplicirt, und da der Teig, so wie er war, ohne alle diese Stängelchen, selbst nach dem Ausspruche der Bäker, gut war, so sind sie überflüssig.

Die Commission glaubt daher diesen einfachen Kneter allen Bäkern nicht dringend genug empfehlen zu können, indem man denselben in jeder Größe verfertigen, und eben so gut 10 als 1500 Pfd. Teig damit durchkneten kann. Man wird diese Maschine selbst auf Schiffen und in Lagern mitführen können.“

„Man wirft den Knetemaschinen zwei Fehler vor, die beim ersten Anblike wichtig zu seyn scheinen, bei strengerer Prüfung aber bald verschwinden. Man behauptet, daß Brot, welches mit diesen Maschinen verfertigt wurde, mehr Wasser hält, als das gewöhnliche Bäker-Brot, folglich, bei gleichem Gewichte, weniger nahrhaft ist; ferner, daß es nicht die Leichtigkeit des Baker-Brotes besizen kann, indem während des Knetens nicht so viel Luft mit demselben sich verkörpert,163) und auch nicht so gleichförmig in dasselbe gelangt. Wir Wollen nun diese Einwürfe prüfen.“

„Reines Starkmehl mit Kleber verbunden, wie dieß bei dem Weizenmehle der Fall ist, kann nicht einen für unsere Organisation geeigneten Nahrungsstoff darbieten.164) Es handelt sich vorzüglich darum, mit Bestimmtheit zu wissen, wie viel man Wasser zum Brote |178| nehmen muß, um demselben die möglich größte Nahrhaftigkeit zu geben. Unglüklicher Weise ward diese Frage noch nie mit der gehörigen Sorgfalt geprüft. Nach Parmentier verschlingt das Mehl gewöhnlich zwei Drittel seines Gewichtes Wasser, um mit demselben einen guten Teig zu bilden. Wenn wir dieses Verhältniß, wie zwei zu drei, als Verhältniß für das beste Brot annehmen, was sehr wahrscheinlich zu seyn scheint; so fragt es sich, ob dasselbe auch in der Praxis wirklich befolgt wird. Die Baker nehmen gewöhnlich fünfzig bis zwei und fünfzig per Cent Wasser, woraus erhellt, daß das Brot in diesem Falle noch nicht alles das Wasser aufgenommen hat, welches dasselbe ohne allen Nachtheil aufnehmen könnte. Wenn man nun, durch vollkommneres Kneten, machen kann, daß das Mehl zwei Drittel seines Gewichtes an Wasser aufnimmt, was mittelst der Knetemaschine geschehen muß, indem durch den beständigen Druk, den der Teig von allen Seiten erleidet, das Wasser und das Mehl innig mit einander gemischt wird, so ist es offenbar, daß der daraus hervorgehende Teig bei gleichem Gewichte ein leichter zu verdauendes und nahrhafteres Brot gewähren muß, als das gewöhnliche, bei welchem die Bestandtheile desselben nur grob gemengt sind.165) Das mit der Maschine geknetete Brot kann also mehr Wasser enthalten, als das |179| Bäker-Brot, ohne deßwegen weniger gut und vortheilhaft zu seyn. (?) Wenn der Geschmak der Consumenten ein weniger wässigeres Brot vorzieht, so wird man auch leicht in der Maschine nur 50 bis 52 p. Cent Wasser dem Mehle zusezen können, indem man mit der Maschine so weich und so fest kneten kann, als man will.“

„Hr. Dubuc, eines der Mitglieder der Commission, hat sich durch mehrere sehr genaue Versuche überzeugt, daß Bäker-Brot oder Hausbrot, auf die gewöhnliche Weise zubereitet, zwischen 7 1/2 und 8 Loth Wasser auf das Pfund enthält. Die einfache Verfahrungsweise, mittelst welcher er zu diesem Resultate gelangte, und deren jeder bei ähnlichen Versuchen sich bedienen kann, ist folgende. Man nimmt ein halbes Pfund (16 Loth) von dem Brote, welches man versuchen will (zwölf Stunden, nachdem es aus dem Bakofen kam), schneidet es in dünne Schnitten, und sezt es einer Hize von 60° Réaumür aus: eine stärkere Hize würde das Brot rösten, und könnte das Resultat unsicher machen. Wenn das Brot auf diese Weise vollkommen troken geworden ist, was man leicht daran erkennt, daß es sich zwischen den Fingern zu einem feinen Staube zerreiben läßt, wägt man dasselbe, und erhält auf diese Weise durch Vergleichung des Gewichtes des Brotes vor und nach dem Dörren die Menge Wassers, welche dem Brote bloß auf mechanische Weise beigemengt war. Man kann diesen Versuch auf jeder Ofenplatte und auf jedem Herde anstellen. Man kann nun auf diese Weise leicht einen vergleichenden Versuch zwischen Hausbrot und zwischen Brot, das mit der Maschine geknetet wurde, anstellen.“ (Unsere Leser werden mit uns bedauern, daß die Commission diesen Versuch nicht selbst anstellte: er wäre von der höchsten Wichtigkeit gewesen.)

„Was den zweiten Einwurf betrifft, so fragt es sich, ob es durchaus nothwendig ist, daß Luft durch das Kneten in den Teig kommen muß, welcher zu Brot verwendet werden soll? Dieser Punkt wird noch sehr bestritten, und viele ausgezeichnete Chemiker sind weit entfernt, diese Bedingung als unerläßlich zu einem guten Brote zu betrachten. Der Bäker braucht nur sogenannte Augen (Löcher, Zellen) in seinem Brote, und dazu reicht der Sauerteig, mit Mehl gemengt, allein hin, sobald gehörige Wärme und ein gewisser Grad von Feuchtigkeit auf den Teig einwirkt. (?) Die Währung, welche hierdurch in der Masse entsteht, erzeugt eine große Menge kohlensauren Gases und alkoholischer Dämpfe, welche, in der Masse des Teiges, in Folge der von dem Kleber abhängenden Zähigkeit desselben, zurükgehalten, die zahllose Menge von Zellen bilden, die man in dem Brote wahrnimmt. Die Luft, welche durch das Kneten auf eine mechanische Weise in das Brot gebracht wird, kann also nur die oben angegebene |180| Wirkung noch vermehren. So viel ist gewiß, daß das mittelst der Maschine geknetete Brot in Hinsicht auf Leichtigkeit von dem mit der Hand, oder mit Lagorseix's Maschine, gekneteten Brote in nichts verschieden ist. Und weiß man nicht, daß die Pasteten-Väter ihren Teig bloß mittelst eines Walgers kneten; daß ihre Arbeit also jener der Maschine des Hrn. Cavallier durchaus ähnlich, und ihr blätteriges Bakwerk doch sicher leichter ist als Baker-Brot?166) Ueberdieß ist es nicht wahr, daß die Knetemaschine den Teig, welcher beständig unter der Walze durchläuft, weniger mit der Luft in Berührung bringt. Wenn man den Gang der Arbeit bei dem Kneten in der Maschine genau und aufmerksam beobachtet, so wird man bald sehen, daß jede Platte Teiges von einer Luftschichte umhüllt ist; denn man hört von Zeit zu Zeit, so wie die Platten durch ihr Uebereinanderliegen zusammengedrükt werden, die Luft zwischen denselben mit einer gewissen Kraft pfeifen, indem sie nur mit Mühe aus denselben entweichen kann. Die Vorwürfe, die man den Knetemaschinen in dieser und in der ersteren Hinsicht gemacht hat, sind also nicht gegründet und werden durch die Erfahrung widerlegt.“ 167)

„Wenn neue Erfindungen bei uns ohne Widerstand von denjenigen angenommen würden, welche am meisten dabei interessirt sind; so würden wir nicht langer bei den Vortheilen der Knetemaschine verweilen. Unglüklicher Weise vermag aber Vorurtheil und Schlendrian über die meisten Menschen mehr, als der gesunde Menschenverstand, und es ist Pflicht der gelehrten (Corporationen, diese gefährlichen Feinde jedes Besseren und jeder Vervollkommnung auf das Aeußerste zu bekämpfen, und alle Mittel anzuwenden, um den blinden Glauben dieser guten Leute, die nicht Muth genug besizen ihr Gewohnheitsjoch freiwillig abzuschütteln, etwas aufzuklären.168) Daher findet die |181| Commission es nöthig, am Ende dieses Berichtes noch alle Nachtheile des gewöhnlichen Knetens aufzuzählen.“

Die Commission ergießt sich zuerst in einer langen Predigt über die Unreinlichkeit des gewöhnlichen Knetens, die wir schon so oft hören mußten. Sie bemerkt, daß, wenn auch Hände und Füße des knetenden Bakers rein sind, „er doch während der Arbeit schwizen kann, und daß schon die bloße Idee, daß Schweiß in den Teig fallen kann, Ekel erregen muß.“ Wir erlauben uns die Bemerkung, daß der Ixion am Rade, der Arbeiter der die Walze an der Knetemaschine drehen muß, die nach dem eigenen Geständnisse der Commission sehr schwer zu drehen ist, bei seiner Arbeit auch nicht abgekühlt wird; daß er schwizen wird, und daß folglich Schweißtropfen von seiner Stirne so gut in den Trog fallen können, als von der Stirne des knetenden Bakers auf den Knetetisch. Die Commission sagt: „der Baker kann Kräze, Hautkrankheiten aller Art an seinen Händen haben.“ Kräze und Hautkrankheiten an den Händen ist bei Bäkern ein seltenes Uebel, indem jeder Bäker sich sehr oft waschen muß, und Leute, die ihre Hände sehr oft des Tages waschen, selten die Kräze bekommen. Wir erlauben uns ferner die strengen Puritaner noch zu fragen: ob sie bei dem Formen des Teiges zum Leibe auch Maschinen haben, oder ob nicht hier am Ende der Teig dennoch mit der Hand berührt, mit der Hand geformt werden muß; mit der abscheulichen Hand, die fünf Finger hat, wie die Hand eines Affen, und wie die Vorderfüße eines Krokodiles und die Hinterfüße eines Laubfrosches sie haben?

Die Commission bemerkt, daß bei den Knetemaschinen weniger Mehlstaub in die Luft steigt; daß also die armen Bäker bei dem Gebrauche derselben dem Husten, der Engbrüstigkeit, der Lungensucht weniger bloßgestellt sind, als bei dem gewöhnlichen Kneten; daß diese Krankheiten eine Menge Bäker vor der Zeit dahin raffen, und nur die stärksten Menschen die strenge Arbeit des Knetens eine kurze Zeit über auszuhalten vermögen; daß das Anstrengen der Brustmuskel und der Lungen bei dem Kneten mit den Armen eine Hauptursache der vielen Lungensuchten unter den Bäkern ist; daß sogar Aneurysmen des Herzens dadurch entstehen. Allerdings ist es sehr wahr, daß durch das Kutten mit den Armen viele Brustkrankheiten entstehen, und daß, in dieser Hinsicht allein schon, die Knetemaschine alle Rüksicht verdiente, selbst wenn sie theuerer zu stehen käme, als dieß nicht der Fall ist; daß sie eine wahre Wohlthat wäre, wenn sie den Menschenarm ersezen könnte. Indessen ist das Kneten und der Mehlstaub, den jeder Meister, in dessen Bakstube viel gearbeitet wird, fern zu halten sucht und fern zu halten weiß, nicht die einzige Ursache der |182| vielen Brustkrankheiten der Bäker, und vorzüglich der bei denselben so häufigen Lungensucht. Es kommt ein guter Theil der Todesopfer dieser Classe arbeitender Bürger auch auf Rechnung der Hize des Bakofens, und der schnell wechselnden Temperatur von dieser Hize bis zu jener unter dem Frierpunkte im Winter; auf Rechnung ihrer ehemaligen schlechten Bekleidung, die den Körper, bei diesem Wechsel der Temperatur, fast halbnakt ließ; auf Rechnung der schweren Lasten an Mehl und Brot, die diese Leute tragen müssen; auf Rechnung der schlechten Luft um das neugebakene Brot; diese nachteiligen Einflüsse auf die Gesundheit der armen Bäker lassen sich durch die Knetemaschine allein nicht beseitigen, welche von Menschenhand getrieben, übrigens auch nichts weniger als ein sogenannter Brustthee ist.

„Noch eine lezte Betrachtung, welche die Aufmerksamkeit der Bakermeister vorzüglich in Anspruch nehmen muß, und welche auch mehr auf sie wirken wird, als Alles, was wir über die nachtheiligen Einflüsse des Knetens auf die Gesundheit angeführt haben, ist die Rüksicht auf die Ersparung, welche bei Knetemaschinen Statt hat. Die Erfahrung hat gelehrt, daß dort, wo mit der Hand geknetet wird, bei jedem Sake zwei Pfund Mehl verloren gehen: ein Verlust, welchen der Baker, der in einer trokenen und warmen Luft sein Mehl mischen muß, der immer mehr oder weniger dasselbe in Bewegung erhalten muß, nicht in seiner Gewalt hat. Mehl liegt in der Bakerstube auf allen nahen oder fernen Gegenständen mehr oder minder. Hierzu kommt noch der Verlust an Teig, sey es nun aus Mangel an Aufmerksamkeit, oder aus was immer für einer anderen Ursache, so daß man immer 2 Kilogramm (4 Pfd.) Verlust auf den Sak Mehl rechnen kann; ein ungeheuerer Verlust,169) welcher sich stets wieder erneuert, und den der Baker einzig und allein zu tragen hat. Man darf nicht sagen, daß diese Angaben nicht genau, oder von unserer Seite übertrieben waren; wir haben sie aus dem Munde eines Bäkers, der schon vor einiger Zeit das gewöhnliche Kneten aufgab, und sich der Knetemaschine des Hrn. Lasgorseix bedient.“ 170)

„Diese Betrachtungen sind von der höchsten Wichtigkeit, und die Commission glaubte dieselben ausführlich erläutern zu müssen. Sie |183| erwartet, indem sie dem Publicum dieselben mittheilt, die glüklichsten Resultate, nämlich den Sieg über den Widerwillen, welchen die gesammte Masse der Baker gegen diese Knetemaschine äußert. Das Publicum wird die Bäker zwingen das Brot auf eine Weise zu bereuen, nach welcher es wohlfeiler, besser, reinlicher und schneller bereitet werden kann. 171)

Die Commission bedauert, nicht alle nöthigen Elemente zu Gebote gehabt zu haben, nm eine der wichtigsten Fragen für die Baker gehörig lösen zu können, nämlich, wie viel diese Maschinen beim ersten Ankaufe kosten. Die Commission liefert die Preise nach dem Prospectus, welche die HHrn. Lasgorseix und Cavallier für ihre Knetemaschinen Herausgaben.

Die Knetemaschinen des Hrn. Lasgorseix (Petrins mécaniques à la Lasgorseix) kosten

Franken.
für 900 bis 1000 Pfd. Teig sammt Sauerteig, bei 13 1/2 Fuß Länge 2000
800 – 900 12 1/2 – – 1750
700 – 800 11 1/2 – – 1500
600 – 700 10 1/2 – – 1350
500 – 600 9 1/2 – – 1200
400 – 450 8 1/2 – – 1000
300 – 350 7 1/2 – – 800
200 – 250 6 – – 600
50 – 120 4 1/2 – – 500

Die Knetemaschinen der HHrn. Cavallier, Frère et Comp. kosten für

1000 Pfd. Teig 1800 Franken
800 1500 –
600 1200 –
150 500 –172)
|184|

„Eine Knetemaschine des Hrn. Cavallier von 2 1/2 Fuß Breite, 1 1/2 Fuß Tieft, und 6 Fuß Länge reicht für 600 Pfo. Teig hin; nimmt also weit weniger Raum ein, als die Maschine des Hrn. Lasgorseix.“

„Man hätte die Knetmaschine schon vor vielen Jahren einführen können, indem Hr. Lambert, Baker zu Paris, der Société d'Encouragement daselbst schon im J. 1810 eine Maschine zum Kneten vorlegte, welche den von der Gesellschaft ausgeschriebenen Preis erhielt. Versuche, die man mit dieser Maschine zu Paris, Reuen, Lyon und zu Amiens anstellte, bewiesen die Vortheile, welche die Bäkerkunst durch diese eben so einfache als sinnreiche Maschine erhalten könnte: allein, die Klagen und selbst die Drohungen der Väterjungen nöthigten die Bäker, diese Maschine wieder aufzugeben.173) Wir |185| hoffen, daß diese guten Leute sich heute zu Tage nicht mehr der Einführung der Knetemaschinen widersezen werden, und daß Aufmerksamkeit auf ihre Gesundheit ihnen die Augen über ihre Vorurtheile öffnen wird.“

Die Annales de l'Industrie, Nov. 1829., p. 477, und aus diesen der Bulletin des Sciences technol., Mars, S. 273. führen noch eine Knetemaschine (Pétrin mécanique) auf, die wir hier in extenso beschreiben wollen, denn wir sehen nicht ein, worin sie von jener des Hrn. Cavallier verschieden ist, und wie, da Cavallier ein Patent auf seine Maschine nahm, diese neueste Knetemaschine ohne Eingriff in Patent – Rechte geduldet werden kann.

Knetemaschine der Brüder Gui. (Pétrin mécanique des fréres Gui.)

„Die Knetemaschine der Brüder Gui besteht aus einem festen gezimmerten Troge, der halb walzenförmig ist, und so viel Mehl faßt, als man Brot baken will. Eine liegende eiserne Walze von ungefähr 8 Zoll im Durchmesser läuft mit ihren Zapfen in zwei Lagern an den Seitenenden des Troges, welche parallel mit derselben |186| laufen. Diese Walze ist cylindrisch und in geringer Entfernung von dem Boden des Troges befestigt.174) Die Lager ruhen an den beiden Enden des Troges auf Schraubennieten (Schraubenmüttern) und Schraubenspindeln, welche auf die Achse der Walze senkrecht stehen, so daß man diese nach Belieben dem Boden des Troges nähern kann, wenn man leichteres Brot bereiten und die Theile inniger mit einander mengen will. Ein Brett oder eine senkrechte Scheidewand ist über der Walze befestigt, und läuft der ganzen Länge nach über dieselbe hin, indem es unmittelbar dieselbe an ihrer Oberfläche berührt. Auf diese Weise theilt demnach die Walze und die Scheidewand den Hohlraum des Troges in zwei der Länge nach hinlaufende Kammern oder Fächer, zwischen welchen keine andere Verbindung, als diejenige. Statt hat, welche der kleine Raum unter der Walze offen läßt. Die Erfinder haben bemerkt, daß der Teig unter den Oberflächen, welche ihn drüken, durchschlüpft „(fürwahr eine wichtige Bewertung, diese neu ist, als der Nudelwalger alt ist!)“ und daß folglich, wenn man die Walze dreht, der Teig gegen den Boden des Troges gedrükt, und nach der zur Seite stehenden Kammer hinüber gezogen wird. Die senkrechte Scheidewand hindert, daß der Teig nicht über der Walze in diese Kammer gelangt.

Man läßt nun die Walze von einem Manne mittelst einer Kurbel und eines Räderwerkes treiben, welches die Triebkraft verstärkt, während die Umdrehung der Walze dadurch zugleich langsamer gemacht wird. Das Mehl wird in eines der beiden Fächer gebracht, und in demselben nur ganz obenhin mit der erforderlichen Menge Sauerteiges und Wassers gemengt. Dieses Mischen geschieht mittelst einer Klaue mit einem hölzernen Stiele: denn man rührt die Masse nicht mit den Händen „(!)“ unter einander. Während nun die Walze umgetrieben wird, hindert man mittelst des Krazers oder Streicheisens das Ankleben des Teiges an den Wänden der Maschine. Der Teig wird, durch sein Ankleben an der Walze, nach und nach gänzlich in das andere Fach übertragen; man schafft ihn aus demselben in das vorige Fach zurük, indem man die Walze in entgegengesezter Richtung dreht, und fährt so fort, bis Alles gehörig gemengt ist. 25 Minuten reichen hin, um 600 Pfd. Teig zu kneten.175) Hierauf theilt man die Masse in Leibe, und wiegt sie.“

|187|

„Wenn man weniger Mehl zu verarbeiten hat, als der Trog fassen könnte, so verkleinert man den Hohlraum desselben dadurch, daß man eine Querscheidewand aus zwei senkrechten Brettern anbringt. Diese Bretter sind nach dem Durchschnitte des Troges zugeschnitten und nach dem Durchschnitte des Cylinders, so daß sie genau an die Wände anschließen, und dem Teige den Durchgang versperren.176) Diese Bretter werden hier, ich weiß nicht aus welchem Grunde, Quellen, fontaines, genannt.177) Eine Knetemaschine von dieser Art gibt, wenn sie 2 1/2 Fuß breit, 1 1/9 Fuß tief, 6 Fuß lang ist, 600 Pfd. Teig, oder verarbeitet anderthalb Sak (un sac et demi) Mehl von 325 Pfd.“ 178)

„Dieser Apparat ist sehr gut ausgedacht, ist aber noch einer Verbesserung fähig. Man muß suchen die Klaue, den Krazer oder Streicher, und das abwechselnde Drehen der Walze in entgegengesezter Richtung zu vermeiden; übrigens ist die Anwendung desselben so leicht, daß man erwarten darf von ihr alle Vorurtheile gegen Knetemaschinen und den alten Schlendrian besiegt zu sehen. Gewiß wird man in Bälde das Kneten mit der Hand gänzlich aufgeben und Knetemaschinen in allen Bäkereien finden. Das Publicum, das Ekel an dem gewöhnlichen Kneten gefaßt hat,179) wird kein Brot mehr essen, das auf die alte gewöhnliche Weise gebaken wurde. Die Maschine des Hrn. Gui ist zu einfach und zu bequem, als daß sie nicht allen übrigen vorgezogen werden sollte. 180)

|188|

Erklärung der Abbildung der Knetemaschine der HHrn.

Cavallier, Frère et Comp., rue Caumartin, N. 7 zu Paris, in den Annales de l'Industrie. N. IV.

AA, Fig. 1 bis 4. Trog aus Eichenholz, der Form nach einem gewöhnlichen Baktroge ziemlich ähnlich, am Boden rundlich ausgehöhlt, und mit Blech ausgekleidet.

B, hohler Cylinder aus Gußeisen. Seine zwei Achsen, bb, aus geschlagenem Eisen liegen in Lagern, C, und folgen den Bewegungen, welche man veranläßt, um den Cylinder zu heben oder zu senken.

CC, Lager. Sie verlängern sich nach aufwärts, so daß sie die senkrechte Vertiefung schließen, welche an jedem Ende des Troges zur Aufnahme derselben angebracht ist. Diese Stüke sind innen mit zwei Baken versehen, welche den Krazer oder Streicher seitwärts befestigen.

D, Streicher oder Krazer, bestehend aus einem starken Brette aus Eichenholz, welches sich an seinem unteren Theile in einen spizigen Winkel verdünnt, und daselbst mit Eisen beschlagen ist.

EE, männliche Schraube, deren Stützpunkt in C ist, und mittelst welcher der Abstand des Streichers vom Cylinder genau regulirt werden kann.

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F, Niet der Schrauben EE.

G, Knopf. Er dient als Gegenniet, und umfaßt das Stük Eisen H.

H, flaches Stük Eisen, welches an dem oberen Theile des Krazers befestigt ist.

H, Hebel, mittelst welcher man die Entfernung des Troges von dem unteren Rande des Umfanges der Walze bestimmt, um dadurch der Teigplatte, welche darunter oder zwischen beiden durchläuft, die beliebige Dike zu geben.

J, Auge des Hebels, in welches der Vorsprung, K, eingreift.

L, Ende des Hebels.

M, Stift mit einem Kopfe, mittelst dessen man das Ende des Hebels auf der gehörigen Höhe befestigt.

N, Zahnrad, am Ende der Achse des Cylinders befestigt.

O, Triebstok, welcher dem Rade und dem Cylinder die Bewegung mittheilt.

P, runde Stange, auf einem Stüke Gußeisen, welche dem Flugrade als Achse dient.

Q, Flugrad, an welchem auf einer Seite der Triebstok, an der anderen die Kurbel angebracht ist.

K, die Kurbel.

S, Dekel, welcher den Trog bedekt.

Wir haben schon so oft von Knetemaschinen in diesen Blattern gesprochen, und im 2ten Aprilhefte l. J. S. 111. die Ansicht eines erfahrnen, angesehenen und seiner Zeit zu Wien rühmlich bekannt gewesenen Bakermeisters mitgetheilt. Wir sind vollkommen überzeugt, daß die Ansichten dieses Meisters in feiner Kunst aus dem Leben, aus der Erfahrung aufgegriffen und wahr und richtig sind, wir sind überzeugt, daß, wenn eine Maschine die Hand des Menschen bei dem Kneten des Teiges zum Brote ersezen könnte, die Bäkermeister, denen ihre Leute in der Bäkerstube keine geringe Summe kosten, längst diese Maschine eingeführt haben würden, wenn sie wahre Vortheile bei derselben gesehen hätten; denn kein Bakermeister ist so arm, daß er sich nicht eine solche einfache Maschine beilegen könnte, die ihm kaum mehr als den halben Jahreslohn eines Bäkerjungen kostet. Während wir aber, bei unserer hohen Werthschäzung aller Maschinen, wodurch Menschenhände erspart und Menschen wieder in ihren wahren Menschenwerth eingesezt werden können, als Gegner der Knetemaschinen aufzutreten uns gezwungen glauben, halten wir es auch für unsere Pflicht, die Ansichten unserer Gegner treu darzustellen, damit wir einen so wichtigen Gegenstand nicht einseitig und parteiisch zu behandeln scheinen. In jeder Streitsache muß das audiatur et altera pars gelten, ehe der Handel entschieden werden kann. Wir haben daher auch die Notiz in den Annales de l'Industrie über Cavallier's Knetemaschine mit jener des Register's verbunden. A. d. Ue.

|166|

Wir haben bereits von diesem Patente Nachricht gegeben. A. d. Ue.

|168|

Es ist offenbar, daß der Teig hier auf diese Weise bloß gewalgt, aber nicht geknetet wird. A. d. Ue.

|168|

Der Nachtheil hiervon bei dieser, wie bei jeder anderen Knetemaschine ist offenbar. Der Teig ist hier dem Auge und der fühlenden Hand des Kneters entzogen. Die Maschine weiß nicht, ob zu wenig oder zu viel Wasser im Teige ist, sie fühlt nicht, wie viel das Mehl anzieh: denn nicht jedes Mehl zieht gleich stark an. Alles dieß fühlt aber die Hand des Bäkers mit Einem Griffe.

A. d. Ue.

|169|

Wir begreifen dieß nicht so leicht; die Dunkelheit in diesem Ausdenke ist zu groß, als daß wir die Wahrheit ertappen, viel weniger zu G sichte bekommen könnten. A. d. Ue.

|169|

Dieß ist zu viel gefordert von dem größten Virtuosen in der Bakerkunst. Es gibt Falle, in welchen der Baker durch das bloße Ansehen des Teiges sagen kann, und mit Bestimmtheit sagen wird, daß er schlecht ist. Es gibt aber Falle, in welchen auch der erfahrenste Bäker seinen eigenen Augen, dem „bloßen Ansehen“ nicht trauen wird, und unwillkürlich mit seiner Hand in den Teig fahren wird, um, wie einst Thomas, mit seinen Fingern zu sehen, ob das, was er zu sehen glaubt, wirklich so ist, wie er es zu sehen glaubte. Wenn es indessen auch möglich wäre die Güte des Teiges durch das bloße Ansehen zu erkennen, so müßte der Baker vorläufig erst feine Maschine kennen, wenn er hiernach die Zahl der Umdrehungen des Cylinders bestimmen, oder jene aus dieser herleiten wollte, und diese Knetemaschine würde wie ein Billiard, auf welchem man erst dann gut spielt, wann man es kennt. Jeder neue Bakerjunge und jede neue Knetemaschine wurde schlechtes Brot geben. A. d. Ue.

|169|

Es ist offenbar, daß auf diese Weise in dem Teige und in dem Brote sogenannte Bazen (flache Klose) entstehen müssen. A. d. Ue.

|170|

Die Absicht, warum Anfangs ehe weniger Mehl zum Teige genommen werden soll, ist wahrscheinlich diese, weil diese Maschine mehr ein Rührkübel als eine Knetemaschine ist. Man könnte, wenn sie wasserdicht wäre, vielleicht damit ehe Burter rühren, als einen gesunden, schmakhaften Brotteig fertigen. Der Baker, der Brot bakt, kann keinen Nudelwalger dazu brauchen, wohl aber der Pastetenbäker. A. d. Ue.

|170|

Dieses Uebrige und Grad der Gährung „Zeit“ etc. erinnert uns an die alten englischen Parliamentsacten de omnibus et quibusdam aliis,“ und an manche neue Schreiberausfertigungen über Alles, was zu vollziehen ist, und noch Einiges andere.“ A. d. Ue.

|170|

Wenn die Maschine dieß wirklich thut, so ist sie ein gefährlich s Werkzeug in der Bäkerstube; denn jeder Baker wünscht nichts sehnlicher, als nicht mehr Wasser in seinen Teig zu bringen, als zu einem guten Brote nöthig ist. Wehe dem Bäker, der zu viel Wasser in seinem Brote hat. A. d. Ue.

|170|

Mit diesem Einem Worte ist viel zu viel gesagt. Nicht bloß jeder Baker, sondern jede Hausfrau oder jede Tochter, die Brot baten kann, wird bei Ansicht dieses in einer Art von Uhrwerk aufgezogenen Nudelwalgers sagen, daß hier gewalgt, nicht geknetet wird, und daß der Teig selbst zu Nudeln, ehe geknetet werden muß, ehe er gewalgt werden kann. Ein Brot, wie eine Nudel, ist aber ein schlechtes Brot. A. d. Ue.

|170|

Ein Nudelwalger an einem Bratenwender angebracht, ist doch wahrhaftig kein feiner Wiz. A. d. Ue.

|171|

Zu viel Ziererei wird ekelhaft. Der unsterbliche Dechant von St. Patrick, Jonathan Swift, fand es der Mühe werth in sein Tagebuch zu schreiben: Wem nichts rein genug ist, der muß den Kopf voll Garstigkeiten haben;“ (A nice man is a man of nasty ideas), und man wird diese Bemerkung des alten Dechantes nur zu oft wahr finden. „Ziererei bringt um manchen guten Bissen“ sagte einst ein alter Offizier, der eben so gern geschnittene Nudeln in der Suppe aß, als Esau Linsen, und der zufällig diese Suppe an dem Tische des Uebersezers ganz nach seinem Geschmak fand. „Ich habe“ sagt' er, „seit Jahren keine so gute Nudelsuppe gegessen. Sie ist so, wie mir meine selige Frau sie machte, nachdem ich sie dieselbe vorher machen lehrte. Meine Frau war in einem sogenannten Institute erzogen, und kannte also von allem dem, was man in einem Hause braucht. Nichts. Ich bat sie um eine Nudelsuppe, meine Lieblingsspeise, gleich in den ersten Tagen nach der Hochzeit; die Suppe kam auf den Tisch; ich konnte keinen Löffel voll davon hinabwürgen; die Nudeln blieben mir an den Zähnen hängen und im Gaumen kleben. Ich bat für den nächsten Tag um dieselbe Suppe, und wurde wie Tags vorher bedient, und am dritten und vierten Tage erging es mir um nichts besser. Ich sah also, daß der Fehler in der Küche war, und meine Frau entschuldigte sich mit der Bemerkung: daß sie die Nudeln selbst bereitet und sich auf das sorgfältigste gehütet hat, den Teig ja mit keiner Hand zu berühren, daß sie bloß die Eier und etwas Wasser mit dem Mehle zu einem Teige gerührt, und dann den Teig mit dem Nudelwalger ausgewalgt habe: es ist keine Hand daran gekommen! fügte sie in ihrer Naivität bei. Ich bat sie, künftig ihre beiden Handchen zu brauchen, den Teig so lang auf dem Brette zu kneten, bis er in die Höhe springt, wenn sie ihn auf dem Brette niederwirft, und dann erst zu walgen (denn so hatte ich mir meine Suppe früher selbst bereitet): sie fand, daß ich Recht hatte, und daß das Walgen das Kneten nicht ersezt. A. d. Ue.

|171|

In einigen Militärbäkereien war und ist dieß zuweilen allerdings noch der Fall; allein die Füße der Kneter sind dann vielleicht reiner, als manche Hand, die die ganze Stadt küßt. Werden die Trauben, die Malvasier und Malaga und Madeira geben, nicht auch mit den Füßen ausgetreten? A. d. Ue.

|171|

Wir wissen, daß Kaiser Joseph schon die Knetemaschine versuchen ließ, und daß er und seine Feldbäker sie verwarfen, weil sie nicht schnell genug und nicht reinlich genug arbeitet, Insecten, Haare und Alles, was der Bäker aus dem Teige herausziehen kann, wenn er gut knetet, in demselben zurükläßt. So viel wir ferner wissen, wurde die Knetemaschine in neueren Zeiten zu Genf, nicht in Frankreich, wieder aus der alten Maschinenrumpelkammer hervorgezogen.

A. d. Ue.

|172|

Wir zweifeln indessen sehr, daß die Knetemaschinen, und besonders diese hier, in England Glük machen wird. Wenn der Engländer eine Knetemaschine macht, so wird er sie mit einigen Duzend excentrischer Scheiben und Muscheln ausstatten, aber keine concentrischen Bewegungen hierzu brauchen. Es verdient bemerkt zu werden, daß alle Maschinen, durch welche Menschenhand in irgend einer etwas zusammengesezteren Arbeit ersezt werden soll, nur durch Excentricität ihrer Bewegungen ihren Zwek erreichen können. Sonderbar, daß dasjenige, was man an Menschen so sehr fürchtet, in der Mechanik gerade dasjenige ist, was die Maschine dem Menschen so sehr ähnlich macht: Excentricität.

A. d. Ue.

|172|

Ein Meter ist etwas mehr als 3 alte Pariser Fuß. A. d. Ue.

|172|

Es ist nicht zu zweifeln, daß während des Knetens des Teiges Luft in den Teig kommt; es ist aber gewiß, daß weit mehr Luft durch das Kneten aus dem Teige fortgeschafft wird, wie die größere specifische Schwere des gekneteten Teiges zeigt. Der Zwek des Knetens ist also nicht Aufnahme der Luft.

A. d. Ue.

|173|

Dieß ist nicht recht deutlich. A. d. Ue.

|173|

Ein Flugrad war an der Maschine im Register nicht angebracht. Die Commission hätte bestimmen sollen, wie oft der Cylinder sich in Einer Minute drehte. A. d. Ue.

|173|

„Zu Rouen knetet man den Teig viel fester, als zu Paris, und dieser leistet dann einen größeren Widerstand. Um dem Arbeiter bei den lezten Drehungen die Mühe zu ersparen, darf man nur Statt des Triebstokes, der an dieser Maschine bei einem Versuche zu Rouen angebracht wurde, weniger Zahne geben, und man wird dann weniger Kraft anwenden dürfen.“ A. d. O. (Aber doch schlechter kneten.)

|173|

Die Commission gesteht also selbst, daß hier gewalgt, nicht geknetet wird. A. d. Ue.

|174|

„Ein zweiter Arbeiter, der den Teig abkrazt, ist nicht unumgänglich nothwendig. Der Arbeiter, der die Kurbel dreht, kann bei jeder Umdrehung die Kurbel verlassen, den anklebenden Teig von der Maschine abkrazen und dann wieder fortfahren zu drehen. Diese kurze Unterbrechung der Arbeit an der Kurbel verzögert dieselbe nur sehr wenig. A. d. O.

|174|

Sollte das Eisen gar keinen Einfluß auf Farbe und Geruch haben?

A. d. Ue.

|174|

Es mußten also alle ihr Brot früher von demselben Mehle gehabt haben, sonst wäre dieß unmöglich, wenn anders diese Personen einigen Geschmak hätten.

A. d. Ue.

|175|

Wir sehen nicht ein, wie die Commission hier noch ein Mal in einer Note wiederholen kann, „man dürfe nur, um den Arbeiter an der Kurbel zu schonen, einen Triebstok mit weniger Zahnen nehmen.“

A. d. Ue.

|176|

Es müßte aber dann ein sogenannter Wechsel angebracht werden, der das Drehen der Walze bald nach der einen, bald nach der anderen Seite möglich macht. Wenn die Knetemaschinen wirklich brauchbar wären, so würden sie in größeren Bäkereien wohl am besten durch eine Dampfmaschine getrieben werden können. Es wäre sehr zu wünschen, daß jeder Bäker, der ein etwas größeres Gewerbe hat, sich sein Mehl in seinem Hause selbst mahlte, und dadurch den zahllosen Betrügereien der Müller sich entzöge. Eine kleine Dampfmaschine, nur von der Kraft von 2–3 Pferden, würde dazu hinreichen, und der Dampfkessel könnte zugleich mit dem Feuer geheizt werden, das den Bäkerofen hizt. Durch eine eigene solche Dampfmühle bei Hause würde der Baker vielleicht mehr gewinnen, als durch diese Knetemaschinen. A. d. Ue.

|176|

An der englischen Maschine ist aber noch das Blech da. A. d. Ue.

|177|

Siehe unsere obige Bemerkung. A. d. Ue.

|177|

Dieß ist durchaus unrichtig. Wir können einen ziemlich starken und sehr gesunden Mann als Beispiel anführen, der, ehemals an sehr gute Kost gewöhnt, sich größten Theils von rohen Weizenkörnern nährt, die er auf seiner eigenen Mühle, (mit seinen Mahlzähnen) mahlt. A. d. Ue.

|178|

Auch dieß ist nicht ganz richtig, und es ist nur so viel gewiß, daß in einem Brote, zu dessen Teige mehr Wasser genommen wurde, mehr Wasser enthalten ist, daß, in dem lezteren Falle, bei dem Baken, wo das Wasser als heißer Dampf aus dem Teige gejagt wird, das Mehl mehr gedömpft, im Dampfe gesotten, als eigentlich gebaken wird; daß also die Frage hier, hinsichtlich des Brotes, dieselbe ist, die man beim Fleische so oft gestellt hat: ob das Fleisch in Wasser gedampft, (nicht ausgesotten), und mit seiner Sauce genossen, mehr nährt, als gebaken öder gebraten? Wenn man seinem gesunden Magen mehr trauen darf, als allen französischen Köchen und gelehrten Aerzten; so scheint jedes Nahrungsmittel desto mehr zu nähren und desto leichter verdaulich, je mehr es sich seinem natürlichen Zustande nähert. Fleisch, das so zu sagen bloß zugeritten ist, wie unter dem Sattel eines Tataren, das beinahe halbroh ist, nährt ungemein: man braucht sehr wenig davon um satt zu werden, und sich so gestärkt zu fühlen von dem Genüsse dieses Wenigen, wie es ein Tatar ist. Ein paar Hände voll Weizen, nach und nach klein zerkaut und mit dem Speichel gemengt, nähren sehr gut und kräftig. Das bekannte „natura paucis contenta“ können diejenigen nicht begreifen, quorum Deus venter est, und die nur leben um zu essen, nicht essen um zu leben. Wie immer in der Welt die Extreme sich einander nähern, so nähert sich die feinste Kochkunst darin wieder der Natur, daß sie dasjenige, was den Menschen nährt und stärkt, auf eine eben so kleine Masse zurükführt, als diejenige ist, in welcher die Natur es früher dem Menschen dargeboten hat. Einige Lothe Creatine, einige Unzen Consommé reichen hin, um einem Manne Manneskraft zu geben. Wehe dem, der die feinere Kochkunst nicht als die treue Nachbilderinn der Natur zu ehren versteht, und sich, wie die Natur es gebot, mit Wenigem begnügen lernte: er fällt aus der Hand der Köche in die Krallen der Aerzte, und die Lichtstrahlen, die er nur zu bald nicht mehr sehen wird, werden sich in derselben Farbe über seinem Grabe brechen, in welche man zu * * die ganze dortige medicinische Facultät gekleidet hat, in die Farbe des Grases, das den Grabhügel dekt. Wer so viel wässeriges Brot ißt, als er ehevor gutes Baker-Brot aß, dem wird bald vom. Brote geholfen seyn.

A. d. Ue.

|180|

Weiß man nicht, möchten wir fragen: daß ein Leib Rokenbrot keine Pastete ist, und daß die Pastete ihr blättriges Gefüge und ihre Leichtigkeit der Butter verdankt? Von der Pastete auf Rokenbrot schließen ist doch eben so viel, als von Seidenster auf Strohsakleinwand argumentiren. A. d. Ue.

|180|

Um zu entscheiden, ob durch das Kneten mehr Luft in den Teig oder mehr kohlensaures Gas und Alkoholdampf aus demselben herauskommt, hätte die Commission das Mehl, den Sauerteig und das Wasser vor dem Kneten und nach dem Kneten wägen sollen; das Gewicht würde dann entschieden haben. Daß gekneteter Teig eine größere specifische Schwere hat, als nicht gekneteter, ist offenbar. A. d. Ue.

|180|

Alles dieß ist, leider, in vielen Fallen nur zu wahr, in dem gegenwärtigen aber nichts weniger als ausgemacht. Bakermeister vom ersten Range, die ihre Kunst nicht bloß verstehen, sondern mächtig förderten, und die von keinem Vorurtheile geblendet sind, erklärten sich gegen diese Maschinen. Was gelehrte Corporationen betrifft, so hat die Geschichte nur zu deutlich erwiesen, daß diese Corporationen (nicht einzelne Gelehrte) Vorurtheile und Schlendrian und altes Herkommen mehr förderten als bekämpften, und den gesunden Menschenverstand mehr radebrachen, als aufrecht hielten. A. d. Ue.

|182|

Wir wollen zugeben, daß dieser Verlust in französischen Bäkereien Statt haben mag; in deutschen ist er, wo reinlich und ruhig gearbeitet wird, nicht so groß. Wir wollen aber fragen, ob bei dem Eintragen des Mehles in den Trog der Maschine, ob bei dem Mischen des Mehles kein Stauben Statt hat; ob nicht vom Teige am Troge und an der Walze hängen bleibt? A. d. Ue.

|182|

Wir haben hier zu bedauern, daß die Commission nicht die Menge des in ihrem Sake Mehl (sac de farine) enthaltenen Mehles dem Gewichte nach bestimmte. Man kann ihr nicht mit Sicherheit nachrechnen. Ist ihr Sac derselbe, dessen bei Gui's Maschine unten erwähnt wird? A. d. Ue.

|183|

Dieß wird das Publicum, wenn es klug ist, bleiben lassen. Es mag seyn, daß mancher Baker, der vorher wenig Absaz hatte, der Neuheit der Knetemaschine wegen, die er sich beigeschafft hat, mehr Absaz bekommt; wir wissen, daß der bloße Name des pain à la mécanique manchen Pariser verführte, eine halbe Stunde weit zu gehen, um sich eine Semmel á la mécanique zu kaufen, und das Wunderding zu kosten; wir wissen, daß diejenigen Baker, welche die ersten diese Mode mit machten, nicht wenig dabei gewonnen haben; wir wissen aber auch, daß diese guten Leute sehr bald wieder in das alte Geleise zurükkehrten, sobald zwei oder drei andere Baker, in ihrer Nachbarschaft, der Mode gleichfalls huldigten, d.h., sobald die Mode allgemein, das Brot nicht mehr neu, also auch nicht mehr besser war. A. d. Ue.

|183|

Man wird gestehen, daß diese Preise schöne Preise sind. Einen solchen Cavallier-Trog, wie ihn die Figur im Register darstellt, kann doch jeder billige Arbeiter um eben so viele Groschen liefern, als hier Franken gefordert sind. Man sieht hier, wohin das Privilegienmonopol führt. Wenn die Maschine wirklich so gut wäre, als es heißt, so müßte jeder Baker sie von dem Patent-Träger kaufen, und sie diesem neun Mal theurer bezahlen, als er dieselbe sich selbst bei irgend einem Tischler und Schlosser könnte machen lassen. Ist dieß, wir wollen nicht sagen recht, sondern auch nur billig? A. d. Ue.

|184|

Wir haben nachgewiesen, daß die Knetemaschine weit früher, schon in den goldenen Zeiten Josephs II., zu Wien bekannt war. Vielleicht ist sie weit älter, obschon die ganze Bäkerkunst nicht so alt ist, als man glauben sollte: Erst 580 Jahre nach Erbauung der Stadt Rom (172 Jahre vor Christus) hatte Rom Baker; ehevor waren die schönen Römerinnen die Bäkermeisterinnen daselbst: jede in ihrem Hause, (Pistores Romae non fuerunt ad persicum usque bellum, annis ab urbe conditâ super CLXXX. Ipsi panem faciebant Quirites, mulierumque id opus erat, sicut etiam nunc in plurimis gentium. Plin. hist. nat. 18. 11 c.) Und, was vielen noch unglaublicher scheinen wird, die Müller kamen erst nach den Bäkern. Die Bäker machten sich selbst ihr Mehl (Et panem facis, et facis farinam, sagte Martial, noch unter Domition von einem schlechten Advocaten, der ehevor Bäker war, und dann, um noch reicher zu werden, ein caussidicus wurde, und den Leuten Staub in die Augen warf); das Mehl wurde durch Stoßen in den Bäkereien (in pistrinis) bereitet; man hatte bloß Hand- und Esels-Mühlen bei Hause, und Wassermühlen waren noch zu Zeiten des Plinius nichts weniger, als allgemein: Major pars Italiae ruido utitur pilo, rotis etiam, quas aqua verset obiter, et molat sagt er Hist. nat. 18. c. 10. Erst bei Vitruvius finden wir die Beschreibung einer Wassermühle, die einige Aehnlichkeit mit unseren Mühlen hat, und Palladius empfiehlt das Wasser, das aus den Bädern abfließt, zum Treiben der Mühlen zu benüzen, um Thiere und Menschen zu schonen. „Si aquae copia est, fusuras balnearum debent pistrina suscipere, ut ibi formatis aquariis molis, sine animalium vel hominum labore, frumenta frangatur.“ Pallad. I. 32 (Wo ist heute zu Tage ein künstliches Bad in Europa, mit dessen Wasser man auch nur einen Schleifstein, viel weniger eine Mühle treiben könnte!). So unvollkommen die Mühlen bei den spätern Römern waren, so waren die Müller doch bald nach ihrer ersten Entstehung das, was sie heute zu Tage nur zu oft sind, dar Schreken aller Mahlgäste, und Gruterus hat uns noch die römische Inschrift auf einem alten Steine erhalten, auf welchem die Worte zu lesen sind: VT. OMNIVM. MOLENOINARIOR. FRAVDES AMPVTFNTVR (um allen Betrügereien der Müller ein Ende zu machen) Es ist nicht ganz gewiß, ob die Römer Windmühlen hatten: die versatiles molae Volsiniis inventae,“ von welchen Plinius spricht (36, 18) und die man für Windmühlen gelten lassen will, können wohl auch die gewöhnlichen Handmühlen gewesen seyn, denn die Römer nannten das Treiben ihrer Handmühlen: versare molam. Bielleicht steken die Windmühlen unter denjenigen, die Plinius noch für ein Wunder hielt, und von welcher et sagt: aliquas et sponte motas invenimus in prodigiis. Die Römer waren überhaupt seine großen Freunde von Mechanik, und beschränkten dieselbe fast einzig und allein auf Baukunst und Kriegskunst. Arglist, Betrug und Maschine ward bei ihnen mit einem und demselben Worte, machina bezeichnet, und Ränke schmieden, auf Betrug sinnen und eine Maschine |185| bauen hieß bei ihnen machinari so gut, wie bei den Griechen das μηχανῶμαι. Bei lezteren war sogar Kunst einerlei mit Betrug (τεχνη). Technologie ist bei den Franzosen „fausse science de mots, qui cache le sens des choses,“ und unser alte unsterbliche Vater Wernecke sang noch:

Technikus kann alle Sachen, Andre lehre, selber machen; Reiten kann er, Tanzen, Springen, Sägeseilen und auch Singen, – – – – – – – – – – Ernten, Säen, Egen, Pflügen, Und zulezt, erschreklich Lügen.“

Der reiche Prasser Seneca spricht mit Verachtung von Posidonius (an dessen Schriften wir mehr verloren haben, als wir an jenen Seneca's) nicht verloren hätten, wenn diese dafür zu Grunde gegangen wären), weil dieser behauptete, die nüzlichen Künste wären von weisen Männern erfunden und betrieben worden „(artes a sapientibus dixit inventas).“ „Menschen, sagt Seneca, haben sie erfunden, nicht Weise. Das ist die Sache der elendsten Sclaven. Die Weisheit steht höher; sie beschäftigt sich mit der Seele, nicht mit den Händen.“ „(Hominis, non sapientis inventa sunt. Vilissimorum mancipiorum ista commenta sunt. Sapientia altius sedet, nec manus edocet; animorum magistra est. Epist. 90.)“ Dieselbe Sprache hört man heute zu Tage noch auf den meisten Universitäten, und sie hallt aus den Büreaux mächtig wieder. Wie wollen aber fragen, ob Seneca, der bei seiner hohen Weisheit als zwanzigjähriger Erzieher und Freund Nero's Welt mit einem Nero, als Meisterstuk seiner Philosophie und Erziehungskunst, beschenkte, der Welt mehr nüzte, als die „elende Sclavenseele“ „(vilissimum mancipium),“ die sie Weden, Baken, Landwirtschaft treiben, Schiffen etc. lehrte? denn alle diese nüzlichen Künste nennt der weise der christliche, der so hoch gepriesene Seneca: „Sache der elendsten Sclaven (vilissimorum mancipiorum commenta).“ Seneca verdiente einen kleinen Aderlaß für eine solche Raserei: eine venaesectio Neroniana aber, dergleichen auch jezt wieder in jenen medicinischen Lehranstalten Sitte ist, wo die „Sapientia altins sedet,“ war zu stark. A. d. Ue.

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Vermuthlich wird sie hohl seyn, was nicht gesagt ist. A. d. Ue.

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Dieß wäre allerdings ein großer Gewinn an Zeit, wenn geknetet und nicht gewalgt würde; denn, wie wir im 2. April hefte unseres Journales S. 112 sahen, wird ein Mensch in eilf Minuten nicht leicht über 100 Pfd. Teig kneten; er würde also zum Kneten von 600 Pfd. wenigstens 66 Minuten oder beinahe 3 Mal so viel Zeit brauchen. Allein, jede auch nur mittelmäßige Köchinn weiß, daß Kneten langer hergeht, als Walgen. A. d. Ue.

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Wir sehen nicht ein, wie dem Teige hierdurch der Durchgang verschlossen werden kann, da der Cylinder sich drehen muß, folglich die Querscheidewand nicht überall dicht an dem Cylinder anliegen kann. Wenn aber ein kleiner Spielraum zwischen der Scheidewand und dem Cylinder übrig bleibt, wird der Teig durch denselben durchgepreßt werden, zum Theile aber auch den Spielraum verlegen. A. d. Ue.

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Wir vermuthen bloß, daß man sie deßwegen Quellen (fontaines) genannt hat, weil der Teig durchquillt. A. d. Ue.

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Der Text im Original ist etwas dunkel: es heißt un Sac et demi de farine de 325 livres; man weiß also nicht mit voller Gewißheit, ob der Sac 325 Pfd. hält, oder ob anderthalb Sak „un Sac et demi“ 325 Pfd. sind. Ersteres ist jedoch wahrscheinlicher, da sonst der Sak (Sac) auf 2/3 Pfd., (216 2/3 Pfd.) ausginge, was nicht wahrscheinlich ist. Ob der Sac der obigen Commission eben so weit war, wissen wir nicht, da die gelehrte Commission sich nicht in den Sak sehen ließ. A. d. Ue.

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Auch hier ist das Original dunkel: es heißt: le public, dégoûté du travail à bras Das kann nun heißen: „das Publicum, welches Ekel daran bekommen hat,“ oder, „das Publicum, welchem man Ekel gemacht hat;“ wir haben daher diese Stelle eben so zweideutig in der Uebersezung ausgedrükt, als sie im Originale da steht. A. d. Ue.

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Der einzige Unterschied, den unsere Leser zwischen dieser Knetemaschine und jener Cavallier's im Register finden werden, besteht 1) darin, daß diese Schrauben und jene Löcher zum höher und tiefer stellen der Walze hat: Wenn die Schrauben eine feinere Stellung, als die Löcher erlauben; so fragt es sich auf der anderen Seite: in wie fern die Schwierigkeiten der Schrauberei bei allen Maschinen, die durch zwei Schrauben horizontal gestellt werden sollen, hier beseitigt |188| werden können? 2) in der Querscheidewand? Reichen diese Abänderungen und Zusäze nun hin, um Hrn. Cavallier's Patent zu beeinträchtigen? Wohin führt das Patent-Wesen? Es kehrt in sich selbst zurük: ad absurdum et inhumanum

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Man verzeihe uns, daß wir so lang bei einem Gegenstande verweilen, der Manchem unbedeutend scheinen wird, der aber der Gegenstand des täglichen Gebetes eines jeden Christen ist: „das tägliche Brot.“ Die Bourboniden, nicht zufrieden das übrige Europa in der Quelle seines Lebens, in dem weiblichen Geschlechte, mit ihren Schnürleibern und Corsets (die eine der edelsten deutschen Frauen, so wahr und hübsch als sie selbst ist, Drachenflügel nannte) verkrüppelt und zum Siechlinge gemacht zu haben, kommen nun auch über die Männer, die ihnen noch zu fest zur Seite stehen, und wollen sie mit Leimsuppe Statt Fleischbrühe, mit Brot aus Erdäpfeln und Leim, Statt mit Brot aus gutem Roken- oder Weizenmehle füttern, und dieses Brot sollen sie nicht mehr kräftig und gut kneten, sondern walgen. Wenn der Bourbonide so entnervt wurde, daß sein Arm nicht mehr Teig kneten kann, so wird der deutsche Mann sich hüten, so tief zum Schwächlinge herabzusinken. Er wird sich weder sein gutes Brot noch sein Fleisch für Erdapfelbrot und Knochenleim von Pseudo-Philanthropen aus, dem Kopfe, und noch weniger aus dem Magen schwazen lassen, der bekanntlich keine Ohren hat.

HAEC. SVNT. VENTRI. STABILIMENTA: PANIS. ET. ASSA. BVBVLA; sagte einer der geistreichsten Männer des klassischen Allerthumes, den, obschon er ein blinder Heide war, der heilige Kirchenvater Hieronymus nie von seiner Seite kommen ließ, Accius Plautus in seinem Curcul. 2. 3. 88. Wer die Menschen um gutes Brot und gesundes Fleisch gelehrter oder finanzieller Grillen wegen bringen will, wird sie bald in Heuschreken verwandelt haben, die am Ende alles fressen, selbst die Meßkleider.

A. d. Ue.

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