Titel: Dubois, Verfahren den Weinen das Schmer zu nehmen.
Autor: Dubois, A.
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LV. (S. 202–203)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037055

LV. Ueber ein sehr einfaches und wohlfeiles Verfahren den Weinen das Schmer zu nehmen. Von A. Dubois, Apotheker zu Flêche, im Sarthe-Departement.

Aus dem Journal de Pharmacie. Julius. 1830. S. 420.

Da ich die nüzlichen Unternehmungen des Hrn. François, Apothekers zu Chalons sur Marne, über die Glaïadine in schmierigen Weinen im Journal d. Pharm. März 1830. (Polyt. Journ. 2. Maiheft, XXXVI. Bd. S. 289, vergl. auch Bd. XXXVII, S. 144.) prüfte, glaube ich noch ein einfacheres Mittel vorschlagen zu können, um die Wirkung der Glaiadine zu beseitigen, die ich für alkalisch halte.

Ohne von Hrn. François's Ideen etwas zu wissen, verfuhr ich nach ähnlicher Art, und gerieth nach mehreren mißlungenen Versuchen auf die Anwendung der grünen Früchte des zahmen Vogelbeerbaumes ( Sorbier domestique).187) Der herbe und trokene Geschmak der birnförmigen |203| Früchte dieses Baumes, selbst wenn sie reff sind, beurkundet die Gegenwart des Gerbestoffes in derselben. Die grünen Vogelbeeren zerstören die Ursache des Schmeres in den schmierig gewordenen Weinen ganz vortrefflich, und geben denselben jene Trokenheit wieder, die sie durch die Glaïadine verloren haben.

Die Gründlichkeit der Bemerkungen des Hrn. François über die Ursachen und die Vorbeugungsmittel dieser Krankheit im Weine, so wie über die Heilmittel derselben, macht, bei den unbestreitbaren Beweisen, die Hr. Francois für die Richtigkeit seiner Ansichten gegeben hat, jede weitere Erörterung über diesen Gegenstand von meiner Seite überflüssig, indem ich beinahe durchaus seiner Meinung bin.

Weise, wie man die grünen Früchte des zahmen Vogelbeerbaumes ( Sorbus domestica) anzuwenden hat, um dem Weine das Schmer zu benehmen.

Die Zeit, wo man die weißen Weine, die beinahe die einzigen sind, welche schmierig, rozig werden, oder Faden ziehen (filans werden, sagen die Franzosen) fällt mit derjenigen überein, in welcher der zahme Vogelbeerbaum (die zahme Eberesche, Sorbus domestique) Früchte bringt. Die Weine, welche schmierig geworden sind, könnten also auf folgende Weise behandelt werden.

Man nimmt auf ein Faß von 2 Hektoliter (142 1/2 Wiener Maß) drei bis vier Pfund dieser Früchte, ehe sie reif sind, je nachdem die Flüssigkeit mehr oder weniger Glaïadine enthält, stößt sie in einem Mörser, und gibt sie bei dem Spundloche hinein, rührt dann den Wein, wie bei dem gewöhnlichen Klären auf, und läßt ihn sich klären. Nach 15 Tagen, höchstens nach einem Monate, wird der Wein vollkommen klar seyn, und kann in Flaschen abgezogen werden, ohne daß es nöthig wäre ihn mit Hausenblase zu schönen.

Die Weine leiden durch diese Behandlung durchaus nicht, weder an Farbe, noch an Geruch, noch an Geschmak. Sie werden durch diese Behandlung, wie mittelst des Gerbestoffes, mehr mussirend (schäumend), und werden hierauf nie wieder schmierig.

Ich vermuthe, daß diese einfache und wohlfeile Methode jeder andern vorzuziehen ist. Ich habe Gelegenheit gefunden, dieselbe öfters anzuwenden, und immer mit dem besten Erfolge.

|202|

Es scheint Hrn. Dubois mit seinem Sorbier domestique ein gewaltiges Unglük begegnet zu seyn; er scheint den gemeinen Vogelbeerbaum (Sorbus Aucuparia) mit dem zahmen Vogelbeerbaume ( Sorbus domestica) verwechselt zu haben. Sein Sorbier domestique ist ganz offenbar unser gemeiner Vogelbeerbaum (Sorbus Aucuparia). So geht es, wenn man keine Botanik gelernt, oder sie schnell wieder vergessen hat. Es bringt der Société de Pharmacie wenig Ehre, daß sie die Lehren ihres unsterblichen Richard so schnell wieder vergessen hat, und solche Fehler nicht verbesserte. Die Vogelbeeren ( Sorbus Aucuparia) werden bekanntlich erst Anfangs Winters reif, die Früchte von Sorbus domestica hingegen, des zahmen Ebereschenbaumes oder Spierbaumes, dessen Früchte man Speierlinge, in Oesterreich Arschüzen nennt, reifen im September. Hr. Dubois scheint auf Gerathewohl Sorbus domestica durch Sorbier domestique übersezt und so einen doppelten Fehler begangen zu haben. Die französische botanische Sprache kennt keinen Sorbier domestique. Was bei den Botanikern aller Welttheile Sorbus domestica heißt, heißt bei den Franzosen Cormier (Desfont.Catal. du jardin d. Paris) oder Sorbier (Loisel. Fl. gall. und Balbis Fl. d. Lyon); Sorbus Aucuparia der Botaniker aller Welttheile ist aber bei den Franzosen Sorbier des oiseleurs, Desf. l. c., Sorbier des oiseux Lois. l. c., Allier Balbis l. c. A. d. Ue.

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