Titel: Richardson, über das Abwinden der Seidencocons.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LXII. (S. 251–257)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037062

LXII. Beschreibung eines Dampf-Filatoriums zum Abwinden der Seidencocons, errichtet zu Comercolly in Bengalen, von R. Richardson, Esqu., wohnhaft daselbst. Nach Zeichnungen von Capitän J. Somerville, Executions-Officier der öffentlichen Arbeiten.

Aus dem Mechanics's Magazine. N. 354. 22. Mai.

Mit Abbildungen auf Tab. V.206)

Das Insect, welches uns die Seide liefert, spinnt diesen kostbaren Stoff in einem Faden, welcher, wie die meisten Leser wissen werden, |252| in kleine Bällchen (Cocons, Cocoons) gewunden ist. Das Erste, was mit diesem Stoffe geschehen muß, wenn er zu unserem Bedarfe verarbeitet werden soll, ist, daß man diese Bällchen abwindet. Dieser Faden ist so fein, daß man aus einem einzigen Bällchen (Cocon), welches die Raupe spann, mehr als 30,000 engl. Fuß207) desselben ohne alles Abreißen abgewunden hat. Die mittlere Durchschnittslänge des Fadens, welchen die Cocons liefern, beträgt indessen nur 750 Yards (2250 engl. Fuß), und zuweilen nicht mehr, als 250 Yards (750 engl. Fuß). Der Faden, den die Raupe spann, kann, er mag nun feiner oder gröber seyn, so wie er ist, nicht verarbeitet werden.208) Man bringt die Faden mehrerer solcher Cocons an einander, und haspelt sie zugleich von denselben ab, so daß während dieses Abhaspelns oder Abwindens aus diesen mehreren Faden ein einziger starker und glatter Faden gesponnen wird. Ehe der Faden auf diese Weise von den Cocons abgewunden werden kann, müssen leztere auf kurze Zeit in heißes Wasser getaucht werden, damit man sie mittelst eines Rütchens (das gewöhnlich aus Reißstroh zusammengebunden wird) von den lokeren Faden befreien kann, in welche sie in ihrem rohen Zustande eingehüllt sind, und um den Gummi, von welchem sie durchdrungen sind, hinlänglich zu erweichen, um sie leicht von dem Cocon ablaufen zu machen. Ja die Cocons müssen sogar während des ganzen Abhaspelns in heißem Wasser bleiben, indem die Faden nothwendig während dieser Arbeit weich erhalten und gegen das Ankleben geschüzt werden |253| müssen.209) Eine mit Löchern versehene Stange wird quer über den oberen Theil des Bekens gelegt, in welchem das heiße Wasser enthalten ist; die Faden werden durch das eine, oder durch das andere dieser Löcher durchgezogen, und mittelst einer Schiene oder Leiste auf den Haspel und die mit demselben verbundene Spinnmaschine gebracht.210) Neben dem Beken mit dem heißen Wasser muß man auch noch ein anderes Beken mit kaltem Wasser bei der Hand haben, in welchem die Person, die das Abwinden besorgt, sich gelegentlich ihre Finger abkühlen kann, und wodurch auch die Temperatur der Stange mittelst Aufsprizens von kaltem Wasser vermindert werden kann, wenn die Stange zu heiß wird. Um einen guten Faden zu erhalten, müssen beide Extreme der Temperatur vermieden werden; wenn zu heiß gearbeitet wird, erhält der Faden keinen Körper und keinen Glanz, und wenn zu kalt gearbeitet wird, verbinden die Enden der Faden sich nicht gehörig, und der Faden wird zu rauh und ungleich. Um desto sicherer eine immer gleichförmige Temperatur des Wassers zu unterhalten, heizt man die Beken gewöhnlich mit Holzkohlen, wobei man auch den Rauch verhütet, der für die Farbe der Seide nachtheilig werden könnte.

Wir haben diese allgemeine Darstellung des gegenwärtig gewöhnlichen Verfahrens bei dem Abhaspeln der Seide von ihren Cocons vorausgeschikt, damit unsere Leser desto besser den Werth der neueren Verfahrungsmethode einsehen und würdigen können, die wir hier dem europäischen Publicum bekannt zu machen das Vergnügen haben. Sie ist das Werk des Hrn. Rob. Richardson, britischen Residenten zu Commercolly in Bengalen, welcher sie uns gütig mittheilte, und des Capit. Somerville vom 16ten Regimente: ein neuer Beweis der vielen Vortheile, welche Englands Fleiß und Geschiklichkeit der indischen Industrie gewährte.211)

Die uns eingesendeten Zeichnungen sind vollkommene Bauplane aller Theile eines Filatoriums (filature, wie Factoreien dieser Art in Indien heißen), dergleichen eines unter Hrn. Richardson's Leitung |254| in Commercolly errichtet wurde, und wo Dampf Statt alles anderen Heizmaterials zur Erwärmung des Wassers in den Beken zum Abwinden der Cocons gebraucht wird. Wir theilen hier nur so viel von diesen Plänen mit, als zur Erklärung der Einrichtung des Filatoriums zu Commercolly nothwendig ist. Sollte Jemand ein Dampf-Filatorium ähnlicher Art anzulegen und weitere Belehrung wünschen, so werden wit ihm mit Vergnügen Copien dieser Pläne mittheilen.

Erklärung der Figuren.212)

A, Grundriß, Fig. 9., zeigt die kalten und warmen Wasserbeken, sammt dem Apparate, welcher den Dampf in seiner Vollendung liefert.

B, der Dampfapparat, mit der Hauptdampfröhre und ihren Nebenröhren, abgedekt.

C, das Mauerwerk, vollendet und hergerichtet zur Herbeiführung des kalten Wassers und zur Aufnahme des Dampfapparates.

N. B. Es sind hier überall nur zwei oder drei Paar Beken angezeigt. Im Filatorium selbst aber heizt jeder Dampfkessel 100 Beken.

D, Siz des Kessels, Richtung der Züge etc. Die Ofenthüre ist eine eiserne Platte, mit feuerfestem Thone bekleidet.

E, der Schornstein, der 40 Fuß hoch über den Boden des Kessels aufgeführt ist.

F, eine Röhre mit einem Auslaßhahne aus dem Kessel, zur Reinigung desselben so oft es nothwendig ist.

Die punktirten Linien zeigen die Richtung, in welcher die Hauptröhre des Apparates für das kalte Wasser mit ihren Nebenröhren unter dem Ziegelpflaster des Bodens und des Apparatmauerwerkes gelegt ist.

G, eine Cisterne, welche mittelst einer Nebenröhre des Apparates für das kalte Wasser stets mit kaltem Wasser gefüllt wird, und aus welcher mittelst eines selbsttätigen Apparates das Wasser in eine größere Cisterne, H, hinaufgepumpt wird, welche den Kessel mit Wasser versieht.

I, Fig. 8. ist ein Durchschnitt des Apparatmauerwerkes für den Dampfapparat allein.

K, ein Durchschnitt für den Apparat für das kalte Wasser allein.

|255|

NN, Abzugscanäle für das schmuzige Wasser.

Fig. 10. ist ein Durchschnitt des Kessels durch die Linie AB des Planes Fig. 11.

Fig. 12. ist ein Durchschnitt und Fig. 13. ein Grundriß eines Dampfbekens.

Fig. 14. ist eine Kugelklappe zur Regulirung des Zuflusses des Wassers aus der Cisterne G, und Fig. 15. ein Durchschnitt derselben.

Fig. 16. ist ein Grundriß des Behälters des kalten Wassers, und Fig. 17. ein Durchschnitt desselben nach der Linie AB..

Was die weitere Erklärung dieser verschiedenen Figuren betrifft und den Zwek derselben, so bitten wir unsere Leser auf folgendes Schreiben des Hrn. Zornlin zu London verweisen zu dürfen, welchem Hrn. Richardson's Pläne gleichfalls mitgetheilt wurden, und der, so viel wir wissen, durch seine praktischen Kenntnisse in der Seidenmanufaktur ganz geeignet ist über den Werth derselben zu urtheilen. Nach unserer unmaßgeblichen Meinung sind die Vorrichtungen in diesem Dampf-Filatorium sehr sinnreich ausgedacht und gut berechnet. Hrn. Zornlin spricht von „einer kleinen Abänderung,“ durch welche Brennmaterial erspart werden könnte, „und von einer kleinen Zugabe, wodurch dieser Apparat auch zu einer anderen Abart tauglich würde, welche mit dem Abwinden der Seide innigst verbunden ist.“ 213) Es würde uns sehr angenehm seyn, wenn Hr. Zornlin uns für unsere Blätter „seine kleine Abänderung“ und seine „kleine Zugabe“ etwas umständlicher entwikeln wollte, damit seine Verbesserungen eben so weit in der Welt herum kommen könnten, als dieser Apparat selbst. Unseren zahlreichen Lesern in den Vereinigten Staaten214) N. Amerika's, wo die Seidenzucht in den lezteren Jahren ein Lieblingsgegenstand geworden ist, und wo das Klima dieselbe so sehr begünstigt, würde die Erläuterung, um welche wir Hrn. Zornlin ersuchten, sehr angenehm seyn.

Der Redacteur des Mechanics' Magazine hat obigem Aufsaze folgendes Schreiben des Hrn. J. J. Zornlin jun. beigefügt.

|256|

Erlauben Sie mir Ihnen folgende Bemerkungen als meine Erläuterungen zu den Zeichnungen, welche Hr. Richardson sandte, nämlich zu den Grund- und Aufrissen und Durchschnitten eines Dampf-Filatoriums, welches derselbe zu Commercolly zum Abwinden der Seide von den Cocons errichtete, zu übersenden.

In den Zeichnungen, D, E, F, G, H, sind der Kessel, die Züge, der Schornstein, die Cisterne und die Röhren zum Speisen des Kessels, die Ofenthüre und die Aschengrube dargestellt. Hierüber ist nichts Besonderes zu sagen, da hier nur Modificationen einiger der bekam ten Vorrichtungen zur Erzeugung des Dampfes vorkommen.

In Verbindung mit dem Kessel, und gestüzt von einer 15 Zoll über dem Boden erhobenen Mauer sind Dampfröhren horizontal und parallel mit der Länge des Gebäudes eingelegt. Von den Hauptröhren laufen zu jeder Seite kleinere Nebenröhren weg, und führen in cylindrische Gehäuse, welche offene Pfannen einschließen. Der Dampf, welcher in den Hohlraum zwischen den Pfannen und ihren Gehäusen gelangt, wird, entweder verdichtet oder als Dampf, durch Röhren am Boden der Gehäuse in die Abzugscanäle für das schmuzige Wasser geleitet. An den Hauptröhren, an den Nebenröhren und an den Ausführungsröhren sind Hähne angebracht, durch deren zwekmäßige Stellung das Wasser in den Pfannen auf jede zu dieser Arbeit nöthige Temperatur gebracht und in derselben erhalten werden kann.

Ungefähr in gleicher Höhe mit dem Fußboden, und parallel mit den Hauptröhren der Dampfleitung, sind die Röhren der Wasserleitung in das Mauerwerk eingelegt. Nebenröhren, die davon auslaufen, leiten von diesen, schief aufwärts steigend, in kleine Cisternen, die sich in dem an die Pfannen anstoßenden Mauerwerke in gleicher Höhe mit denselben befinden: Eine Cisterne kommt für jedes Paar Pfannen. Eine Nebenröhre leitet auch aus der Hauptröhre in die Cisterne, G, um den Kessel mit Wasser zu versehen. Die Hauptröhren müssen folglich immer so viel Wasser erhalten, daß dieses in den Cisternen immer auf der gehörigen Höhe stehen kann. In den Zeichnungen kommt jedoch hierüber nichts vor, außer in Figg. 14 und 15., wo ein Behälter und eine regulirende Kugelklappe skizzirt ist. Die Pfannen sind kugelförmig, ungefähr 15 Zoll im Durchmesser oben, und 13 Zoll am Boden, welcher flach ist. Ihre Tiefe beträgt, nach dem Maßstabe, 4 1/2 Zoll. Oben sind sie mit einem flachen hervorstehenden Rande versehen, der mit einem anderen oben auf den Gehäusen correspondirt, und wodurch beide zusammengefügt sind. Die Gehäuse sind in das Mauerwerk eingelassen, so daß ihr Rand ungefähr 2 Fuß höher steht, als der Fußboden des Gebäudes.

|257|

Wenn der Apparat in Thätigkeit gesezt wird, wird der Dampf im Dampfkessel in gehöriger Stärke erzeugt, und in die Hauptröhren der Dampfleitung gelassen, Wasser aus den kleinen Cisternen in die Pfannen geschöpft, und der Dampf in die Gehäuse eingelassen. Sobald das Wasser den gehörigen Grad von Hize in der Pfanne erreicht hat, werden 25–30 Cocons in dieselbe geworfen, und die Seide auf die gewöhnliche Weise abgewunden. Da die Pfannen immer wieder mit frischen Cocons versehen werden, so geht das Abwinden regelmäßig fort. Gleichförmige Temperatur und Verhütung allen Rauches ist bei dem Abwinden unerläßlich. Dampf scheint demnach und ist, wenn er gehörig angewendet wird, eine große Verbesserung an der in Italien gewöhnlichen Abhaspelungsmethode.215) Ich zweifle auch nicht, daß dieses Verfahren besser seyn wird, als das in Indien gebräuchliche.

Indem ich Hrn. Richardson's Anwendung des Dampfbades zu einem neuen Zweke allen Beifall gebe und wünsche, muß ich mir doch erlauben zu sagen, daß, nach meiner Meinung, durch eine kleine Abänderung in der Einrichtung einiges Brennmaterial erspart werden würde, und daß eine kleine Zugabe diesen Apparat auch noch zu einer anderen Arbeit brauchbar machen würde, die mit dem Abwinden der Seide von den Cocons in der innigsten Verbindung steht.

23 Threadneedle-Street, Mai 1. 1830.

Ich bin etc.

J. J. Zornlin, jun.

P. S. Wenn die Ostindische Compagnie mehrere solche Filatorien wünschte, so wird der hierzu nöthige Apparat, wie auch Hr. Richardson bemerkt, in England weit wohlfeiler verfertigt werden können, als in Indien. Er wird in England nicht sehr hoch zu stehen kommen, und die Zeichnungen reichen vollkommen hin, um nach denselben gehörig arbeiten zu können.

J. J. Z.

Wir theilen unseren Lesern diesen Aufsaz mit, nicht als ob wir mit dem Hrn. Verfasser glaubten, „dem europäischen Publicum dadurch eine neue Erfindung“ bekannt zu machen; denn außer England weiß man nur zu wohl, daß in Oberitalien und in einigen Gegenden des südlichen Frankreichs Dampf-Filatorien schon seit mehreren Jahren im Gange sind; sondern um unsere Leser auf die Zukunft aufmerksam zu machen, die die Seidenmanufakturen erwartet, wenn die ostindische Compagnie mit Hülfe der Italiäner und Franzosen, die sie in ihre Dienste nahm, die Filatorien in Ostindien verbessert haben wird: denn bisher war es allein das mangelhafte Verfahren bei dem Abwinden, was die ostindische Seide in ihrem Werthe herabdrükte. Von uns im südlichen Deutschland wird die Seidenzucht in Italien und Frankreich wohl nichts zu besorgen haben; wohl aber von den Engländern in Ostindien, von den Russen in den neueroberten Provinzen Persiens, die bald ihren eigenen Bedarf mit der herrlichen persischen Seide deken und Europa mit derselben überschwemmen werden, und von den Nordamerikanern, die sich jezt allen Fleißes auf die Seidencultur verlegen. Auch in Preußen macht die Seidencultur große Fortschritte. Wir sind zu faul und zu unwissend und zu halbwissend, als daß wir je den Franzosen und Italiänern mit unserer Seidenzucht gefährlich werden könnten. Der lezte, ausgezeichnet harte, Winter hat uns neuerdings belehrt, wie gut der Maulbeerbaum selbst einem Froste von – 25° R. zu widerstehen vermag. Und welchen Vortheil haben wir von dieser Lehre geschöpft? Daß wir Bäume die seit mehr denn 50 Jahren allen Einflüssen unseres Klima's trozten, und die selbst nach dem Winter vom J. 1829/30 herrlich wieder ausschlugen, auf eine schändliche Weise niederhauten. Dieß geschah in einer Entfernung von nur 9 Meilen von der Hauptstadt, in einer Stadt, die mehr als jede andere zum Seidenbaue gelegen ist, und in welcher auch vor 50 Jahren schon die damalige Regierung einen sogenannten Seidengarten anlegen ließ. Während man in einigen Blättern unsere neuen Maulbeerbaumanlagen preist, muß man in anderen die Dummheit züchtigen, mit welcher man alte Saamenbäume, die bereits an das Klima gewohnt sind, und deren Saame weit besser gedeihen würde, als jener den man frisch aus Italien kommen läßt, niederhaut. Bei dem Volke ist unbesiegbare Faulheit, absichtlich unterhaltene und jährlich vermehrte Unwissenheit und Dummheit, ein unübersteigliches Hinderniß, und bei den Gebildeteren sind es Vorurtheile. Selbst die Besseren in Bayern sind der Meinung, daß Seidenzucht in Bayern nie von wahrem Nuzen seyn wird. Erst neulich hat ein sehr geistreicher Schriftsteller Bayern's, dessen Werk*) man für alle Finanz- und Ministerial-Räthe mit goldenen Buchstaben auf Pergament sollte druken lassen, S. 45. behauptet, „daß Maulbeerbäume und Seidenwürmerzucht eine unnüze Spielerei ist;“ „noch weiß man,“ sagt er, „zu Lyon und Spitalfields nichts von bayer'scher Seide.“ Wenn unser Landvolk nur auf jener Stufe von Cultur stünde, auf welcher der Bauer in Japan und in der großen chinesischen Tatarei noch heute zu Tage steht, weil man ihn dort nicht durch Miethlinge eines fremden Reiches um seinen gesunden Menschenverstand bringen ließ; wenn wir nur zehn Jahre lange mit Anzucht und Anpflanzung von Maulbeerbäumen standhaft fortführen; wenn wir dann einigen Seidenwinderinnen aus Piemont, und einigen Seidenmüllern aus dem südlichen Frankreich und Oberitalien nur die Hälfte jener Jahrgehalte geben würden, die man an einige halbgelehrte Männer, an einige vormalige Volksthümler und an einige Brüderchen des hohen T. Vereines wegwerfen sieht; so würde Bayern sehr bald eine Seide erzeugen, die nicht nur zu Lyon und Spitalfields bekannt, sondern die daselbst gesucht seyn würde, weil sie in eben dem Verhältnisse besser seyn würde als die südliche, als die nördliche chinesische und japanesische Seide besser ist als die südliche. Es ist nicht, die Schuld der Natur, sondern der Menschen, wenn der Bauer in Bayern in Zwillich, Statt in Seide geht. A. d. Ue.

*) Einige Worte über Handel und Industrie in Deutschland, mit besonderer Rüksicht auf Bayern. 3. München 1830.

|252|

10,000 Yards. Ein Yard ist 3 engl. Fuß. Die indischen Cocons scheinen also viel größer zu seyn, als die europäischen. A. d. Ue.

|252|

Er wird aber einst noch so verarbeitet werden, wenn die Weberkunst jenen Grad von Vollendung erreicht haben wird, welcher bei den heutigen Fortschritten der Mechanik möglich ist; wenn man Weberstühle haben wird, die kaum so viele Quentchen wiegen, als die gegenwärtigen Pfunde, Weberstühle, die man vor sich auf den Tisch hinstellt und dreht, wie man jezt den Vögeln auf den Orgelbauern vorpfeift. Der einzelne Seidenfaden ist nicht so brüchig als man glaubt, und erhält, durch dünne Kautschukauflösung in Aether gezogen, eine Stärke, über die man erstaunen wird, wenn man sie versucht. Man wird Damenkleider weben, die in einer Tabaksdose Plaz haben, und dieß gewiß noch ehe 40 Jahre herum sind. Die Neuschateler Uhrenmacher werden diese Weberstühle verfertigen, und die Lyoner und Mayländer werden darauf weben. A. d. Ue.

|253|

Der Hr. Verfasser scheint nicht zu wissen, daß man in Spanien auch in kaltem Wasser die Seide von den Cocons abwindet. Der Bulletin d. l. Société d'Encouragement und aus diesem unser Polytechn. Journal hat hierüber umständliche Nachricht gegeben. A. d. U.

|253|

Dieses Verfahren scheint nicht das gewöhnliche europäische; wenn es lezteres seyn sollte, so wäre der Hr. Verfasser nicht gehörig unterrichtet. A. d. Ue.

|253|

Da. wie wir oben bemerkten, Italien und Frankreich schon seit mehreren Jahren Filatorien besizt, in welchen mit Dampf gearbeitet wird (Vergl. Biblioteca italiana, Bulletin d. l. Soc. d'Encouragem., unser Polyt. Journ.), so fragt es sich, ob Hr. Richardson nicht vielmehr das europäische Verfahren nach Indien verpflanzte, Statt daß sein Verfahren erst aus Indien nach Europa kommen soll. A. d. Ue.

|254|

Wir verwahren uns auf das Feierlichste gegen jeden Vorwurf, den man unserer Copie der Zeichnungen machen könnte. Es ist nicht unsere Schuld, wenn auch nicht ein einziger Buchstabe in der Beschreibung auf die Zeichnung paßt. Solche Liederlichkeiten werden jezt Sitte bei den englischen Journalisten. Es emancipirt sich, wie es scheint, nach und nach Alles in England von der einst daselbst nationalen Pünktlichkeit. A. d. Ue.

|255|

Und diese kleine Zugabe ist wohl nichts anderes, als die nöthige Vorrichtung, die Puppen in den Cocons mittelst der Dampfhize (nicht aber, wie es Jemand sehr ungeschikt machte, mittelst des Dampfes selbst) zu tödten. Hr. Zornlin thut wahrhaftig zu vornehm geheim; doch dieser Mysticismus in Allem ist heute zu Tage an der Tagesordnung, und daher werden so viele mystificirt. A. d. Ue.

|255|

Der Redacteur des Mech. Mag. bemerkt in einer Anmerkung, daß zu Boston bei den HHrn. Gray und Bowen regelmäßig eine amerikanische Ausgabe des Mechanics' Magazine erscheint, und daß diese Zeitschrift in Amerika eben den Beifall findet, dessen sie sich in England erfreut.

|257|

Wie gesagt, haben aber die Italiäner schon seit mehreren Jahren den Dampf bei ihren Filatorien angewendet. Diese Verbesserung gehört also den Italiänern als Eigenthum an, nicht den Engländern, die hier mit einer „Ilias post Homerum“ kommen. A. d. Ue.

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