Titel: Maschine zum Bohren der Haubizen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LXVIII. (S. 263–265)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037068

LXVIII. Beschreibung der Maschine, deren man sich in den schwedischen Arsenalen bedient, um die Sohle (plate-bande) an den eisernen Haubizen zu bohren, damit man den Aufsaz (hausse) einbringen kann. (Englisches Modell.)217)

Aus dem Bulletin des Sciences technol. N. 2. 1830. S. 181.

Mit einer Abbildung auf Tab. V.

Diese Maschine besteht

1) Aus einem Gestelle, A, Fig. 1., auf welches die Haubize zu liegen kommt, welche auf demselben mittelst zwei eisernen Zäumen, bb, festgehalten wird. Die Haubize wird mittelst zweier hölzerner Keile, kk', die unter die beiden Zapfen derselben eingeführt werden, und mittelst zweier anderen dünnen Keile, mm, unter der Mündung und am Stoße, horizontal und in jene Lage gebracht, die sie bei dem Bohren haben muß.

Nachdem sie in die gehörige Lage gebracht wurde, zieht man die Schrauben der Zäume, dd, an.

Die vier Füße des Gestelles werden durch einen Nahmen, B, welcher mittelst Schrauben gehörig befestigt ist, auf dem Boden der Werkstätte festgehalten, so daß die Schwingungen, welche während der Arbeit entstehen, die Haubize nicht aus ihrer Lage bringen können.

2) Aus einer Bank, C, deren Tafel C' mit einem vierekigen Loche durchbohrt ist, in welchem sich senkrecht und genau in dasselbe passend ein vierekiges Stük Holz bewegt, das man den Leiter oder Führer nennt, (conducteur).

Dieser Leiter ist an seinem oberen Ende mit einem eisernen Rahmen umfaßt, der weiter ist, als das Gevierte des Leiters, und der mittelst vier Stellschrauben, a, auf demselben befestigt ist, welche in einem Rechteke gegen einander gestellt sind, so daß man den Rahmen vor- und zurüktreten lassen kann, in welchem eine Stahlplatte eingefalzt ist, die in der Mitte ein kegelförmiges Loch führt.

3) Aus einem Hebel, F, dessen eines Ende eine Klinge E, das andere ein wandelbares Gewicht führt, P. Dieser Hebel dreht sich um einen eisernen Zapfen, g, zwischen zwei senkrechten hölzernen Balken, h, welche mit mehreren einander gegenüberstehenden Löchern in verschiedenen Höhen durchbohrt sind, so daß man die Umdrehungsachse |264| des Hebels verschieden stellen kann, indem man, so wie das Bohren vorwärts schreitet, den Zapfen, g, höher einstekt.

Die beiden Baken, h, werden durch ein Gerüst, das aus verschiedenen Stüken, I, n, q, besteht, befestigt und in ihrer Lage erhalten. Von diesen Theilen l, n, q, liegen einige horizontal, andere stehen senkrecht, und stüzen sich an den Mauern und an das Dach der Werkstätte. Das Bohren selbst geschieht auf folgende Weise.

Nachdem man auf der Sohle der Haubize die zwei Punkte, wo der Bohrer aus- und eintreten soll, angezeichnet hat, legt man die Haubize so auf daß Gestell, daß diese beiden Punkte in eine und dieselbe senkrechte Linie fallen.

Man stellt hierauf die stählerne Platte mittelst der 4 Stellschrauben des eisernen Rahmens, o, horizontal, und so, daß ihr kegelförmiges Loch genau in die Senkrechte fällt, welche die beiden an der Haubize angezeigten Punkte bilden.

Wann dieses geschehen ist, bringt der Arbeiter, der mit dem Bohren beauftragt ist, den Schweif des Windelbohrers in das kegelförmige Loch der Stahlplatte, und führt die Spize des Bohrers, f, auf den an der Haubize angezeigten Punkt, welcher durchgebohrt werden soll, während ein Gehülfe an dem Ende des Hebels, P, den Leiter D, der sich in dem vierekigen Loche der Tafel, C', der Bank C schieben läßt, in die Hohe treibt. Sobald der Bohrer die Haubize angreift, bringt der Gehülfe an dem Ende des Hebels ein kleines Gewicht an, das bloß dazu dient, den Bohrer in seiner Lage zu erhalten, und nachdem der Bohrmeister die Stellung des Bohrers geprüft und gut gefunden hat, vermehrt er das Gewicht bei P. Er läßt nun den Bohrer drehen, Anfangs nur sanft und mit Behutsamkeit, damit die Spize des Bohrers nicht leidet, was unvermeidlich geschehen würde, wenn man den Bohrer zu schnell laufen ließe, indem die äußere Rinde der Haubize sehr spröde ist. Man läßt nämlich in Schweden die Haubizen außen nicht abdrehen, indem diese äußere Rinde sie gut gegen den Rost schüzt. Wenn der Bohrer einmal eingedrungen ist, vermehrt man das Gewicht P. Das schwerste Gewicht, das man anwendet, beträgt einen Zentner. Der Arbeiter muß mit diesem Gewichte nach der Härte des Gußeisens und dem Fortschreiten der Arbeit wechseln; denn das Gußeisen ist selten überall am Stoße vollkommen gleichförmig. Er muß auch dafür sorgen, daß der Bohrer nicht stoßweise und zu streng gedreht wird, und eine kleine Kapsel aus Blech oder Kartenpapier an der Spindel des Bohrers anbringen, in welcher die Späne des Gußeisens aufgenommen werden, die sonst, wenn sie auf die Stahlplatte fielen, sich in das kegelförmige Loch eindrängen und das Instrument aus seiner |265| senkrechten Lage bringen würden, wodurch die Arbeit schlecht ausfallen müßte.

Wann der Bohrer an den oberen Theil des Stoßes der Haubize gelangt, vermindert man das Gewicht, P, damit der Bohrer nicht zu schnell durch die äußere Rinde fährt, und nicht an einzelnen Punkten Aussprünge verursacht.

Die Maschine ist aus Fichtenholz, mit Ausnahme des Leiters, welcher aus Eichenholz ist.

T. O. 218)

Diese Maschine wurde im Jahre 1821 von dem General-Adjutanten der Artillerie, Obersten Schröderstjerna, erbaut, der mir die Zeichnungen hiervon mitheilte. Sie wird in den Arsenalen von Stokholm, Christiansand und Cariscrona angewendet. A. d. Ue.

|265|

Wahrscheinlich Theodor Olivier. A. d. Ue.

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