Titel: Dutton, Verbesserungen im Treiben der Schiffe, Bothe etc.
Autor: Dutton, Jak.
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LXXXVII. (S. 332–334)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037087

LXXXVII. Gewisse Verbesserungen im Treiben der Schiffe, Bothe und anderer Fahrzeuge mittelst Dampfkraft oder anderer Kraft, worauf Jak. Dutton, d. jüng., Tuchmacher zu Wotton-Under-Edge, Gloucestershire, sich am 19. Mai 1829 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Mai 1830. S. 75.

Mit Abbildung auf Tab. VI.251)

Das Neue in diesem Patente ist, daß Stämpel angewendet werden, welche specifisch leichter sind, als das Wasser, und die folglich, wenn sie durch mechanische Kraft in das Wasser hinabgetrieben werden, von selbst wieder durch ihre geringere specifische Schwere in die Höhe steigen, also keine Kraft zum Hinaufziehen in die Höhe brauchen.

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„Meine Verbesserung“ sagt der Patent-Träger „im Treiben der Schiffe, Bothe und anderer Fahrzeuge bestehen in folgenden drei Stüken: 1) in der Anwendung einer Reihe hohler Gefäße, welche unter einem bedeutenden Winkel mit der Wasserlinie in das Wasser hinabreichen, und als Treiber wirken, indem sie auf das Wasser schlagen, und so das Schiff in entgegengesezter Richtung treiben. 2) indem ich an diesen Gefäßen eine Stämpelstange anbringe, deren Stämpel in kleinen Cylindern arbeiten, in welchen sie durch Dampf oder durch irgend eine andere Kraft vorwärts getrieben werden. 3) in der geringeren specifischen Schwere dieser Treiber, die hohle mit Luft oder mit anderen leichten Körpern gefüllte Gefäße sind, welche, nachdem sie in das Wasser getrieben wurden, wieder durch ihre Leichtigkeit von selbst in die Höhe steigen, indem das Wasser sie. empor drükt.

Die Art, wie diese Vorrichtung am besten ausgeführt werden kann, ist in Fig. 4. dargestellt, wo man den Längendurchschnitt eines Fahrzeuges sieht, an welchem fünf Treiber nach meiner Art angebracht sind. Ich schlage vor sie in einer Höhlung unter dem Schiffe anzubringen, beschränke mich aber weder auf diese Zahl, noch auf diese Lage, da sie wahrscheinlich auch eben so gut in einer Doppelreihe, zu jeder Seite eine, vorgerichtet werden können, a1, a2, a3, a4, a5 sind die Treiber, bestehend aus hohlen hölzernen rechtwinkeligen Gefäßen, die aber auch aus einem anderen tauglichen Materials seyn können, und luft- und wasserdicht geschlossen sind. Ich beschränke mich aber nicht auf die hier angegebene Form, obschon ich dieselbe nach meiner bisherigen Erfahrung anderen Formen vorziehe, bbh sind Stämpelstangen, welche auf die gewöhnliche Weise durch Schlußbüchsen laufen, und deren untere Enden an den Treibern angebracht sind.

Man sieht diese Stangen am deutlichsten in Fig. 5., wo dieselben in allen ihren Theilen in einem größeren Maßstabe gezeichnet sind, cccc sind walzenförmige Röhren, deren eine man im Durchschnitte in Fig. 5. sieht. d ist der Stämpel, der an der Stange b angebracht und bestimmt ist in dem Cylinder, cc, zu arbeiten, wie ein Stämpel in der Dampfmaschine gewöhnlich arbeitet. eee sind Querröhren, welche mit einer Dampfröhre verbunden sind, fff. Diese Röhre und die Querröhren führen den Dampf in die verschiedenen arbeitenden Cylinder, ccc. Jede Querröhre ist mit einer Einführungsklappe, g, versehen, und mit einer Ausführungsklappe, h, welche zur bestimmten Zeit zum Ein- und Auslassen des Dampfes in und aus dem Cylinder, c, geschlossen und geöffnet werden.

An dem oberen Ende einer jeden Stämpelstange ist ein Querarm angebracht, an welchem zwei Leiter, ii, befestigt sind, Fig. 4., und an diesen Leitern rathe ich die Klopfer vorzurichten, mittelst welcher |334| die Klappen g und h, so wie der Stämpel hin und her getrieben wird, geöffnet und geschlossen werden: ich nehme jedoch auf diese Vorrichtung nicht ein Patent-Recht in Anspruch, und beschränke mich nicht auf diese Weise allein, die Klappe zu öffnen und zu schließen, da es mehrere andere, jedem Mechaniker bekannte Weisen zu diesem Ende gibt.

Man seze nun die Einlaßklappe, g, Fig. 5., werde geöffnet. Alsogleich wird der Dampf aus der Röhre f in die Querröhre e strömen, und, da die Klappe h geschlossen bleibt, kann er nicht entweichen. Da die Treiber a1, a2 etc. im Stande der Ruhe, und die Stämpel d oben im kleinen Cylinder stehen, so wird der Dampf in Folge seiner Elasticität auf den Stämpel wirken, und denselben nach der Länge des Cylinders hinabtreiben, so daß die Treiber, a1 etc., die mit der Stämpelstange verbunden sind, abwärts in das Wasser getrieben werden, wie a3 in Fig. 4. Leztere schlagen nun auf das Wasser, und treiben folglich das Fahrzeug in entgegengesezter Richtung. Nun kommen die Klopfer in Berührung mit den Hebeln der Klappen, sperren den Dampf ab, und lassen denselben aus dem Cylinder ausfahren oder in einen Verdichter übergehen.

Die geringere specifische Schwere der Treiber a1 etc. macht jezt dieselben im Wasser aufsteigen, und da sie auf Reibungswalzen, kkk, an der über ihnen befindlichen Fläche, wie auf einer schiefen Bahn, ll, laufen, so kehren diese Treiber von selbst in ihre Ruhe zurük, ohne daß es der Anwendung irgend einer mechanischen Kraft zu diesem Ende bedürfte.

Man kann annehmen, daß der Treiber a1 auf diese Weise hervorgestoßen und wieder zurükgekehrt ist, und seine Klopfer dann auf die Klappe wirken, um ihn neuerdings vorzutreiben. Der Treiber, a2, ward auch hervorgetrieben, und ist auf dem Rükwege im Aufsteigen begriffen. Der Treiber, a3, wurde so eben vorgestoßen. a4 und a5 waren noch gar nicht in Thätigkeit.

Auf diese Weise kann irgend eine Anzahl von Treibern unter irgend einem beliebigen Winkel mit dem Horizonte (z. V. 22 1/2 Grad) in Thätigkeit gesezt werden, indem man Dampf einlaßt, oder jeden Treiber stellen, in dem man den Dampf sperrt, und die Klopfer wegrichtet.

Wir haben von diesem Patente bereits im XXXV. Bd. S. 231. nach dem Register Nachricht gegeben, in welchem dieselbe als die ungereimteste Idee zum Treiben der Schiffe dargestellt ist, die man denken kann. Indessen ist die Idee eines specifisch leichteren Stämpels, der von selbst im Wasser wieder aufsteigt, doch beachtenswerth, und kann in manchem anderen Falle nüzen, wenn sie auch hier nichts taugt. A. d. Ue.

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