Titel: Davy, über Mineralsäuren auf Kupfer.
Autor: Macgregor,
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LXXXIX. (S. 336–339)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037089

LXXXIX. Beobachtungen über die Wirkungen der Mineralsäuren auf Kupfer. Von Joh. Davy, M. Dr. F. R. S., Militärarzte. Mitgetheilt von Sir Macgregor, General-Director des Army Medical Board.

Aus dem Edinburgh New Philosophical Journal. April. 1830. S. 229.

(Im Auszuge.)253)

Dieser Aufsaz wurde im Jahre 1827 nach England gesendet, und zwei Jahre früher geschrieben, als Bacquerel seine interessanten Abhandlungen über die Bildung neuer Verbindungen durch schwache elektro-chemische Kräfte bekannt machte. Die Resultate in gegenwärtigem Aufsaze sind dieselben.

„Ich habe in einem Aufsaze in den Philosoph. Transactions of 1826 gewisse Veränderungen beschrieben, welche in einigen allen Kupfercompositionen durch elektro-chemische Attraction entstehen, die sehr langsam und nach Art eines Oxydirungs-Processes wirkt.“ 254)

„Ich will hier die Resultate einiger Versuche mittheilen, welche ich über die Einwirkung der Mineralsäuren auf Kupfer unter verschiedenen |337| Verhältnissen anstellte, und welche die früheren Erscheinungen und die bei denselben noch vorwaltenden Dunkelheiten aufklären sollen,“ „Zuerst die Versuche mit diesen Säuren, wenn der Zutritt der tust beinahe vollkommen ausgeschlossen war. 60 Tropfen der drei Mineralsäuren wurden mit 6 Unzen destillirtem Wasser verdünnt, und Flaschen damit vollgefüllt, welche mit gläsernen, mit Oehl und Wachs bestrichenen. Stöpseln geschlossen wurden, nachdem man vorläufig in jede derselben kleine polirte Kupferstabe gebracht hätte. Nach 69 Tagen, vom 25. Mai bis 3. August, zeigten sich folgende Resultate.“

„Die verdünnte Schwefelsäure war farbenlos, hätte einen eben merklichen Kupfergeschmak, und wurde durch zugeseztes Ammonium schön blau. Das Kupferstäbchen war an seiner Oberfläche etwas mit schwarzem Kupferoxyde beschmuzt, nicht gleichförmig, sondern an einigen Stellen mehr, als an den anderen.“

„Aehnliche Resultate zeigten sich auch bei der verdünnten Kochsalzsäure. Durch Ammonium erhielt sie einen eben merklichen Stich in's Bläuliche, und schwarzes Kupferoxyd beschmuzte das Kupferstäbchen in der Art, daß es übereinander liegende Schichten zu bilden schien, jedoch mit Zwischenräumen, in welchen der Glanz des Metalles nur wenig litt.“

„Etwas verschieden waren die Resultate bei der Salpetersäure. Die Säure bekam hier eine hellblaue Farbe, und das Metall war mit einer sehr dünnen, schwach anhangenden Rinde von Kupferoxyd bedekt, welches sich in der Mitte des Stäbchens etwas häufiger fand, als an den Enden. Es hätte sich etwas Luft erzeugt, die wahrscheinlich Stikstoff oder Salpeteroxydgas war; denn sie gab, in Berührung mit atmosphärischer Luft, keine rothen Dämpfe.“

„Kupferne Stäbchen in denselben Säuren, aber in gläsernen Gefäßen, welche nur mit einer Glastafel bedekt waren, so daß bloß die Verdünstung gehindert, der Zutritt der Luft aber nicht ausgeschlossen ward, gaben nach 8 Monaten, vom 3. August bis 2. April, folgende Resultate.“

„Die Schwefelsäure war mit Kupfer gesättigt, und das Kupferstäbchen mit einer dünnen Rinde von schwarzem Kupferoxyde gleichförmig bedekt, nur mit Ausnahme des oberen Theiles, welcher bis auf beinahe zwei Linien ohne Fleken, aber mehr zerfressen als die übrige Oberfläche sich zeigte, und über die Flüssigkeit in Folge der Verdünstung derselben etwas emporragte. Die Salpetersäure zeigte sich gleichfalls gesättigt. Das obere Ende des Kupferstäbchens ragte über die Flüssigkeit sehr wenig empor, war aber noch immer feucht. Es zeigte sich ein ziemlich bedeutender Niederschlag von Kupferprotoxyd auf dem Stäbchen, mit etwas basisch salpetersaurem Kupfer und einer |338| höchst geringen Menge metallischem Kupfer. Das basisch salpetersaure Kupfer zeigte sich vorzüglich an den beiden Enden des Stäbchens; das Protoxyd kam so ziemlich überall vor, das metallische Kupfer war aber beinahe gänzlich auf eine Seite, und auf einen kleinen Raum gegen das obere Ende des Stäbchens beschränkt. Da der Niederschlag krystallisirt, und die Farben deutlich und hell waren, so hätte das Stäbchen ein sehr glänzendes Ansehen, vorzüglich wenn es in das Sonnenlicht gestellt wurde, und gleich natürlichen Exemplaren derselben Art in Migniatür.“

„Die Resultate mit der Kochsalzsaure waren ganz ähnlich: es wurde basisch kochsalzsaures Kupfer, Protoxyd und metallisches Kupfer niedergeschlagen. Das basisch kochsalzsaure Kupfer war sehr häufig, und vorzüglich an dem unteren Theile des Stäbchens gesammelt, wo es krystallisirte Platten bildete, ähnlich denjenigen, die ich an Stüken aus Peru gesehen habe. Das Protoxyd war in geringerer Menge, als bei der Salpetersäure, so wie auch das metallische Kupfer, und ihre kristallinische Form war minder deutlich.“

„Ich machte noch eine dritte Reihe von Versuchen, nur mit dem Unterschiede, daß das Kupferstäbchen in jeder verdünnten Säure nur bis zur Hälfte eingetaucht war, und die Luft freien Zutritt hätte, weßwegen auch die Verdünstung rasch vor sich ging, und nach und nach Wasser zugesezt werden mußte. Um das Austroknen zu verhindern. Es ist nicht nöthig, die Resultate im kleinsten Detail zu beschreiben: sie waren jenen des vorlezten Versuches beinahe vollkommen ähnlich, nur daß hier die Schwefelsäure sich analog mit den beiden übrigen verhielt, insofern nämlich Kupferprotoxyd und eine geringe Spur von metallischem Kupfer zum Vorscheine kam.“

„Die Resultate sind also offenbar von derselben Art, wie bei meinem früheren Aufsaze in den Phil. Trans., und lassen sich auf elektro-chemische Wirkung zurükführen. In der ersten Reihe von Versuchen war kaum eine Spur von Veränderung wahrnehmbar, außer bei der Salpetersäure, wo diese Veränderung wahrscheinlich durch Zersezung einer geringen Menge der Säure entstand. Bei der zweiten Reihe von Versuchen hingegen hatten viele und verwikelte Veränderungen in Folge der Einwirkung der atmosphärischen Luft und der Gegenwirkung der gebildeten Verbindungen auf einander Statt. Bei der dritten Reihe von Versuchen, wo die Verhältnisse noch mannigfaltiger waren, wurden die Wirkungen weitschneller, wenn auch nicht so deutlich erzeugt, und hatten sowohl bei der Schwefelsäure, als bei der Kochsalz- und Salpeter-Säure Statt. Es scheint sonderbar, daß in der ersten Reihe von Versuchen Kupferperoxyd gebildet, und ich möchte sagen, abgesezt wurde, und daß es von den Säuren nicht aufgelöst ward. Welcher |339| Ursache diese Bildung und Absezung zuzuschreiben ist, vermag ich mir nicht im Mindesten auf eine genügende Weise zu erklären. Diese Wirkung ist mir eben so dunkel, wie diejenige, die ich wahrnahm, als ich ein polirtes Kupferstäbchen in eine neutrale Auflösung von schwefelsaurem Kupfer tauchte, wo Kupfer in sehr geringer Menge im metallischen Zustande niedergeschlagen wurde.255) Daß das schwarze Kupferoxyd nicht aufgelöst wurde, wenn es abgesezt ward, ist eben nicht sonderbar; es läßt sich, selbst in starken Mineralsäuren, nicht leicht auflösen, und noch viel weniger, wenn diese Säuren mit Wasser verdünnt sind. Daß Kupferprotoxyd zum Vorscheine kam, wenn atmosphärische Luft einwirkte, und nur dann, rührt wahrscheinlich von irgend einer elektro-chemischen Ursache her. Ich darf überdieß bemerken, daß, wenn Kupfer entweder in offenes Feuer gethan, öder in destillirtem Wasser gelassen wird, welches der Luft ausgesezt ist, dasselbe Oxyd sich bildet, und im lezteren Falle ist das Farbenspiel so schön und glänzend, wenn das Metall vorher polirt war, daß ich dachte, man könnte dasselbe mit Nuzen in den Galanteriearbeiten verwenden.

Obige Erscheinungen (jenen die wir im Mineralreiche finden, so ähnlich, wo wir in demselben Stüke öfters gediegenes Kupfer, Kupferprotoxyd und einige Verbindungen mit einer Säure treffen) bieten uns eine nicht uninteressante Analogie dar, welche die bisher in Dunkel gehüllten Umstände, unter welchen diese Mineralien sich bilden, die in diesen Formen neben einander vorkommen, aufzuhellen, und ich möchte fast sagen die Weise zu erklären vermag, in welcher sie beinahe gleichförmig ihren Glanz in dem Gange der Grube, wie im Cabinette des Mineralogen behalten. Doch Lezteres hat Sir Humphry Davy durch seine elektro-chemischen Untersuchungen hinlänglich erklärt.256)

Wir theilen diesen Aufsaz mit, indem er einige Erscheinungen bei Bereitungen verschiedener Farben aus Kupferoxyden erklären helfen kann. A. d. Ue.

|336|

Wir haben sie im Polytechn Journ. seiner Zeit mitgetheilt. A. d. Ue.

|339|

Dieß schien mir einmal durch die Sonnenstrahlen veranlaßt worden zu seyn. Ich bemerkte dieses Phänomen zuerst, als ich einige Versuche über die chemische Wirkung derselben anstellte; meine Vermuthung bestätigte sich aber nicht, als ich denselben Versuch im Dunkeln wiederholte, wo derselbe Niederschlag Statt hätte. A. d. Ue.

|339|

In dem so eben eingelaufenen Märzhefte der Annales de Chimie et de Physique ist der gegenwärtige Aufsaz gleichfalls übersezt und demselben folgende Note beigefügt: „Ich nehme mir die Freiheit Hrn. J. Davy zu bemerken, daß meine elektro-chemischen Bemerkungen nicht so neu sind, als er glaubt. Meine ersten Versuche über Zersezungen mit sehr geringen elektrischen Kräften datiren sich vom 21. August 1826 (Annal. d. Chim. et d. Phys. t. 31. S. 153.) und die Abhandlung, in welcher ich das Verfahren entwikelte, eine Menge von Zusammensezungen, unter anderen auch das Kupferprotoxyd, welches den Gegenstand obiger Abhandlung bildet, zu erzeugen, wurde der Académie d. Scienc. am 16. April 1827 überreicht. (Annal. d. Chim. et d. Phys. t. 35. S. 115.) Ich habe also in jeder Hinsicht Priorität der früheren Bekanntmachung.“

Becquerel.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: