Titel: Adam, Beschreibung eines einfachen Regenmessers.
Autor: Adam, Matthaeus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. CXX. (S. 436–441)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/ar037120

CXX. Beschreibung eines einfachen, wohlfeilen und genauen Regenmessers, mittelst dessen man den zehntausendsten Theil eines Zolles des gefallenen Regens bemessen kann.317) Von Matthäus Adam, A. M., Rector der Akademie zu Inverneß.

Aus dem Edinburgh Journal of Science. Julius. 1830. S. 53.

Mit Abbildung und Verbesserung von dem Uebersezer auf Tab. VIII.

Dieses Instrument besteht aus 4 Theilen: Fig. 14.; nämlich 1) aus einem Trichter aus verzinntem Eisenbleche mit vierekiger Mündung, ABlCDm, welcher lakirt ist, und das Regenwasser auffängt; jede Seite dieses Trichters, AB, AC etc. hat 10 Zoll in der Länge; die |437| ganze Fläche AClB faßt demnach 100 □ Zoll. Ungefähr ein halber Zoll an der Mündung ist senkrecht, damit nichts, was von dem Regen einmal in dieselbe gefallen ist, so leicht wieder durch den Wind weggeweht werden kann. Der Hals des Trichters, D, wird von einer Platte aus verzinntem Eisenbleche, die mit 10 bis 12 Löchern versehen ist, und wovon jedes beinahe 1/8 Zoll im Durchmesser hat, beinahe geschlossen; auf diese Weise gelangt nun das Regenwasser in die unter dem Trichter befindliche Flasche, und kann nicht so leicht durch den Hals derselben verdünsten.

2) aus einer großen Flasche, EFG, welche in ihrer Mündung E einen Theil, Dm, des Halses des Trichters aufnimmt, und beinahe einen Imperialgallon faßt „(10 Pfd.)“ so daß sie allen Regen sicher aufnehmen kann, der während 12 Stunden aus dem Trichter in dieselbe gelangt.

3) aus einer cylindrischen Glasröhre (oder einem Maße) KL, deren innerer Durchmesser 1/2, 2/3 oder 3/4 Zoll betragen mag. Das untere Ende, L, ist geschlossen; das obere KK erweitert sich, oder ist trichterförmig, so daß aller Regen aus der Flasche leicht in dieselbe gegossen werden kann. An einer Seite derselben befindet sich ein Maßstab, von L bis K, welcher so eingetheilt ist, daß die Grade Kubikzolle und Zehntelkubikzolle ausdrüken.

4) aus einem Zoll diken Brett, DI, von gehöriger Länge, welches an einem geschüzten Orte senkrecht gehörig befestigt, und mit drei Anhängseln versehen ist: nämlich 1) mit einer horizontalen Bühne, HG, die also auf DJ senkrecht und ungefähr 3 1/2 Fuß von dem Boden entfernt ist: auf dieser steht die Flasche. 2) aus einem eisernen Reife, cde, der an das Brett bei c und e angenagelt ist, und die Flasche in jedem Sturme festhält. 3) aus zwei starken eisernen Drachen, fg, hi, die bei g und i in das Brett eingelassen oder eingeschraubt sind, und bei f und h Ringe bilden, welche die Röhre KL festhalten, so daß man jeden Augenblik die Zahl der Hundertel-, Zehntel und Ganzen Kubikzolle bestimmen kann, die in die Flasche fielen, und folglich auch die Tiefe des Regens in der Nachbarschaft in Hunderteln, Tausendtheilen und Zehntausendtheilen eines Zolles.

Erklärung. Da die Oberfläche der Mündung des Trichters 100 □ Zoll beträgt, so ist es offenbar, daß 100 Kubikzoll Regenwasser in die Flasche fallen müssen, wenn ringsumher im Orte der Beobachtung Einen Zoll tief Regen fiel; und da jeder Kubikzoll Wasser in der Flasche der hundertste Theil der ganzen Wassermenge ist, so muß dieser den hundertsten Theil eines Zoll tief gefallenen Regens andeuten. Folglich muß jeder zehnte und hunderte Theil eines Kubikzolles dieses Wassers, wenn er in der mit dem Maßstabe versehenen Röhre abgemessen |438| wird, den tausendsten und zehntausendsten Theil eines Zoll tiefen Regens andeuten.

Wenn der innere Durchmesser der Glasröhre KL nur einen halben Zoll beträgt, so ist der Flächeninhalt der Durchschnittskreisfläche derselben = 0,19635, oder etwas weniger als 1/5 □ Zoll; was beinahe 509 1/3 Mal in den 100 □ Zollen des Flächeninhaltes der Trichtermündung enthalten ist. Un da die Tiefe gleichräumiger Maße sich wechselseitig wie der Flächeninhalt ihrer Basen verhält, oder wie der correspondirende Durchschnitt, so ist es klar, daß, um 100 Kubikzoll Regenwasser zu messen, die in der vierekigen Mündung des Trichters einen Zoll tief stehen, eine 509 Zoll lange oder tiefe Glasröhre von 1/2 Zoll inneren Durchmesser erfordert wird. Der hundertste Theil dieser Länge, oder beinahe 5 1/10 Zoll dieser Röhre wird also nothwendig seyn, um Einen Kubikzoll zu fassen, oder den hundertsten Theil eines Zoll tiefen Regens zu messen. Ein halber Zoll wird nöthig seyn, um den zehnten Theil eines Kubikzolles zu fassen, oder den tausendsten Theil eines Zoll tiefen Regens zu messen, und folglich der zehnte Theil eines halben Zolles dieser Röhre, oder ein Zwanzigstel Zoll derselben, um den hundertsten Theil eines Kubikzolles zu fassen, oder den zehntausendsten Theil eines Zoll tiefen Regens zu messen. Es ist offenbar, daß eine Tiefe oder Länge, die auch noch um vieles kleiner ist, als der zwanzigste Theil eines Zolles, leicht mit freiem Auge ohne alles Vergrößerungsglas wahrgenommen werden kann.

Wenn auf ähnliche Weise eine Röhre von 2/3 bis 3/4 Zoll als Maß in Grade getheilt wird, so sind die lezten Eintheilungen eines solchen Maßes, selbst wenn sie nur bis auf ein Zehntel eines Kubikzolles ausgeführt werden, hinreichend einen aufmerksamen Beobachter in den Stand zu sezen, die Tiefe des rings um den Regenmesser gefallenen Regens bis auf den zehntausendsten Theil eines Zolles zu bestimmen.

Was die Kosten betrifft, so kann der Trichter mit dem Brette sammt Zugehöre und der Flasche wahrscheinlich nicht mehr als 3 Shilling 6 Pence (2 fl. 16 kr.) oder 3 Shill. kosten. Die in Grade getheilte Röhre kann man sich zu London in Hrn. Knight's Chemical-Instrument Warehouse für 2 Shill. oder 2 Shill. 6 Pence beilegen. Der ganze Regenmesser kommt also auf 6 Shill. (3 fl. 36 kr.), was eine wahre Kleinigkeit ist, wenn man bedenkt, daß Regenmesser, die die Tiefe des Regens in der Nachbarschaft nur auf den hundertsten Theil eines Zolles andeuten, vier bis fünf Guineen kosten.

Wenn man sich nur einer in Grade getheilten Röhre, eines solchen Trichters und einer gewöhnlichen Flasche bedienen wollte, die man vier bis fünf Zoll tief in die Erde taucht; so würde die ganze Auslage nur 3 1/2 – 4 Shillings betragen. Wenn es aber stark regnet, |439| würde eine kleine Flasche nicht allen Regen fassen, der im Verlaufe von 5–6 Stunden fällt; so daß eine kleinere Flasche, zumal bei der Nacht, wenig nüzen würde.

Hr. Adam bediente sich dieses Regenmessers seit dem 18. September vorigen Jahres; er that ihm sehr sehr gute Dienste. Obschon der mittlere innere Durchmesser der graduirten Röhre etwas mehr als 3/4 oder beinahe 0,9 Zoll beträgt, und von unten nach oben etwas abnimmt, so daß der Abstand zwischen den Abtheilungen für 1/10 Kubikzoll zwischen 5/40 und 4/80 Zoll spielt, so kann er doch die Tiefe des in der Nähe dieses Regenmessers gefallenen Regens leicht bis auf 1/10000 Zoll damit bestimmen.

Die Tiefe des gefallenen Regens wird daher in das Tagebuch in Zollen und vier Decimalen eines Zolles eingetragen: die ersten zwei Decimalen erhält man aus den Kubikzollen, und die beiden lezteren aus den Zehnteln und Decimalen eines Zehntels eines Kubikzolles auf dem graduirten Maßstabe. Hiernach wird also eine Menge Regens, welche 17,88 Kubikzoll in der graduirten Röhre gibt, in dem Register als 0,1788 Zoll tiefer Regen eingetragen. Eine Menge Regens von bloß zweihundertel Kubikzoll in der graduirten Röhre steht im Register als 0,0002 oder zwei Zehntausendtheile eines Zoll tiefen Regens. Dieß ist allerdings eine äußerst geringe Menge Regens: es gibt aber sehr viele solche geringe Anzeichnungen von 1/10000 bis 15/10000 eines Kubikzolles. Es ist merkwürdig, daß die meisten dieser kleinen Anzeichnungen für Miniaturregen, für Absaz des Thaues aus der in der Flasche eingeschlossenen Luft gelten, indem man bemerkte, daß die Menge des Betrages derselben mit den Veränderungen der Atmosphäre und der Temperatur wechseln, und häufig bei reinem Himmel Statt hatten und eingezeichnet wurden, wo kein Regen aus der Luft fiel. Diese hier bemerkten Einzeichnungen können daher nur als Maße der verschiedenen Mengen Thaues betrachtet werden, welcher aus der in der Flasche enthaltenen Luft abgesezt wird, je nachdem die Temperatur oder die Witterung gleichzeitig wechselt.

Erklärende Anmerkungen.

10 Zoll × 10 = 100 □ Zoll; = dem Flächeninhalte der vierekigen Mündung an Hrn. Adam's Regenmesser.

1/2 × 3,1416 × 1/2 × 1/4 = 0,7854 × 1/4 = 0,19635 eines □ Zolles = dem Flächeninhalte des kreisförmigen Durchschnittes einer Röhre von 1/2 Zoll Durchmesser.

Nun ist 100 × 1 Zoll Tiefe = 0,19635 l Zoll Tiefe. Also 100 ÷ 0,19635 = 509,2946 oder 509,3 Linealzoll ungefähr, = l = der Länge einer Glasröhre (von 1/2 Zoll Durchmesser), welche 100 Kubikzoll enthalten, oder einen 1 Zoll tiefen Regen messen soll.

|440|

1/100 = 5,09 Zoll = 5 1/11 Zoll beinahe = Länge der Röhre, die einen Kubikzoll faßt, und 1/100 eines Zoll tiefen Regens mißt; = m.

m/10 = 5/10 = 1/4 Zoll = der Länge, die 1/10 Kubikzoll faßt, und 1/1000 eines Zoll tiefen Regens, = n, mißt.

n/10 = 1/2 ÷ 10 = 1/20 Zoll der besagten Röhre, die 1/100 eines Kubikzolles Regenwasser faßt, und 1/10000 eines Zoll tiefen Regens mißt.

––––––––

Es folgt nun eine Berechnung des Regenmessers des Hrn. Adie zu Edinburgh, den derselbe für die Akademie zu Inverneß verfertigte. Hrn. Adam's Regenmesser stimmt in seinen Angaben genau mit demselben, nur daß er noch genauer ist.

Man wird an diesem Regenmesser des Hrn. Adam bemerkt haben, daß, so zwekmäßig auch seine Röhre graduirt ist, es doch immer sehr langweilig, d.h., mit einem großen Zeitaufwande verbunden ist, das Regenwasser aus der Flasche EFG in die graduirte Röhre überzuleeren, und in dieser zu messen. Es kann auch leicht etwas verschüttet werden.

Würde es daher nicht besser seyn, wenn man dem Behälter des Regenwassers, in welchen das Wasser aus dem Trichter gelangt, die Form einer communicirenden Röhre gäbe, UXYZ, welche nach Art der uralten langschenkeligen Barometer eingerichtet ist, Fig. 15. Wenn der Schenkel UX nur 10 □ Zoll in seiner Durchschnittsfläche hält, so darf er nicht höher als 20 Zoll seyn, um 200 Kubikzoll, oder 10 Pfund (à 16 Unzen) Wasser zu fassen. Wenn man nun der Röhre YZ in ihrem Aufsteigen nur eine 10 Mal größere Länge gibt, als UX, so wird jeder Kubikzoll Wasser durch eine Länge von Einem halben Zoll ausgedrükt seyn, den man sehr leicht in 10 Theile und mit Vermir in 100 Theile theilen kann, so daß man mittelst dieser Vorrichtung eben so genau und noch weit bequemer arbeiten kann. Denn, nach gemachter Beobachtung, darf man nur das Brett, auf welchem die Röhre nach gewöhnlicher Art aufgezogen ist, umneigen, und das gesammelte Wasser wird auslaufen. Es ist offenbar, daß die Graduirung des Schenkels YZ nach dem Inhalte des Schenkels UX mit aller Sorgfalt durch Eingießung einzelner halber Kubikzolle destillirten Wassers in den Schenkel UX geschehen muß.

Es ist bei Hrn. Adam's Regenmesser nicht bemerkt, daß er, insofern die Flasche aus Glas ist, an einem frostfreien Orte seyn muß, wenn man sich desselben im Winter bedienen will. Die Röhre des |441| Trichters müßte also durch die Wand in das Zimmer des Beobachters laufen, was auch bei dem Regenmesser als communicirende Röhre nothwendig ist. Selbst bei dieser Vorsicht wird aber im Winter bei schnellem Wechsel der Temperatur, bei Glatteise etc. manche Ungelegenheit sich einstellen, die die Strenge ombro- und chiometrischer Beobachtungen (der Regen- und Schneemesser) und die nöthige Schärfe in der Bemessung der Menge des Niederschlages wohl noch lang, wenn nicht für immer, ein pium desiderium im Gebiete der Meteorologie und der Physik wird bleiben lassen.

Es ist keine bloß physikalische Curiosität, wenn man die Menge des gefallenen Regens in einem bestimmten Zeitraume mit Genauigkeit bemißt; denn sie ist nicht bloß für den Meteorologen und Physiker, für den Arzt und Techniker, sie ist auch für den Landwirth höchst wichtig. Wenn wir in Deutschland unsere Landwirthe zu wenig mit dem Gebrauche der Barometer, Thermometer, Hygrometer, Elektrometer, Anemometer und der Spinnen, als der sichersten Wetterpropheten, vertraut finden; so finden wir noch weit seltener einen Ombrometer (einen Regenmesser) bei, ihnen, obschon wir sie doch beinahe täglich klagen hören, daß es zu wenig oder zu viel regnet. Fragen wir sie geradezu: „wie viel ist denn aber wirklich Regen gefallen?“ so wird keiner derselben Bescheid zu geben wissen, außer derjenige, der die gehörigen Beobachtungen am Regenmesser angestellt hat. Daß die Beobachtungen mit dem Regenmesser auf dem festen Lande zu sehr vernachlässigt wenden, wird jeder denkende Landwirth mit uns fühlen.

A. d. Ue.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: