Titel: Industrieausstellung in Basel und Mühlhausen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. XXII./Miszelle 2 (S. 62–64)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037022_2

Industrieausstellung in Basel und Mühlhausen.

Beinahe zu derselben Zeit hatten in unserer Gegend zwei Ausstellungen einheimischer Industrie Statt; eine oberrheinische in Mühlhausen und eine baslerische.

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Wenn die erstere in Mühlhausen der frühern vor zwei Jahren auf den Besuch des Königs veranstalteten auch etwas nachzustehen schien, so bot sie doch, wie zu erwarten war, immer Beweise genug von dem ausgezeichneten und unermüdet fortschreitenden Gewerbfleiße jenes Departements dar. Unter den vielen Proben der Drukerei, Weberei und Spinnerei bewunderte man vornehmlich die Garnmuster der HHrn. N. Schlumberger in Gebipyler, die Baumwollengespinnste bis auf N. 200 für Kette und N. 300 für Einschlag aufwiesen. Sehenswerth war ferner in Webstuhl mit mechanischem Tempel oder Spannapparate von Hrn. Heilmann, dem Erfinder der Stikmaschine – von der leider nichts, auch Producte nicht zu sehen waren. Die, hinsichtlich der Einrichtungen der vorhandenen trefflichen Maschine, nach Kennerurtheil erste Maschinenfabrik Frankreichs, die von Hrn. A. Köchlin hatte, so wie die Eisengießerei von Hrn. Stebelin mehrere schöne Arbeiten aufgestellt. Schlösser, Quincaillerieartikel, und Uhrenbauschen lieferten die Hrn. Japy. Vorzüglich bemerkenswerth waren uns die Muster von Rübenzuker aus der neulich erst errichteten Fabrik des Hrn. Köchlin zu Homburg, und die Papierproben (bon papier saus fin) und einige Tapeten der Zuber'schen Fabrik: so wie endlich die vielen und mannichfaltigen Fabrikartikel aus dem großen Strafarbeitshause zu Ensisheim. Zu den Merkwürdigkeiten gehörte ein kleiner Dampfwagen, mit dem in den ersten Tagen unter den Arkaden des schönen, noch immer aber wenig bewohnten, neuen Quartieres Versuche angestellt wurden.

Noch interessanter wohl, wenn auch kaum reicher an gediegenen Producten, darf aber die Baslerische Ausstellung genannt werden; bis jezt hatten nur Genf, Bern und St. Gallen ähnliche Ausstellungen in der Schweiz veranstaltet. In dem strengzünftigen Basel eine solche zu versuchen schien um so gewagter, da der Fabrikant Theil zu nehmen wenig Interesse haben konnte, und dem Handwerksstande manches Vorurtheil gegen eine, von den Gegnern des Zunftzwangs hauptsächlich ausgegangene Unternehmung zuzutrauen war. Um so mehr überraschte daher der Erfolg; nicht ohne Erstaunen sah man die beiden großen Säle des neuen Casinos mit den verschiedensten Gegenständen einheimischer Industrie angefüllt, und recht geschmakvoll ausgeziert. Alles lieferte die Stadt und der kleine Kanton; denn nur wenige in Frankreich angesiedelte Basler nahmen Theil. Unter den Eingaben der lezteren glänzten freilich die schönen Casimirgespinnste des Hrn. Hinderlang in Paris, und die vortrefflichen Eisengußartikel (von erstem Guß) des Hrn. Paravicini in Lützel.

In Beziehung auf die eigentlichen Fabrikate so erfreute vorerst unter denselben so manche Producte ganz neu eingeführter Industriezweige zu erbliken; wie z.B. mancherlei Seidenzeuge, feines Floretgespinnst; Baumwollen- und mechanischgesponnenes Flachs-Garn, Strohhüte, Stahlrietblätter, viele chemische Producte, und namentlich noch von der Wolle an hier verfertigte feine Wollentücher – dann aber mußte Jedermann die ganz ausgezeichneten Muster bewundern, die mehrere unserer Seidenbandfabriken eingesandt hatten; und die von den rühmlichsten Fortschritten dieser wichtigen Fabrikation in den lezten Jahren zeugen. Wie diese Industrie, die jährlich über 3000 Cent. Seide verbraucht, troz allen äußeren Hemmungen, fortdauernd blüht, und keine Concurrenz fürchtet, war allerdings bekannt, daß sie aber in dem Grade wie hier bewiesen wurde, auch in der Verfertigung der künstlichsten Bänder mit den französischen Fabriken zu wetteifern vermag, war Vielen eine überraschende Erscheinung. Was übrigens das Interesse dieser Sammlung noch erhöhte, waren zwei neue und vorzüglich gearbeitete Bandstühle und ein Arbeiter sezte denselben von Zeit zu Zeit in Gang; auf dem einen, einem Jacquartstuhl waren mehrere Bänder mit der in einem zierlichen Kranze eingewebten Inschrift: „zur Industrieausstellung 1830“ eingezogen; der andere, ein ganz aus Eisen gefertigter achtläufiger Stuhl mag leicht auch die vollendetsten Maschinen erreichen wo nicht übertreffen, die in Lyon oder St. Etienne zu finden sind.

Was die sogenannten Handwerksarbeiten betrifft, so zeigten auch diese, und namentlich die Tischlerwaaren, die Lederwaaren, und die in einem eigenen Raum zur Schau gestellten Wagen, daß manche Handwerker treffliches leisten können; zweifelhafter blieb, ob sie mit anderen hinsichtlich der Preise zu concurriren vermögen. Immerhin wird Jeder anerkennen, daß eine solche Ausstellung mehrfachen Nuzen haben kann, und wohlthätig zur Belebung des Kunstfleißes wirken muß. Schon das allgemeine Interesse, das sie unter allen Classen der Einwohner |64| erregte, muß einen heilsamen Einfluß äußern. Es ist daher noch insbesondere zu loben, daß der Eintrittspreis so niedrig (auf 8 kr. nur) gesezt wurde, daß diese wahrhaft gemeinnüzige Unternehmung auch dem Unbemittelten zugänglich wurde. Ohne Zweifel wird dieser glükliche Erfolg dieses ersten Versuches in wenig Jahren zu einem zweiten, so wie andere Schweizerstädte zu ähnlichen ermuntern.

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