Titel: Wie es mit Betriebsamkeit in Bayern im J. 1830 nach Christi Geburt beschaffen ist. Zur Kunde für diejenigen, die in diesem Lande Fabriken errichten oder Güter kaufen und Landwirthschaft treiben wollen. Aus dem Wochenblatte des landwirthschaftlichen Vereins in Bayern. N. 37. den 15. Junius 1830. (Im Auszuge.) (Mit Anmerkungen.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. XXII./Miszelle 44 (S. 76–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037022_44

Wie es mit Betriebsamkeit in Bayern im J. 1830 nach Christi Geburt beschaffen ist. Zur Kunde für diejenigen, die in diesem Lande Fabriken errichten oder Güter kaufen und Landwirthschaft treiben wollen.
Aus dem Wochenblatte des landwirthschaftlichen Vereins in Bayern. N. 37. den 15. Junius 1830. (Im Auszuge.)
(Mit Anmerkungen.)

Der strenge Winter vom J. 1829 auf 1830 hat dem Landwirthe nicht geschadet; „blikt man aber in den Kalender auf die Feyertage, so erfüllen diese das Gemüth des armen Landwirthes wieder mit ganz anderen trüben Vorstellungen, weil das, was die Vorsehung auf der einen Seite dem Menschen gewähren will, der Mißbrauch der Religion65)auf der anderen zerstört.“

„Folgendes ist die Uebersicht dieser Unheil bringenden Feiertage, welche in einer fruchtbaren Gegend Bayerns in einer Ausdehnung von 4 □ Meilen in einem Jahre gefeiert werden. Es werden diese Feiertage zwar auf einem viel Mal größeren Bezirke gefeiert,66)man will sich jedoch absichtlich nur auf diesen beschränken.“

„Sonntage52
„Andere noch von der katholischen Kirche gebotene Feiertage,
welche fast durchgehends auf Werktage fallen

16
–––
68

Also unter 365 Tagen 68 gebotene Feiertage; d.h., die Arbeitstage verhalten sich zu den Tagen, an welchen nicht gearbeitet wird, wie 5 = 1; d.h. jeder fünfte Tag ist ein gebotener Feiertag.

„Sogenannte abgeschaffte, ebenfalls auf Arbeitstage fallende Feiertage, welche nun wieder gefeiert werden, gibt es folgende: 1) Sebastiani „(wegen der Pest);“ 2) Mariä Vermählung; 3) Blasius „(wegen Halsweh);“ 4) Simeon „(Aposteltag);“ 5) Fastnachtdienstag; 6) Aschermittwoch; 7) Gründonnerstag; 8) Osterdienstag; 9) Philipp und Jakob |77| „(Aposteltag und jezt auch noch wieder das beliebte Maibaumfest, welches jährlich ein paar Duzend Krüppel in die Spitäler bringt);“ 10) Heil. Kreuz-Erfindung; 11) Florian „(der Feuerpatron, der in Bayern mehr gilt, als alle Feuerassecuranz);“ 67)12) Pfingstdienstag; 13) Herz-Jesu-Fest „(dieses Herz-Jesu-Fest hat in vielen Städten und Märkten die sogenannte Herz-Jesu-Bruderschaft, deren Congregationen und Leichen wenigstens 8 Tage, in großen Städten, wo die Bruderschaft stark ist, und viele Leichen sind, wohl auch 14 Tage reine Zeit wegnimmt);“ 14) Mariä Heimsuchung; 15) Anna; 16) Laurentius „(wegen der Viehseuchen);“ 17) Bartolomäus; 18) Matthäus „(beide Apostel);“ 19) Michael; 20) Simon und Juda „(Apostel);“ 21) Aller Seelentag „(für die Abgestorbenen. An diesem Tage gehen mehr als 50,000 Thlr. Wachs nach Rußland, was auf den Kirchhöfen und in den Kirchen verbrannt wird);“ 22) Martini „(Patron der Gänse; der Gewerbsmann muß seinen Gesellen eine Gans braten lassen, damit sie ihm von diesem Tage an bei Kerzenlicht arbeiten);“ 23) Katharina; 24) Andreas; 25) Thomas „(beide Apostel);“ 26) Christabend; 27) Joh. Evangelist; 28) Unschuldige Kindertag; 29) Thomas, Bisch; 30) Sylvester; 31) der Tag des Kirchenpatrones. „(Der Hr. Verfasser hätte hier noch die Kirchweihtage und Nachkirchtage, wie man sie heißt, füglich zurechnen können.)“ Er zählt, sehr mäßig also, nur 31 sogenannte abgebrachte Feiertage.

„Ferner sogenannte halbe Feiertage, an welchen nur des Nachmittags gearbeitet wird, 10, im Ganzen 5 volle Tage.“

„Kreuztage in der Kreuzwoche und Schauer“ (i. e. Hagel-) Freitage, 4 Tage.“ „(Der Hr. Verfasser hätte auch die sogenannten schmerzhaften Freitage in der Fasten anführen können, wo mehrere Stunden des Tages verloren gehen.)“

„Zwei sogenannte Schlengeltage und Marktzeiten.“

„Obschon die sogenannten Feierabende mehr abkommen, so kann man sie doch noch immer des Jahres auf 4 Tage in Anschlag bringen.“

Die Summe dieser abgeschafften Feiertage beträgt demnach 46 Tage, und 365 Tage des Jahres verhalten sich zu 46 abgeschafften Feiertagen, wie 8 zu 1; d.h. jeder achte Tag ist ein abgeschaffter Feiertag. Der verehrte Hr. Verfasser hätte bemerken können, daß die Dienstboten und Handwerker in Bayern ehe zu vermögen sind, an einem Sonntage zu arbeiten, als an einem gebotenen Kirchenfeiertage, und daß gerade die abgeschafften Feiertage oder die abgebrachten Feiertage diejenigen sind, auf welche sie am meisten versessen sind. 68 gebotene + 46 abgeschaffte Feiertage = 114 Tage; und 365: 114:: 3 zu 1; d.h., jeder dritte Tag in dem heutigen Bayern ist ein Tag, an welchem nicht gearbeitet werden darf.

„Hieraus folgt“ sagt der Hr. Verfasser „der ganz richtige Schluß, daß, wenn ein Landwirth nur drei arbeitsfähige Personen hat, er eine derselben bloß für Nichtsthun, d.h. wegen der Feiertage, löhnen, beköstigen, und, wie es oft der Fall ist, auch noch zum Theile kleiden muß.“

Er berechnet, gewiß äußerst billig, die Kosten eines Dienstboten bei dem gegenwärtigen Preise der Lebensmittel in Bayern für das Jahr

„anGetreide auf30 fl.
Butter und Schmalz16 –
Gemüse 3 –
übriges Zugehör sammt Fleisch und Festtagen 5 –
Milch 3 –
––––
also für Kost57 –
Lohn für einen Knecht38 fl.
– – eine Dirne18 –
––––
Mittel28 – für Lohn28 –
Kleidung im Durchschnitte 5 –
––––
also reinerVerlust durch die Feiertage bei drei Dienstboten90 fl.“
|78|

Der Bezirk, von welchem der Hr. Verfasser spricht, hat auf 4 □ Meilen 1000 Familien. Er rechnete auf jede Familie 6 Köpfe, wovon aber 3 durch Kindheit, Alter oder Krankheit, zur Arbeit unfähig sind, so daß also nur 3000 arbeitsfähige Individuen übrig bleiben, wovon 750 auf die □ Meile kommen. Da aber von 3 Arbeitern, wie man oben sah, einer bloß der Feiertage wegen bezahlt wird, so fallen von obigen 3000 Arbeitern 1000 weg, und da jeder derselben 90 fl. kostet, so fällt auf eine Streke Landes von 4 □ Meilen ein jährlicher Verlust von 90,000 fl., oder auf jede Quadratmeile ein jährlicher Verlust von 12,500 fl.

Und wie kann Landwirthschaft betrieben werden, wo bei 750 Menschen auf die □ Meile eigentlich nur 500 wirkliche Arbeiter zu rechnen sind, also ungefähr 18 Tagwerk bebauten Landes auf Einen Arbeiter fallen?

Wenn man die Sonntage und die von der katholischen Kirche in Bayern 68) gebotenen Feiertage geheiligt bleiben läßt, und bloß die abgeschafften Feiertage in Rechnung bringt, so sind unter 3000 Menschen 375, die dieser abgeschafften Feiertage wegen gehalten werden müssen, und der Verlust steht noch immer zu 33,750 fl. für die Landwirthe, einen Dienstboten zu 90 fl. jährlich gerechnet.

Der Hr. Verfasser schäzt den Werth der Arbeit eines Individuums sehr mäßig auf täglich 24 kr., und findet somit, daß an Arbeitsertrag durch obige 46 Feiertage bei 3000 Menschen täglich 1200 fl., oder, dieser 46 Feiertage wegen, jährlich 55,200 fl. verloren gehen. – Wir wollen aber diese Rechnung auf ganz Bayern ausdehnen, und nur 300,000 arbeitende Menschen annehmen, die täglich 24 kr. gewinnen können, wenn sie arbeiten, so gibt dieß einen Verlust für das Land, um 46 abgeschaffter Feiertage willen, von jährlich 2,186,000 fl. Noch größer wird dieser Verlust, der durch die 46 Feiertage entsteht, wenn man den Verlust der Unterhaltungskosten der Dienstboten mit dem Verluste an Ertrag der Arbeit zusammenrechnet: nach dieser von dem Hrn. Verfasser vorgenommenen ganz einfachen Addition beträgt er nämlich bei den 1000 Familien seiner Gegend nicht weniger als 88,950 fl. Bei 50,000 Familien beträgt er 4,672,500 fl.; oder beinahe den fünften Theil der Staatseinnahme.

Sehr wahr, und in einer Sprache, die man nur in den guten alten Zeiten Bayerns, vor 15–20 Jahren, noch an der Isar zu hören gewohnt war, sagt der patriotische Hr. Verfasser:

„Wie groß ist aber erst der Nachtheil, wenn Mißwachs oder ein Unglüksjahr den Landwirth treffen? Wirklich geräth er auf den Punkt, Haus und Hof zu verlassen; es gibt nur wenige Bauern mehr, die das Verderbliche dieses Mißbrauches nicht fühlen. Allein, gegen die Gewohnheit zu handeln, ist für einen Einzelnen nicht rathsam, weil er sich der Gefahr aussezen würde, keinen Dienstboten mehr zu bekommen;69) und so verdirbt der Landwirth oder Bauer unvermeidlich, wenn dieses Uebel nicht vom Grunde ausgerottet wird. Eben so würden Fabriken und Gewerbe in solchen Gegenden unter solchen Mißbräuchen niemals aufkommen können, weil das so benöthigte Capital des Bauers die Lebens-Mittel, und diese wieder die Fabrikate so vertheuerten, daß sie mit anderen Fabriken nicht mehr zu concurriren wüßten.“

„Merkwürdig ist es übrigens in geschichtlicher Beziehung, daß selbst in den ersten drei Jahrhunderten, welche doch sehr viele Heilige geliefert haben,70) und selbst unter Karl dem Großen außer den Sonntagen, Ostern, Pfingsten und noch sehr wenigen anderen Festtagen keine Feiertage vorkamen; vielmehr glauben viele aus den Aussprüchen des heil. Augustinus, daß selbst an den Sonntagen die Enthaltungen |79| von knechtischen Arbeiten nicht geboten war.71) Lang erhielten sich diese Gebote, und erst dann, als man anfing den Feiertagen die wahre Bestimmung zu entziehen, und sie vielmehr ganz zwekwidrig und sittenverderbend zu gebrauchen, wie es gegenwärtig der Fall ist, daß in diesen Tagen alle Arten von Ausschweifungen verübt werden, haben sie sich vermehrt.“

„Selbst in dem religiösen Spanien wurden unter den Päpsten Benedict XIII. und XIV. siebenzehn solche Feiertage abgeschafft, die zu keiner Zeit mehr in das Leben traten; und in allen aufgeklärten Staaten ist man bemüht gewesen, ihre Zahl durch Abschaffung oder durch Verlegung auf den nächsten Sonntag zu vermindern, wodurch die wahre Religion eben so wenig leidet, welche ihren Altar in jedem guten Herzen findet, als sie durch die Vermehrung der Mirakelbilder u. d. gl. gehoben wird.“

„Ein Vereins-Mitglied.“

Man wünscht weitere Bemerkungen

sagt der Verein. Wir erlauben uns welche beizufügen, nicht um diesem Jammer abzuhelfen, sondern um zu zeigen, woher er kommt.

Es gibt eine gewisse Classe von Menschen, von welchen der alte M. Dr. Pier Angelo Manzolli, Leibarzt eines der größten Fürsten Italiens, schon vor Jahrhunderten sang: Mercede colentes, non pietate Deum. Tolle autem lucrum, superos et sacra negabunt.“ Diese guten Leute leben „wie die Lilien auf dem Felde. Sie arbeiten nicht etc.,“ und wollen doch reich werden, und sind reicher geworden, als Niemand außer ihnen es geworden ist. Sie kamen auf die schönste Weise von der Welt zu ihren Schäzen, denn sie ließen sich dieselben schenken. Wie kann man nun glauben, daß diejenigen, die auf diese Weise zu ihren Gütern kamen, jemals aufhören werden, die Hände auszustreken, um sich schenken zu lassen? An jedem der obigen 114 Tage bekommen diese Leute Geld geschenkt. Wären sie klug, wenn sie die Zahl der Schenktage verminderten, oder sind sie nicht vielmehr klüger, wenn sie die Zahl derselben noch mehr vermehren, und mit einer den Bettlern eigenen Hartnäkigkeit auf den bereits bestehenden Schenktagen beharren? Ueberdieß ist nach der in Bayern jezt beinahe allgemein angenommenen Lehre eines der größten Moralisten, der mehr Land, als Bayern allein, beherrscht, „die Sünde der Weg zu Gott.“ Je mehr Feiertage, desto mehr wird getrunken, gespielt, gelumpt, und je tiefer der Mensch dadurch gefallen ist, desto mehr bezahlt er um wieder empor gehoben zu werden. Eben diese Classe hat die Erziehung des Volkes in ihren Händen; und sie hat es dahin gebracht, daß jezt auf dem Lande weniger Leute lesen und schreiben können, als in den finstersten Zeiten Karl Theodors, und daß diejenigen, die lesen können, nichts lesen dürfen und wollen, als von Herz Jesu etc. etc. Hine illae lacrimae von der einen Seite.

Von einer anderen ist eine zweite Classe von Leuten, die man Finanzgehülfen nennt. Diese sehen das Wohl des Staates und ihres Amtes einzig und allein in den Bierpfennigen, und diese Herren rechnen so: je mehr Feiertage, desto mehr wird getrunken; je mehr getrunken wird, desto mehr Vierpfennige: man muß also über die vielen gesezlichen und über die ungesezlichen Feiertage ein Auge zudrüken. Der Staat gewinnt dabei. So hörte Einsender Finanzministerialräthe sprechen, die er nennen könnte. Die Geschichte Bayerns wird diese Namen eben so zu verewigen wissen, wie die Geschichte N. Amerika's die Namen derjenigen Engländer aufbewahrte, die dem armen Wilden den lezten Biber für eine Flasche Brantwein zu entloken wissen, in welchen sein Weib ihren Säugling hüllt, und die Namen der allerchristlichsten und allerkatholischsten Negerhändler, die, gleichfalls mit Brantwein und Tabak, den Neger zum Verkaufe seiner ganzen Familie und endlich seiner eigenen Person verführen. Dieß nennen die Herren indirect zu Werke gehen; dieß sind die indirecten Auflagen, die Niemanden drüken, aber das Gesammtwohl des Staates erstiken.

Noch eine Classe endlich, der es an Erhaltung dieses furchtbaren viertägigen Faulheitsfiebers gelegen ist, ist die der Güter- oder vielmehr der Bauern- und Brauhausbesizer; denn es ist kein bedeutendes Gut ohne Brauhaus in Bayern. Es ist |80| sehr natürlich, daß derjenige, der ein Brauhaus besizt, den Absaz des Biers, das er braut, d.h. in den meisten Fällen den einzigen bedeutenden Ertrag seines Gutes gern vermehrt sieht. Er wird also, je nachdem er mehr oder weniger perfidus atque malignus Caupo ist, die Mittel zum Absaze seines Bieres zu fördern suchen, oder sich wenigstens nicht sträuben, wenn er die Gelegenheit hierzu vermehrt sieht. Und eine der besten Gelegenheiten hierzu sind die abgebrachten Feiertage, die Kirchweihen, die Wahlfahrten etc. In jedem Orte, (und zuweilen ist sogar caupona, pro oppido) ist neben der Kirche das Wirthshaus, und von drei Individuen, die zur Kirche gehen, gehen gewiß zwei auch in das Wirthshaus. Sezen wir nun daß von jenen 3000 Menschen, welche oben in Rechnung gebracht wurden, nur 750 nach der Kirche in die Wirthshäuser gehen, so gibt dieß einen Ertrag für das Brauhaus von 125 fl. für jeden Kirchgang, wenn jeder nur um 6 kr. Bier trinkt, und für 46 abgebrachte Feiertage, also jährlich, 5750 fl.; eine Einnahme, die man nicht leicht gern verschmerzen wird.

Da nun die drei oben erwähnten Classen von dem höchsten Einflusse auf das Volk sind, und jede derselben in dem Maße gewinnt, als viel getrunken und wenig gearbeitet wird; da noch eine andere Classe, deren Einfluß gleichfalls nicht unbedeutend ist, sehr dabei gewinnt, wenn viel gerauft wird, und desto mehr gerauft wird, je mehr getrunken wird; so läßt sich leicht begreifen, wie die wohlthätigen und weisen Absichten der Regierung, welche die Abstellung der Feiertage und die Aufrechthaltung ihrer Geseze wünscht, von allen Seiten im Stillen untergraben und vereitelt werden. Quid leges sine moribus vanae proficiunt? So lang nicht die Regierung selbst Mores lehren kann und darf; so lang sie dieses wichtige Amt denjenigen überlassen muß, die zu der furchtbaren Ueberzeugung gelangt sind, „die Sünde ist der Weg zu Gott;“ so lang diese Classe nicht Staatsbeamter ist, und als solcher, lediglich unter der Controlle höherer Behörden steht; so lang diese Classe zweien Herren dienen darf, wovon sie nach dem Evangelium den einen hassen, und den anderen lieben muß; so lang läßt sich um so weniger Heil erwarten, als pekuniäres Interesse anderer mächtiger Classen dabei leidet, und leztere über ihre wahren Vortheile noch nicht gehörig aufgeklärt sind. Wie lang indessen dieser Unfug noch fortbestehen kann, ohne daß die Landwirthe auf die Gant kommen und die wenigen Fabrikanten, die Bayern noch hat, Bankerott machen müssen, mögen diejenigen berechnen, die es veranlaßten. Das alt bayersche Volksliedchen, aus den Zeiten wo Bayern noch eine stehende Armee von Mönchen mästete, und wo in den Klosterkellern gesungen wurde:

Sauf, Brüderl, sauf! Der Thaler geht schon drauf! Morgen kommt der Kapuziner, Bringt a Butten voll Siebenzehner etc.

wird endlich verstummen müssen; der lezte Thaler wird darauf gegangen seyn, und der Kapuziner mit seinen Siebenzehnern wird ausbleiben, wenn wir auch wieder Kapuziner in Bayern das Land nach allen Richtungen durchstreichen sehen.

|76|

Bei aller Hochachtung, die wir für den verehrungswürdigen Hrn. Verfasser dieses Aufsazes fühlen, können wir doch nicht umhin, ihm gleich Anfangs zu widersprechen, indem er hier von einer Sache spricht, die uns eine bare Unmöglichkeit zu seyn scheint, nämlich vom Mißbrauche der Religion. Religion kann nicht mißbraucht werden, so wenig als Recht, als Arzenei, als Wahrheit; Religion hört in dem Augenblike auf Religion zu seyn, in welchem man es wagt sie mißbrauchen zu wollen, so wie Recht zu Unrecht, Arzenei zu Gift, Wahrheit zu Irrthum wird, sobald man sie mißbrauchen will. Das Heilige, das Gute, das Wahre läßt sich nicht mißbrauchen; es wird zum Absurden, zum Lächerlichen, zum Verderblichen, zum Phantome, sobald es in ungeweihte, unreine, unlautere Hände geräth. Insani sapiens nomen feret, aequus iniqui, Ultra quam fatis est virtutem si petit ipsam. A. d. E.

|76|

Im ganzen katholischen Bayern. A. d. E.

|77|

Der verehrte Hr. Verfasser hätte hier noch den Messire Jean de Prague am 16ten Mai anführen sollen, der im westlichen Bayern als Johannes von Nepomuk auf jeder Brüke und auf jedem Brükchen steht. Für das, was die Zerrbilder dieses Messire Jean seit seiner Heiligsprechung dem Volke kosteten, könnte nach einem geringen Anschlage, eine prachtvolle Hängebrüke über die Donau gezogen seyn. Der Hr. Verfasser hat auch nicht bemerkt, |78| daß die Heiligen Sebastian, Florian und Nepomuk sogenannte Octaven haben, d.h., daß sie 8 Tage lang nach ihrem Feste Nachmittags angebetet werden, und daß man seine Dienstboten und Arbeiter in diese sogenannte Octave gehen lassen muß, wenn man Glük und Segen im Hause haben will. A. d. E.

|78|

Die katholische Kirche gebietet nicht in jedem Lande gleich. Oesterreich ist sehr katholisch: es hat aber zwei Kirchenfeiertage, die in Bayern roth im Kalender stehen, weniger als Bayern; weder der Josephstag noch der Johannistag (24. Juni) sind in Oesterreich Feiertage. A. d. E.

|78|

Der Protestant als Fabrikant, der Wiedertäufer als Landwirth, muß seine katholischen Dienstboten diese Feiertage halten lassen. A. d. E.

|78|

Nicht so viel mit Erlaubniß des Hrn. Verfassers, als die lezten 20 Jahre. A. d. E.

|79|

Die Sonntagsfeier ist jezt das Stekenpferd, auf welchem der Bischof zu London erst im vorigen Monate den h. Augustinus und alle Kirchenväter so tüchtig niedergeritten hat, daß es zu besorgen steht, sie werden sich so leicht nicht wieder von diesem Unfalle erholen. A. d. E.

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