Titel: Probeeröffnung der Liverpool- und Manchester-Eisenbahn für die Directoren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. XLII./Miszelle 3 (S. 147–148)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037023_3

Probeeröffnung der Liverpool- und Manchester-Eisenbahn für die Directoren.

Der Manchester- und Liverpool-Mercury, und aus diesem das Mechanics Magazine, N. 358, S. 271. 19. Jun. 1830, berichtet, daß die Directoren der Liverpool- und Manchester-Eisenbahn ihre erste Fahrt auf dieser Bahn mittelst Dampfwagen auf der nun fertigen Eisenbahn von Liverpool nach Manchester machten. Um 5 Minuten nach 11 Uhr kamen sie zu Manchester in zwei Kutschen, vierzig an der Zahl mit allen Werkmeistern, glüklich an. Der Dampfwagen, der sie zog, heißt der Pfeil (Arrow), und ward von Hrn. Stephenson neu erbaut. Er wiegt, mit seinen Munitionswagen, 7 Tonnen (140 Str.), und zag 7 andere mit Steinen beladene Wagen, die 27 Tonnen (540 Str.) wogen. Hinter diesen Wagen kamen die zwei Kutschen, in welchen die Directoren mit ihrem Personale fuhren, und diese wogen 5 Tonnen (100 Str.); die ganze Last betrug also 39 Tonnen, und mit dieser Last fuhr der Pfeil die ganze Streke der Eisenbahn, (etwas mehr denn 30 engl. (oder 7 1/2 deutsche) Meilen) in Zwei Stunden und Einer Minute: abgezogen die 19 Minuten Aufenthaltes zum Nachfüllen des Wassers und der Kohlen.

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Die Heimfahrt war noch schneller. Die 22 engl. Meilen über das Chat Moss wurden in Einer Stunde gefahren, und die ganze Rükfahrt währte nur Eine Stunde und 30 Minuten. Im Ganzen kamen also 20 englische (5 deutsche) Meilen auf Eine Stunde, und im Chat-Moss 27 engl. Meilen!

Die Wagen, in welchen die Passagiere gefahren werden, sind von verschiedener Größe und Form: einige derselben haben zwei Kasten, andere drei; einige dieser Kasten sind für vier Personen, andere für sechs; andere haben sechs Personen in der Mitte, und zwei Abtheilungen vor- und rükwärts, jede mit 3 Personen. Die Size für drei Personen sind doppelt so breit, als ein gewöhnlicher Siz in einer viersizigen Kutsche, und jede Person hat ihren eigenen Polster. Zwischen den Sizen sind Armlehnen, und jeder Passagier hat auch seine bequeme Kopflehne (vorausgesezt, daß er einen Kopf mitbringt). Die Rüklehne ist weich ausgefüttert, und mit feinem Tuche überzogen, so daß jeder Reisende hier sein Mittagschläfchen so bequem nehmen kann, als in seinem Faulenzerstuhle bei Hause, oder auf seinem Sopha. Von Außen sehen die Kutschen eben so elegant aus. Man hat hier keine Passagiere auf dem Dekel der Kutsche (Gutside Passengers); diese und das Gepäk befinden sich auf einem eigenen niedrigen Wagen mit 4 bis 6 Reihen von Sizen. Die Gefahr des Abfallens ist also hier vermieden.

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