Titel: Transparente Sternkarten, gezeichnet von T. Thomas, gemahlt von W. J. Simpson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LIX./Miszelle 13 (S. 216–217)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037059_13

Transparente Sternkarten, gezeichnet von T. Thomas, gemahlt von W. J. Simpson.

Das Register of Arts, Junius, S. 25, erwähnt dieser Sternkarten, die im National-Repository aufgestellt sind, mit vielem Beifalle, den sie auch zu Verdienen scheinen. Sie könnten manche literarisch-artistische Anstalt, manches Industrie-Comptoir auf eine vorteilhafte Weise beschäftigen, und eine Masse nüzlicher Kenntnisse, nicht bloß unter der Jugend, sondern selbst unter den Alten verbreiten; denn, Dank der väterlichen Vorsorge der Studien, Referenten, Curatoren und wie diese Oberschreiber alle heißen, die den Unterricht in Schulen und auf Universitäten zu leiten haben, weiß vielleicht der Tausendste Mensch auf dem festen Lande nicht, daß es einen großen Bären und einen kleinen Bären am Himmel gibt, und mancher dieser Oberschreiber weiß es vielleicht selbst nicht, und glaubt vielleicht gar, wenn er so vor seinem Spiegel da steht, und sich Stunden lang schminkt und lekt, er sey der einzige Bär am gestirnten Himmel, und in seinem Schwanze drehe sich die Achse des Weltalles, nicht in dem des kleinen Bären am Himmel.

Unsere bisherigen Sternkarten für den Unterricht, und auch für die Unterrichteten, waren bisher meistens so eingerichtet, daß auf die Zeichnung der sogenannten Sternbilder Alles, für die Sterne in denselben aber, für die eigentliche Constellation, nichts gethan war: man sah wohl die schöne Jungfrau, man sah die Leyer; aber die Jungfrau war so schön, und die Leyer so herrlich, daß ihr Bild die Constellation in denselben verdunkelte. Man hat, in den neueren Zeiten, hier und da, diesen Fehler dadurch verbessert, daß man die Sterne weiß auf schwarzem Grunde abdrukte, und bloß den Umriß des Sternbildes in einer zart geführten Linie andeutete, um dem Gedächtnisse zu Hülfe zu kommen. Allerdings ist dadurch schon vieles gewonnen; allein das Weiß auf dem schwarzen Grunde hat etwas Widerliches und selbst Angreifendes für das Auge. Am natürlichsten und wohlthätigsten für das Auge sind transparente kleine Scheibchen nach der Größe der Sterne in dunkelblauem Grunde.

Die Karten der Hrn. Thomas und Simpson sind bloß zwei Planisphärien auf obige Weise verfertigt: die Sterne alle (bis zu jenen der vierten Größe) nach ihrer Constellation transparent, in dem zarten Umrisse des Sternbildes eingeschlossen; ferner ein sogenanntes Tellurium: die Erde in ihren Aequinoctial- und Solstitial-Punkten, wo auf einem gegebenen Meridiane eine Mittagsansicht der Erde im Winter, ein Sonnenaufgang im Frühlinge, eine Mitternacht im Sommer und ein Sonnenuntergang im Herbste dargestellt ist; endlich noch unser Planetensystem mit den Bahnen der Planeten von Mercur bis zum Herschel. Diese Karten sind auf zwei Rollen aufgezogen, und gewähren, gegen das Licht der Fenster oder einer Argandlampe gehalten, ein eben so schönes Bild, als lehrreichen Unterricht.

Wenn man nun entweder die zwei Planisphärien, oder die Sternbilder des Horizontes der Breite und Länge, in welcher man sich befindet, für die zwölf Monate des Jahres entweder auf Papier, oder noch besser auf Sendeltaffet (den Grund dunkelblau, die Sterne transparent blaßgelb) druken läßt, und diese Papiere oder Taffete als Vorhang vor die Fenster am Tage, in kleinerem Formate als Lichtschirme des Nachts vor das Licht stellt, und nach den Monaten wechselt, so lernt man die Sternbilder und die Constellationen in seinem Zimmer nach und nach ohne viele Mühe so deutlich und sicher kennen, daß man sich zu jeder Jahreszeit des Nachts im Freien nicht bloß orientiren, sondern auch ohne Uhr so ziemlich die Stunde treffen wird, in der man sich, befindet.

Wir zweifeln nicht, daß es denjenigen Anstalten, welche das elegante und lernbegierige Publikum, jedes nach seiner Art und für den Meridian seiner nächsten Sternwarte, mit solchen Vorhängen (Rouleaux) und Lichtschirmen versehen würden, dabei eben so viel an Geld gewinnen könnten, als an Belehrung. In Schulen, |217| Erziehungsanstalten, für welche sie auf Leinwand gedrukt seyn können, sollten solche Vorhänge nicht fehlen: denn was ein gut gerathenes Kind sieht, das lernt es, auch ohne Lehrer; man darf nur nicht so barbarisch seyn, es ihm vorzuenthalten, oder so einfältig, es so schlecht lehren zu lassen, wie manches gelehrt wird. Die Unwissenheit eines Volkes, und das Elend, und der Jammer, die die steten Begleiter der Unwissenheit sind, ist nicht die Schuld des Volkes, sondern die Schuld seiner Lehrer. und seiner Schreiber, die ihm schlechte Lehrer zum Unterrichte gaben.

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