Titel: Betrügliche Gewichtsvermehrung des Türkisch rothgefärbten Garnes und deren Entdeckung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LIX./Miszelle 26 (S. 220)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037059_26

Betrügliche Gewichtsvermehrung des Türkisch rothgefärbten Garnes und deren Entdeckung.

Die Türkischrothgarnfärber pflegen das Gewicht des fertigen Garns durch eine sogenannte Ueberbeize, welche sie das Prozentiren des Garnes nennen, um 6, 8, 10, 12, 15 bis 20 Prozent zu vermehren und den Abnehmer dadurch absichtlich zu betrügen. Bisher geschah dieses mit einer Mischung von Oel mit etwas Lauge oder Degraisirbrühe. Gegenwärtig wird zu diesem Behufe Kartoffelsyrup von Fabrikanten ausgeboten und angewendet. Die erste Art der Gewichtsvermehrung entdekt man, wenn ein vorher genau bestimmtes Gewicht, etwa hundert Gewichts-Theile roth gefärbtes Garn in schwacher Lauge oder Potaschenauflösung tüchtig gewaschen und darauf in Wasser gut ausgewaschen und getroknet wird, wo das abgängige Gewicht als absichtliche Gewichtsvermehrung zu berechnen ist; denn das nicht prozentirte Garn verliert durch Waschen in Lauge nichts von seinem Gewichte. Die zweite und neuere Art der bezüglichen Gewichtsvermehrung entdekt man durch Auswaschen in heißem Wasser. Man ist berechtigt dem Verkäufer solchen Garnes so viel an Prozenten des Betrags in Abzug zu bringen als das Garn durch den einen oder den andern Versuch an Gewicht verloren hat. Dieses Prozentiren belebt und erhöht auch noch die Farbe, und es erhält selbst schwaches Roth durch das Prozentiren mit Oehl oder einer öhligen Verbindung ein satteres Ansehen, das aber verschwindet, wenn die mit solchem Garne erzeugten Fabrikate gewaschen werden.

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