Titel: Verfall des Wohlstandes der akerbauenden und industriellen Classe in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LIX./Miszelle 44 (S. 231–232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037059_44

Verfall des Wohlstandes der akerbauenden und industriellen Classe in England.

„Wir können mit Wahrheit sagen,“ heißt es im Standard, „daß es noch nie ein britisches Parliament gegeben hat, welches sich vier Monate lang so sehr mit eitlem Nichts beschäftigt hätte, als das gegenwärtige, was um so auffallender ist, als die Parliamentssizung des Jahres 1830 ausdrüklich mit Allem demjenigen beauftragt war, was in der vorjährigen Sizung für das allgemeine Beste des Landes hätte geschehen sollen. Alles liegt darnieder.“ „Das älteste Mitglied des Parliaments,“ sagt der Herald, „erinnert sich keiner so müßigen Sizung, als die gegenwärtige ist. Die nordamerikanischen Wilden halten sogenannte „Schwäztage,“ und so könnte man diese Sizungen auch nennen.“ Und in einem solchen Parlamente, in welchem 63 Mitglieder nicht weniger als 180,000 Pfund aus der Treasury beziehen, erlaubte sich der Jesuitenknecht und Volksaufwiegler, O'Conell, am 38. Mai 1830 den König von Preußen einen „Despoten von Preußen“ (Despot of Prussia), und den Kaiser von Oesterreich „Despoten von Oesterreich“ (Despot of Austria) zu schelten, ohne daß er vom Sprecher oder von irgend Jemanden zur Ordnung gewiesen worden wäre. Wahrlich die Despoten von Oesterreich und Preußen sorgen für ihre Völker väterlicher, als kein constitutioneller König für dieselben sorgen kann und darf, der in den Fesseln der Volkstümlichkeit und des Jesuitismus geknebelt liegt. O'Conell, dieser Jesuit quarti voti, erlaubt sich im Parliament die Zierde der heutigen Regenten Europa's Despoten zu nennen! Mögen die Fürsten hieraus lernen, was sie von Jesuiten zu erwarten haben, wenn diese in konstitutionellen Staaten Siz und Stimme bekommen. Vgl. Galignani N. 4750. 4753. 4755.198).

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Wie sehr dieses Parliament jezt die Achtung in England verloren hat, sieht man aus folgendem Artikel in den Times, (Galignani, N. 4754), zu dessen Erläuterung jedoch vorausgeschikt werden muß, daß gegenwärtig eilte Unzahl wüthender Hunde in London herumläuft, und viele Menschen täglich unglüklich werden, ohne daß die Polizei, deren Stelle das konstitutionelle Parliament usurpirt hat, davon auch nur die mindeste Notiz nimmt. Dieser Artikel lautet nun so: Mittel gegen die Hundswuth. Nimm einen wüthenden Hund, stek' ihn in einen Sak, und binde den Sak oben fest zu. Nimm dann den Sak, trag' ihn auf die Gallerie des Hauses „(das Haus der Gemeinen)“ und unterbinde daselbst den Sak noch ein Mal so, daß er bequem auf die Tafel des Hauses gelegt werden kann. Es wird nicht lang anstehen, so wird ein Antrag gemacht werden, |232| und eine Stimme sich vernehmen lassen: „Die Fremden müssen hinaus!“ (die Parliamentsformel: Strangers must with draw!)“ In einen Augenblike wird, auf diese Zauberworte, der Hund aus seinem festgebundenen Sake herausschliefen, und überall im Hause die ehrenwerthen Herrn in die Füße beißen. Man wird dann zur Ordnung! rufen, und einen Befehl erlassen, daß fortan die gehörige Aufsicht auf Hunde gehalten werde.

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