Titel: Gedeihen der amerikanischen Negercolonie (Liberia) an der Westküste von Afrika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. LIX./Miszelle 51 (S. 233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037059_51

Gedeihen der amerikanischen Negercolonie (Liberia) an der Westküste von Afrika.

Während die Negercolonien der Engländer zu Sierra Leone und Fernando Po der Leichenaker der Engländer an der Westküste von Afrika waren und sind,200) gedeiht Liberia, welches die Nordamerikaner für ihre freigelassenen Neger an der Westküste von Afrika gründeten, herrlich, und gab den Vereinigten Staaten im vorigen Jahre schon einen Gewinn von 200,000 Dollars. (Scotsman. Galignani. N. 4767.)

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Wie England seine überseeischen Besizungen heute zu Tage verwaltet, mag aus folgender Darstellung im Chronicle (Galignani 4765 Suppl.) erhellen: England besizt eine Insel, genannt Prince Edward's Island. Auf dieser Insel wohnt nun kein Mensch: der Exgouverneur dieser Insel zieht aber an Gehalt für seine Gouverneursstelle 500 Pfd. (6000 fl.) jährlich; der Advocat, Richter und die übrigen Schreiber dieser beziehen jährlich 3000 Pfd. (36,000), und kein einziger dieser Federnfuchser hat auch diese Insel nur gesehen, vielweniger betreten. Man gab dieser Insel auch einen Pfarrer, den hochwürdigen Hrn. Griffin, mit reichlichem Einkommen. Dieser wahrhaft hochwürdige Mann war aber, „so unverschämt ein Gewissen zu haben,“ und bewies der Colonialadministration, daß es absurd ist, einen Pfarrer für eine Insel zu besolden, auf welcher kein sterblicher Mensch lebt. Man nahm nun einen anderen Pfarrer, und gab diesem den doppelten Gehalt, den Hr. Griffin von sich wies. So regiert die Büreaukratie in England; und anderswo macht sie's um kein Haar besser. Sie gibt manchem Pfarrer auch auf dem festen Lande, der kaum 1000 Seelen in seinem Markte so nahe um seinen Pfarrhof hat, daß er jeder derselben pfeifen kann, 4 bis 10,000 fl., und manchem Pfarrer, der 4–5000 Seelen auf einer Streke von 2–3 □ Meilen zerstreut hat, 7–800 fl., und verkauft nicht bloß die Schäflein Christi, sondern die Hirten selbst für Geld und schöne Worte.

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