Titel: Zum Andenken an Bernhard Freiherrn v. Eichthal, königl. bayer. Regierungsrathe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. CIX./Miszelle 25 (S. 407–408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037109_25

Zum Andenken an Bernhard Freiherrn v. Eichthal, königl. bayer. Regierungsrathe.

Unter dieser Aufschrift befindet sich in dem Kunst- und Gewerbeblatt Nro. 31 und 32. (31. Juli 1830) eine aus dem Inlande Nro. 188 und 189 laufenden Jahres entlehnte, und mit einigen Zusäzen bereicherte kurze Biographie eines um Bayern höchst verdienten Mannes. Wir bedauern bei dem beengten Raume unserer Blätter, diesen Aufsaz nicht vollständig in denselben wiedergeben zu können, trösten uns aber damit, daß bei der allgemeinen Verbreitung der angezogenen Zeitschriften in Bayern, so wie durch jene von Voigt's Nekrologien im Auslande, die Verdienste dieses ausgezeichneten Mannes um physische und mathematische Wissenschaften, um Landwirthschaft und Industrie, um sein Vaterland und um die Menschheit, überall jenes dankbare Andenken finden werden, auf welches der zu frühe uns Entrissene (er war erst 46 Jahre alt) sich während der kurzen Zeit seines schönen Lebens die gegründetsten Ansprüche erworben hat. Wir wünschten Bayern besäße noch viele solche Bürger, die so wie er verständen, daß der Lenker der menschlichen Geschike vielleicht nur deßwegen dem Einen viel, den Andern wenig gab, um die Menschen zu prüfen und das Loos der Unglüklichern durch die Herzensgüte der Glüklichen zu mildern.

Die Edleren unter dem bayerischen Volke werden nie vergessen, was Er dem Lande gewesen ist, und welche Opfer Er der Landwirthschaft und der Industrie gebracht hat. Möchte das schöne Beispiel, das er gegeben hat, nicht unter seinen Zeitgenossen und deren Nachkommen untergehen, und sich so lange erhalten, als das Andenken an seinen vortrefflichen Vater, dessen Verdienste Max Joseph, unsterblicher Erinnerung, zu schäzen und zu lohnen wußte, sich vereint mit jenem an ihn, bei allen Edlen erhalten wird.

Einen Trost bei dem Verluste, den Bayern durch den Hintritt des Vaters der hochachtbaren Familie Eichthal erlitt, und den er jezt so schmerzlich durch das frühe Ableben des Freiherrn Bernhard v. Eichthal empfindet, gewährt uns der blühende Zustand der übrigen hochachtbaren Mitglieder dieses Ehrenhauses, des Freiherrn Arnold v. Eichthal, Gründer und Chef eines der ersten Augsburger Häuser. Seinem Sinne und Geschmake für das Schöne ist Augsburg eine ihrer schönsten Zierden schuldig, den schönen Garten vor dem Klinkerthore, eine Schöpfung seiner nüzlichen Thätigkeit, die ihn, wie auf das Geheiß einer Zauberruthe, auf einem öden, kahlen Hügel ersteigen ließ, so wie dessen schönes, nach seinem Sinne erbautes Wohngebäude eine der schönsten Zierden der Stadt |408| genannt werden kann. Die Ignatz Meier'sche Lederfabrik in München, die erste und wichtigste in Bayern, gewann in seinen Besiz übergegangen, in Vervollkommnung jeder Art, und ist nun eine Anstalt, die Verdienst und Wohlstand in ihrer Umgebung verbreitet und manche Summen im Vaterlande zurükhält, die früher der fremden Industrie zuflossen. Wie lobenswürdige Thätigkeit nur Verwandtes sucht, so sehen wir bereits mit dessen Familie vereint, Hrn. Wilhelm von Höslin, einen eben so talentvollen, wissenschaftlich gebildeten Kaufmann als Beförderer der schönen Gartenkunst; und endlich den würdigen Hrn. Carl Forster, Eigenthümer einer Kattundrukmanufaktur in Augsburg, die gewiß unter Allen des Continents einen ehrenvollen Plaz behauptet. Zwei würdige Söhne sichern dem Namen sein Fortbestehen in Augsburgs Mauern.

Ihm folgt Freiherr Louis von Eichthal, Bankier in Paris, dessen Haus der Sammelplaz der ausgezeichnetesten, dort zu Zeiten sich einfindenden Fremden, der Glanzpunkt der geistreichen Gesellschaft ist, und der sich durch die ruhige sichere Haltung seiner Operationen, durch edlen Wetteifer bei allem was zur Beförderung des Guten und Nüzlichen zu leisten ist, einen ehrenvollen Plaz unter den commerciellen Häuptern jener Hauptstadt, unter den Lafitte, Delessert, Perrier, Ternaux und andern erworben hat. Ausgezeichnete Söhne treten in die Fußstapfen des Vaters, um den Namen der Familie noch bei spätern Geschlechtern in Ehren zu halten.

Freiherr David v. Eichthal in Carlsruhe hat wie der verblichene Bruder Industrie zum Vorwurf seiner rastlosen Thätigkeit gemacht. Ihm gelang es mit großen Opfern dem Continente eine der besten Spinnereien zu schenken, deren Producte an den bedeutendsten Absazorten berühmt geworden sind. Eine meisterhafte Krappfabrik, deren immer gleichartige Producte von den besten sind, die uns noch je vor Augen kamen, so wie ein wahres Musterhammerwerk nebst Waffenfabrik in St. Blasius verdanken ihm ihre Errichtung oder Erhebung. Doch nicht nur allein der kenntnißreiche Techniker beweist sich in seinen Werken, sondern wir haben auch Ursache das Herz des Menschenfreundes hoch zu schäzen, wenn wir die wohlthätigen Folgen seiner herrlichen Lehranstalten für die Kinder der in seinen Werken beschäftigten Familien bedenken. Er gibt vielen Hunderten Brot und lehrt sie die Tugend, bildet Generationen zu nüzlichen Menschen. Wer den Umfang solcher Thaten zu schäzen weiß, würde sich zur vollsten Hochachtung gezwungen fühlen, auch ohne die ehrenvolle Auszeichnung, womit Badens Fürst dessen Brust zu schmüken wußte.

Freiherr Simon v. Eichthal in München, Eigenthümer des väterlichen Hauses, tritt würdig in die Fußstapfen des verstorbenen Vaters, dessen Solidität, dessen reelle Handlungsweise auf den Sohn mit übergegangen zu seyn scheinen. Verstand und Güte schmüken ihn und München verdankt ihm eine der schönsten architektonischen Zierden, den mit zwekmäßig verwendeten Aufwände zum Vergnügen aller Augen erbauten Bazar, in welchem sich die würdige Thätigkeit eines Staatsbürgers an den großartigen Schuz, den unser hochgesinnter Monarch den Künsten erweiset, anknüpft. Das unbegränzte und wohlverdiente Vertrauen des Monarchen, der hohen Regierung und aller ausgezeichneten Männer der Hauptstadt schmüken den verdienstvollen Bürger, und Geist und herzliche Fröhlichkeit athmen in dem geselligen Cirkel seines Hauses.

Möge sie blühen und wachsen die Familie, deren Fuß auf der breiten Grundlage der Verdienste und der allgemeinen Achtung ruht, und so fest den Stürmen trozen, wie der Baum, der symbolisch ihren Namen begründet.

Berichtigung.

In Bd. XXXVI. Heft 6. S. 433. lese man bei Haßler's Repetitions-Theodolith statt Hebel: Libelle oder Niveau.

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