Titel: Schmalz eine neue Erfindung in England, als Kunst Butter aufzubewahren!!
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 37, Nr. CXXVIII./Miszelle 28 (S. 473–474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj037/mi037123_28

Schmalz eine neue Erfindung in England, als Kunst Butter aufzubewahren!!

Hr. Thenard empfiehlt folgende bei den Tataren gewöhnliche Methode zur Aufbewahrung der Butter. „Man schmilzt die Butter im Wasserbade bei 190° Fahrenh. (70° R.) und läßt sie so lang in diesem Zustande ruhen, bis der käsige Bestandtheil derselben sich zu Boden gesezt hat. Man seiht sie dann durch ein Tuch, und kühlt sie in einer Mischung aus Salz und Eis, oder wenigstens |474| in Brunnenwasser, denn sonst würde sie sich krystallisiren und nicht so gut der Einwirkung der Luft widerstehen. In geschlossenen Gefäßen an kühlen Orten aufbewahrt hält sie sich auf diese Weise 6 Monate so frisch, als sie am ersten Tage war, die oberste Schichte allein ausgenommen. Wenn man sie dann, wo man sie braucht, mit sogenanntem Topfen (dem käsigen Bestandtheile der Milch) abrührt, so erhält man ein Ding, das der frischen Butter ganz ähnlich ist.(!) Auf dieselbe Weise läßt sich nach Thenard, ranzige Butter wieder frisch machen. Quartely Journal.“ So heißt es buchstäblich im Mech. Mag. N. 363. 24. Jul. S. 352. Man sieht hieraus, daß die Engländer und die Franzosen ehe von den Tataren etwas lernen, als von den Deutschen. In ganz Oberdeutschland bereitet man auf diese Weise seit Jahrhunderten aus der sogenannten ausgelassenen Butter das allgemeine Kochmaterial, genannt Schmalz. Sollte man glauben, daß in England und Frankreich diese oberdeutsche Sitte Jahrhunderte lang unbeachtet bleiben konnte, und erst durch Reisende aus der Tatarei dahin gebracht werden mußte?

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