Titel: Webb's Dampffloß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. II. (S. 5–8)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/ar038002

II. Hrn. Webb's Dampffloß.

Aus dem Mechanics' Magazine. N. 360. S. 297.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

(Wir theilen diese Notiz mit, nicht als ob wir glaubten, daß dadurch ein Floß auf unseren Flüssen mit Vortheil getrieben werden könnte, sondern weil es uns scheint, daß dadurch ein Versuch einer Abänderung im Baue der Flöße veranlaßt werden könnte, dessen Resultate vielleicht für die Floßschifffahrt nüzlich seyn dürften. Der Versuch könnte höchstens 10–12 fl. kosten, und so viel kann doch jeder Floßmeister für den schlimmsten Fall ins Wasser werfen. Gelänge der Versuch, so würden diese paar Gulden in einigen Fahrten durch eben so viele Hunderte hereingebracht werden.)

(Red. d. Polyt. Journ.)

„Die Seiten, „sagt Hr. Webb,“ müssen flach, senkrecht und mit einander parallel seyn vom Hintertheile bis zum Vordertheile, und unter dem Boden zu beiden Seiten hinausragen, wie AA, im Durchschnitte des Hintertheiles, Fig. 9., zeigt, so daß also vom Hintertheile bis zum Vordertheile ein offener Raum, H, übrig bliebe. B ist das obere Verdek. Unter demselben, in dem Raume D, sind Blasebälge angebracht, mit welchen eine am Boden liegende Röhre in Verbindung steht. Das Ende dieser Röhre läuft durch den Mittelpunkt des Vordertheiles bei E in das Wasser, Fig. 8. Diese Röhre muß gekrümmt seyn, so daß das Ende gegen das Hintertheil sieht.“

„Wenn die Blasebälge durch die Dampfmaschine abwechselnd getrieben werden, wird die Röhre mit verdichteter Luft gefüllt, und diese |6| wird in das Wasser hinausgetrieben, wie man bei G, Fig. 8., sieht, und im Grundrisse des Vordertheiles, Fig. 10. Da nun die Luft auf das Wasser stößt, wird das Fahrzeug vorwärts getrieben; denn es ist hinlänglicher Raum da, um die Berührung des Fahrzeuges selbst zu vermeiden. So wie die Kraft der Luft erschöpft ist, steigt diese ihrer geringeren Leichtigkeit wegen in die Höhe, sammelt sich unter dem Boden und füllt den Raum H. Die Hervorstehenden Seiten, AA, Fig. 9., lassen dieselbe nicht entweichen, und da die Luft aus der Röhre am Vordertheile ausgetrieben wird, wird alle überschüssige Luft am Hintertheile entweichen, bei G, Fig. 8.“

„Da nun auf diese Weise das Floß durch die dadurch erlangte größere Leichtigkeit oder Schwimmkraft in die Höhe steigt, wird sich in Hinsicht der Schnelligkeit seiner Bewegung mancher Vortheil ergeben. Die Luft in dem Raume, H, wird sich ausdehnen, und da sie in der Röhre mehr verdünnt ist, weil diese weniger eingetaucht ist, so werden die Blasebälge, bei derselben Kraft, schneller arbeiten, und das Floß wird, da es weniger taucht, d.h. weniger Wasser vor sich hinzuschieben hat, weit weniger Widerstand in seiner Bewegung finden, als wenn es tiefer getaucht ist.“

„Das Floß dürfte nicht breiter gebaut seyn, als ein Dampfboth mit seinen Ruderrädern.“

„Die hohlen Räume, CC, welche der Länge nach hinlaufen, könnten mit Korkspänen ausgefüllt seyn, wenn allen Falls ein Lek sich zeigte.“

„In der Röhre E befindet sich eine Klappe in der Nähe des Endes derselben, welche den Eintritt des Wassers abhält, wenn die Blasebälge nicht arbeiten.“

„Der untere Theil des Ruders wird von einem hervorragenden Stüke Holzes in der Mitte des Raumes H gestüzt.“

(Wir wollen nun diese hier mit Hrn. Webb's Worten angegebene Vorrichtung auf sich beruhen lassen, und nur auf den jedem Floßmeister bekannten Grundsaz zurükkommen, daß, je weniger das Floß getaucht ist, desto leichter dasselbe zu rudern und vorwärts zu treiben ist. Dieser Grundsaz ist bei der bisherigen deutschen Art Flöße zu bauen, beinahe gänzlich außer Augen gelassen; man baut an der Drau und an der Sau, an den kleinen aber reißenden Strömen, die aus dem nördlichen und südlichen Abhange der Karpathen in die Ebenen Ungerns und Galiciens hinausströmen. Flöße, die, bei weil schwereren Lasten, als die Flöße auf der Iller und Iser und am Leche tragen, ohne Vergleich weniger tief tauchen; oft kaum drei Zoll tief. Diese Flöße sind aus leeren Fässern gebaut, welche in vier parallelen Reihen, ein Faß hinter dem anderen, der ganzen Länge des Floßes nach befestigt sind. |7| Solche Flöße tauchen, mit vielen hundert Zentnern belastet, nicht drei Zoll tief, und fahren im seichtesten Wasser sicher. Man glaubt nicht, was ein leerer Doppeleimer für Schwimmkraft besizt! Man darf nicht besorgen, daß das Floß untergeht, wenn ein Faß einen Lek bekommt; es bekommt denselben nicht so leicht, weil das Floß nicht so tief taucht, und wenn eine Reihe von Fässern durch einen Unfall weggestreift wird, so taucht das Floß höchstens ein paar Zoll tiefer, ohne übrigens gefährdet zu seyn. In vielen Gegenden an der unteren Donau, besonders in Ungern, ist der Gewinn an Fässern großer, als an den ganzen Baumstämmen. Wir haben in Galicien ein Floß aus Brunnenröhren gesehen, welche an beiden Enden zugepfropft waren. Es lag so zu sagen nur auf dem Wasser, als es leer war, und tauchte, beladen, um die Hälfte weniger als gewöhnliche Flöße. Wir empfahlen einem Steyermärker, zu Eisenerz oder Vordernberg Röhren aus Eisenblech von dem Durchmesser der gewöhnlichen starken Floßbäume machen zu lassen, und so das steyrische Eisenblech auf der Mur in natura nach Ungern zu flößen, das steyrische Holz aber zum Betriebe der Eisenwerke zu sparen: man lachte uns aus, und sprach von Tollhäuslerei; zeither hat man aber ganze Schiffe aus Eisenblech gebaut, Segelschiffs und Dampfbothe.

Wenn man nun aber auch weder Flöße aus Fässern noch aus Brunnenröhren benüzen wollte; so fragt es sich: ist der Bau der Flöße, so wie er gegenwärtig ist, nach welchem eine Reihe von Bäumen flach und parallel neben einander hingelegt und mit einander verbunden wird, wirklich der beste? Wäre es nicht besser, das Floß in der Mitte etwas nach aufwärts gewölbt zu bauen, nur auf den beiden Seiten auf das Wasser drüken und in demselben schwimmen, die mittleren Floßbäume aber eigentlich nur auf dem Wasser ruhen zu lassen, ungefähr wie in Fig. 11.? Wäre es nicht noch besser, wie in Fig. 12., die drei äußersten Floßbäume, abc, an ihren beiden Enden, vorne und rükwärts, unten mittelst einer dreispizigen eisernen Klammer zu verbinden, in die beiden innersten Bäume, aa, innerhalb der Klammer, an beiden Enden des Floßes ein Segment aus einem 3–4zölligen Pfostenbrette, d, einzuzapfen, und auf der oberen Kante desselben dann die Floßbäume zu befestigen? Auf diese Weise würde die in dem dadurch entstehenden Hohlraume befindliche Luft, wenn die Zwischenräume zwischen den Bäumen mit nassem Moose und darauf genagelten Brettern luftdicht verschlossen würden, dem Floße eine Schwimmkraft geben, die ihn kaum ein paar Zoll würde tauchen lassen. Im Modelle geht dieß; ob es im Großen auch geht, das wird ein Floßmeister, dem es darum zu thun ist, sein Gewerbe zu fordern, vielleicht richtiger beurtheilen, als eine ganze Akademie; denn wir sahen heute, die nicht lesen |8| und nicht schreiben konnten. Größeres ausführen, als noch keine Akademie ausgeführt hat, und sogar das, was Akademien als unausführbar verworfen haben. Gelehrte Zünfte sind, als Zünfte, so schlecht wie jede andere Zunft.)

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