Titel: Cook, Verbesserungen im Baue und in der Ausrüstung von Bothen.
Autor: Cook, Thomas
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. XXX. (S. 102–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/ar038030

XXX. Verbesserungen im Baue und in der Ausrüstung von Bothen verschiedener Art, worauf Thom. Cook, Lieut. a. d. k. Flotte, Blackheath Road, sich am 22. Jun. 1830 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Register of Arts. August. 1830. S. 65.

Mit einer Abbildung auf Tab. II.

Das Register gibt von diesem, wie es scheint, wichtigen Patente folgende frühe, aber höchst unvollständige Nachricht. „Der Patent-Träger beabsichtigt nicht weniger als 6 Verbesserungen.“

„1) schlägt er vor das Untersinken der Bothe durch zufällige Füllung derselben mit Wasser dadurch zum Theile zu verhüten, daß er eine Art von Verdek von Canevaß anbringt, welches mittelst einer Reihe von Schrauben an einem Vorsprunge befestigt ist, welcher ringsum dasselbe etwas unter dem Rande umherläuft, und an den Seiten gehörig festgemacht ist. Ein loses Stük befindet sich über dem feststehenden Vorsprunge, und zwischen beiden wird der Canevaß mittelst Schraubenbolzen befestigt, die durch Löcher laufen, welche auf die gewöhnliche Weise verstärkt sind. Die hölzernen Vorsprünge, zwischen welchen der Canevaß befestigt wird, sind so viel ausgehöhlt, als die erforderliche Stärke gestattet, damit sie so leicht als möglich werden. An verschiedenen Stellen dieses Verdekes aus Canevaß sind Löcher mit Säken angebracht, die bis an den Boden des Bothes reichen, für die Füße des Schiffsvolkes und der Reisenden: in großen Bothen sind einige dieser Säke so groß, daß eine Person in dieselben füglich hinein und unter das Verdek kommen kann.“

„2) Eine Vorrichtung um das Wasser aus dem Bothe zu schaffen,48) |103| welches von obiger Deke noch in das Both gelangen könnte. Sie besteht aus einer Reihe kreisförmiger Löcher mit eingeschraubten Stöpseln, gerade wie man sie an den Verdeken der Smacks und kleinerer Fahrzeuge in neueren Zeiten für die Ventilatoren und Lichtlöcher angebracht hat, nur mit dem Unterschiede, daß hier die Stöpsel ganz dicht sind, während sie an den Lichtlöchern von Glas, an den Ventilatoren von Drathgeflecht sind. Wir finden diesen Plan nicht so gut, als die Scuppers des Hrn. Dodgson (Reg. N. 35. S. 11. Polytechn. Journ. Bd. XXXVII. S. 162.)“

„3) Um das Both gegen Beschädigung zu schüzen, wenn es mit anderen Fahrzeugen, Pfeilern etc. in Berührung kommt, empfiehlt Lieut. Cook einen Schirm aus einer Rolle von Kork, die in einem Sake von Canevaß stekt, zu jeder Seite längs dem Bothe hinläuft, und sich am Vorder- und Hintertheile verbindet. Er macht auch zuweilen die Säke von Canevaß luftdicht, und bläst sie auf. Durch diese Schirme wird das Both nicht nur gegen äußere Gewaltthätigkeiten geschüzt, sondern wird auch specifisch leichter, und erhält mehr Schwimmkraft.“

„4) Eine Vorrichtung, wodurch der Ballast im Nothfalle augenbliklich über Bord gebracht werden kann. Sie besteht aus eisernen Stangen, die auf Bolzen ruhen, welche durch den Kiel laufen: auf jedem Bolzen sind vier Niete aufgeschraubt. Zwei dieser Niete schrauben sich gegen die Seiten des Kieles, wodurch der Bolzen an seiner Stelle festgehalten wird. Zwischen diesen Nieten und den anderen, die an den Enden der Bolzen aufgeschraubt sind, befinden sich die Ballaststangen, die an ihren Enden zur Aufnahme der Bolzen gespalten, und so angebracht sind, daß eine Person im Bothe unter dem Verdeke sie leicht von den Bolzen los machen, und so das Both im Augenblike der Gefahr schnell erleichtern kann.“

„5) In einer beweglichen Rolle, wodurch das Segel augenbliklich eingezogen werden kann, wenn unruhiges Wetter, Windstöße, diese Vorsicht nöthig machen. Man sieht diese Rolle in Fig. 21., wo aa einen Theil des Rollengestelles darstellt, welches an einer Seite des Bothes, oder an irgend einer anderen festen Stelle aufgeschraubt ist. b, ist der obere Theil dieses Gestelles, welcher in die Höhe gehoben werden kann, wenn man den Griff, c, niederdrükt. Dadurch wird die Achse der Rolle aus der unteren Platte frei, und der obere Theil legt sich in dem Gewinde, e, zusammen, und nimmt die in den punktirten Linien in der Figur angedeutete Lage an, so daß die Schnur, welche das Segel aufgezogen hält, auf der Stelle frei wird.49)

|104|

„6) Ein Haken, der augenbliklich los gemacht werden kann, und der zum Aussezen eines Bothes vom Schiffe in Gefahr bei hoher See und überall dient, wo das Both auf der Stelle frei werden soll. Dieser Haken ist in Fig. 22. dargestellt, wo aa eine Platte darstellt, wodurch der Haken an einer Rolle, einem Bloke oder an irgend einem festen Gegenstande befestigt werden kann. b ist der Haken mit einem Gewinde bei c. Eine senkrechte Stüze, d, hält den Haken, der mit einem seiner Enden durch das Loch, e, in dieser Stüze läuft, fest. Diese Stüze hat unten an der Platte a ein Gewinde f, und ein ähnliches Gewinde bei g, wo es mit einer schiefen Stange, gh, verbunden ist, welche sowohl bei h als in der Mitte bei i gleichfalls mit einem Gewinde versehen ist. Bei i befindet sich ein Griff, welcher, wenn man an denselben zieht, die senkrechte Stüze, d, auf die Seite zieht, wie die punktirten Linien zeigen, so daß dann der Haken aus dem Loche, e, tritt, und folglich zurükfällt, und das, was an ihm befestigt, fahren läßt.“

[Anmerkungszeichen zu dieser Fußnote fehlt im Text.] |102|

Diese Beschreibung ist sehr, mangelhaft, und es läßt sich aus derselben nicht entnehmen, in wiefern hier die Einrichtung der gedekten kleinen Bothe der Eskimo und Grönländer auf die größeren Bothe zwekmäßig angewendet ist. Wer es weiß, was es ist, in offenen Bothen in stürmender See zu seyn, der wird sich gewiß öfters mit uns schon gewundert baden, daß die Schiffsbaukunst, die uns bereits schwimmende Festungen bauen lehrte, noch so wenig für die Sicherheit einzelner, nicht selten auch mehrerer unglüklicher, Schiffenden geleistet hat, daß, in Hinsicht auf Sicherheit in kleinen Bothen im Sturme, der unwissende und hülflose Eskimo weit vor uns hochgelehrten Europäern voraus ist. In mancher anderen Hinsicht ist auch in der Südsee der Halbwilde im Baue seiner größeren Bothe uns weit voran geeilt, wie die erfahrensten Nautiker es selbst gestehen. Es scheint, daß es im Schiffbaue wie in manchem anderen Zweige der Technik ergeht; daß man vor Wissen den Verstand verliert, und den Wald am Ende vor Bäumen nicht mehr sieht. Wenn auch diese Vorrichtung nicht die beste wäre, so hat Hr. Lieut. Cook doch das Verdienst, eine für das Leben von Tausenden so wichtige Sache wieder in Anregung gebracht, und uns aus unserem behaglichen Schlummer gewekt zu haben. Wenn nur ein Mal Ein Schritt gethan ist: besser machen ist leichter, als etwas Schlechtes auf die Welt bringen, wenn lezteres erster Versuch ist.

A. d. Ue.

Anmerkungszeichen zu dieser Fußnote fehlt im Text.
|103|

Diese Vorrichtung scheint uns etwas zusammengesezt und kostbar: es gibt eine Menge einfacher Vorrichtungen, sogar auf Segelbothen an unseren binnenländischen |104| Seen. Indessen verdient, so sinnreich und herrlich auch das Takelwerk an Schiffen vorgerichtet ist, jede Vorrichtung, durch welche Segel sicherer und schneller eingezogen werden können, alle erdenkliche Aufmerksamkeit: denn Tausende fanden ihr Grab im Wasser, weil ein Segel nicht schnell genug eingezogen werden konnte. Der Seemann denkt nicht an die Gefahr, mit welcher er vertraut geworden ist: sein Wahlspruch ist: Ertrinken ist nicht Sterben; (to drown is not to die); es müssen andere für ihn sorgen.

A. d. Ue.

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