Titel: Galloway's Patent-Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. LXXIV. (S. 284–287)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/ar038074

LXXIV. Fortsezung von Galloway's und Cochrane's Patent-Dampfmaschine.

(Polytechn. Journal Bd. XXXVII. S. 414.)

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Fig. 24. zeigt eine Ansicht des Kessels und der Züge, die jenen in Fig. 1. ähnlich sind, hier aber als an dem Boche110) selbst angebracht dargestellt werden. Der Rauch, die Gasarten und die erhizte Luft treten hier durch die Seite des Fahrzeuges in das Wasser, und in der verlangten Tiefe unter der Oberfläche desselben hinaus. Die Rauchröhre oder der horizontale Schornstein, B, der von dem Kessel, |285| A, wegführt, ist mit einer Klappe, C, versehen, welche sich in Folge des Drukes des Rauches öffnet, und wieder durch den Druk des Wassers geschlossen wird. Die Röhre oder der Schornstein, B, wird von dem Metallgehäuse oder der Röhre, DD, umgeben, welche zugleich die Klappe, C, schüzt. Diese Röhre DD steht durch B mit dem Kessel in Verbindung, ist wasserdicht und von hinlänglicher Weite, um so viel Wasser aufzunehmen, daß sie kühl genug bleibt, um dem Holze an dem Bothe nicht zu schaden, an welches sie zunächst anliegt. Der Druk auf die Klappe C regulirt sich durch die Fläche derselben, und durch die Höhe der äußeren auf dieselbe drükenden Wassersäule. Im Verhältnisse mit diesem Druke muß die Stärke, der zusammengedrükten atmosphärischen Luft berechnet werden, welche zur Unterhaltung des Feuers, das den Rauch erzeugt, nothwendig ist.

Fig. 25. erklärt nicht bloß den dritten Theil unserer Erfindung, nämlich die Anwendung des Rauches und der Gasarten, die aus einem unserer luftdichten Feuerpläze ausströmen, sondern auch die beiden ersten Theile derselben, indem sie eine vereinte Uebersicht des Ganzen gewährt, und noch viele Combinationen darstellt, die keinen Theil unserer Erfindung ausmachen, die aber gewöhnlich und nothwendig sind, um sie in Thätigkeit zu sezen; sie zeigt auch die Weise, wie jede zum Betriebe des Dampfkessels am Borde des Bothes angewendet wird, so wie die Anwendung des Rauches und Gases aus den luftdichten Feuerherden, um der Maschinerie der Dampfmaschine zu helfen, die zum Treiben eines solchen Bothes durch das Wasser benüzt wird. Fig. 25. zeigt eine Gebläsepumpe im Perspektive, den Dampfkessel einer Dampfmaschine mit luftdichten Feuerherden und den Apparaten, die am Borde des Fahrzeuges seyn müssen, nebst einem Ruderrade, welches entweder in dem Schiffe oder außen an demselben getrieben werden kann, und einem luftdichten Behälter oder Gehäuse, worin das Ruderrad eingeschlossen ist. Der Zwek dieser vierten Figur ist nicht, Anspruch auf jene Theile der Maschine zu machen, außer insofern sie als unsere Erfindung erklärt wurden oder werden werden, sondern nur um jenen Theil unserer Erfindung deutlicher zu beschreiben, welcher sich auf die Weise bezieht, wie der Rauch und die Gasarten, die in unseren verbesserten luftdichten Oefen und Feuerherden erzeugt werden, auf eine nüzliche Weise angewendet werden können, wie z.B. als Beihülfe zum Vorwärtstreiben des Boches mittelst derselben, indem sie das Wasser niederdrüken, das in dem Gehäuse des Ruderrades emporragt, je nachdem nämlich das Schiff mehr oder minder taucht, und zwar so tief niederdrüken, daß das Ruderrad von aller Belästigung einer solchen Wassermenge frei wird: dieser wünschenswerthe Zwek, Bothe durch Ruder innerhalb derselben |286| zu treiben, wurde in einem geringen Grade bisher dadurch erreicht, daß man unmittelbar in das Rudergehäus atmosphärische Luft einpumpte, um das Wasser niederzudrüken, und unten zu halten; allein, die viele Mühe, die es kostet, solche Gehäuse mit Luft zu versehen, indem dieselbe sich wieder leicht zerstreut, da die Ruderräder immer in derselben sich umher drehen, hat bisher, nebst anderen Ursachen, diese Versuche mißlingen gemacht; unsere Erfindung soll sie aber vermindern und beseitigen. Die große Menge Rauch und Gas, die aus unseren luftdichten Oefen und Feuerherden ausströmt, gibt, wenn sie mit den Gehäusen der Ruderräder gehörig in Verbindung gebracht wird, nicht bloß leicht einen hinlänglichen Druk, um das Wasser hinabzutreiben und unten zu halten, das auf irgend eine Weise in dasselbe getrieben werden mag, sondern ersezt auch reichlich alles, was durch die Umdrehung der Ruderräder durch das Wasser davon verloren geht, und durch die Bewegung des Boches in dem Wasser selbst. Es ist offenbar, daß die atmosphärische Luft, wenn sie in irgend einen Feuerherd gepumpt, getrieben oder geleitet wird, um daselbst Verbrennung zu unterhalten, daselbst auch verdünnt und in ihrem Umfange sehr vergrößert werden muß; also eine bedeutende Luft- oder Gassäule bilden muß, um das Wasser in dem Gehäuse niederzudrüken und dasselbe unten zu erhalten: hierzu gehört, verglichen mit dem, was zu geschehen hat, wenn atmosphärische Luft zu diesem Ende angewendet wird, nur wenig Arbeit. A, in Fig. 25., ist ein Pumpengeblase; B, die Röhre, durch welche die Luft in den Feuerherd getrieben wird; C, der Kessel mit dem luftdichten Feuerherde; D die Röhre und E die Klappe, durch welche der Rauch und die Gasarten in das Gehäuse des Ruderrades getrieben werden, nachdem sie so zusammengedrükt wurden, daß sie die Klappe E und den Druk des Wassers überwinden können. Der Rauch und die Gasarten werden auf diese Weise nüzlich verwendet und alles Ueberflüssige von diesen beiden in dem Wasser abgesezt und zerstreut, nachdem es im Gehäuse des Ruderrades gedient hat, ohne, wie bisher, die Schiffenden bei dem gewöhnlichen Abzüge durch den Schornstein zu belästigen.

Fig. 26. ist der Durchschnitt eines Ruderrades mit seinem Gehäuse und einem Canale, der entweder um dasselbe herumlaufen, oder in dem Inneren desselben nahe am Ende angebracht seyn und von einer Seite zur anderen laufen kann. Dieser Canal (tunnel) ist ein sehr bequemes Mittel, um dem Rauche und Gase im Niederhalten des sogenannten Hinterwassers beizustehen, und dem Rauche eine freie Communication von einer Seite des Gehäuses des Ruderrades zur anderen zu geben. Die einzelnen Theile oder Verbindungen der Maschine, womit wir unsere luftdichten Oefen und Feuerherde bauen, nehmen wir nur insofern |287| als unser Patent-Recht in Anspruch, als sie zur Erreichung unseres Zwekes nothwendig sind, Dieser Zwek kann aber auch durch andere Theile und Verbindungen derselben erreicht werden, die hier weder angegeben noch beschrieben noch gezeichnet sind: diese Abänderungen können jedoch, insofern sie auf denselben Grundsäzen beruhen, in ihrer Wirkung dieselben seyn, und folglich unserer Erfindung angehören, und an irgend einer Maschine zum Treiben derselben unter obigen Bedingungen angewendet werden.

Das Register sagt in einer Note, daß es nicht alle Zeichnungen des Originales gibt, sondern nur eine deutliche Skizze derselben liefert, und verweist den Leser, der dieselben sehen will, an das Roll's Chapel Office, Chancery Lane, wo man für das bloße Ansehen die schmähliche Taxe von 3 Shillings 6 Pence zu bezahlen hat (2 fl. 6 kr.). Das Register macht nicht bloß auf diese Prellerei, sondern auch auf die Mühe und den Zeitverlust aufmerksam, den derjenige hat, der sich eine Patent-Erklärung abschreibt, indem leztere öfters 30 bis 60 Fuß lang und ohne alle Unterscheidungszeichen geschrieben ist.111)

|284|

Das Register of Arts bemerkt im September-Hefte S. 116., daß diese ganze Vorrichtung/ wie sie am Bothe angebracht ist, ein Mißgriff war, der mehr als bloß mechanisches Interesse hat, indem sie dieselbe Vorrichtung gewesen ist, welche die Griechen in ihrer Empörung gegen die Pforte um die Hülfe eines brauchbaren und zwekmäßigen Dampfbothes brachte. Dieß war nämlich das unglükliche Dampfboth, das für die Griechen erbaut wurde, und das man nicht brauchen konnte, nachdem es endlich nach langer Zeit fertig geworden ist. Lord Cochrane wollte seine Verbesserung mit Gewalt durchsezen, und es ging nicht: es ist leichter Freibeuter seyn, als Mechaniker.

A. d. Ue.

|287|

Die Figuren im London-Journal of Arts, September 1830 sind um nichts vollständiger oder besser. Die HHrn. Cochrane und Galloway haben ihren Prozeß verloren, wollen aber mit Gewalt die Advokaten noch reicher machen, als sie sind, und appelliren, wie wir aus einer Note im Register ersehen.

A. d. Ue.

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