Titel: Penot, über Acidimetrie und Alkalimetrie.
Autor: Penot, Achille
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. CII. (S. 384–404)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/ar038102

CII. Ueber Acidimetrie und Alkalimetrie, von Achille Penot.

Aus dem Bulletin de la Société industr. de Mulhausen. N. 15. S. 458.

Da man bei mehreren Industriezweigen eine große Menge verschiedener Säuren braucht, so ist es für die Fabrikanten von der höchsten Wichtigkeit ihre Sättigungscapacität (Gehalt an wirklicher Säure) sowohl beim Einkaufen als beim Ankauf bestimmen zu können. Durch den Aräometer kann man sie aber kaum annähernd ausmitteln, weil er nur die Dichtigkeit der Flüssigkeit, in welche man ihn taucht, angibt, welche jedoch in keinem constanten Verhältniß mit ihrer Reinheit steht, weil immer eine Verdichtung und nie eine gleichförmige Statt findet. Uebrigens kann die Flüssigkeit, wie es oft der Fall ist, auflösliche fremdartige Substanzen enthalten, so daß man genöthigt ist zu anderen Methoden, welche einer größeren Genauigkeit fähig sind, seine Zuflucht zu nehmen. Aber auch angenommen, daß die Flüssigkeit rein ist, so muß man immer ihre Temperatur berüksichtigen, wovon ihre Dichtigkeit ebenfalls abhängt, und da nicht alle Fabrikanten die Berechnungen |385| anstellen können, welche alsdann erforderlich sind, um die Dichtigkeit auf eine constante Temperatur zurükzuführen, so hätte man selbst alsdann nur ein mehr oder weniger annäherndes Resultat, weil dieser Umstand vernachlässigt wurde.

Außerdem ist es auch nicht möglich mittelst des Aräometers einen geringen Säuregehalt einer Flüssigkeit zu bestimmen, und dennoch ist es für manche Operationen wichtig ihn zu kennen.

Schon seit langer Zeit bestimmt man den Gehalt der Alkalien durch die Menge Säure, welche sie neutralisiren können, und ich schloß daraus, daß man auch umgekehrt den wahren Werth einer Säure vermittelst eines Alkalis bestimmen kann, vorausgesezt, daß dessen Zusammensezung constant ist; diesen Vortheil bietet das käufliche krystallisirte einfach-kohlensaure Natron dar. Es handelte sich nun bloß noch darum zu wissen, in welchen Verhältnissen das Natronsalz und die zu prüfende Säure angewandt werden müssen. Man ging hierbei bisher von dem Grundsaze aus, daß 36 Gewichtstheile Schwefelsäure von 66° Baumé 100 Theile krystallisirtes einfachkohlensaures Natron sättigen. Dieß ist aber nicht genau, denn lezteres Salz besteht aus:

Kohlensäure 15,31
Natron 21,73
Wasser 62,96
–––––
100

und da das wasserfreie schwefelsaure Natron aus

Schwefelsäure 56,18
Natron 43,82
–––––
100

besteht, so folgt daraus, daß 21,73 Natron (56,18 × 21,73)/43,82 = 27,86 reine Schwefelsäure sättigen können. Die Schwefelsäure von 66° enthält

reine Säure 81,68
Wasser 18,32
–––––
100

27,86 wirkliche Säure entsprechen also 34,104 Säure von 66°; demnach würden 100 Theile krystallisirtes einfach-kohlensaures Natron nicht 36, sondern nur 34,104 Theile concentrirte Schwefelsäure zur Verwandlung in schwefelsaures Natron erfordern.

Wenn auch obige Annahme, worauf sich das Verfahren gründet, nicht ganz genau ist, so könnte sich die Industrie dennoch desselben bedienen, wenn es schnell und leicht auszuführen wäre, da sie in den meisten Fällen. sucht; dem ist aber nicht so, daher man gewöhnlich noch die Stärke einer Säure vermittelst des |386| Aräometers bestimmt. Das Verfahren, welches man vorschreibt, besteht in Folgendem:

„Um den Grad einer Säure zu bestimmen, nimmt man einerseits 25 Grammen krystallisirtes kohlensaures Natron, welches man in ein wenig warmen Wassers auflöst; andererseits wiegt man eine größere Quantität Säure ab, als man für nöthig erachtet und sättigt sie indem man von der Natronauflösung tropfenweise und unter beständigem Umrühren so lange zusezt, bis sie Lakmuspapier nicht mehr deutlich roth färbt. Man braucht dann, um den Grad kennen zu lernen, nur das Verhältniß zwischen der geprüften Säure und der Schwefelsäure zu kennen: 36 dieser Säure sättigen aber 100 kohlensaures Natron und man pflegt dann zu sagen, daß die Säure 100 Grad hat, was offenbar eine willkürliche Zahl ist. Um nun die Säuren vergleichbar zu machen, hätte man gleiche Quantitäten anwenden müssen, man kann sie aber durch eine einfache Proportion darauf zurükführen; gehen wir von obiger Angabe aus, so haben wir:

22 : 25 = 36 : (36 × 25)/22 = 40,99,

woraus man ersieht, daß 36 der zweiten Säure 40,99 oder sehr nahe 41 Natronsalz sättigen würden. (Man vergl. Hrn. Robiquet's Abhandlung im Dictionn. technol. Bd. I. S. 48.)“

Dieses Verfahren gibt also das Resultat nur vermittelst einer Berechnung und es erheischt, daß man bei jedem Versuche das Natronsalz und zwei Mal die zu prüfende Säure wiegt, was man offenbar vermeiden muß, da das Wägen eine sehr delikate Operation ist. Ich will eine Abänderung vorschlagen, welche den doppelten Vortheil hat, daß sie auf einer genauen Thatsache beruht und sogleich das gesuchte Resultat gibt. Um aber die Instrumente nicht unnüzer Weise zu vervielfältigen, wählte ich solche Verhältnisse, wobei man sich Descroizilles Alkalimeter bedienen kann, den man sich leicht verschafft und schon in vielen Fabriken findet.

Man nehme 5 Grammen Schwefelsäure von 66°: sie enthalten (81,68 × 5)/100 = 4,084 Grammen reine Säure und können (43,82 × 4,084)/56,18 = 3,185 Grammen reines Natron (Natriumoxyd) sättigen. Die Schwefelsäure von 66° Baumé enthält 81,68 Procent reine Säure; dieß nenne ich 81,68 acidimetrische Grade. Hätten wir eine Säure von nur Einem acidimetrischen Grad angewandt, so wären nur 14,66/81,68 = 0,1795 Grammen krystallisirtes Natronsalz |387| erforderlich gewesen, und wenn die Säure 100 Grade gezeigt hätte, wären davon 17,95 Grammen nöthig gewesen. Man wird folglich eine Natronauflösung anwenden müssen, welche 17,95 Grammen im halben Deciliter (dieß ist die Capacität von Descroizilles Alkalimeter), oder 359 Grammen im Liter enthält, damit jeder acidimetrische Grad ein Hundertstel wirklicher Säure in der geprüften Schwefelsäure anzeigt. Um aber nicht leicht Fehler begehen zu können, thut man besser eine weniger concentrirte Auflösung anzuwenden; man wird daher nur ein Drittel des angegebenen Natronsalzes oder drei Liter Wasser, aber auch nur das Drittel von 5 Grammen Schwefelsäure nehmen.

Bei Bereitung der Probeflüssigkeit oder acidimetrischen Flüssigkeit verfährt man nun folgendermaßen: man mißt in einen Cylinder das Volum von drei Liter ab, welches man auf irgend eine Art bezeichnet. Man löst sodann 359 Grammen troknes und nicht verwittertes krystallisirtes kohlensaures Natron durch Erwärmen in etwas mehr oder weniger als zwei Liter reinen Wassers auf, gießt die Auflösung in den Cylinder, läßt sie erkalten und ergänzt sodann durch reines Wasser das schon abgemessene Volum von 3 Liter.171) Hierzu darf man jedoch nur ein sehr reines Natronsalz anwenden, welches man selbst auf folgende Art bereiten kann: man löst in der Kälte die käuflichen Krystalle in destillirtem Wasser auf, bringt die Auflosung in die Enge und läßt krystallisiren, behandelt die erhaltenen Krystalle noch zwei Mal auf dieselbe Art, troknet sie und bewährtste in einer wohl verschlossenen Flasche auf.

Das Verfahren, um den Gehalt einer Säure zu bestimmen, ist höchst einfach; man nimmt 5 Grammen von der zu prüfenden Säure, und gießt sie in den Alkalimeter, welchen man dann bis zu Null der Scale mit reinem Wasser füllt; diese Mischung gießt man in einen Cylinder und sezt noch zwei Maße Wasser zu, womit man das Gefäß, in welchem die Säure abgewogen wurde, ausgespült hat. Man nimmt sodann das Drittel der gemessenen Flüssigkeit, das heißt Einen Alkalimeter, und gießt es in ein Glas.

Man kann, wenn man es weniger umständlich findet, sogleich mit 1,666 Grammen den Versuch machen. Andererseits füllt man den Alkalimeter bis zur Null der Scale mit Probeflüssigkeit und gießt davon so lange in die Säure, bis sie das Lakmus nicht mehr röthet. Wenn dieser Punct eingetreten ist, zeigt die Zahl auf der Scale, welche mit der übriggebliebenen Flüssigkeit im Niveau ist, den Grad des Gehalts der geprüften Säure an. Ich halte es für überflüssig mich über die Vorsichtsmaßregeln zu verbreiten, welche bei diesen Versuchen beobachtet |388| werden müssen, da sie allen denjenigen bekannt sind, welche sich des Alkalimeters bedienen. Wenn man mit einer sehr schwachen Säure den Versuch anzustellen hatte, so könnte man davon 50 Grammen anstatt 5 nehmen, dürfte aber dann nur den zehnten Theil der gefundenen Zahl (indem man die lezte Ziffer zur Rechten durch ein Komma abschneidet) als das Resultat betrachten.

Wenn der Gehalt einer Säure richtig bestimmt werden soll, muß man sich vorher durch Reagentien überzeugen, daß sie keinen fremdartigen Körper enthält, welcher auf die alkalimetrische Flüssigkeit wirken könnte. Diese Untersuchung ist glüklicher Weise sehr leicht anzustellen. Ich will sie für die Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsäure, Essigsäure, Kleesäure, Weinsteinsäure und Citronensäure, welche man am gewöhnlichsten in den Fabriken anwendet, etwas ausführlich angeben.

Die Schwefelsäure enthält bisweilen Salpetersäure oder salpetrige Säure, welche man beide leicht an den rothen Dämpfen erkennt, die sie beim Erhizen ausstößt. Man findet darin auch schwefelsaures Blei und dann färbt sie sich nach dem Verdünnen mit Wasser durch schwefelwasserstoffsaures Ammoniak braun. Ein Eisengehalt derselben zeigt sich durch den blauen Niederschlag, welchen man mit eisen blausaurem Kali erhält; wenn man dieses Reagens anwendet, muß man jedoch die Säure Zuvor mit vielem Wasser verdünnen. Wenn, wie dieses der Fall seyn könnte, die Säure Natron- oder Kalisalze enthält, so werden sie keinen Einfluß auf die acidimetrischen Resultate haben.

In der Salpetersäure findet man bisweilen Chlor, welches man leicht an dem weißen Niederschlage erkennt, den sie mit salpetersaurem Silberoxyd oder Queksilberoxydul hervorbringt. Oft findet man darin salpetrige Säure, welche der Flüssigkeit eine gelbe Farbe ertheilt, und Schwefelsäure, welche mit Baryt einen weißen in überschüssiger Salpetersäure unauflöslichen Niederschlag hervorbringt. Die Salpetersäure kann auch verschiedene Salze enthalten. Diejenigen welche Kali oder Natron zur Basis haben, werden keinen Einfluß haben, die übrigen werden immer Niederschläge hervorbringen, wenn man die geprüfte Säure nach der Sättigung mit überschüssigem Natronsalz versezt. Man wird dann die Quantität des Niederschlages berüksichtigen. Was ich hinsichtlich der Salze gesagt habe, gilt für alle Säuren im Allgemeinen.

Die käufliche Salzsäure ist selten rein; sie kann fremdartige Substanzen in Folge ihrer Bereitung oder absichtlicher Verfälschung enthalten. Eisen, verschiedene Salze, Schwefelsäure, schweflige Säure sind die Substanzen, welche man darin am häufigsten antrifft. Wie man das Vorkommen von Eisen und verschiedenen Salzen ausmittelt, habe ich bereits angegeben. Die Schwefelsäure erkennt man durch Barytsalze; man muß aber verdünnte Flüssigkeiten anwenden, denn wenn die |389| Salzsäure und das Barytsalz concentrirt sind, erhält man einen weißen Niederschlag, selbst wenn keine Schwefelsäure vorhanden ist. Die schweflige Säure fällt den Baryt ebenfalls weiß; wenn man sie unterscheiden will, süßt man den Niederschlag aus und behandelt ihn mit Schwefelsäure, wobei sich schweflige Säure entwikelt, welche man leicht an ihrem Geruch erkennt.

In der Essigsäure fand ich oft Kupfer, Eisen, eisigsaures und schwefelsaures Natron, Schwefelsäure, schweflige Säure. Das Kupfer erkennt man an dem braunrothen Niederschlag, welcher die Flüssigkeit auf Zusaz von eisenblausaurem Kali annimmt. Von den anderen Substanzen habe ich schon hinreichend gesprochen.

Die Kleesäure enthält bisweilen Salpetersäure, welche von ihrer Bereitung herrührt. In diesem Falle hat sie einen starken Geruch und zerfrißt das Papier und die Korkstöpsel der Flasche, worin man sie aufbewahrt.

In der Weinsteinsäure findet man selten etwas anderes als Schwefelsäure, welche mit Barytsalz einen weißen Niederschlag hervorbringt, der in überschüssiger Salpetersäure oder Salzsäure unauflöslich ist.

Die Citronensäure enthält oft Schwefelsäure, welche von ihrer Bereitung herrührt und bisweilen Kleesäure und Weinsteinsäure, womit man sie verfälscht. Diese lezteren findet man leicht, wenn man eine concentrirte Auflösung derselben mit salzsaurem Kali versezt, wo sodann ein krystallinischer Niederschlag von saurem kleesauren und saurem weinsteinsauren Kali entsteht, während reine Citronensäure nicht getrübt wird.

Wenn man die acidimetrischen Versuche mit Schwefelsäure anstellt, so zeigt jeder Grad des Acidimeters Ein Procent wasserfreie Säure an. Anders verhält es sich mit den übrigen Säuren, da jede eine verschiedene Sättigungscapacität hat. Wenn man allgemein mit d den acidimetrischen Grad, mit m das Verhältniß zwischen den Sättigungscapacitäten oder chemischen Aequivalenten der Schwefelsäure und der geprüften Säure, und mit Q die Quantität wirklicher Säure, welche in hundert Theilen dieser lezteren Flüssigkeit enthalten ist, bezeichnet, so hat man Q = md. Nun ist bekanntlich

für die Salpetersäure m = 1,35
Salzsäure m = 0,925
Essigsäure m = 1,25
Kleesäure m = 0,90
Weinsteinsäure m = 1,675
Citronensäure m = 1,45

Obgleich die anzustellenden Berechnungen weder lang noch schwierig sind, so habe ich doch um sie den Fabrikanten, welche sich des Acidimeters bedienen, zu ersparen, in der folgenden Tabelle neben jedem |390| dem Grade die Menge wirklicher Säure (dem Gewichte nach), welche in 100 Theilen der geprüften Flüssigkeit enthalten ist, beigefügt. In derselben kommen nur diejenigen Säuern vor, welche man in den Fabriken anwendet; ich seze voraus, daß sie alle in Auflösung vorhanden sind.

Acidimet.
Grade.
Salpetersäure. Salzsäure. Essigsäure. Kleesäure. Weinsteinsäure. Citronensäure.
1 1,35 0,925 1,25 0,9 1,675 1,45
2 2,70 1,850 2,50 1,8 3,350 2,90
3 4,05 2,775 3,75 2,7 5,025 4,35
4 5,40 3,700 5,00 3,6 6,700 5,80
5 6,75 4,625 6,25 4,5 8,375 7,25
6 8,10 5,550 7,50 5,4 10,050 8,70
7 9,45 6,475 8,75 6,3 11,725 10,15
8 10,80 7,400 10,00 7,2 13,400 11,60
9 12,15 8,325 11,25 8,1 15,075 13,05
10 13,50 9,250 12,50 9,0 16,750 14,50
11 14,85 10,175 13,75 9,9 18,425 15,95
12 16,20 11,100 15,00 10,8 20,100 17,40
13 17,55 12,025 16,25 11,7 21,775 18,85
14 18,90 12,950 17,50 12,6 23,450 20,30
15 20,25 13,875 18,75 13,5 25,125 21,75
16 21,60 14,800 20,00 14,4 26,800 23,20
17 22,95 15,725 21,25 15,3 28,475 24,65
18 24,30 16,650 22,50 16,2 30,150 26,10
19 25,65 17,575 23,75 17,1 31,825 27,55
20 27,00 18,500 25,00 18,0 33,500 29,00

Ich sezte diese Tabelle nicht über 20 Grade fort, weil man die Säuren, welche sie enthält, in den Fabriken selten in concentrirterem Zustande anwendet.172)

Für die Kleesäure, Weinsteinsäure und Citronensäure prüfte ich concentrirte Auflösungen bei + 10° C. Temperatur und fand für

die Kleesäure 6,11 acidim. Grade
Weinsteinsäure 29,46 –
Citronensäure 35,23 –

Die Auflösungen enthielten folglich in 100 Theilen,

Kleesäure 5,49
Wasser 94,51
––––––
100.
Weinsteinsäure 49,246
Wasser 50,754
––––––
100.
Citronensäure 51,08
Wasser 48,92
––––––
100.
|391|

Nun besteht die krystallisirte Kleesäure aus

wirklicher Säure 57,25
Wasser 42,75
–––––
100.

Die krystallisirte Weinsteinsäure besteht aus

wirklicher Säure 88,05
Wasser 11,95
–––––
100.

und die krystallisirte Citronensäure enthält

wirkliche Säure 82,82
Wasser 17,18
–––––
100.

In den Auflösungen waren folglich enthalten

krystallisirte Kleesäure 9,588
freies Wasser 90,412
–––––
100.
Krystallisirte Weinsteinsäure 55,93
freies Wasser 44,07
–––––
100.
krystallisirte Citronensäure 61,67
freies Wasser 38,33
–––––
100.

Bei + 10° C. (+ 8° R.) lösen 100 Gewichtstheile Wasser 10,66 Theile Kleesäure; 126,91 Weinsteinsäure; 160,88 Citronensäure173) auf. Hieraus sieht man, daß es immer leicht seyn wird durch eine ähnliche Berechnung die Menge krystallisirter Säure, welche 100 Theile Wasser bei einer gegebenen Temperatur auflösen können, zu bestimmen. Auch kann man vermittelst des Acidimeters die Kleesäure, Weinsteinsäure und Citronensäure im krystallisirten Zustande prüfen. Zu diesem Ende wiegt man davon 5 Grammen ab, löst sie in einer geeigneten Menge reinen Wassers auf, nimmt den dritten Theil dieser Auflösung zur Bestimmung des Gehalts und versezt ihn geradezu mit Probeflüssigkeit. Nach obiger Angabe enthalten 5 Grammen Kleesäure 2,862 Grammen reine (wasserfreie) Säure, wovon das Drittel 0,954 Grammen ist. Ein gleiches Gewicht reiner Schwefelsäure wurde 57,47 acidimetrische Grade zeigen, und da das Verhältniß zwischen den Sättigungscapacitäten der Kleesäure und Schwefelsäure 0,9 ist, so |392| muß man für die geprüfte Kleesäure 51,72 Grade finden. Eine ähnliche Berechnung ergibt, daß die Weinsteinsäure 148 Grade und die Citronensäure 120,54 Grade zeigen muß. Man muß übrigens bei diesen Versuchen die fremden Säuern (meistens Schwefelsäure), welche der zu prüfenden beigemischt seyn könnten, berüksichtigen.

Es wäre nüzlich das Verhältniß zu kennen, welches zwischen den acidimetrischen Graden und denen des Aräometers, so wie dasjenige, welches zwischen dem specifischen Gewichte einer Flüssigkeit und ihrem aräometrischen Grade Statt findet, weil der Fabrikant sich gewöhnlich nur dieses lezteren bedient, während in fast allen Schriften die Concentration der Säuern nach ihrem specifischen Gewichte angegeben ist. Hr. Francoeur gab (Dict. technol. Bd. II. S. 114.) folgende Formel für letzteres Verhältniß:

p = 152/(152 – d)

wobei p das specifische Gewicht und d den correspondirenden aräometrischen Grad bezeichnet. Diese Formel ist nicht ganz genau und kann es auch nicht seyn, denn wenn wir c die konstante Zahl nennen, welche hier 152 ist, so haben wir p = c/(c – d), folglich c = pd/(p – 1); nun ist aber pd/(p – 1) eine wandelbare Größe, denn wenn d = 66, so hat man nach den Versuchen mehrerer Chemiker p = 1,845 und folglich pd/(p – 1) = 145,30. Für d = 5 fand Vauquelin p = 1,023, daher pd/(p – 1) = 222,40.

Man würde jedoch für die Praxis eine hinreichende Annäherung erhalten, wenn man anstatt mit Francoeur c = 152 zu nehmen, c = 144 annehmen würde. Die Formel würde alsdann p = 144/(144 – d). Wir wollen nun d = 66 annehmen, so gibt Francoeur's Formel p = 1,767; die neue p = 1,846; der wirkliche Werth ist p = 1,845. Für d = 30 gibt die erste Formel p = 1,250, die zweite p = 1,263. Vauquelin fand durch den Versuch p = 1,260. Durch meine Abänderung wird Francoeur's Formel zwar nicht mathematisch genau, aber man erhält dadurch Resultate, welche von der Wahrheit nur um einige Tausendstel abweichen (dabei bemerke ich bloß, daß für die 5 ersten Grade Francoeur's Formel ein wenig genauer ist als die neue).

Aus der Formel p = 144/(144 – d) ergibt sich d = 144 p/(p – 1), |393| was den Aräometergrad anzeigt, wenn man das spec. Gewicht kennt.174) Nach ersterer Formel habe ich folgende Tabelle berechnet, worin ich die durch Versuche von Vauquelin und Darcet ermittelten Zahlen beibehielt; sie sind mit einem Sternchen bezeichnet.

Tabelle der specifischen Gewichte und der ihnen entsprechenden Aräometergrade.

Aräometergrade. Specifische
Gewichte.
Aräometergrade. Specifische
Gewichte.
Aräometergrade. Specifische
Gewichte
1 1,007 23 1,190 *45 1,454
2 1,012 24 1,200 *46 1,466
3 1,016 *25 1,210 *47 1,482
4 1,020 26 1,220 *48 1,500
*5 1,023 27 1,229 *49 1,515
6 1,040 28 1,241 *50 1,532
7 1,051 29 1,253 *51 1,550
8 1,059 *30 1,260 *52 1,566
9 1,066 31 1,274 *53 1,586
*10 1,076 32 1,285 *54 1,603
11 1,083 33 1,297 *55 1,618
12 1,091 34 1,309 56 1,636
13 1,100 *35 1,315 57 1,655
14 1,107 36 1,333 58 1,674
*15 1,114 37 1,346 59 1,694
16 1,125 38 1,358 *60 1,717
17 1,134 39 1,367 61 1,734
18 1,142 *40 1,375 62 1,756
19 1,152 41 1,397 63 1,777
*20 1,161 42 1,411 64 1,800
21 1,170 43 1,425 65 1,823
22 1,180 44 1,440 66 1,843

Wir wollen uns jezt mit dem Verhältniß beschäftigen, welches zwischen dem acidimetrischen und dem Aräometergrade Statt findet. Wenn man Wasser und eine Säure vermischt, so entsteht eine Verdichtung, daher kein constantes Verhältniß zwischen der Dichtigkeit einer Säure und ihrer Reinheit Statt findet. Man kann daher keine Formel aufstellen, welche geradezu den acidimetrischen Grad irgend einer Säure angibt, wenn ihr specifisches Gewicht bekannt ist, oder umgekehrt. Für jede derselben muß eine besondere Tabelle gemacht werden und zu den Resultaten kann man nur durch Versuche gelangen; so wurden die hier folgenden gemacht. Alle Versuche wurden wenigstens zwei Mal und von verschiedenen Personen wiederholt. Um möglichst sicher zu gehen, haben wir immer geradezu mit 50 Grammen Säure experimentirt, so daß der wirkliche Fehler nur 1/50 von demjenigen beträgt, welchen wir hatten begehen können. Bei der Tabelle für |394| die Schwefelsäure habe ich einige Beobachtungen von Vauquelin und Darcet benuzt. Die Temperatur, bei welcher die Versuche angestellt wurden, ist + 15° C. (+ 12° R.). Der Buchstabe V. bezeichnet Vauquelin, A. Darcet; P. Penot.

Aräometergrade. Säure von 66
Grad.
Wasserfreie Säure
oder
acidimetr. Grad.
Wasser.
1 P 1,14 0,93 99,07
2 P 2,17 1,77 98,23
3 P 3,32 2,71 97,29
4 P 4,67 3,81 96,19
5 V 6,60 5,40 94,60
6 P 7,14 5,83 94,17
7 P 8,69 7,12 92,88
8 P 9,40 7,61 92,39
9 P 10,63 8,61 91,39
10 V 11,73 9,59 90,41
11 P 12,61 10,21 89,79
12 P 13,50 10,93 89,07
13 P 15,02 12,16 87,84
14 P 16,64 13,48 86,52
15 V 17,39 14,20 85,80
16 P 18,47 14,96 85,04
17 P 19,96 16,17 83,83
18 P 21,58 17,48 82,52
19 P 22,88 18,53 81,47
20 V 24,01 19,61 80,39
21 P 25,18 20,40 79,60
22 P 26,85 21,75 78,25
23 P 28,13 22,79 77,21
24 P 29,18 23,64 76,36
25 V 50,12 24,60 75,40
26 P 31,72 25,70 74,30
27 P 33,07 26,79 73,21
28 P 34,34 27,82 72,18
29 P 35,29 28,59 71,41
30 V 36,52 29,83 70,17
31 P 38,08 30,85 69,15
32 P 39,44 31,95 68,05
33 P 40,82 33,06 66,94
34 P 42,03 34,04 65,96
35 V 43,21 35,30 64,70
36 P 44,58 36,11 63,89
37 P 45,77 37,07 62,93
38 P 47,31 38,32 61,68
39 P 48,97 39,69 60,51
40 V 50,41 41,17 58,83
41 P 51,73 41,90 58,10
42 P 53,04 42,96 57,04
43 P 54,15 43,86 56,14
44 P 56,87 46,06 53,94
45 A 58,02 47,40 52,60
46 A 59,85 48,88 51,12
47 A 61,52 50,09 49,91
48 A 62,80 51,30 48,70
49 A 64,37 52,58 47,42
|395|
Aräometergrade. Säure von 66
Grad.
Wasserfreie Säure
oder
acidimetr. Grad.
Wasser.
50 A 66,45 54,28 45,72
51 A 68,30 55,79 44,21
52 A 69,30 56,60 43,40
53 A 71,17 58,13 41,87
54 A 72,72 59,38 40,62
55 A 74,32 60,70 39,30
56 P 75,94 61,51 38,49
57 P 77,02 62,39 37,61
58 P 79,06 64,04 35,96
59 P 80,92 65,55 34,45
60 A 82,34 68,79 31,21
61 P 83,61 66,92 33,08
62 P 85,13 68,96 31,04
63 P 88,62 71,78 28,22
64 P 92,25 74,72 25,28
65 P 96,34 78,04 21,96
66 100 81,68 18,32

Salpetersäure.

Aräometergrade. Acidimetrische
Grade.
Wasserfreie Säure. Wasser.
1 0,95 1,28 98,72
2 1,94 2,62 97,38
3 2,57 3,46 96,54
4 3,64 4,92 95,08
5 4,09 5,53 94,27
6 4,68 6,32 93,63
7 5,28 7,13 92,87
8 6,42 8,67 91,33
9 7,06 9,53 90,47
10 8,06 10,88 89,12
11 8,81 11,90 88,10
12 9,53 12,87 87,13
13 10,48 14,15 85,85
14 11,19 15,11 84,89
15 11,99 16,17 83,83
16 13,14 17,74 82,26
17 13,65 18,43 81,57
18 14,71 19,87 80,13
19 15,39 20,76 79,24
20 16,61 22,43 77,57
21 17,78 23,96 76,04
22 18,53 25,02 74,98
23 19,39 26,17 73,83
24 20,48 27,65 72,35
25 21,40 28,90 71,10
26 22,23 30,02 69,98
27 23,31 31,48 68,52
28 24,15 32,60 67,40
29 25,12 33,92 66,08
30 26,00 35,10 64,90
|396|
Aräometergrade. Acidimetrische
Grade.
Wasserfreie Säure. Wasser.
31 27,10 36,85 63,15
32 28,20 38,07 61,93
33 29,36 39,64 60,46
34 30,16 40,72 59,28
35 31,13 42,03 57,97
36 32,80 44,28 55,72
37 34,11 46,15 53,85
38 35,63 48,11 51,89
39 36,75 49,62 50,38
40 38,00 51,30 48,70

Salzsäure.

Aräometergrade. Acidimetrische
Grade.
Wasserfreie Säure. Wasser.
1 1,58 1,46 98,54
2 2,86 2,63 97,37
3 3,40 3,14 96,86
4 4,71 4,36 95,64
5 6,80 6,28 93,72
6 8,96 8,29 91,71
7 11,20 10,37 89,63
8 12,78 11,83 88,17
9 13,81 12,97 87,03
10 14,36 14,28 85,72
11 17,39 16,07 83,93
12 19,48 18,20 81,80
13 21,69 20,06 79,94
14 23,65 21,87 78,13
15 24,96 23,17 76,83
16 26,90 24,97 75,03
17 28,75 26,59 73,41
18 30,98 28,65 71,35
19 32,92 30,45 69,55
20 34,98 32,35 67,65

Essigsäure.

Aräometergrade. Acidimetrische
Grade.
Wasserfreie Säure. Wasser.
1 2,70 3,37 96,63
2 5,48 8,85 93,15
3 7,98 9,97 90,03
4 10,14 12,67 87,33
5 12,86 16,07 84,93
6 15,36 19,20 80,80
7 17,93 22,31 77,69
8 20,54 25,77 74,23
9 23,24 29,05 70,95
10 26,00 32,50 67,50
|397|

Diese Tabellen sind sehr nüzlich, wenn man die Menge Säure bestimmen will, welche zu irgend einer chemischen Wirkung nöthig ist. Wenn man z.B. 100 Kilogrammen Kochsalz zersezen will, um Salzsäure zu bereiten, so wird man nach den stöchiometrischen Gesezen 66,66 Kilogramm wasserfreie Schwefelsäure anwenden müssen, und wenn man nur eine Säure von 50° Baumé hat, was 54,22 acidimetrischen Graden entspricht, so hat man, da die Menge der anzuwendenden Säure in umgekehrtem Verhältniß mit ihrem Gehalt steht, 54,28 : 100 = 66,66 : x = 122,80; man wird also 122,80 Kilogrammen Säure von 50° Baumé oder 54,28 acidimetrischen Graden anwenden müssen.

In dieser Hinsicht müssen, glaube ich, folgende Tabellen sehr nüzlich in der Praxis seyn.

Schwefelsäure.

Aräometergrad. Specifisches
Gewicht.
Acidimetrischer
Grad
oder wasserfreie
Säure.
Säure von
66 Graden.
Wasser.
1 1/2 1,004 0,57 0,69 99,31
1 1,007 0,93 1,14 98,86
1 1/2 1,009 1,33 1,61 98,39
2 1,012 1,77 2,17 97,83
2 1/2 1,014 2,28 2,76 97,24
3 1,016 2,71 3,32 96,68
3 1/2 1,018 3,20 3,87 96,13
4 1,020 3,81 4,67 95,33
4 1/2 1,021 4,52 5,47 94,53
5 1,023 5,40 6,60 93,30
6 1,040 5,83 7,14 92,86
7 1,051 7,12 8,69 91,31
8 1,059 7,61 9,40 90,60
9 1,066 8,61 10,63 89,37
10 1,076 9,59 11,73 88,27
11 1,083 10,21 12,61 87,39
12 1,091 10,93 13,50 86,50
13 1,100 12,16 15,02 84,98
14 1,107 13,48 16,64 83,36
15 1,114 14,20 17,39 82,61
16 1,125 14,96 18,47 81,53
17 1,134 16,17 19,96 80,04
18 1,142 17,48 21,58 78,42
19 1,152 18,53 22,88 77,22
20 1,161 19,61 24,01 75,99
21 1,170 20,40 25,18 74,82
22 1,180 21,75 26,85 73,15
23 1,190 22,79 28,13 71,87
24 1,200 23,64 29,18 70,82
25 1,210 24,60 30,12 69,88
26 1,220 25,70 31,72 68,28
27 1,229 26,79 33,07 66,93
28 1,241 27,82 34,34 65,66
|398|
Aräometergrad. Specifisches
Gewicht.
Acidimetrischer
Grad
oder wasserfreie
Säure.
Säure von
66 Graden.
Wasser.
29 1,253 28,59 35,29 64,71
30 1,260 29,83 36,52 63,48
31 1,274 30,85 38,08 61,92
32 1,285 31,95 39,44 60,56
33 1,297 33,06 40,82 59,18
34 1,309 34,04 42,03 57,97
35 1,315 35,30 43,21 56,79
36 1,333 36,11 44,58 55,42
37 1,346 37,07 45,77 54,33
38 1,358 38,32 47,31 52,69
39 1,367 39,69 48,97 51,03
40 1,375 41,17 50,41 49,59
41 1,397 41,90 51,73 48,27
42 1,411 42,96 53,04 46,96
43 1,425 43,86 54,15 45,85
44 1,440 46,06 56,87 43,13
45 1,454 47,40 58,02 41,98
46 1,466 48,88 59,85 40,15
47 1,482 50,09 61,32 38,68
48 1,500 51,30 62,80 37,20
49 1,515 52,58 64,37 35,63
50 1,532 54,28 66,45 33,55
51 1,550 55,79 68,30 31,70
52 1,566 56,60 69,30 30,70
53 1,586 58,13 71,17 28,83
54 1,603 59,38 72,72 27,28
55 1,618 60,70 74,32 25,68
56 1,636 61,51 75,94 24,06
57 1,655 62,39 77,02 22,98
58 1,674 64,04 79,06 20,94
59 1,694 65,55 80,92 19,08
60 1,717 68,79 82,34 17,66
61 1,734 66,92 83,61 16,39
62 1,756 68,96 85,13 14,87
63 1,777 71,78 88,62 11,38
64 1,800 74,72 92,25 7,75
65 1,823 78,04 96,34 3,66
66 1,845 81,68 100, 0,00

Salzsäure.

Aräometergrade. Specifisches
Gewicht.
Acidimetr.
Grade.
Wasserfreie
Säure.
Säure von 20
Graden.
Wasser.
1/2 1,004 1,10 1,02 3,15 96,85
1 1,007 1,58 1,46 4,51 95,49
1 1/2 1,009 2,09 1,93 5,96 94,04
2 1,012 2,86 2,63 8,13 91,87
2 1/2 1,014 2,93 2,71 8,38 91,62
3 1,016 3,40 3,14 9,70 90,30
3 1/2 1,018 4,05 3,75 11,58 88,42
|399|
Aräometergrade. Specifisches
Gewicht.
Acidimetr.
Grade.
Wasserfreie
Säure.
Säure von 20
Graden.
Wasser.
4 1,020 4,71 4,36 13,47 86,53
4 1/2 1,021 5,66 5,24 16,20 83,80
5 1,023 6,80 6,28 19,40 80,60
6 1,040 8,96 8,29 25,62 74,38
7 1,051 11,20 10,37 32,04 67,96
8 1,059 12,78 11,83 36,55 63,45
9 1,066 13,81 12,97 40,08 59,92
10 1,076 14,36 14,28 44,12 55,88
11 1,083 17,39 16,07 49,66 50,34
12 1,091 19,48 18,20 56,24 43,76
13 1,100 21,69 20,06 61,99 38,01
14 1,107 23,65 21,87 67,58 32,42
15 1,114 24,96 23,17 71,60 28,40
16 1,125 26,90 24,97 77,16 22,84
17 1,134 28,75 26,59 82,16 17,84
18 1,142 30,98 28,65 88,53 11,47
19 1,152 32,92 30,45 94,09 5,91
20 1,161 34,98 32,35 100, 0,00

Salpetersäure.

Aräometergrade. Specifisches
Gewicht.
Acidimetr.
Grade.
Wasserfreie
Säure.
Säure von 36
Graden.
Wasser.
1/2 1,004 0,67 0,93 2,11 97,89
1 1,007 0,95 1,28 2,91 97,09
1 1/2 1,009 1,26 1,74 3,95 96,05
2 1,012 1,94 2,62 5,95 94,05
2 1/2 1,014 2,25 3,10 7,04 93,96
3 1,016 2,57 3,46 7,85 93,15
3 1/2 1,018 3,08 4,25 9,65 90,35
4 1,020 3,64 4,92 11,17 88,83
4 1/2 1,021 3,82 5,27 11,97 88,03
5 1,023 4,09 5,53 12,55 87,45
6 1,040 4,68 6,32 13,35 86,65
7 1,051 5,28 7,13 16,19 83,81
8 1,059 6,42 8,67 19,68 80,32
9 1,066 7,06 9,53 21,63 78,37
10 1,076 8,06 10,88 24,70 75,30
11 1,083 8,81 11,90 27,01 72,99
12 1,091 9,53 12,87 29,41 70,59
13 1,100 10,48 14,15 32,12 67,88
14 1,107 11,19 15,11 34,30 65,70
15 1,114 11,99 16,17 36,71 63,29
16 1,125 13,14 17,74 40,27 59,73
17 1,134 13,65 18,43 41,84 58,16
18 1,142 14,71 19,87 45,10 54,90
19 1,152 15,39 20,76 47,13 52,87
20 1,161 16,61 22,43 50,91 49,09
21 1,170 17,78 23,96 54,39 45,61
|400|
Aräometergrade. Specifisches
Gewicht.
Acidimetr.
Grade.
Wasserfreie
Säure.
Säure von 36
Graden.
Wasser.
22 1,180 18,53 25,02 56,80 43,20
23 1,190 19,39 26,17 59,40 40,60
24 1,200 20,48 27,65 62,77 37,23
25 1,210 21,40 28,90 65,60 34,40
26 1,220 22,23 30,02 68,15 31,85
27 1,229 23,31 31,48 71,46 28,54
28 1,241 24,15 32,60 74,00 26,00
29 1,253 25,12 33,92 77,00 23,00
30 1,260 26,00 35,10 79,68 20,32
31 1,274 27,10 36,85 83,65 16,35
32 1,285 28,20 38,07 86,42 13,58
33 1,297 29,36 39,64 89,98 10,02
34 1,309 30,16 40,72 92,43 7,57
35 1,315 31,13 42,03 95,41 4,59
36 1,333 32,80 44,28 100,00 0,00

Essigsäure.

Aräometergrade. Specifisches
Gewicht.
Acidimetr.
Grade.
Wasserfreie
Säure.
Säure von 6
Grad.
Wasser.
1/2 1,004 1,51 1,89 9,85 90,15
1 1,007 2,70 3,37 17,56 82,44
1 1/2 1,009 3,79 4,74 24,70 75,30
2 1,012 5,48 6,85 35,69 64,31
2 1/2 1,014 6,63 8,29 43,19 56,81
3 1,016 7,98 9,97 51,94 48,06
3 1/2 1,018 8,04 10,05 54,70 45,00
4 1,020 10,14 12,67 66,01 30,99
4 1/2 1,021 11,16 13,95 72,68 27,22
5 1,023 12,86 16,07 83,72 16,28
6 1,040 15,36 19,20 100,00 0,00

Wir können nun mit Genauigkeit den Gehalt einer gegebenen Säure bestimmen und werden dieß benüzen, um die alkalimetrischen Versuche zu berichtigen. Man nahm bisher an, daß das krystallisirte einfach-kohlensaure Natron 36 Grad an Descroizille's Alkalimeter zeigt; man darf aber, wie wir gesehen haben, nur 34 als runde Zahl annehmen. Dennoch ergibt der Versuch, wenn man ihn sorgfältig anstellt, sehr nahe 36. Woher kommt es nun, daß das praktische Resultat mit dem theoretischen nicht übereinstimmt? Ich prüfte oft mit meinem Acidimeter käufliche Schwefelsäure von 66° Baumé und fast nie kam mir eine vor, welche 81,68 acidimetrische Grade zeigte, sondern ihr Gehalt war immer geringer; wenn man daher die Probeflüssigkeit auf die gewöhnliche Art bereitet, so wendet man immer etwas weniger wirkliche Säure an, als man glaubt, wodurch der |401| alkaltmetrische Grad nothwendig höher ausfallen muß. Wenn die käufliche Schwefelsäure immer von gleicher Beschaffenheit wäre, so würde es für die Praxis von keinem Belang seyn, ob sie mehr oder weniger rein ist. Dem ist aber nicht so, daher oft zwei Personen, wenn sie dasselbe Alkali prüfen, Differenzen von 1 bis 2 Grad finden.

Es braucht nur ein geringer Unterschied zwischen der reinen Säure von 66° Baumé und der käuflichen Statt zu finden, damit das Natronsalz 36 Grad anstatt 34 zeigt. Nach der Zusammensezung der Natronkrystalle enthalten 5 Grammen dieses Salzes, mit welcher Quantität der alkalimetrische Versuch angestellt wird, 1,086 Gramm reines Natron (Natriumoxyd), welches 1,39 Gramm wasserfreie Säure oder 1,72 Gramm Säure von 66 Grad sättigen kann. Wenn aber dasselbe Natronsalz 36 Grad zeigen würde, so würde es 1,80 Gramm Säure von 66 Grad sättigen; 36 alkalimetrische Grade brauchen daher nur 8 Centigramm wasserfreie Säure weniger als nöthig ist, zu enthalten, was 18 Centigramm im Hundert beträgt. So braucht die käufliche Säure anstatt 81,68 acidimetrischer Grade nur 81,50 zu zeigen, damit man 36 alkalim. Grade findet.

Um am Acidimeter einen so geringen Unterschied zu finden, stelle ich den Versuch geradezu mit den abgewogenen 5 Grammen Säure an, welche 245,04 Grade sättigen müßten. Ich gieße zuerst 2 Alkalimeter Probeflüssigkeit oder 200 kleine Maße in die Säure, fülle sodann das Instrument bis zu N. 50. und gieße von der Flüssigkeit so lange in die Säure bis nur noch 10 kleine Maße übrig bleiben, welchen ich sodann so viel Wasser zuseze, daß die Flüssigkeit bis zum Nullpunkt der Scale geht und beendige die Sättigung. So muß man bis zu N. 240. das Drittel der gefundenen Zahl und von da aus nur 1/30 nehmen.

Man kann den Fehler, welcher durch die Unreinigkeit der Säure entsteht, vermeiden, wenn man zuvor die alkalimetrische Flüssigkeit selbst am Acidimeter prüft. Bekanntlich vermischt man, um leztere zu erhalten, 100 Grammen Säure von 66 Grad Baumé mit so viel reinem Wasser, als nöthig ist, um das Volum eines Liters herzustellen. Wenn wir daher einen Alkalimeter von dieser Flüssigkeit nehmen, so wird er 5 Grammen Säure von 66° enthalten und wie wir gesehen haben, 81,68 Grade am Acidimeter zeigen müssen. Ich habe schon als ich von der Prüfung der Säuren sprach, bemerkt, daß man nur mit dem Drittel dieses Alkalimeters den Versuch anstellen darf.

Wir haben gesehen, daß wenn der Alkaligehalt einer Potasche oder Soda bekannt ist, man daraus ihren alkalimetrischen Grad und umgekehrt wenn der alkalimetrische Grad bekannt ist, leicht ihren Alkaligehalt |402| finden kann. Wenn z.B. eine Soda 25 Grade zeigt, so sättigt sie 1,25 Grammen Säure von 66 Graden, was 1,02 Grammen wasserfreier Säure entspricht; und aus der Zusammensezung des schwefelsauren Natrons muß man schließen, daß das geprüfte Muster auf 5 Grammen 0,80 Grammen oder 16 Procent reines Natron enthält. Auf ähnliche Art habe ich die folgende Tabelle berechnet, welche für jeden alkalimetrischen Grad angibt, wie viel reines Alkali die Soda oder Potasche enthält.

Grade. Potasche. Soda. Grade. Potasche. Soda.
1 0,96 0,64 41 39,36 26,24
2 1,92 1,28 42 40,32 26,88
3 2,88 2,92 43 41,28 27,52
4 3,84 2,56 44 42,24 28,16
5 4,80 3,20 45 43,20 28,80
6 5,76 3,84 46 44,16 29,44
7 6,72 4,48 47 45,12 30,08
8 7,68 5,12 48 46,08 30,72
9 8,64 5,76 49 47,04 31,36
10 9,60 6,40 50 48,00 32,00
11 10,56 7,04 51 48,96 32,64
12 11,52 7,68 52 49,92 33,28
13 12,48 8,32 53 50,88 33,92
14 13,44 8,96 54 51,84 34,56
15 14,40 9,60 55 52,80 35,20
16 15,36 10,24 56 53,76 35,84
17 16,32 10,88 57 54,72 36,48
18 17,28 11,52 58 55,68 37,12
19 18,24 12,16 59 56,64 37,76
20 19,20 12,80 60 57,60 38,40
21 20,16 13,44 61 58,56 39,04
22 21,12 14,08 62 59,52 39,68
23 22,08 14,72 63 60,48 40,32
24 23,04 15,36 64 Die 40,96
25 24,00 16,00 65 käufliche 41,60
26 24,96 16,64 66 Potasche 42,24
27 25,92 17,28 67 geht 42,88
28 26,88 17,92 68 nicht 43,52
29 27,84 18,56 69 darüber 44,16
30 28,80 19,20 70 hinaus. 44,80
31 29,76 19,84 71 45,44
32 30,72 20,48 72 46,08
33 31,68 21,12 73 46,72
34 32,64 21,76 74 47,36
35 33,60 22,40 75 48,00
36 34,56 23,04 76 48,64
37 35,52 23,68 77 49,28
38 36,48 24,32 78 49,92
39 37,44 24,96 79 50,56
40 38,30 25,60 80 51,20

Wenn man allgemein mit P und S die Quantitäten Potasche und |403| Soda bezeichnet, welche erforderlich sind um 5 Centigramme Schwefelsäure von 66 Grad zu sättigen; mit C die Quantität reinen Alkalis, welche 100 Theile der zu prüfenden Potasche oder Soda enthalten und mit d den am Alkalimeter gefundenen Grad, so hat man

C = dP,

C = dS.

Man weiß überdies daß

P = 0,96; S = 0,64.

Wenn man eine kaustische Lauge hat, bestimmt man ihren Gehalt auf folgende Art: man füllt den Alkalimeter bis zu Null der Scale mit der zu prüfenden Lauge und gießt diese Flüssigkeit in ein recht reines Glas. Den Alkalimeter spült man mit reinem Wasser aus, welches man der vorigen Flüssigkeit beifügt. Andererseits nimmt man die gewöhnliche Menge säuerlichen Wassers und verfährt wie mit den käuflichen Alkalien. Aus dem alkalimetrischen Grad einer Lauge kann man leicht ihren Alkaligehalt ableiten. Angenommen man habe für eine Kalilauge 25 Grade gefunden, so schließt man daraus, daß ein halber Deciliter der Auflösung 1,25 Gramm Säure von 66 Graden sättigt, oder da 1,02 Gramm wasserfreier Säure 1,20 Gramm Kali sättigen können, so folgt, daß jedes Liter der Auflösung 24 Gram. reines Kali enthält. Man kann aber alle diese Berechnungen vermeiden und sogleich das gesuchte Resultat finden, wenn man sich der vorhergehenden Tabelle bedient, welche für jeden Grad des Alkalimeters anzeigt, nicht nur wie viel Procente reines Kali oder Natron die käufliche Potasche und Soda sondern auch wie viel reines Alkali jedes Liter Lauge enthält. Man wendet, wie wir sahen, um die käufliche Potasche oder Soda zu prüfen, 5 Grammen an; angenommen nun man finde irgend einen Grad d, so schließt man daraus vermittelst der angegebenen Berechnungen, daß das geprüfte Alkali in 5 Grammen eine Quantität q reines Alkali oder 20 q ein Hundert enthält. Andererseits, wenn ein halbes Deciliter Lauge auch d Grade zeigt, so enthält es q Grammen wirkliche Säure oder 20 q im Liter.

Descroizilles theilte in seiner Abhandlung über den Alkalimeter (3te Ausgabe S. 79.)175) eine Tabelle mit, welche für jeden alkalimetrischen Grad angibt, wie viel Alkali von 50 Grad in einem Liter Auflösung enthalten ist. Diese Tabelle weicht aber sehr von der vorhergehenden ab; erstens weil der Verfasser dabei das Kali nicht vom Natron unterschied, was nöthig war; und dann, weil seine Zahlen |404| zu hoch sind. So gibt er für 50 alkalimetrische Grade einem Litter Lauge 100 Grammen Alkali von 50 Graden; während es in der That nur 96 Grammen Kali oder 64 Grammen Natron enthält.

Zusaz der Redaction des polyt. Journals.

Wenn man krystallisirtes einfach-kohlensaures Natron für die acidimetrischen Versuche bereitet, muß man nicht übersehen, daß man keine gesättigte Auflösung des Natronsalzes krystallisiren lassen darf, indem aus einer solchen nach den Versuchen von Haidinger 176) bei einer Temperatur von 25 bis 37° C. ein Salz anschießt, welches nur 17,7 Procent Wasser enthält, während im gewöhnlichen, für welches die Angaben des Hrn. Penot gelten, 65,2 Procent Krystallwasser enthalten sind.

Um alle Irrthümer, welche theils durch einen geringeren Gehalt an Krystallwasser, theils durch Verwitterung des Natronsalzes veranlaßt werden könnten, ganz zu beseitigen, wird man jedoch am besten thun, das vollkommen entwässerte einfach-kohlensaure Natron zu diesen Versuchen anzuwenden; da 5,420 Grammen von diesem lezteren Salze, 5 Grammen concentr. Schwefelsäure neutralisiren, so löst man davon, um die Probeflüssigkeit oder acidimetrische Flüssigkeit (S. 387.) zu bereiten, 108,4 Grammen in so viel Wasser auf, daß die Auflösung den Raum von 3 Liter einnimmt.

|387|

Bei 10° C. Temperatur wiegt diese Flüssigkeit ungefähr 6° an Baumé's Aräometer.

A. d. O.

|390|

In den Kattundrukereien bedient man sich häufig concentrirten Citronensafts, welchen man auf dieselbe Art prüfen kann.

A. d. O.

|391|

Nach Thenard lösen 100 Theile Wasser 50 Theile Kleesäure und 133 Zitronensäure auf. Für die Weinsteinsäure gibt Thenard das Verhältniß nicht an. A. d. O. (Nach Richter lösen sich die Krystalle der Kleesäure in 8 kalten Wassers, beim Gehalt an Salpetersäure in weniger. 1 Theil krystallisirte Citronensäure löst sich nach Vauquelin in 0,75 kaltem und 0,5 heißem Wasser. Die Weinsteinsäure löst sich nach Richter in 7/13 kaltem, in noch weniger heißem Wasser auf.)

A. d. R.

|393|

Man vergleiche hierüber die Abhandlung und Tabelle von Pecher und Schober im Polyt. Journ. Bd. XXVII. S. 62.

A. d. R.

|403|

Die neueste Arbeit über Alkalimetrie ist eine Abhandlung von Gay-Lussac, welche im polyt. Journal Bd. XXXII. S. 190. mitgetheilt wurde.

A. d. R.

|404|

Gmelin's Handbuch der theoretischen Chemie, 1826 Bd. I. S. 577.

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