Titel: Wurfspieße und Wurfstäbe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. XXII./Miszelle 10 (S. 74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/mi038022_10

Wurfspieße und Wurfstäbe.

Das Mech. Mag. theilt in N. 367. S. 430. folgende Notiz eines englischen Officieres über die Ballistik der Neuholländer mit.

„Die sogenannten Wilden in Neu-Südwallis besizen die Kunst, einen flachen gekrümmten Stok aus sehr schwerem Holze, der beinahe die Form eines Halbmondes hat, so kräftig und so geschikt zu werfen, daß sie sicher jeden Mann, der ihnen auf 60 oder 80 Yards (30 bis 40 Klafter) weit gegenübersteht, treffen, und ihm den Schenkel damit entzwei schlagen. Das Sonderbare bei diesem Wurfgeschüze ist aber noch dieses, daß sie dasselbe 100 Yards (50 Klafter) und darüber in die Luft so in die Höhe werfen können, daß es wieder, ohne allen Schaden, der es warf,39) oder auch 20 bis 30 Yards (10 bis 15 Klafter) von ihm weg zu Boden fällt. Eines ähnlichen Stokes bedienen sich auch die Kolarihs, südlich von Tritschinopoly; sie werfen denselben jedoch nur gerade vor sich hin, und verstehen die Kunst nicht ihn so zu werfen, daß er wieder zu ihnen zurükfliegt. Als Capitän Cook in Botany-Bay den Bomarany sah (obigen Halbmond), hielt er ihn für ein hölzernes Schwert, und hielt aus diesem Grunde die Einwohner von New-South-Wales für Abkömmlinge der Malayen, deren Schwert dem Bomarany ähnlich ist. Die Neuholländer bedienen sich auch einer Methode ihre Speere zu werfen, die besser ist, als jede andere, von welcher ich noch gehört oder gelesen habe. Ihre Speere sind gewöhnlich 5 bis 8 Fuß lang; sie werfen dieselben mittelst eines kleinen Stokes, den sie Womora nennen, und der ungefähr 3 Fuß lang und an der Spize hakenförmig gekrümmt ist. Auf diesem Womora ruht das hintere Ende des Speeres, und wirkt als Schläuder oder Hebel. Mittelst desselben werfen sie den Speer 120 Yards (60 Klafter) weit, während sie mit der Hand allein ihn nur 25 Klafter weit zu werfen vermögen.

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Etwas Aehnliches können auch die Neuholländer in Europa, die Goralen in Galicien, die, Dank der Erziehungskunst der polnischen Jesuiten, noch heute zu Tage dort stehen, wo die Neuholländer jezt sind. Diese Goralen wissen ihre Aexte mit solcher Geschiklichkeit in die Luft zu werfen und zu fangen, daß sie sogar, während sie bei ihren Tänzen sich mit ihren Liebchen im Kreise drehen, sich dieses Spiel erlauben, und unter den über ihren Köpfen in der Luft fliegenden Aexten unbekümmert fort tanzen; jeder hält mit einer Hand sein Mädchen fest und fängt mit der anderen seine Art wieder. Die österreichische Regierung hat diese gefahrvollen Tänze weislich abgeschafft.

A. d. Ue.

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