Titel: Ueber das Läuten der Gloken mittelst einfachen Mechanismus
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. XXII./Miszelle 18 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/mi038022_18

Ueber das Läuten der Gloken mittelst einfachen Mechanismus

findet sich wieder eine interessante Notiz im Mech. Mag. N. 367., 21. August, S. 431.

Der berühmte Uhrmacher Jak. Harrison zu London, der den großen Preis von 20,000 fl. für das beste Chronometer gewann, empfiehlt auf das Dringendste die Abstellung des verderblichen und gefahrvollen gewöhnlichen Läutens, und die Einführung eines zwekmäßigen Mechanismus, der denselben Dienst weit besser und weit sicherer leistet. Er beweiset durch Erfahrung, durch Lautwerke, die sein Sohn eingerichtet hat, daß Gloken einen weit schöneren und lauteren, helleren Klang von sich geben, wenn sie von außen mittelst eines Hammers geschlagen werden, als der Schwengel in dem Hohlraume derselben bei dem gewöhnlichen Lauten nimmermehr hervorzubringen vermag; daß man den Klang, der durch Hämmer von außen an den Gloken hervorgebracht wird, weit weiter hört, als wenn sie nach gewöhnlicher Art gelautet werden; daß endlich Gloken, welche von außen mittelst eines Hammers geschlagen werden, weit weniger dadurch leiden, und die stärksten Schlage ohne alle Gefahr vertragen, während die besten Gloken oft schon bei schwachem Läuten gesprungen sind, indem der Schwengel, wenn er innenwendig an die Gloke schlägt, immer und immer die Tendenz hat, die Gloke zu zerschlagen. (Wir haben bereits so viele Beispiele von Unglüksfällen, welche durch das Herabfallen der Gloken während des Läutens in Frankreich, im Lande der Wechselbälge (der Belgen, nicht der Holländer), in England in der neueren Zeit sich ereigneten, in unseren Blättern angeführt; wir haben die Urtheile der erfahrensten Baumeister über die Nachtheile, welche durch das gewöhnliche Läuten der Gloken an den Kirchthürmen und an den Mauern der Kirchen selbst entstehen, und die jedem, der auch nicht Baumeister ist, und nur etwas über die Sache nachdenken will, von selbst einleuchten müssen, in unseren Blattern angeführt, und auf die Verbesserungen aufmerksam gemacht, welche man in dieser Hinsicht in N. Amerika, und in Europa (bisher, nach unserem Wissen, allein), in Dänemark und in Würtemberg getroffen hat. Wir wollen hoffen, daß das Beispiel dieser Länder, das jezt auch in England nachgeahmt wird, endlich auch auf Staaten wirken wird, in welchen die Staatswirthschaft so schlecht betrieben wird, daß die Reparatur an Kirchthürmen und Kirchen bei einer Bevölkerung von 4 Millionen jährlich über 300,000 fl. kostet. Ein einfaches Hammerwerk an den Gloken angebracht, würde diese Ausgaben vielleicht um 2/3 vermindern. Es ist gewiß sonderbar, daß, während man die Kraft der Hammer auf Gloken seit Jahrhunderten an den diuretischen Glokenspielen kennt, dieselbe noch immer nicht zum Läuten |78| verwendet hat. Daß die heutige Metallurgie es so weit gebracht hat, daß man weit wohlfeilere, Heller und lauter und schöner klingende Compositionen, als die bisherigen Gloken, verfertigen kann; daß selbst Stahl mit großem Vortheile Statt der Gloken benüzt werden kann, und daß man keine Gloken mehr nöthig hat um Glokenklang in den Kirchen hervorzubringen, weiß bereits die ganze Welt; nur diejenigen scheinen es nicht zu wissen, die es ex offo wissen sollten, und denen es daran gelegen seyn muß, es zu wissen. „Mit fremdem Gelde braucht man nicht zu sparen!“ hörten wir einen beliebten Baumeister ausrufen.

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