Titel: Neue französische Methode Butter aufzubewahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. XXII./Miszelle 23 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/mi038022_23
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Neue französische Methode Butter aufzubewahren.

Im Register of Arts, August, 1830, S. 95. finden wir folgende Weise angegeben die Butter aufzubewahren.

„Man nimmt Einen Theil weißen Zuker, eben so viel Salpeter, und zwei Theile reines Salz, pülvert Alles fein, und mengt es. In jedes Pfund gut ausgewaschene Butter (so daß alle Buttermilch beseitigt wird) werden zwei Loth von obiger Mischung eingewirkt, und die Butter wird sodann alsogleich so fest als möglich in Töpfe gebracht, oben sorgfältig abgestrichen und mit feiner Leinwand, über welche ein Stük Pergament oder Blase kommt, zugebunden. Nach einigen Tagen wird man bemerken, daß die Butter sich gesezt hat, und den Topf nicht mehr vollkommen füllt. Die Töpfe müssen dann sorgfältig aufgefüllt werden, so daß kein Zwischenraum übrig bleibt. Nun gießt man etwas wenig bei sehr gelinder Wärme zerlassene Butter oben auf, streut noch etwas von obiger Mischung darüber, und schließt die Töpfe so genau als möglich, ohne sie jemals wieder zu öffnen; bis man die Butter braucht. Auf diese Weise läßt sich dieselbe mehrere Jahre lang aufbewahren: man fand sie nach zwei Jahren noch so frisch, als in dem ersten Monate ihrer Zubereitung.“

„Solche Butter ist jedoch erst 14 Tage, nachdem sie auf obige Weise zubereitet wurde, genießbar, schmekt aber, nach dieser Zeit, so gut, daß Leute, die an gesalzene Butter gewohnt sind, nimmermehr glauben werden, daß diese Butter gesalzen wurde.“

„Während des Gebrauches muß man dafür sorgen, daß immer nur die oberen Lagen abgenommen werden, und nicht an der Seite ausgestochen wird. Wenn die Butter nicht alle auf ein Mal gebraucht wird, muß man sie, wie Anfangs, überdeken, oder mit Salzwasser übergießen.“

„Butter läßt sich auch dadurch aufbewahren, daß man sie in reinen Honig einhüllt, welches derselben einen sehr angenehmen Geschmak, und sie für alte Leute und für Personen, die einen schwachen Magen haben, sehr zuträglich macht.41) Man hat Butter in Honig (2 Loth Honig auf 1 Pfd. Butter) viele Jahre lang aufbewahrt, ohne daß sie eine Spur von Neigung zum Ranzigwerden zeigte.“

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Dagegen wird jeder erfahrne Arzt höchlich protestiren; denn nichts kann für schwache Magen schädlicher seyn, als Butter, und dann noch Honig. Schlechte Apotheker nehmen zuweilen Honig unter ihre Syrupe: wenn die Zunge des Kranken diesen Betrug nicht merkt, so merkt ihn der Magen. Daß Honig ein herrliches Mittel ist, thierische und vegetabilische Körper Jahrtausende lang aufzubewahren, haben uns die Meder gelehrt. Sie übergossen ihre Leichen in den Särgen mit Honig, und vor einigen Jahren fand ein reisender Engländer eine solche Leiche um Babylon in ihrem Sarge im erhärteten Honige so gut erhalten, daß er meinte, die Verwandten müßten jezt noch, nach Jahrtausenden, die Leiche erkennen, wenn sie lebten. Unsere hochgelehrten Herren Leibmedici, Leibchirurgen und Hofapotheker schreiben, wenn ein Mitglied höherer und höchster Familien stirbt, Ellenlange Contos für Einbalsamirung der Leichen derselben, die nur zu oft noch unter ihren Händen riechend werden, und in wenigen Jahren in Staub zerfallen. Mit einem Eimer Honig, höchstens mit zwei, in einem metallnen, steinernen oder thönernen, Sarge läßt sich jede Leiche Jahrtausende lang aufbewahren. Dazu bedarf es keiner Leibmedici etc. Herodot hat uns dieß schon vor 2300 Jahren gelehrt; unsere Stokgelehrten haben den Vater der Geschichte Lüge gestraft, vermutlich weil er Dinge erzählt, die nicht in ihren Nebelkram taugen; ein Zufall hat hier bei den Leichen, so wie Forschung in vielen anderen bezweifelten Fällen, die Wahrhaftigkeit Herodots erwiesen.

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